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Branchenskizze

Die moderne Biotechnologie

Die überwiegende Zahl der Biotech-Unternehmen ist in der medizinischen Biotechnologie aktiv. Ohne Biotechnologie ist heute keine moderne Arzneimittelforschung und -entwicklung mehr denkbar.

Diese ist beispielsweise nötig für

  • Medikamente gegen Krebs,
  • Alzheimer,
  • Parkinson oder
  • Diabetes.

Nach Angaben des Wirtschaftsverbandes der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa) macht der Zehn-Jahres-Vergleich ausgewählter Wirtschaftsdaten für die Jahre 2012 und 2022 die wachsende Bedeutung von Biopharmazeutika für die Patientinnen und Patienten sowie den Standort Deutschland gleichermaßen deutlich:

  • Die Zahl der Biopharmazeutika inklusive biotechnologisch hergestellter Impfstoffe wuchs von 199 auf 398.
  • Die Biopharmazeutika-Pipeline inklusive biotechnologisch hergestellter Impfstoffe konnte um 16 Prozent – von 578 auf 672 – ausgeweitet werden.
  • Die Umsätze mit Biopharmazeutika in Deutschland haben sich von 6,0 Milliarden Euro auf 17,8 Milliarden Euro verdreifacht, während sich der Anteil der Biopharmazeutika am Gesamtmarkt von 21 auf 33 Prozent vergrößerte – das ist ein Anstieg um 56 Prozent.

Im Bereich der industriellen Biotechnologie jenseits der Medizin liegt ein Schwerpunkt auf umweltfreundlicheren Verfahren und Produkten in der Produktion oder zum Schadstoffabbau, zum Beispiel durch Entwicklung von Biochemikalien, Ersatz von konventionellen Kunststoffen oder Einsatz von Enzymen und Mikroorganismen. Mit Hilfe der industriellen Biotechnologie können beispielsweise aus Biomasse gewonnene Stärke, Zellulose und Öle als Ausgangssubstanzen für die Produktion von Energie, Kraftstoffen und biobasierten Produkten dienen.

Auch in nahezu allen anderen Branchen ergeben sich sowohl ökologische als auch ökonomische Vorteile, zum Beispiel in der Nahrungsmittel-, Kosmetik-, Papier-, Bau-, Automobil- oder Textilindustrie.

Biotechnologie als Querschnittstechnologie spielt daher eine zentrale Rolle auf dem Weg zu einer nachhaltigen (Kreislauf-)Wirtschaft. Eine solche wissensbasierte Bioökonomie umfasst praktisch alle industriellen und wirtschaftlichen Sektoren und ihre dazugehörigen Dienstleistungen, die biologische Ressourcen produzieren, verarbeiten oder in irgendeiner Form nutzen. Dazu zählen Pflanzen, Tiere, Mikroorganismen, aber auch Rest- und Abfallstoffe. Sie verfolgt den Ansatz, erneuerbare Ressourcen effizient und nachhaltig einzusetzen und verknüpft dafür notwendigerweise alle Anwendungsbereiche der Biotechnologie miteinander.

Die Pflanzenbiotechnologie kann einen wichtigen Beitrag zur Ernährung, Energieerzeugung oder zur Herstellung biobasierter Produkte leisten. Handlungsbedarf besteht hinsichtlich einer breiten gesellschaftlichen Akzeptanz der Pflanzenbiotechnologie.

Aktuelle Entwicklung/Perspektive

Mit über 700 Unternehmen belegt Deutschland innerhalb Europa nach der Anzahl der Unternehmen seit Jahren einen Spitzenplatz. In puncto Größe der Firmen, Umsatz, Produkte und Marktkapitalisierung gibt es allerdings Nachholbedarf gegenüber Großbritannien und dem Weltmarktführer USA.

Die Überwindung von Engpässen in der Finanzierung gehört nach wie vor zu den größten Herausforderungen für die Branche. Aufgrund von hohen Aufwendungen für Forschung und Entwicklung besteht verglichen mit anderen Sektoren ein hoher Kapitalbedarf.

Eckdaten

Entwicklung von deutschen Unternehmen mit Hauptgeschäftszweck Biotechnologie *)

201920202021202220232024
Allgemeine Kennzahlen
Anzahl Unternehmen700763751750763785
- davon börsennotiert232324232121
Beschäftigte34.01938.52643.03147.39861.70556.093
Finanzdaten (Mio. )
Umsatz4.7826.95126.03825.13812.70011.000
F&E-Aufwand1.7982.4863.7493.8054.4004.600

Quelle: Ernst & Young Biotechnologie-Reporte Deutschland 2016-2024 BIO Deutschland

*) Hauptgeschäftszweck Kommerzialisierung der modernen Biotechnologie (unter anderem Forschung, Entwicklung und Vermarktung von Produkten, Technologien und Dienstleistungen auf der Basis der modernen Biotechnologie). Unternehmen, die sich nicht ausschließlich mit der modernen Biotechnologie beschäftigen, sind hier nicht erfasst.

Was macht das Bundeswirtschaftsministerium für die Biotech-Industrie?

