Ausgehend von den spezifischen Voraussetzungen und etablierten Stärken des Industriestandortes Deutschland setzt das Leitbild den Rahmen einer zukünftigen Datenökonomie im Einklang mit den Anforderungen einer sozialen Marktwirtschaft: Offene Ökosysteme, die Vielfalt und Pluralität betonen und den Wettbewerb aller Akteure am Markt unterstützen. Das Leitbild adressiert primär den Industrie- und Wirtschaftsstandort Deutschland, hebt aber explizit Offenheit und Kooperationsorientierung für Partner in Europa und der Welt hervor.
Souveränität
Souveränität ist die Freiheit aller, unabhängige Entscheidungen zu treffen und im fairen Wettbewerb miteinander zu agieren – vom Geschäftsmodell bis zur Kaufentscheidung des Einzelnen. Souveränität erfordert eine offene digitale Infrastruktur für alle, Datenschutz, IT- und Informationssicherheit sowie technologieoffene Forschung, Entwicklung und Innovationen.
GAIA-X erarbeitet die Grundlagen für den Aufbau einer vernetzten, offenen Dateninfrastruktur auf Basis europäischer Werte. Die Plattform Industrie 4.0 hat GAIA-X initiiert, um souveräne digitale Ökosysteme gestalten zu können. Als zentrales Netzwerk der Leit-Anwenderbranche gibt sie weiter wichtige fachliche Impulse.
Interoperabilität
Zur Gestaltung von komplexen, dezentral organisierten Ökosystemen ist die Interoperabilität, d. h. die nahtlose Zusammenarbeit, aller Akteure erforderlich. Nur ein hohes Maß an Interoperabilität, zu der sich alle Partner eines Ökosystems bekennen und gleichermaßen beitragen, gewährleistet die Vernetzung über Unternehmens- und Branchengrenzen hinweg. Dazu braucht es Standards und Integration, einen einheitlichen regulatorischen Rahmen sowie dezentrale Systeme und Künstliche Intelligenz.
Hier ist die Asset Administration Shell (Verwaltungsschale) ein zentrales Arbeitsergebnis der Plattform Industrie 4.0. Sie schafft als einheitliches virtuelles Abbild und Kommunikationsschnittstelle die Voraussetzungen für die intelligente Vernetzung in der Produktion. Ebenso ist sie Grundlage für internationale Datenräume.
Nachhaltigkeit
Ökonomische, ökologische und soziale Nachhaltigkeit stellen einen fundamentalen Eckpfeiler der gesellschaftlichen Wertorientierung dar. Diese Aspekte fließen einerseits in Industrie 4.0 ein, andererseits unterstützt Industrie 4.0 die Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele. Schlüsselaspekte von Nachhaltigkeit in den Ökosystemen der Zukunft sind gute Arbeit und Bildung, Klimaschutz und zirkuläre Wirtschaft sowie gesellschaftliche Teilhabe.
Die Task Force Nachhaltigkeit der Plattform Industrie 4.0 beleuchtet, welchen Beitrag Industrie 4.0 zur ökologischen Nachhaltigkeit leisten kann - und wie Nachhaltigkeit Wettbewerbsfähigkeit sichert. Soziale Nachhaltigkeit ist seit Beginn der Plattform fester Bestandteil ihrer Arbeit. Der sozialpartnerschaftliche Dialog in der Arbeitsgruppe Arbeit, Aus- und Weiterbildung ist dabei Dreh- und Angelpunkt.
Fortschrittliche Industrie 4.0-Technologien haben ein enormes Potenzial, zu einer klimafreundlichen und ressourcenschonenden Industrie in Deutschland und Europa beizutragen. Durch eine beschleunigte Digitalisierung in der deutschen Industrie lassen sich ca. 17 Prozent der für die Erreichung der Klimaziele insgesamt notwendigen CO-Emissionseinsparungen realisieren. Digitale Lösungen ermöglichen eine ressourceneffiziente und CO-neutrale Produktion, bspw. durch einen völlig transparenten CO-Fußabdruck oder eine geschlossene Kreislaufwirtschaft über den gesamten Lebenszyklus von Industrieprodukten, wie bspw. im Projekt „Catena-X Automotive Network“ vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert wird. Wichtige datenbasierte Werkzeuge hierfür sind beispielsweise der „digitale Zwilling“ und der Materialpass. Auch eine energieeffiziente Datenverarbeitung ist daher wichtig für die Realisierung einer wirklich nachhaltigen Industrie.