Artikel - Wirtschaftsbranchen

Lebensmittelindustrie

Einleitung

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Branchenskizze

Die Lebensmittelindustrie zählt zu den wichtigsten Industriezweigen in Deutschland. Sie ist überwiegend mittelständisch strukturiert: Rund 6.000 Betriebe beschäftigen etwa 658.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Rahmen der Lebensmittelherstellung und -weiterverarbeitung. Zu den wichtigsten Branchen zählen die Fleisch- und Fleisch verarbeitende Industrie, die Milchverarbeitungsindustrie, die Back- und Süßwarenproduktion sowie die Herstellung von Fertiggerichten und verarbeitetem Obst und Gemüse. Damit stellt ist die Ernährungsindustrie einen Beschäftigungs-, Wohlstands- und Stabilitätsfaktor in sehr vielen Regionen Deutschlands dar.

Deutschland ist der drittgrößte Lebensmittelexporteur am Weltmarkt; mit einer Exportquote von rund 36 Prozent sichert das Auslandsgeschäft das Branchenwachstum. Deutsche Lebensmittelqualität ist international gefragt, insbesondere Fleischerzeugnisse, Süßwaren, Milchprodukte sowie Fertiggerichte werden exportiert. Knapp 75 Prozent der Exporte gehen in die EU, wichtigste Absatzmärkte sind hier die Niederlande, Frankreich und Italien. Daneben gehen Drittlandexporte vorrangig in das Vereinigte Königreich, nach China, in die Schweiz und die USA.

Zahlen und Fakten

232,7
Symbolicon für Münzen und Geldschein

Milliarden Euro
Umsatz erwirtschaftet die Lebensmittelindustrie 2024 (+0,6 %), Reale Umsatzentwicklung: -0,6 %

148,7
Symbolicon für Deutschland

Milliarden Euro
des Gesamtumsatzes werden im Inland erwirtschaftet (-0,1 %)

84,0
Symbolicon für Transporter

Milliarden Euro
des Gesamtumsatzes werden im Ausland erwirtschaftet (+1,8 %)

5.991
Symbolicon für Fabrik

Betriebe
zählt das verarbeitende Gewerbe der Lebensmittelindustrie 2024

651.150
Symbolicon für Menschen

Menschen
sind 2024 in der Lebensmittelindustrie beschäftigt (+2,1 %)

(Quelle: BVE)

Branchenkonjunktur

Trotz der Herausforderungen durch schwankende Verfügbarkeit von Agrarrohstoffen, durch Zölle und Handelsbarrieren und durch Preissteigerungen insbesondere bei der Energieversorgung konnte die Lebensmittelindustrie auch 2024 den Umsatz im Vergleich zum Vorjahr leicht ausbauen. Aufgrund ihrer grundlegenden Bedeutung für die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln ist die Branche insgesamt konjunkturell relativ robust. Dennoch ist die Produktion von Lebensmitteln häufig sehr energieintensiv, weshalb die hohen Energiepreise deutliche Auswirkungen auf die Lebensmittelindustrie hatten. Das Preisniveau für Lebensmittel in Deutschland liegt circa drei Prozent über dem EU-Durchschnitt (Stand 2023), während die Kaufkraft deutlich über dem EU-Mittelwert liegt (circa 32 Prozent). Kaufkraftbereinigt ergibt sich somit ein vergleichsweise niedriges Preisniveau für Lebensmittel in Deutschland – ein Indikator für die Leistungsfähigkeit der heimischen Lebensmittelindustrie und einen funktionierenden Markt.

Die deutsche Lebensmittelindustrie sorgt für eine flächendeckende Versorgung mit qualitativ hochwertigen Lebensmitteln. Dabei steigt der Kostendruck insbesondere auch durch deutlich gestiegene Rohstoffpreise, Transport- und Logistikpreise zum Teil erheblich. Umfragen zufolge wirkt sich der Preis inflationsbedingt zunehmend stärker auf die Kaufentscheidung und Produktwahl aus.

Aufgrund ihrer Qualität, Sicherheitsstandards, Tradition, Zuverlässigkeit, Kundenorientierung und Vielfalt sind deutsche Lebensmittel weltweit beliebt. Wachstumschancen ergeben sich damit aus Sicht der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), dem Dachverband der Lebensmittelindustrie, sowohl innerhalb als auch außerhalb der EU. Zu Beginn des Jahres 2022 zeigte sich der Auslandsmarkt überwiegend verhalten. Zwar stieg der nominale Umsatz preisbedingt im In- und Ausland merklich an, inflationsbereinigt war jedoch lediglich im Inland ein tatsächliches Umsatzwachstum zu verzeichnen. Auch 2023 war zum einen aufgrund von sinkenden Reallöhnen und inflationsbedingten Auswirkungen durch ein gedämpftes Konsumverhalten geprägt. Auf der Angebotsseite erschwerten zudem zunehmende bürokratische Anforderungen und ungünstiger werdende Standortbedingungen die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Lebensmittelhersteller. 2024 setzten Herausforderungen, wie geopolitische Krisen die deutsche Lebensmittelindustrie unter Druck. Darüber hinaus sieht sich die Branche unter Wettbewerbsdruck und ist weiterhin mit Faktoren, wie Bürokratiebelastungen, hohe Energiepreise und Fachkräftemangel konfrontiert.

Themen und Zukunftsfragen der Branche

Veränderte Alltagsstrukturen und Lebensstile haben zu einem veränderten Kaufverhalten geführt, was für die Lebensmittelindustrie mit einem ständigen Anpassungsbedarf und der Entwicklung neuer Produktideen einhergeht. Dabei spielen insbesondere eine gesundheitsbewusstere Lebensweise, ein hoher Qualitätsanspruch und die Nachhaltigkeit eine zunehmend wichtige Rolle im Konsumbewusstsein der Verbraucherinnen und Verbraucher. Deutschland hat sich in diesem Zug beispielsweise als größter europäischer Markt für alternative Proteine und Fleischersatz etabliert. Des Weiteren stellen sich auch in der Lebensmittelindustrie mit Blick auf die Zukunft Fragen nach stärkerer Digitalisierung und einer nachhaltigen Transformation von Produktionsprozessen.

Das Bundeswirtschaftsministerium als Ansprechpartner

In der Bundesregierung ist das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) federführend für Ernährung und Lebensmittel zuständig. Das Bundeswirtschaftsministerium als Einvernehmensbehörde setzt sich für bestmögliche wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen für die Branche auf nationaler und internationaler Ebene sowie in fachlichen Gremien ein. Darüber hinaus engagiert sich das Bundeswirtschaftsministerium für die Förderung der Wettbewerbsfähigkeit sowie die Wahrung der industriellen Belange. Das Referat IVC2 ist im Bundeswirtschaftsministerium als sogenanntes Spiegelreferat gegenüber dem BMLEH Ansprechpartner für die Lebensmittelindustrie.

(Quellen: BVE, Lebensmittelverbande.V.)

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