In Deutschland gibt es ein umfangreiches Angebot an Finanzierungsinstrumenten, die speziell auf die Bedürfnisse von innovativen, technologieorientierten Start-ups ausgerichtet sind. Die Bundesregierung, die Bundesländer und ihre Bürgschaftsbanken, private Kapitalgeberinnen und -geber wie Business Angels und Venture-Capital-Gesellschaften und weitere Investorinnen und Investoren unterstützen Start-ups in allen unternehmerischen Entwicklungsphasen.
Wer gründen will, muss häufig erstmal die passende Finanzierung finden – das ist in Zeiten von Klima- und Wirtschaftskrisen nicht leicht. Immer häufiger setzen Gründende nicht nur auf das Know-how, sondern auch auf das Kapital von etablierten Unternehmen. Das macht Venture Capital (VC) zu einem vielversprechenden Instrument. Für das hohe Risiko gibt es entsprechend große Renditechancen für die Kapitalgeberinnen und -geber. Denn ist das Start-up erfolgreich, erhöht sich der Unternehmenswert und für Start-ups, die hohen Kapitalbedarf beziehungsweise ein großes Wachstumsvorhaben am internationalen Zielmarkt realisieren wollen, eignet sich Venture Capital.
Die Programme im Einzelnen:
- ERP-Beteiligungsprogramm
Das ERP-Beteiligungsprogramm dient der Erweiterung der Eigenkapitalbasis von kleinen und mittleren Unternehmen. Die Beteiligungen an den Unternehmen werden von Kapitalbeteiligungsgesellschaften zur Verfügung gestellt, die zu diesem Zweck aus dem ERP-Beteiligungsprogramm Refinanzierungskredite erhalten. Die Refinanzierungskredite werden auf Basis einer Garantie einer Bürgschaftsbank gewährt. Wer kann Beteiligungskapital erhalten? Kleine und mittlere Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft in Privatbesitz und mit Betriebssitz in Deutschland mit einem Gruppenumsatz von bis zu 50 Millionen Euro, in begründeten Fällen bis zu 75 Millionen. [Mehr erfahren über das ERP-Beteiligungsprogramm]
- Beteiligungen (MBG'en): Engagement für den Mittelstand
Die Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften (MBGen), die vom Bund und den Ländern durch staatliche Rückgarantien unterstützt werden, engagieren sich im und für den Mittelstand. Durch MBG-Beteiligungskapital wird die wirtschaftliche Eigenkapitalbasis kleiner und mittelgroßer Unternehmen gestärkt. Als neutrale Kapitalgeber beteiligen sich die MBGen branchenübergreifend und langfristig. Dabei ist MBG-Beteiligungskapital ein flexibles, mittelstandsfreundliches Instrument, das für nahezu alle Finanzierungsanlässe geeignet ist. Wettbewerbsfähige Unternehmen erhalten hierdurch Finanzierungsspielräume, die solides Wachstum ermöglichen. In der Regel engagieren sich die MBGen in Form einer stillen Beteiligung. In geeigneten Fällen werden offene Beteiligungen angeboten, allerdings immer als Minderheitsbeteiligung. Die Beteiligungen der MBGen an mittelständischen Unternehmen werden durch die Rückgarantien des Bundes und der Länder gefördert. [Mehr erfahren über MBG‘en]. Weitere Informationen auch zum Förderprogramm Rückgarantien des Bundes und der Länder.
- KfW Capital
Die KfW Capital [Mehr erfahren über Beteiligungsfinanzierung] ist eine einhundertprozentige Tochtergesellschaft der KfW-Bankengruppe und seit Oktober 2018 operativ tätig. Die KfW Capital investiert in Venture-Capital- und Venture-Debt-Fonds, die sich ihrerseits an innovativen, technologieorientierten Unternehmen in der Start-up- und Wachstumsphase beteiligen. Die KfW Capital spielt eine zentrale Rolle bei der Umsetzung des Zukunftsfonds. Die Bundesregierung hat die KfW mit der Umsetzung des Zukunftsfonds beauftragt, die KfW Capital ist für die Koordination innerhalb der KfW Bankengruppe zuständig. Mit Unterstützung des ERP-Sondervermögens sowie des Zukunftsfonds wurde das Investitionsvolumen der KfW Capital auf circa 400 Millionen Euro pro Jahr gesteigert. Die KfW Capital investiert über das ERP-VC-Fondsinvestmentprogramm sowie über die ERP/Zukunftsfonds-Wachstumsfazilität. Mehr erfahren auf www.kfw-capital.de.
