Mehrere E-Bikes in Reihe zum Thema Zweiradindustrie

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Branchenskizze

Die Zweiradindustrie profitiert deutlich von einem veränderten Mobilitätsverhalten und dem Ziel einer klimaneutralen Mobilität. Besonders im städtischen und stadtnahen Individualverkehr bekommen Zweiräder eine immer größere Bedeutung. Sie tragen zur Entlastung des urbanen Straßenverkehrs bei und sind eine flexible Ergänzung oder gar Alternative gegenüber herkömmlichen Verkehrsmitteln.

Die deutsche Fahrrad- und Fahrradteileindustrie ist geprägt von mittelständischen Unternehmen, die größtenteils inhabergeführt sind. Nach Angaben des Zweirad-Industrie-Verband e.V. (ZIV) sind in der Fahrradbranche in Deutschland insgesamt rund 50.000 Menschen beschäftigt. Dazu zählen Fahrrad- und Fahrradteileindustrie einschließlich Handel. Der jährliche Umsatz mit Fahrrädern und E-Bikes liegt bei rund 7,06 Milliarden Euro.

Das Fahrrad wird aktuell nicht mehr nur als „Null-Emissions-Fahrzeug“ wahrgenommen. Es rückt auch immer mehr in den Fokus gesundheitsbewusster Menschen, die dem alltäglichen Bewegungsmangel entgegenwirken wollen oder den Fahrradtourismus für sich entdeckt haben. Speziell Elektrofahrräder (E-Bikes) werden mehr denn je nachgefragt. Das E-Bike ist aktuell der Motor der Fahrradbranche und das in fast allen Produktsegmenten. Nach ZIV-Angaben wurden 2023 in Deutschland mit 53 Prozent (2022: 48 Prozent) erstmals mehr E-Bikes als klassische Fahrräder (47 Prozent) verkauft. 1,9 Millionen abgesetzten Fahrrädern stehen 2,1 Millionen E-Bikes gegenüber (2023). Lastenräder bzw. Cargobikes gehören, mit Motorunterstützung, zu den wachstumsstärksten Modellgruppen (+ 14,5 Prozent). Der Fahrrad-, bzw. E-Bike-Bestand in Deutschland ist 2023 auf den Rekordwert von 84 Millionen (2022: 82,8 Mio.) angewachsen, davon ca. 11 Millionen E-Bikes.

Bei den motorisierten Zweirädern konnte das hohe Niveau der Neuzulassungen des Vorjahres nach Angaben des Industrie-Verband Motorrad Deutschland e.V. (IVM) auch in 2023 gehalten werden. Mit 7,2 Prozent Plus gegenüber dem Vorjahr wurden insgesamt 14.190 Fahrzeuge mehr zugelassen als in 2022, die Anzahl der Neuzulassungen stieg von 198.193 in 2022 auf 212.383 in 2023.

Auch in 2023 waren klassische Motorräder mit einem Marktanteil von 38,89 Prozent und 48.996 Neuzulassungen das beliebteste Segment. Auf dem zweiten Platz reiht sich das Segment der Enduros mit einem Marktanteil von 27,05 Prozent und 34.006 Neuzulassungen ein. Die Segmente „Sport“ (14,78 Prozent Marktanteil / 18.582 Neuzulassungen) und „Chopper / Cruiser“ (8,99 Prozent / 11.297) folgen auf den Plätzen drei und vier.

Eckdaten der deutschen Zweiradindustrie

Fahrräder und E-Bikes (in 1000 Stück)

201520162017201820192020202120222023Differenz 2020/21
Import3.2803.1573.2903.6503.9203.7304.1404.4303.480-21,44 %
Export 1.1601.1531.1601.2701.4501.5701.5701.5501.410-9,03 %
Produktion 2.1901.9701.7301.8601.9402.1502.3702.6002.300-11,54 %
Absatz 4.3504.0503.8504.1804.3105.0404.7004.6004.000-13,04 %

(Quelle: Zweirad-Industrie-Verband e.V.)