Das Bundeswirtschaftsministerium setzt sich national, EU-weit und international für eine Verbesserung der Rahmenbedingungen ein, fördert ein innovationsfreundliches Klima in Deutschland und stärkt die gesellschaftliche Akzeptanz für neue Technologien.

Mit dem Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) werden Kooperations- und Netzwerkprojekte sowie Einzelprojekte gefördert. Darüber hinaus hilft das Bundeswirtschaftsministerium gezielt, Finanzierungslücken für innovative Unternehmen zu schließen. Für junge Unternehmen aus dem Biotechnologie-Bereich sind unter anderem der High-Tech Gründerfonds IV (HTGF) und der European Recovery Program (ERP-Sondervermögen) sowie der Europäischen Investitionsfonds (EIF) von besonderem Interesse. Der gemeinsam vom EIF und ERP-Sondervermögen finanzierte Dachfonds beteiligt sich an Wagniskapital-Fonds, die maßgeblich in Deutschland investieren. Ziel ist es, Start-ups den Zugang zu Wagniskapital in Deutschland zu erleichtern.

Mit dem Invest-Zuschuss für Wagniskapital wird die Kapitalausstattung junger innovativer Unternehmen verbessert, indem Investitionen von privaten Investoren in Startups bezuschusst werden.

Mit dem Förderprogramm „Industrielle Bioökonomie“ wird die Hochskalierung von biobasierten Produkten und Verfahren sowie deren Integration in regionale Wertschöpfungsnetzwerke gefördert.

Die SPRIND fördert mit Mitteln des Bundeswirtschaftsministerium und des Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) Sprunginformationen, also Produkte, Dienstleistungen und Systeme, die das Leben spürbar und nachhaltig besser machen.

Bis zum Jahr 2030 wird der DeepTech & Climate Fonds mit Mitteln des Zukunftsfonds gemeinsam mit privaten Beteiligungsgebern bis zu einer Milliarde Euro direkt in wachsende Deep-Tech-Unternehmen investieren.

Biotechnologie Start-ups können auch durch den branchenoffenen High-Tech Gründerfonds (HTGF) finanziert werden. Der HTGF IV hat ein Volumen von rund 500 Millionen Euro. Mit dem HTGF wurde ein Instrument geschaffen, das Risikokapital in neu gegründete deutsche Technologieunternehmen investiert und somit einen Beitrag zur Schließung der in diesem Frühphasensegment bestehenden Finanzierungslücke leistet.

Mit dem Fonds HTGF Opportunity kann der HTGF zudem die erfolgversprechendsten Portfoliounternehmen seiner Seedfonds in späteren Finanzierungsrunden erneut finanziell unterstützen.

Die Wachstumsphase wird darüber hinaus über verschiedene branchenoffenen Dachfondsprogramme gestärkt: wie beispielsweise die GFF EIF Wachstumsfazilität (3,5 Milliarden Euro), die European Tech Champions Initiative, an der Deutschland mit einer Milliarde Euro beteiligt ist, oder den Wachstumsfonds Deutschland (eine Milliarde Euro) über den Kapital institutioneller Investoren mobilisiert wird.

Darüber hinaus hat die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) 2018 mit der KfW Capital eine neue Beteiligungstochter gegründet. Ziel der gemeinsamen Initiative des Bundeswirtschaftsministeriums, des Bundesministeriums der Finanzen und der KfW ist es, die VC- und VD-Fondslandschaft in Deutschland und Europa zu stärken, um den Zugang zu Kapital für junge innovative, schnell wachsende Technologieunternehmen in Deutschland in der Start-up- und Wachstumsphase zu verbessern.

Zudem beteiligt sich das vom Bundeswirtschaftsministerium verwaltete ERP-Sondervermögen in Kooperation mit dem Europäischen Investitionsfonds (EIF) über weitere Programme an der Finanzierung von jungen, innovativen Unternehmen und Start-ups auch aus der Biotech-Industrie.

Zur besseren Anrechenbarkeit von Verlustvorträgen wurde auf Initiative des damaligen Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz eine Regelung beschlossen, die rückwirkend zum 1. Januar 2016 in Kraft getreten ist. Zusätzlich wurden mit dem Jahressteuergesetz 2018 weitere Erleichterungen eingeführt.

Mit der Exportinitiative Gesundheitswirtschaft trägt das Bundeswirtschaftsministerium dazu bei, Produkte der medizinischen Biotechnologie weltweit erfolgreich zu machen.

In einer Ex-Ante-Evaluation wurden die Grundlagen für die Erstellung des Ende 2020 veröffentlichten Förderprogramms „Industrielle Bioökonomie“ geschaffen. Dabei wurden auch die Erkenntnisse berücksichtigt, die sich bisher aus den Arbeitsgruppen der 2018 initiierten Dialogplattform „Industrielle Bioökonomie“ ergeben haben. Das Förderprogramm Industrielle Bioökonomie wurde überarbeitet. Die neue Förderrichtlinie wurde Ende September 2024 veröffentlicht. Die erste Einreichungsfrist für diese neue Förderrichtlinie war am 15. Januar 2025.