Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung hat heute sein Jahresgutachten 2025/2026 „Perspektiven für morgen schaffen – Chancen nicht verspielen“ vorgelegt. Darin analysieren die Wirtschaftsweisen neben der konjunktur- und wirtschaftspolitischen Ausgangslage einzelne wirtschafts- und finanzpolitische Handlungsfelder. Dazu gehören die Investitionsorientierung des Sondervermögens für Infrastruktur und Klimaneutralität, die Stärkung des europäischen Binnenmarkts sowie der Verteidigungsfähigkeit, weitere Reformoptionen im Rahmen der Besteuerung von Unternehmen und die Förderung des Vermögensaufbaus.

Anlässlich der Veröffentlichung des Jahresgutachtens erklärt Bundeswirtschaftsministerin Reiche: „Der Befund des Sachverständigenrats legt unmissverständlich dar, dass die deutsche Wirtschaft unter Druck steht. Jetzt braucht es politischen Mut, klare Prioritäten und den Willen, unser Land wieder auf Wachstumskurs zu bringen. Damit wir in Infrastruktur, Innovation und Verteidigungsfähigkeit investieren können, müssen wir unsere Finanzen strategisch und wachstumsfreundlich konsolidieren. Investitionen in Sicherheit und Verteidigung entfalten dabei bedeutende Spillover Effekte, weil sie Innovationen fördern, industrielle Wertschöpfung stärken und technologische Fortschritte auch in die zivile Wirtschaft übertragen. Die Vertiefung des europäischen Binnenmarkts ist dabei eine wesentliche Voraussetzung für neue Dynamik. Das Gutachten liefert dafür wertvolle Impulse – jetzt gilt es, sie entschlossen umzusetzen.“

Der Sachverständigenrat bescheinigt der deutschen Wirtschaft eine ausgeprägte Wachstumsschwäche, die neben konjunkturellen Faktoren auch durch einen tiefgreifenden Strukturwandel sowie durch geopolitische Veränderungen verursacht wird. Nach einem realen BIP-Zuwachs von 0,2 Prozent in diesem Jahr erwartet er für 2026 ein Wachstum von 0,9 Prozent. Dabei dürften insbesondere die steigenden staatlichen Investitionen das Wachstum stützen, während der Außenbeitrag dämpfend wirkt. Bei der Inflation rechnet der Rat mit jahresdurchschnittlichen Raten von 2,2 Prozent 2025 und 2,1 Prozent 2026.

Die Einschätzung des Rates für das laufende Jahr deckt sich weitgehend mit der Herbstprojektion der Bundesregierung; mit seiner Wachstumsprognose für das kommende Jahr ist er etwas pessimistischer als die Prognosen der Wirtschaftsforschungsinstitute, die Gemeinschaftsdiagnose und auch als die Herbstprojektion der Bundesregierung. Abweichungen zeigen sich dabei vor allem beim Staatskonsum sowie bei den öffentlichen und privaten Investitionen. Hier geht der Rat von geringeren Impulsen der fiskalischen Maßnahmen der Sondervermögen, der Verteidigungsinvestitionen und des Investitions-Sofortprogramms aus.

Die Bundesregierung wird – wie gesetzlich vorgesehen – Anfang 2026 im Rahmen des Jahreswirtschaftsberichts zum Gutachten des Sachverständigenrates Stellung nehmen.