Das Bundeskabinett hat am Mittwoch, 28. Januar 2026 den Jahreswirtschaftsbericht 2026 einschließlich der Projektion zur wirtschaftlichen Entwicklung im Jahr 2026 beschlossen. Der Bericht trägt den Titel „Investitionen und Reformen für Wachstum und Resilienz“.
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie Katherina Reiche: „Ein vorsichtiger Aufschwung kommt. Wir erwarten 1,0 Prozent Wachstum in diesem Jahr und 1,3 Prozent 2027, getragen von Investitionen und Konsum. Doch dieses Wachstum ist größtenteils schuldenfinanziert. Ohne konsequente Reformen der Standortbedingungen bleibt es ein Strohfeuer. Entscheidend sind jetzt Strukturreformen, die Investitionen erleichtern, Produktivität stärken und das Wachstum dauerhaft erhöhen.
Ein Teil unserer Wachstumsschwäche kommt von außen, aber die Antwort liegt auch im Inland: Entscheidend ist, dass wir schneller und entschlossener an der Verbesserung unserer Standortbedingungen arbeiten. Der Jahreswirtschaftsbericht zeigt, dass erste Schritte gemacht sind, doch sie reichen nicht aus. Nur mit höherem, selbsttragendem Wachstum können wir die Folgen geopolitischer Umwälzungen und den tiefgreifenden Strukturwandel bewältigen, die Tragfähigkeit der Staatsfinanzen und der Sozialsysteme sichern und damit auch den sozialen Frieden erhalten. Die konjunkturelle Belebung in diesem und im kommenden Jahr ist ein Reformfenster. Wir müssen es jetzt nutzen.“
Laut Jahresprojektion nimmt die binnenwirtschaftliche Dynamik angesichts steigender Konsumausgaben und Investitionen zu. Anhaltende Reallohnzuwächse und staatliche Entlastungsmaßnahmen erhöhen die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte. Hinzu kommt eine allmähliche Verbesserung der Arbeitsmarktperspektiven im Jahresverlauf, die das Konsumklima zusätzlich stärken dürfte. Auch die Investitionen dürften nach mehreren Jahren des Rückgangs im Jahresverlauf 2026 wieder Tritt fassen. Öffentliche, aber auch private Ausrüstungs- und Bauinvestitionen werden durch umfangreiche staatliche Programme sowie durch verbesserte steuerliche Rahmenbedingungen stimuliert. Besonders die Ausrüstungsinvestitionen profitieren von höheren Verteidigungs- und Infrastrukturinvestitionen sowie von Maßnahmen zur Stärkung des Finanz- und Innovationsstandorts. Auch die Investitionen in geistiges Eigentum, insbesondere in Digitalisierung, Forschung und Entwicklung geben Impulse. Im Baugewerbe wird eine allmähliche Erholung erwartet, getragen vor allem vom öffentlichen Hoch- und Tiefbau.
Der Außenhandel bleibt hingegen ein struktureller Schwachpunkt. Die globalen Rahmenbedingungen sind weiterhin von geopolitischen Spannungen, gestiegenem Protektionismus und einer schwächeren internationalen Nachfrage geprägt. Insbesondere die anhaltende, latente Drohung höherer US-Zölle sowie der zunehmende Wettbewerbs-druck aus China belasten die Exportperspektiven. Trotz einer robusten Nachfrage aus dem EU-Binnenmarkt ist 2026 erneut mit einem negativen Wachstumsbeitrag des Außenhandels zu rechnen.
Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen setzt die Bundesregierung auf eine Kombination aus zusätzlichen öffentlichen Investitionen zur Modernisierung des öffentlichen Kapitalstocks über das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität sowie aus strukturellen Reformen, die die Rahmenbedingungen für private Investitionen verbessern. Erste Schritte in diese Richtung sind das steuerliche Investitionssofortprogramm und der Beschluss zur schrittweisen Absenkung der Unternehmenssteuerbelastung. Die Bundesregierung setzt darüber hinaus in zentralen Handlungsfeldern Schwerpunkte zur Verbesserung der Standortbedingungen.
