Artikel - Technologie und Innovation

IPCEI Künstliche Intelligenz Industrielle KI für ein wettbewerbsfähiges Europa

Einleitung

Illustration eines Chips, auf dem AI steht.

© putilov_denis – stock.adobe.com

Seit Anfang 2025 bereiten mehrere europäische Mitgliedstaaten, koordiniert durch das Bundeswirtschaftsministerium, ein gemeinsames Projekt für industriespezifische Künstliche Intelligenz (KI) vor. Ziel ist es, ein leistungsfähiges KI-Ökosystem in Europa zu schaffen, das insbesondere auf KI-Bedarfe der Industrie zugeschnitten und einfach zu nutzen ist. Das geeignete Instrument für ein solches anwendungsnahes Gemeinschaftsprojekt ist ein IPCEI, ein „Important Project of Common European Interest“.

IPCEI-AI kurz erklärt

Worum geht es?

Der Einsatz von KI wird zu einem Paradigmenwechsel in fast jedem Sektor der Industrie führen. Autonome Produktion, KI-gesteuerte Logistik, KI-getriebene Robotik, KI-gestütztes Design oder das Industrial Metaverse sind ohne leistungsfähige KI nicht möglich. Hierfür sind jedoch hochspezialisierte KI-Modelle erforderlich, die weit über die allgemeinen großen Sprachmodelle (Large Language Models; LLMs) hinausgehen. Die Industrie in Europa und insbesondere in Deutschland verfügt über gewaltige Datenmengen, die zum Trainieren geeigneter KI-Modelle genutzt werden können. Europa hat das Potenzial, eine globale Führungsrolle einzunehmen, wenn es gelingt, industrielle und hochspezialisierte KI-Modell der nächsten Generation nicht nur zu entwickeln, sondern auch produktiv und erfolgreich in den Einsatz zu bringen.

Das IPCEI Künstliche Intelligenz (kurz: IPCEI-AI) verfolgt dabei einen systemischen und ganzheitlichen Ansatz über den gesamten Lebenszyklus von KI-Modellen hinweg. Dabei werden die Datenbereitstellung, gemeinsame KI-Basismodelle, hochspezialisierte sektorspezifische KI-Modelle, der Betrieb von KI, sowie der offene Zugang und fortschrittliche KI-Anwendungen miteinander betrachtet

Ziele

Was wollen wir erreichen?

Die Entwicklung eines leistungsfähigen KI-Ökosystems der nächsten Generation für Europa erfordert das Zusammenführen von Know-how und die Investitionen vieler Akteure. Ziele des hochgradig integrierten Projektes sind:

  • Schaffung eines souveränen KI-Kontinuums der nächsten Generation mit grundlegenden Komponenten für das KI-Training und den KI-Einsatz, offene und wettbewerbsfähige KI-Grundlagenmodelle, innovative Techniken für Inferenz und Feinabstimmung, sektorspezifische KI-Angebote und energieeffizienter Nutzung von KI.
  • Der standardisierte Zugang und die Verfügbarkeit von qualitativ hochwertigen und hoch strukturierten industriellen Daten im Rahmen der europäischen Datenschutz- und Sicherheitsvorschriften.
  • Entwicklung und Einführung von Prinzipien wie KI-as-a-Service (AIaaS) zu fördern, die auf die Bedürfnisse von KI-Entwicklerinnen und KI-Entwicklern sowie KI-Anwenderinnen und Anwendern zugeschnitten sind und den breiten Einsatz von KI-Modellen für spezifische Anwendungsfälle in verschiedenen Sektoren (Energie, Telekommunikation, Verteidigung, Finanzen, Luft- und Raumfahrt usw.) ermöglichen.
  • Entwicklung von Open-Source-Lösungen, die in einer offenen Umgebung für Entwickler und Endnutzer gesammelt werden könnten.
  • Breite Integration von KI-Modellen in sektorspezifische Systeme und Anwendungen, die auf wirtschaftliche Anwendungsfälle in Unternehmen und öffentlichen Verwaltungen ausgerichtet sind.

Projektstatus

Wo stehen wir?

Das IPCEI-AI ist Teil des „AI Continent Action Plan“ der Europäische Kommission, der das Ziel verfolgt, die EU zu einem globalen Technologieführer im Bereich KI zu machen. Im Action Plan vom 9. April 2025 benennt die Europäische Kommission fünf Hauptaufgabenbereiche, in denen besondere Anstrengungen notwendig sind: Computing-Infrastruktur, hochqualitative Daten, KI-Algorithmen, KI-Talentförderung und KI-Regulierung. Die Kommission betont, dass sie die Mitgliedstaaten frühzeitig bei der Ausgestaltung des IPCEI-AI unterstützen wird.

Aktuell beteiligen sich insgesamt 15 Mitgliedstaaten konstruktiv an der inhaltlichen Ausgestaltung des IPCEI-AI. Ziel ist die Durchführung von Interessenbekundungsverfahren noch in diesem Jahr. Erfolgsversprechende Projektideen werden dann im Anschluss zu einem integrierten Gesamtprojekt auf europäischer Ebene weiterentwickelt, das von der Europäischen Kommission genehmigt werden muss.

Weiterhin ist es geplant, das IPCEI-AI im Rahmen der 8ra Dachinitiative mit dem 2023 genehmigten IPCEI zu Cloudtechnologien und einem ebenfalls in Planung befindlichen IPCEI zu Edge Knoten Infrastruktur (IPCEI-ECI) in einem ganzheitlichen Ansatz zu verbinden.

Im Rahmen der 8. Friends of Industry Konferenz am 3. November 2025 in Berlin haben die Wirtschaftsminister aus 17 Mitgliedstaaten die Berlin Declaration unterzeichnet. Diese sieht als eine Schlüsselmaßnahme die schnelle und mutige Umsetzung des IPCEI-AI vor, um die Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit Europas zu steigern.

Häufig gestellte Fragen zum „Important Project of Common European Interest“ (IPCEI)

Was ist das Besondere an einem IPCEI?

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Wer beteiligt sich an einem IPCEI?

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Pressemitteilungen

  • 05.12.2025 - Pressemitteilung - Technologie und Innovation

    Pressemitteilung: BMWE sucht hochinnovative Projektideen für industrielle KI: Start für das Interessenbekundungsverfahren für das IPCEI Künstliche Intelligenz

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  • 18.11.2025 - Pressemitteilung - Europäische Wirtschaftspolitik

    Pressemitteilung: Bundeswirtschaftsministerium fördert Aufbau eines europäischen KI-Sprachmodells als Basis für industrielle KI

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  • 13.11.2025 - Pressemitteilung - Mittelstandspolitik

    Pressemitteilung: Mittelstand-Digital Kongress 2025: Impulse für KI-Einsatz und Cybersicherheit im Mittelstand

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