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Ob mit Fließband oder Spritzgießmaschine, ob mit Kreissäge oder Haarföhn, ob am Computer oder unter Bürolicht: Keine Ware und keine Dienstleistung entstehen ohne den Einsatz von Strom. Und lange gilt: Energie ist preiswert und unendlich. Dann kommen die Ölkrisen, die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl und der Klimawandel. Und rücken neben der Versorgungssicherheit die Herkunft der Energie und die Energieeffizienz in den Fokus.
In den 1950er und 1960er Jahren betrachten die Menschen Energie vor allem unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Der steigende Energieverbrauch gilt als Indikator für Wohlstand und wirtschaftliche Entwicklung. Das ändert sich ab den 70er Jahren grundlegend. Konventionelle Energiewirtschaft und Industrieproduktion verursachen ökologische, gesellschaftliche und gesundheitliche Probleme. Themen wie das Waldsterben, der Klimawandel oder die Luftverschmutzung liegen immer mehr Bürgerinnen und Bürgern am Herzen. In den 70er und 80er Jahren kommt eine starke Umweltbewegung auf. Parteien wie DIE GRÜNEN entstehen, die Umwelt- und Klimaschutz in die politische Diskussion einbringen. In den 90er Jahren wird der Klimaschutz ein wichtiges Ziel globaler Politik. Hauptziel ist es dabei, den CO2-Ausstoß zu verringern.
Einstellungen zu Energie und Umwelt im Wandel der Zeit
Auch Deutschland beginnt, seine Energiepolitik völlig neu auszurichten, und leitet die Energiewende ein: weg von fossilen und nuklearen Brennstoffen, hin zu erneuerbaren Energien und mehr Energieeffizienz. Und die Bundesrepublik steckt sich ehrgeizige Ziele: Bis 2050 sollen mindestens 80 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien – Energie aus Wind, Sonne, Biomasse und Wasserkraft – stammen. Bis 2050 soll der Primärenergieverbrauch gegenüber 2008 um die Hälfte reduziert werden; die Treibhausgasemissionen sollen sogar um 80 bis 95 Prozent sinken.
Um diese Ziele zu erreichen, beginnt ein grundlegender Umbau der Energieversorgung, den das Wirtschaftsministerium als wesentlicher Akteur mitgestaltet. So wird seit Anfang der 1990er Jahre der Ausbau der erneuerbaren Energien insbesondere über das EEG gefördert. Nach dem Reaktorunglück in Fukushima 2011 wird mit der Stilllegung von Kernkraftwerken begonnen. 2022 soll das letzte Atomkraftwerk vom Netz gehen. 2018 beruft das Bundeskabinett die sogenannte Kohlekommission. Sie empfiehlt, bis spätestens 2038 schrittweise die Kohleverstromung zu beenden, und legt ein umfassendes Maßnahmenpaket vor, um den Strukturwandel in den Kohlerevieren zu gestalten.
Energieeffiziente Gebäude, wie Niedrigenergie- oder Passivhäuser, werden ebenso gefördert ...
Doch die Energiewende kann nur funktionieren, wenn der Strommarkt fit für die erneuerbaren Energien ist und der notwendige Netzausbau stattfindet. Deshalb hat das Wirtschaftsministerium die Regeln für den Strommarkt grundlegend geändert und damit die Weichen für einen Wettbewerb von flexibler Erzeugung, flexibler Nachfrage und Speichern gestellt. Zudem treibt es den Aus- und Umbau der Netze voran. Zur Energiewende gehört aber mehr als eine Stromwende. Daher gilt es, in den Bereichen Wärme und Verkehr energieeffizienter zu werden und mehr erneuerbare Energien zu nutzen. Das Wirtschaftsministerium hat dazu zahlreiche neue Impulse gesetzt. So fördert es Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen und Kommunen, die Energie einsparen auf vielfältige Weise. Bei allen Maßnahmen hat das Ministerium stets drei Ziele im Blick: Die Energieversorgung muss sicher bleiben und die Energie sauber und bezahlbar sein.
Gelingt die Energiewende, dann profitieren nicht nur die Umwelt und das Klima: Schon heute sind deutsche Unternehmer international Vorreiter bei neuen Energietechnologien. Und durch den Ausbau der erneuerbaren Energien und die Investitionen in Energieeffizienz sind neue Berufsbilder und viele Arbeitsplätze in innovativen Branchen entstanden. So macht die Energiewende auch die deutsche Wirtschaft fit für die Zukunft.