Das ifo-Institut veröffentlicht heute eine Studie zur Quantifizierung der volkswirtschaftlichen Risiken, die sich für die Bundesrepublik aus Blockaden oder sonstigen Störungen in internationalen Meerengen und Wasserwegen ergeben. Die Studie wurde vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie beauftragt.

Der Koordinator der Bundesregierung für maritime Wirtschaft und Tourismus, Dr. Christoph Ploß, MdB: Die Bedeutung der Seeschifffahrt und der dazugehörigen Infrastruktur kann für eine Handelsnation wie Deutschland gar nicht hoch genug bewertet werden. Die Versorgung mit Rohstoffen, mit lebenswichtigen Gütern und mit weiteren Waren braucht verlässliche Seewege. Das gilt vor allem im Krisenfall. Unsere Sicherheitspolitik muss neben der klassischen Landesverteidigung auch die Wirtschaftssicherheit und dabei besonders Schifffahrt und die Sicherung der Handelswege mitdenken. Darauf sind wir im Ernstfall dringend angewiesen. Das Ziel der Bundesregierung ist, eine starke Flotte in Deutschland zu halten und sie nach Möglichkeit noch auszubauen. Zugleich appelliere ich an die deutschen Unternehmen, das Geschehen aufmerksam zu beobachten und Vorsorge zu betreiben, um auf die Blockade von Meerengen vorbereitet zu sein.

Die Studie betrachtet sechs maritime Engpässe, die von zentraler Bedeutung für die deutsche Wirtschaft sind: Die Meerengen von Hormus, Bab al-Mandab, Malakka und Taiwan, den Suezkanal sowie den Panamakanal.

Wichtige Ergebnisse der Studie sind: Knapp 10 Prozent aller Importe, die Deutschland auf dem Seeweg erreichen, passieren das Rote Meer. Auch die Straße von Malakka (8,7 Prozent) und die Taiwanstraße (7,1 Prozent) haben eine große Bedeutung für deutsche Importe. Je nach Branche kann die Abhängigkeit von einzelnen Meerengen noch deutlich höher sein, zum Beispiel bei wichtigen Rohstoffen für die Industrie. Einzelne Produkte weisen Abhängigkeiten von mehr als 90 Prozent auf.

Die Bundesregierung hat umfassende Maßnahmen ergriffen, um daraus entstehende Risiken für die deutsche Wirtschaft zu adressieren. So wird der Abschluss neuer Freihandelsabkommen zusätzliche Bezugs- und Absatzmärkte für deutsche Unternehmen erschließen und so die Abhängigkeit von einzelnen Ländern und Seewegen verringern. Rohstoffpartnerschaften mit Ländern außerhalb Europas ermöglichen deutschen Unternehmen, ihre Lieferketten zu diversifizieren. Des Weiteren ist Deutschland an der EU-Operation EUNAVFOR ASPIDES beteiligt, welche dazu dient, Handelsschiffe im Roten Meer zu beschützen. Zugleich weist die Bundesregierung darauf hin, dass auch Unternehmen selbst Maßnahmen ergreifen sollten, um Risiken in ihren Lieferketten zu minimieren.

Die Studie finden Sie hier: https://www.ifo.de/en/econpol/econpol-policy-reports