Wachstumspause im dritten Quartal infolge von Sonderfaktoren
Die deutsche Wirtschaft verlor im dritten Quartal 2026 vorübergehend an Schwung, bleibt aber auf Erholungskurs. Wie in der jüngst veröffentlichten Herbstprojektion der Bundesregierung angenommen, dürfte sich die konjunkturelle Dynamik, nach der spürbaren Belebung im ersten Halbjahr 2026, im dritten Quartal etwas verringert haben. Dämpfend wirkten dabei Sonderfaktoren wie das Nachlassen des globalen Lageraufbaus von energieintensiven Gütern im Zuge der Nahost-Krise sowie anhaltende Belastungen aus dem historischen Niedrigwasser auf deutschen Schifffahrtstraßen.
Das Exportgeschäft, von dem im ersten Halbjahr wesentliche Wachstumsimpulse ausgingen, war zuletzt rückläufig. Nach der Erholung bis zur Jahresmitte dürfte die Dynamik im dritten Quartal schwächer gewesen sein. Hauptgründe sind auslaufende Vorzieheffekte im Zuge des Kriegs im Iran, hohe Energiepreise sowie die Transportbehinderungen auf den Binnenschifffahrtsstraßen.
Die Auftragseingänge in der deutschen Industrie haben nach den Anstiegen in den Vormonaten mit einem Rückgang im August um über zehn Prozent gegenüber dem Vormonat einen deutlichen Dämpfer erfahren. Ursächlich hierfür war unter anderem, wie schon seit längerem, eine sehr volatile Entwicklung bei Großaufträgen im sonstigen Fahrzeugbau, worunter auch Beschaffungen im Verteidigungsbereich fallen. Ohne die Berücksichtigung von Großaufträgen stagnierte der Auftragseingang im August nahezu; der Abwärtstrend seit dem Frühjahr wurde damit nicht durchbrochen.
Die Produktion im Produzierenden Gewerbe hat sich im August – nach dem deutlichen Rücksetzer im Vormonat – wieder merklich belebt; allerdings ging diese Erholung wesentlich von einem kräftigen Anstieg im Baugewerbe aus, bei dem die Abschlussbuchung eines Großprojekts im Ausbaugewerbe zu einem kräftigen Zuwachs führte. Die Produktion in der Industrie blieb dagegen zuletzt verhalten und unterschritt im Mittel der Monate Juli und August das Niveau des zweiten Quartals um 1,4 Prozent. Besonders ausgeprägt war dabei die Schwäche der energieintensiven Industriezweige, die zuvor von der globalen Lageraufstockung energieintensiver Güter profitieren konnten. Diese Industrien dürften auch besonders von den eingeschränkten Transportmöglichkeiten auf den Schifffahrtsstraßen infolge des Niedrigwassers betroffen sein.
Die Stimmung in den deutschen Unternehmen deutet dagegen auf eine günstigere Entwicklung zum Jahresende hin. Der ifo Geschäftsklimaindex stieg im September zum fünften Mal auf den höchsten Stand seit Mai 2023. Die Unternehmen beurteilten sowohl ihre aktuelle Lage als auch ihre Aussichten besser. Der S&P-Einkaufsmanagerindex erhöhte sich im September auf den höchsten Wert seit Oktober 2025. Neben einer fortgesetzten Produktionsausweitung im Produzierenden Gewerbe weisen erstmals auch Dienstleister eine spürbare Verbesserung ihrer Geschäftstätigkeit aus. Auch das ifo Geschäftsklima deutet auf eine zuletzt positivere Entwicklung im Dienstleistungssektor hin, wobei Unternehmen vor allem die laufenden Geschäfte, aber auch ihre Geschäftserwartungen günstiger bewerten. Auch die Lage bei den konsumnahen Dienstleistern scheint sich – ausgehend von einem sehr niedrigen Niveau – aufzuhellen: Das ifo Geschäftsklima im Einzelhandel (inkl. Kfz) stieg im September auf den höchsten Wert seit Jahresbeginn. Die Einzelhandelsumsätze (ohne Kfz) erholten sich im August im Vormonatsvergleich zwar etwas; im Mittel der Monate Juli und August blieben sie aber um mehr als zwei Prozent unter dem Niveau des Vorquartals. Die Verbraucherstimmung hat sich zuletzt erneut eingetrübt: Das GfK-Konsumklima fiel für Oktober auf den niedrigsten Wert seit fünf Monaten und auch das HDE-Konsumbarometer war im Oktober deutlich rückläufig. Bei beiden Umfragen wurden sowohl die Einkommenserwartungen als auch die Anschaffungsneigung negativer beurteilt. Angesichts der energiepreisbedingt weiterhin erhöhten Inflation und der sinkenden Beschäftigung dürfte sich die Konsumstimmung der privaten Haushalte zunächst nicht wesentlich aufhellen.