- Zukunftsfonds
Der Bund stellt bis Ende 2030 zehn Milliarden Euro für Investitionen im deutschen und europäischen Wagniskapitalmarkt für Zukunftstechnologien bereit. Der Zukunftsfonds ist eine Kombination aus quantitativem Ausbau und qualitativer Erweiterung bestehender Finanzierungsangebote sowie der Entwicklung neuer Instrumente. Damit sollen zum einen verschiedene Entwicklungsphasen von Unternehmen mit einem Schwerpunkt auf dem Ausbau der Wachstumsfinanzierung angesprochen und zum anderen bislang unzureichend einbezogene Marktsegmente sowie neue Investorengruppen stärker berücksichtigt werden. Der Zukunftsfonds besteht aus mehreren Modulen, die ineinandergreifen und sich im Sinne eines Baukastens ergänzen, zum Beispiel die ERP/Zukunftsfonds-Wachstumsfazilität sowie der DeepTech & Climate Fonds [Mehr erfahren über die Zukunftsfonds].
- RegioInnoGrowth (RIG)
Mit dem Modul RegioInnoGrowth (RIG) unterstützt die Bundesregierung seit August 2023 mit 450 Millionen Euro in Kooperation mit den Ländern individuell auf die länderspezifischen Bedarfe passende Finanzierungsprogramme für Start-ups und kleine wachstumsorientierte Mittelständler mit innovativen digitalen, ökologischen und sozialen Geschäftsmodellen. Über die teilnehmenden Landesförderinstitute können Unternehmen mit einem Jahresumsatz von bis zu 75 Millionen Euro Eigenkapital und eigenkapital-ähnliche Mittel erhalten [Mehr erfahren über RIG]
- Existenzgründungen aus der Wissenschaft (EXIST)
Eine der wichtigsten Quellen für neue Technologien, innovative Produkte und Dienstleistungen sind Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Das EXIST-Programm bietet daher vielfältige Hilfen für Gründerinnen und Gründer in enger Kooperation mit Hochschulen.
Die Bundesregierung fördert seit 1998 mit dem Programm "EXIST", das durch den Europäischen Sozialfonds (ESF) kofinanziert wird, Maßnahmen zur Verankerung einer Kultur der unternehmerischen Selbständigkeit und zur Stärkung des Unternehmergeistes an Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Ziel ist es, Studierende, Absolventinnen und Absolventen und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für Gründungen zu sensibilisieren, zu motivieren und zu qualifizieren sowie eine erste Finanzierung für die Seed- oder Gründungsphase bereitzustellen.
Die Zuschussförderung aus dem EXIST-Programm ist Bestandteil der "Hightech-Strategie" des Bundeswirtschaftsministeriums und besteht aus den drei Programmsäulen "EXIST-Gründungskultur", "EXIST-Forschungstransfer" und "EXIST-Gründungsstipendium" [Mehr erfahren über Existenzgründung aus der Wissenschaft].
- INVEST – Zuschuss für Wagniskapital
Mit „INVEST - Zuschuss für Wagniskapital" werden junge innovative Unternehmen bei ihrer Suche nach einem Kapitalgebenden unterstützt. Business Angels erhalten 15 Prozent ihrer Investition steuerfrei erstattet, wenn sie sich mit mindestens 10.000 Euro an Start-ups beteiligen. Dadurch verringert sich ihr Risiko, wenn sie in mutige Ideen investieren. Für innovative Unternehmen verbessert INVEST die Chancen, private Investorinnen oder Investoren zu finden. So profitieren alle von der staatlichen Förderung. Passgenau auf die Zielgruppe zugeschnitten kann INVEST damit den Besonderheiten des privaten Wagniskapitalmarkts in Deutschland noch besser gerecht werden. [Mehr erfahren über INVEST]
- High-Tech Gründerfonds (HTGF)
Mit dem High-Tech Gründerfonds unterstützt das Bundeswirtschaftsministerium kapitalintensive Technologiegründungen. Innovative und technologieorientierte Gründungen sind in der Regel sehr komplex und kapitalintensiv. Außerdem gehen sie mit besonders hohen Risiken für Markt und Management sowie technischen Risiken einher. Junge Technologieunternehmen und Start-ups haben daher häufig Finanzierungsschwierigkeiten. Mit dem High-Tech Gründerfonds wurde ein Instrument geschaffen, das Risikokapital in neu gegründete deutsche Technologieunternehmen investiert und somit einen Beitrag zur Schließung der in diesem Frühphasensegment bestehenden Finanzierungslücke leistet. Mit dem Fonds HTGF Opportunity kann der HTGF zudem die erfolgversprechendsten Portfoliounternehmen seiner Seedfonds in späteren Finanzierungsrunden erneut finanziell unterstützen. [Mehr erfahren über HTGF]
- Mikromezzaninfonds-Deutschland
Der Mikromezzaninfonds-Deutschland zielt auf die Stärkung der wirtschaftlichen Eigenkapitalbasis ab und eröffnet kleinen und neu gegründeten Unternehmen auf diese Weise neue Finanzierungswege.