Die meisten Fahrräder wurden im Jahr 2023 aus Kambodscha, Bangladesch, Polen, Österreich und Bulgarien nach Deutschland eingeführt. Der Großteil der deutschen Fahrradexporte ging in die Niederlande (19 Prozent), Österreich (13 Prozent) und Frankreich (9 Prozent). Fast 93 Prozent der exportierten Fahrräder werden in EU- oder EFTA-Länder geliefert.

Der Wert, der im Jahr 2023 in Deutschland verkauften Fahrräder und E-Bikes, betrug 7,06 Milliarden Euro (2022: 7,36 Mrd. , 2021: 6,56 Mrd. , 2019: 4 Mrd. ). Die Werthaltigkeit der Produkte spiegelt sich dabei auch in den Verkaufspreisen. Über alle Verkaufskanäle hinweg (Fachhandel, Online, SB-Märkte etc.) verzeichnet die Branche 2023 einen Brutto-Durchschnittspreis bei Fahrrädern von 470 (2022: 500 ) und bei E-Bikes von 2.950 (2022: 2.800 )

Motorisierte Zweiräder

Im Jahr 2023 wurden in Deutschland 212.383 Motorräder und -roller mit über 50 Kubikzentimeter neu zugelassen. Gegenüber 2022 entspricht dieser Wert einer Steigerung um 7,2 Prozent. Der Absatz von Fahrzeugen mit 125 Kubikzentimeter ist auf 69.410 gesunken. Dies teilt sich auf 34.636 Roller (+5,6 Prozent gegenüber 2022) und 34.747 Leichtkrafträdern (+1,9 Prozent) auf. Bei den Fahrzeugen über 125 Kubikzentimeter sind es die Krafträder, die hohe Zuwachsraten verzeichnen. 125.709 Neuzulassungen bedeuten hier ein Plus von 16,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Motorroller über 125 Kubikzentimeter hingegen weisen für 2023 einen Rückgang von 5,3 Prozent (107.992 Neuzulassungen) aus.

Hinsichtlich der Gesamtmarktanteile hat sich 2021 in Deutschland die Marke BMW mit 27.439 neu zugelassenen Fahrzeugen und einem Marktanteil von 13,89 Prozent an der Spitze behauptet. Auf BMW folgen die Hersteller Honda mit 13,54 Prozent (26.740 Neuzulassungen), Piaggio mit 11,07 Prozent (21.862 Neuzulassungen) und Yamaha mit 9,0 Prozent (17.264 Neuzulassungen).

Branchenkonjunktur

Nach Angaben der Verbände hält der Trend zur Fortbewegung auf zwei Rädern auch im Jahr 2024 weiter an. Die Aussichten für nicht-motorisierte und motorisiere Zweiräder sind daher grundsätzlich positiv.

Der Bestand an Fahrrädern und E-Bikes in Deutschland wächst kontinuierlich – auf 84 Mio. Stück in 2023 (2022: 82,8 Mio.). Im Vergleich zu 2019 entspricht das einer Zunahme um 8,1 Mio. Stück (+ 10,67 %). Statistisch verfügt somit fast jede Person in Deutschland über ein Fahrrad oder E-Bike. Beim Kaufverhalten geht die Entwicklung neben dem Neukauf vermehrt auch zur Anschaffung von Zweit- oder Dritträdern – zum Beispiel für die Freizeit, den Sport oder den Transport. Eine Marktsättigung ist damit laut ZIV weiterhin nicht absehbar.

Nach dem Allzeithoch in der Fahrrad- und E-Bike-Produktion in Deutschland im Jahr 2022, das angesichts der zwischenzeitlich eingebrochenen Nachfrage zu übervollen Lägern im vergangenen Jahr beitrug, hat sich die Produktion 2023 mit 2,3 Millionen Einheiten auf dem Niveau des Boom-Jahres 2020 und damit auf einem sehr guten Wert eingependelt