Standortbedingungen umfassend verbessern
Mit dem Entlastungskabinett und der Modernisierungsagenda hat die Bundesregierung ein ganzes Maßnahmenbündel beschlossen, um den Staat und die Gesellschaft leistungsfähiger, effizienter und bürgernäher zu organisieren. Berichtspflichten werden reduziert und Planungs- und Genehmigungsverfahren beschleunigt.
Ein weiteres wichtiges Thema ist eine moderne und verlässliche Infrastruktur als entscheidender Standortfaktor. Die Bundesregierung hat deshalb eine Investitionsoffensive zur Modernisierungs und zum Ausbau des öffentlichen Kapitalstocks angestoßen. Der Schwerpunkt liegt in den Bereichen Verkehrsinfrastruktur und Digitalisierung. Im Jahr 2026 stellt der Bund insgesamt 118,2 Milliarden Euro für Investitionen zur Verfügung.
Bessere Rahmenbedingungen für Innovationen schafft die Bundesregierung unter anderem durch das Reallabore-Gesetz und die Experimentierklauseln. Mit dem Deutschlandfonds soll privates Kapital mobilisiert und mit dem Standortfördergesetz der Kapitalzugang erleichtert werden.
Zur Entlastung von hohen Energiekosten hat die Bundesregierung die Stromsteuersenkung für das Verarbeitende Gewerbe und die Forst- und Landwirtschaft verstetigt, die Gasspeicherumlage abgeschafft sowie Übertragungsnetzentgelte reduziert. Darüber hinaus wird für die Jahre 2026 bis 2028 ein Industriestrompreis eingeführt und die Strompreiskompensation ausgweitet. Umfassende Novellen von Energiegesetzen für eine kosteneffzientere und verlässlichere Energieversorgung sind geplant.
Das Arbeitsangebot stärkt die Bundesregierung mit der zum 1. Januar 2026 in Kraft getretenen Aktivrente, verbunden mit der Abschaffung des sogenannten Vorbeschäftigungsverbots, sowie mit der reformierten Grundsicherung. Sozialversicherungsbeiträge sollen stabilisiert und damit zusätzliche Belastungen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern begrenzt werden. Die Ergebnisse der Kommission zur Sozialstaatsreform legen die Grundlagen für eine Reform gelegt, die sowohl zu stärkeren Erwerbsanreizen als auch zu Einsparungen in der Administration beitragen wird.
Nicht zuletzt ist eine tiefere europäische Integration essentiell. Die Bundesregierung begrüßt deswegen die EU-Binnenmarktstrategie und die dazugehörige Roadmap ebenso wie die Schaffung eines 28. Regimes und die Vertiefung der Spar- und Investitionsunion. Zugleich treibt sie die Diversifizierung der Handelsbeziehungen voran, zuletzt öffentlich sichtbar mit dem Mercosur-Abkommen.
Diese sowie weitere im Jahreswirtschaftsbericht enthaltene Maßnahmen werden dazu beitragen, die Standortbedingungen in Deutschland strukturell und umfassend zu verbessern. Darüber hinaus ergibt sich aus den besonderen Umständen der geopolitischen Lage die Notwendigkeit, den Strukturwandel zu flankieren und bestimmte Wertschöpfung auch aus Gründen der Wirtschaftssicherheit zu schützen. Dies tut die Bundesregierung nicht zuletzt, indem sie den EU-Emissionshandel flankiert sowie das KRITIS-Dachgesetz zum Schutz kritischer Infrastrukturen auf den Weg bringt.
Anbei finden Sie den Jahreswirtschaftsbericht 2026, sowie die Daten und Grafiken Jahreswirtschaftsbericht 2026 – Daten und Grafiken (PDF, 835 KB).
