Der wissenschaftliche Beraterkreis des Bundeswirtschaftsministeriums hat heute ein Impulspapier mit Reformvorschlägen für die gesetzliche Rentenversicherung veröffentlicht.

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche dankt dem Beraterkreis:

„Die Analyse der Experten macht deutlich, wie umfassend und dringlich der Reformbedarf in der Rente ist. Wir müssen handeln und das System so aufstellen, dass die Rente finanzierbar bleibt. Dies kann nicht ausschließlich zulasten der jungen Generation und unserer Wettbewerbsfähigkeit gehen. Wenn heute rechnerisch 2,5 Personen im erwerbsfähigen Alter auf eine Person im Rentenalter kommen, werden es schon 2035 nur noch zwei sein. Zum Vergleich: 1960 kamen über fünf Personen im erwerbsfähigen Alter auf eine Person im Rentenalter, im Jahr 1995 waren es noch vier Personen. Der nötige Aufwuchs an Zuschüssen aus dem Bundeshaushalt wird erheblich sein. Diese Zuschüsse werden laut Frühjahrsschätzung für die allgemeine Rentenversicherung von heute 93,1 Milliarden Euro schon im Jahr 2035 auf 138,9 Mrd. Euro steigen.

Die Experten weisen zu recht darauf hin, dass wir angesichts einer höheren Lebenserwartung länger arbeiten müssen. Eine Stärkung von Prävention und Gesundheitsvorsorge für Arbeitnehmer ist dabei zentral. Daneben brauchen wir weniger Anreize früher in Rente zu gehen. Und längeres freiwilliges Arbeiten muss sich mehr lohnen. Die im Koalitionsvertrag vereinbarte Aktivrente ist dazu ein guter Schritt. Mittel- und langfristig gehört dazu auch die Frage des Renteneintrittsalters. Andere europäische Länder wie Dänemark haben auf die demographische Entwicklung reagiert.

Der Vorschlag für die Wiedereinführung des Nachhaltigkeitsfaktors würde nicht nur künftige Rentenanpassungen dämpfen, wenn sich das Verhältnis von Rentenbeziehern zu Beitragszahler künftig erhöht. Es sorgt auch für einen Interessenausgleich zwischen der jungen Generation und den Rentenbeziehern.

Und wir müssen die eigenverantwortliche kapitalgedeckte Vorsorge stärken. Es ist richtig, dass die Experten darauf hinweisen. Die Frühstart-Rente kann dazu ein erster Schritt sein.“

Der Beraterkreis weist in seinem Impulspapier auf die Notwendigkeit entschlossener Reformen der gesetzlichen Rentenversicherung hin und macht Vorschläge. Ein zentrales Element künftiger Rentenpolitik müsse auch die Stärkung der kapitalgedeckten Altersvorsorge sein, um das derzeitige – im Wesentlichen umlagefinanzierte – System zu ergänzen.

Bundesministerin Reiche hat einen wissenschaftlichen Beraterkreis für evidenzbasierte Wirtschaftspolitik berufen, der das BMWE sowie die Ministerin unabhängig zu Fragen der Marktwirtschaft und Ordnungspolitik beraten soll. Dem wissenschaftlichen Beraterkreis gehören Prof. Dr. Veronika Grimm, Prof. Dr. Justus Haucap, Prof. Dr. Stefan Kolev und Prof. Dr. Volker Wieland an.

Das Papier des wissenschaftlichen Beraterkreises finden Sie unter folgendem Link:
BMWE | Die gesetzliche Rentenversicherung: Diagnose und Therapie im Jahr 2025 (PDF, 484 KB)