10.11.2025 - Artikel -

Agenda für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit Soziale Marktwirtschaft in Zeiten des Umbruchs

Einleitung

Der Kern der Sozialen Marktwirtschaft liegt darin, dass eine funktionierende Wettbewerbsordnung maßgeblich sowohl zur wirtschaftlichen Effizienz als auch zur sozialen Gerechtigkeit beiträgt. Das hat Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche beim wirtschaftspolitischen Symposium deutlich gemacht - und für eine Agenda für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit geworben. Doch die Weltwirtschaft formiert sich rasant neu. Multilateralismus und internationalen Institutionen wird das Vertrauen entzogen, Regeln werden oft für die eigenen Zwecke gedehnt oder gänzlich außer Kraft zu gesetzt. Protektionismus, gepaart mit Nationalismus, hat uns in eine Welt katapultiert, in der Staaten Monopole und Rohstoffe wieder als machtpolitisches Instrument nutzen. Das ist ein grundsätzlicher Paradigmenwechsel, der auch unser Wirtschaftssystem herausfordert.

Daher braucht es neue Leitlinien die Sicherheit für Unternehmen und Angestellte schaffen, unsere Marktwirtschaft wettbewerbsfähig hält und so neu belebt.   

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© BMWE/ Phototek / Kira Hofmann

„Angesichts der großen Aufgaben und auch der Zielkonflikte müssen wir auch heute nach Leitlinien suchen, die es erlauben, sowohl unsere wirtschaftliche Dynamik zu erhöhen als auch weitere Ziele zu adressieren. Deutschland braucht eine konsistente und zukunftsgerichtete wirtschaftspolitische Strategie, um wieder Fahrt aufzunehmen“, macht Bundeswirtschaftsministerin Reiche deutlich.

Deutschland muss wieder den wirtschaftspolitischen Fokus finden, Deutschland braucht Wachstum. Nur so kann Deutschland wieder gewinnen. Unser Land verfügt über herausragende Unternehmen, erfahrene und auch junge motivierte Kräfte in den Betrieben - über einen agilen Mittelstand, über Know-how und Innovationskraft sowie viele Startups im Technologiebereich wie kaum eine andere Volkswirtschaft. „Wenn wir unseren Wohlstand und damit womöglich auch unsere Freiheit verteidigen wollen, müssen wir alles daransetzen, jetzt die Schalter umzulegen. Auch wenn es anstrengend wird.“ Ballast abwerfen, neue Chancen ergreifen und die richtigen Rahmenbedingungen setzen.

Denn im Gegensatz zur Anfangszeit der Sozialen Marktwirtschaft stehen heute nicht die Überwindung existenzieller Knappheiten und der Aufbau einer demokratischen politischen Ordnung im Vordergrund. Heute geht es stattdessen um den Erhalt von Wohlstand und den Schutz von Freiheit und Demokratie. Und das unter gänzlich veränderten Rahmenbedingungen – global, aber auch innerhalb Deutschlands.

Bundesministerin für Wirtschaft und Energie Katherina Reiche spricht auf der Bühne.

 

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche auf dem wirtschaftspolitischen Symposium des Bundeswirtschaftsministeriums

„Es sind Zeiten des Umbruchs, die unsere wirtschaftlichen Gewissheiten und Strukturen grundlegend herausfordern. Um zuversichtlich in die Zukunft blicken zu können, müssen wir die Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft neu beleben und mit Mut und Verantwortung unsere aktuellen Herausforderungen angehen.“

Unsere Leitlinien für eine zeitgemäße Ordnungspolitik

Icon mit drei Menschen

Mehr Freiräume und Verantwortung

Ein Staat, der überall vorgibt, fördert und lenkt, hemmt nicht nur Innovation und nimmt Motivation, sondern erzeugt Bürokratie. Vielmehr: Ein Staat, der den Menschen zu viele Risiken abnehmen will, überfordert sich auch selbst – und verliert seine Handlungsfähigkeit. Es braucht deshalb eine Rückbesinnung auf mehr wirtschaftliche Freiheit und Eigenverantwortung. Fokus auf wenige, möglichst effiziente Instrumente.

Icon mit einem Euro-Symbol

Tragfähige Staatsfinanzen

Der bevorstehende weitere Anstieg der Staatsverschuldung macht es zwingend notwendig, übergreifend zu priorisieren und für mehr Effizienz im Staat zu sorgen.

Damit der Staat Handlungsfähigkeit zurückgewinnt, muss er sich auf die Kernaufgaben konzentrieren: Innere und äußere Sicherheit, Infrastruktur, Bildung. Subventionen und Förderprogramme müssen rigoros überprüft werden.

Icon eines Diagramms, bei dem zwei Graphen von links unten nach rechts oben verlaufen

Bessere Aufstiegschancen

Die Generationengerechtigkeit muss stärker in den Blick genommen werden. Dafür gilt es, das Aufstiegsversprechen der Sozialen Marktwirtschaft wieder mit Leben zu füllen. Die Rahmenbedingungen und Anreize müssen so gesetzt werden, dass die Jüngeren den eigenen Aufstieg schaffen können. Es braucht bessere Aufstiegschancen auch für ausländische Talente und Fachkräfte – und zwar sowohl für solche, die schon im Land sind, als auch für jene, die sich ein Leben in Deutschland vorstellen können.