Zu geringes Eigenkapital ist für sehr kleine Unternehmen und Unternehmensgründerinnen und Unternehmensgründer oft ein Hindernis beim Zugang zu Kreditfinanzierungen. Um solchen Unternehmen bessere Finanzierungschancen zu eröffnen und ihre Risikotragfähigkeit zu erhöhen, hat das Bundeswirtschaftsministeriums 2013 den Mikromezzaninfonds-Deutschland aufgelegt, der ein Gesamtvolumen von 75 Millionen Euro erreichte (MMF I). Über den MMF II wurden bis Ende 2024 Beteiligungsfinanzierungen mit einem Gesamtvolumen von über 90 Millionen Euro ausgezahlt. Über den MMF III stehen bis Ende 2029 75 Millionen Euro zur Verfügung. Das durch den ESF Plus (Europäischer Sozialfonds Plus) kofinanzierte Instrument stellt Unternehmen Beteiligungskapital (typisch stille Beteiligungen) in Höhe von bis zu 100.000 Euro bei einer Laufzeit von zehn Jahren zur Verfügung, für besondere Zielgruppen sogar bis zu 150.000 Euro. Die stillen Beteiligungen werden über die mittelständischen Beteiligungsgesellschaften (MBGen) ausgegeben. [Mehr erfahren über Mikromezzaninfonds]
- Venture Tech Growth Financing
Mit dem Programm „Venture Tech Growth Financing“ fördern der Bund und die KfW Bankengruppe junge technologieorientierte Wachstumsunternehmen. Im Rahmen des Programms werden Start-ups in der Wachstumsphase sogenannte Venture Debt-Finanzierungen zur Verfügung gestellt. Bei der Finanzierungsform Venture Debt handelt es sich um rückzahlbares und nach individueller Risikoprüfung verzinstes Fremdkapital. [Mehr erfahren über VTGF]
- German Accelerator
German Accelerator unterstützt die vielversprechendsten deutschen Start-ups bei ihrer Skalierung und internationalen Expansion. Er hat Standorte in den USA, Südostasien, Indien, Ostasien und seit Januar 2023 in Südamerika (Argentinien). Durch individuell zugeschnittene Programme, intensive Workshops und den Austausch mit erfahrenen Experten sowie Zugang zu einem globalen Netzwerk von Geschäftspartnerinnen und -partnern und Investierenden, erleben Programmteilnehmende eine steile Lernkurve und können so ihre Ziele besonders schnell erreichen.
Um den unterschiedlichen Ansprüchen der Start-ups gerecht zu werden, bieten wir eine Vielzahl von Programmen an. Mit Hilfe unserer German Accelerator Academy erhalten Unternehmen einen Vorsprung auf ihrem Weg zur Internationalisierung und werden frühzeitig mit den notwendigen Grundlagen und Fähigkeiten ausgestattet, um ein erfolgreiches, skalierbares Geschäft aufzubauen. Unser Market Discovery Programm unterstützt Start-ups bei der Validierung ihres Geschäftsmodells in neuen potenziellen Zielmärkten in Asien und Südamerika. Für Start-ups, die bereit sind in den US-amerikanischen Markt sowie in asiatische Märkte einzusteigen, bietet unser Market Access Programm mit individueller Programmlänge, Zugang zu internationalen Innovationszentren, ein maßgeschneidertes Curriculum und intensives Einzel-Mentoring, das sie bei einem erfolgreichen Markteintritt und -ausbau unterstützt. Darüber hinaus bieten wir ein branchenspezifisches Life Sciences Programm für alle Start-ups im Life-Sciences Bereich an.