Gesamtwirtschaftliche Entwicklung in der
Bundesrepublik Deutschland 1) | 2025 | Jahres-projektion 2026 | Jahres-projektion 2027 |
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| Veränderungen gegenüber Vorjahr in %, soweit nicht anders angegeben |
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ENTSTEHUNG des Bruttoinlandsprodukts (BIP)
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| BIP (preisbereichningt) | 0,2 | 0,1 | 1,3 |
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| Erwerbstätige (im Inland) | 0,0 | 0,0 | 0,1 |
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| BIP je Erwerbstätigen | 0,2 | 1,1 | 1,2 |
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| BIP je Erwerbstätigenstunde | 0,4 | 0,6 | 0,7 |
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nachrichtlich:
Arbeitslosenquote in % (Abgrenzung der BA )2)
| 6,3 | 6,2 | 6,0 |
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VERWENDUNG des BIP in jeweiligen Preisen (nominal)
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Konsumausgaben
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Private Haushalte und priv. Organisationen ohne Erwerbszweck
| 4,0 | 3,1 | 3,4 |
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Staat
| 5,9 | 5,2 | 2,5 |
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Bruttoanlageinvestitionen
| 2,3 | 6,0 | 6,8 |
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Vorratsveränderungen und Nettozugang an Wertsachen
(Mrd. EURO)
| 72,4 | 72,3 | 74,7 |
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Inlandsnachfrage
| 4,7 | 4,1 | 3,9 |
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Bruttoinlandsprodukt (nominal)
| 3,3 | 3,6 | 3,5 |
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VERWENDUNG des BIP preisbereinigt (real)
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Konsumausgaben
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Private Haushalte und priv. Organisationen ohne Erwerbszweck
| 1,4 | 0,8 | 1,1 |
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Staat
| 1,5 | 2,4 | 0,8 |
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Bruttoanlageinvestitionen
| -0,5 | 3,0 | 3,1 |
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Ausrüstungen
| -2,3 | 3,5 | 4,6 |
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Bauten
| -0,9 | 2,4 | 2,0 |
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Sonstige Anlagen
| 3,8 | 3,7 | 3,8 |
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Vorratsveränderung und Nettozugang an Wertsachen
(Impuls) 3)
| 0,7 | 0,0 | 0,0 |
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Inlandsnachfrage
| 1,7 | 1,5 | 1,5 |
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Exporte
| -0,3 | 0,8 | 1,6 |
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Importe
| 3,6 | 2,1 | 2,0 |
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Außenbeitrag (Impuls) 3)
| -1,5 | -0,5 | -0,1 |
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Bruttoinlandsprodukt (real)
| 0,2 | 1,0 | 1,3 |
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Preisentwicklung (2020 = 100)
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Verbraucherpreisindex
| 2,2 | 2,1 | 2,0 |
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Konsumausgaben der privaten Haushalte
| 2,6 | 2,3 | 2,2 |
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Inlandsnachfrage
| 2,9 | 2,5 | 2,4 |
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Bruttoinlandsprodukt 4)
| 3,1 | 2,5 | 2,2 |
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VERTEILUNG des Bruttonationaleinkommens (BNE)
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(Inländerkonzept)
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Arbeitnehmerentgelte
| 5,1 | 3,5 | 3,6 |
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Unternehmens- und Vermögenseinkommen
| -3,9 | 5,2 | 3,2 |
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Volkseinkommen
| 2,8 |
3,9
| 3,5 |
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Bruttonationaleinkommen
| 3,2 | 3,7 | 3,5 |
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nachrichtlich (Inländerkonzept):
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Arbeitnehmer
| 0,1 | 0,0 | 0,1 |
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Bruttolöhne und -gehälter
| 4,7 | 3,6 | 3,3 |
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Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer
| 4,6 | 3,5 | 3,2 |
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Verfügbares Einkommen der privaten Haushalte
| 3,1 | 3,2 | 3,2 |
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Sparquote in % 5)
| 10,5 | 10,5 | 10,4 |
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1) Bis 2025 vorläufige Ergebnisse des Statistischen Bundesamtes; Stand: Januar 2026;
2) Bezogen auf alle Erwerbspersonen; Abgrenzung der Bundesagentur für Arbeit
3) Absolute Veränderung der Vorräte bzw. des Außenbeitrags in Prozent des BIP des Vorjahres (= Beitrag zur Zuwachsrate des BIP);
4) Lohnstückkosten je Arbeitnehmer; Veränderung gegenüber Vorjahr: 2025: 4,8 %; 2026: 2,4 %; 2027: 2,3%
5) Sparen in Prozent des verfügbaren Einkommens der privaten Haushalte einschl. betrieblicher Versorgungsansprüche.