Icon von zwei ineinandergreifenden Zahnrädern

Wirtschafts- und Sicherheitspolitik stärker zusammen denken

Die Soziale Marktwirtschaft kann Orientierung geben für den Umgang mit erhöhten geopolitischen Risiken. Haftung und Verantwortung sollten dort liegen, wo die Risiken am besten kontrolliert werden können. Hier ist eine klare Aufgabenteilung zwischen Staat und Unternehmen zentral. Wir brauchen Synergien zwischen Sicherheitsbedarf und zivilen Technologiefeldern, zwischen Rüstung und Startup-Szene.

Icon mit den 12 Sternen der Europaflagge

Mehr Europäisches Teamplay

Nur ein wettbewerbsfähiges, innovationsfreundliches Europa kann sich im globalen Systemwettbewerb behaupten. Wenn wir die richtigen europäischen Projekte vorantreiben, den Wettbewerb innerhalb des Binnenmarkts intensivieren, können wir Wohlstand und Freiheit stärken.

Daraus ergeben sich fünf angebotspolitische Handlungsfelder:

Agenda für Wachstum & Wettbewerbsfähigkeit


1. Staat modernisieren, Regulierung zurückfahren

Die Regulierungsdichte muss zurückgefahren, der Staat modernisiert und die Staatsverschuldung begrenzt werden

2. Innovationsfreude wieder wecken

Wir müssen die Rahmenbedingungen so setzen, dass die möglichen Produktivitätsgewinne schnell realisiert werden können. Experimentierklauseln schaffen die nötigen rechtlichen Freiräume, um Neues in Reallaboren auszuprobieren.

3. Energie: Systemkosten senken, Versorgungssicherheit gewährleisten

Die Energiekosten müssen wieder wettbewerbsfähiger werden, ohne Kompromisse zulasten der Versorgungssicherheit

4. Arbeitsanreize verbessern, Sozialsysteme reformieren

Der Arbeitsmarkt muss dynamischer werden. Dafür muss mehr Flexibilität am Arbeitsmarkt zugelassen werden und es braucht mehr Reformen, um das Arbeiten im Alter gegenüber einem (frühzeitigen) Eintritt in den Ruhestand attraktiver zu gestalten. Wir brauchen qualifizierte Zuwanderung.

5. Strategische Offenheit: Resilienz durch Diversifizierung und einen starken Binnenmarkt

Wir müssen unsere Handelsbeziehungen breiter aufstellen als bisher, mit neuen Handelsabkommen mit strategischen Partnern. Eigene Rohstoffvorkommen sollten erschlossen werden. Es wird ein vollendeter Binnenmarkt benötigt, auch für Dienstleistungen, Daten und Energie.

Die Leitlinien und Handlungsfelder wurden auf dem 1. wirtschaftspolitischen Symposium des Bundeswirtschaftsministeriums „Soziale Marktwirtschaft in Zeiten des Umbruchs“ vorgestellt. Bei dem Symposium am 10. November 2025 hielten Prof. Markus Brunnermeier und Prof. Harold James (beide Princeton University) Keynotes. Außerdem fand eine Podiumsdiskussion mit Prof. James, Prof. Brunnermeier, Prof. Wieland und Prof. Haucap statt.

Wirtschaftspolitische Ereignisse 1949 bis heute

Um den Erfolg der Sozialen Marktwirtschaft fortzuschreiben sind erneut eine große Kraftanstrengung, viel Mut und Verantwortung nötig. Das unterstreichen wir mit der Rückkehr der Büste des ersten Bundeswirtschaftsministers Ludwig Erhard in das Wirtschaftsministerium.

Die Soziale Marktwirtschaft hat in Deutschland zu Wohlstand und Freiheit geführt. Mit dem „Wirtschaftswunder“ in den Anfangsjahren der Bundesrepublik Deutschland wurden die ökonomischen Erwartungen der Bevölkerung durch die reale Entwicklung weit übertroffen. Ein Glücksfall – nicht zuletzt für eine Festigung der noch jungen westdeutschen Demokratie. Die zweite Erfolgsgeschichte ist die wirtschaftliche Angleichung von Ost- und Westdeutschland – bei allen verbleibenden Aufgaben. Auch hierfür brauchte es großen Mut und nach dem Fall der Mauer vor 36 Jahren ein enormes Maß insbesondere an beruflicher Anpassungsfähigkeit, teils viel Geduld und millionenfache Anstrengung.

Bildergalerien Historische Ereignisse 1949 bis heute

Pressemitteilungen

  • 10.11.2025 - Pressemitteilung - Leitbild Soziale Marktwirtschaft

    Pressemitteilung: Wirtschaftsministerin Reiche setzt Kurs für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit

    Öffnet Einzelsicht

Weiterführende Informationen

  • 25.11.2025 - Online-Version -

    Artikel: Im Fokus: Bundeswirtschaftsministerin stellt Leitlinien ihrer Agenda für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit vor

    Öffnet Einzelsicht
  • 10.11.2025 - Veranstaltung - Leitbild Soziale Marktwirtschaft

    Veranstaltung: Wirtschaftspolitisches Symposium – Soziale Marktwirtschaft in Zeiten des Umbruchs

    10.11.2025

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  • 10.11.2025 - Video - Leitbild Soziale Marktwirtschaft

    Video: Erstes wirtschaftspolitisches Symposium des BMWE - Soziale Marktwirtschaft in Zeiten des Umbruchs

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