Das German Accelerator-Team besteht aus erfolgreichen Entrepreneuren, Investierenden und Expertinnen und Experten, die mit großer Leidenschaft daran arbeiten, deutsche Start-ups zu echten „Global Players” zu machen. Seit dem Start 2012 haben mehr als 600 Start-ups, wie beispielsweise Celonis, Forto, Signavio und Raisin, eines unserer Programme erfolgreich durchlaufen und bisher mehr als 13,5 Milliarden Dollar an Finanzierung erhalten. German Accelerator wird von der German Entrepreneurship GmbH betrieben und vom Bundeswirtschaftsministerium finanziert, das die Förderung von Start-ups als direkte Investition in Innovation, neue Arbeitsplätze und wirtschaftliches Wachstum sieht.
- Finanzierungsinstrumente des ERP-Sondervermögens in Kooperation mit dem Europäischen Investitionsfonds (EIF)
Das vom Bundeswirtschaftsministerium verwaltete ERP-Sondervermögen und der Europäische Investitionsfonds (EIF) kooperieren seit nunmehr über 15 Jahren sehr erfolgreich im Bereich der Beteiligungs- und Mezzaninfinanzierung. Mit einer Reihe von passgenauen Finanzierungsinstrumenten wird damit ebenfalls ein wichtiger Beitrag dazu geleistet, dass innovative Start-ups in Deutschland Zugang zu Kapital erhalten. [Mehr erfahren über EIF]
- ERP/EIF-Dachfonds
beteiligt sich an Wagniskapitalfonds, die in junge Technologieunternehmen vorwiegend aus Deutschland investieren. Das durchschnittliche Investitionsvolumen liegt zwischen 20 Millionen Euro bis maximal 60 Millionen Euro. Der Dachfonds hat mittlerweile ein Gesamtvolumen von rund fünf Milliarden Euro, das von EIF und ERP-SV gemeinsam bereitgestellt wird. Aus dem Volumen des ERP/EIF-Dachfonds heraus beteiligt sich das ERP-Sondervermögen auch an der sogenannten GFF-EIF-Wachstumsfazilität, die unter dem Dach des Zukunftsfonds bis zu 3,5 Milliarden Euro in auf Wachstumsfinanzierungen fokussierte Wagniskapitalfonds und großvolumige Finanzierungsrunden investiert. Die Investments erfolgen immer zusammen mit anderen privaten Investierenden zu wirtschaftlich gleichen Bedingungen. Das gibt wichtige Anreize für privates Engagement und hebelt private Mittel in erheblicher Höhe.
- European Angels Fund Germany (EAF)
kofinanziert die Investitionen ausgewählter und erfahrener Business Angels in innovative Unternehmen. Hierdurch erhöht der Fonds die Finanzkraft der Investierenden und unterstützt damit die Finanzierung innovativer Unternehmen in ihrer Gründungs-, Früh- und Wachstumsphase. Die Höhe der Beteiligung richtet sich nach der beabsichtigten Investitionssumme des Business Angels und liegt in der Regel zwischen 250.000 Euro und 5 Millionen Euro. Für den EAF werden aus dem ERP/EIF-Dachfonds 400 Millionen Euro bereitgestellt.
- European Tech Champion Initiative (ETCI)
ist eine paneuropäische Initiative, die großvolumige Finanzierungsrunden für wachstumsorientierte Start-ups aus europäischen Mitteln (EIB-Gruppe, MS-Beiträge) ermöglichen soll. Hierzu soll die ETCI in Wagniskapital-Fonds mit einem Zielvolumen von eine Milliarde Euro und mehr investieren. ETCI soll dazu beitragen, strategische Technologien in Europa zu sichern. Sie wird vom EIF gemanagt und hat ein initiales Gesamtvolumen von 3,75 Milliarden Euro. Deutschland beteiligt sich neben Frankreich, Spanien, Belgien und Italien mit einer Milliarde Euro aus Mitteln des Zukunftsfonds ERP-Sondervermögens.