Weltwirtschaft weiterhin auf Wachszumskurs
Die weltweite Industrieproduktion nahm im Juli mit einem saisonbereinigten Zuwachs von 0,3 Prozent gegenüber dem Vormonat weiter zu, nachdem sie im Juni mit +1,2 Prozent recht deutlich ausgeweitet wurde. Im Vergleich zum Vorjahresmonat lag sie damit zuletzt um 2,0 Prozent im Plus. Für den weiteren Verlauf weisen Frühindikatoren weiterhin auf eine stabile Weltkonjunktur hin. Der Einkaufsmanagerindex von S&P Global für die Weltwirtschaft ist im September um 0,8 Punkte auf 54,3 Punkte gestiegen und deutet damit auf eine etwas höhere Gangart als im Vormonat hin. Der Anstieg spiegelt Zuwächse sowohl in der Industrie als auch im Dienstleistungssektor wider. Der sentix-Konjunkturindex für die Weltwirtschaft befindet sich im Oktober mit 13,5 Punkten weiterhin auf einem hohen Niveau. Während die Lagebeurteilung der Finanzinvestoren dank der Entwicklung der US- und der asiatischen Volkswirtschaften erneut etwas positiver ausfällt, haben sich die Erwartungen etwas eingetrübt.
Der globale Warenhandel legte im Juli im Vormonatsvergleich mit saisonbereinigt +0,3 Prozent zu, nachdem er im Juni im Zuge der vorübergehenden Erholung des Handels durch die Straße von Hormus um 1,8 Prozent expandiert hatte. Dabei nahmen insbesondere die Ein- und Ausfuhren Lateinamerikas sowie die Importe der USA zu, während sich der Warenhandel in Asien im Juli schwächer entwickelte. Der RWI/ISL-Containerumschlagindex ist im August leicht um 0,1 auf 141,9 Punkte gestiegen und deutet damit auf eine weiterhin robuste Entwicklung des Welthandels hin. Regional betrachtet stellt sich die Entwicklung allerdings unterschiedlich dar: Während der Nordrange-Index mit (+3,4 auf 123,9 Punkte merklich zulegte, stagnierte der Umschlag in den chinesischen Häfen bei 155,8 Punkten und liegt damit weiterhin unter den Werten vor Beginn des Kriegs im Nahen Osten. Schiffsbewegungsdaten deuten laut dem Trade Nowcast des Internationalen Währungsfonds im August im Dreimonatsvergleich allerdings auf ein geringeres globales Handelsvolumen als im Vorjahreszeitraum hin.
Insgesamt gehen aktuelle Prognosen für die weltwirtschaftliche Entwicklung trotz geopolitischer Spannungen nach wie vor von einer robusten Weltkonjunktur mit Zuwachsraten von rund drei Prozent in den kommenden Jahren aus. Der Welthandel mit Waren und Dienstleistungen dürfte laut der aktuellen Prognose des Internationalen Währungsfonds im laufenden Jahr angesichts des starken ersten Halbjahres um 4,5 Prozent zulegen, 2027 wird mit einem ähnlichen Anstieg gerechnet. Neben der Investitions- und Handelsdynamik im Zusammenhang mit dem Ausbau künstlicher Intelligenz tragen hierzu auch verstärkte Investitionen im Verteidigungssektor bei.