Bei einer Vorführung auf dem Gelände der Havelländischen Eisenbahn wurde heute erfolgreich die technische Machbarkeit vollautomatisierter, fahrerloser Zugfahrten auf der Schiene unter Beweis gestellt. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie hat die Entwicklung und Erprobung intelligenter Technologien für die vollautomatisierte Zugfahrt mit rund 41,5 Millionen Euro gefördert.
Derartige Anwendungen können künftig dazu beitragen, Züge flexibler einzusetzen und betriebliche Abläufe effizienter zu gestalten. AutomatedTrain demonstriert erstmals einen Zug, der seine Umgebung selbstständig erfasst und auf unerwartete Situationen reagieren kann. Das Projekt macht damit einen wichtigen Schritt vom automatisierten zum autonomen Bahnbetrieb.
Zum Projektkonsortium, das rund drei Jahre am Projekt gearbeitet hat, gehörten DB InfraGo AG, Siemens Mobility GmbH, Bosch Engineering GmbH, Codewerk GmbH, DB Regio AG, duagon Germany GmbH, IAV GmbH, RedHat GmbH sowie die Technische Universität Dresden.
Vor Ort hat sich der Parlamentarische Staatssekretär bei der Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, Johannes Steiniger, vom Erfolg des Projektes überzeugt: „Was wir hier sehen, ist die Zukunft der Mobilität. Hier wird erforscht, wie sich vollautomatisierte Züge künftig einsetzen lassen. Fahrerlose Zugfahrten bieten gerade in Zeiten des Fachkräftemangels Möglichkeiten, Bahnstrecken auch künftig weiterhin verlässlich bedienen und Züge flexibler einsetzen zu können. Das Projekt zeigt auch, wie viel Zukunftsträchtiges und Gewinnbringendes am Forschungsstandort Deutschland entstehen kann, wenn Industrie, Infrastrukturunternehmen und Wissenschaft gemeinsam an der Zukunft arbeiten.“
Mit einem umgebauten Mireo-Zug von Siemens Mobility wurde bei Demonstrationsfahrten unter realen Bedingungen eine vollautomatisierte Bereitstellungs- und Abstellfahrt im offenen Bahnsystem vorgeführt. Anhand eines Fahrbefehls bereitet sich der Zug eigenständig auf die Fahrt vor, überprüft alle sicherheitsrelevanten Funktionen und fährt anschließend ohne Fahrer vom Abstellgleis zum Startbahnhof. Dabei überwacht er seine Umgebung kontinuierlich, erkennt mögliche Hindernisse und handelt entsprechend der jeweiligen Betriebssituation. Die Überführung des Zugs in die Abstellung wurde ebenfalls demonstriert.
Näheres im Detail
Das Projekt wurde im Rahmen des Fachprogrammes „Neue Fahrzeug- und Systemtechnologien“ gefördert und war Teil des Konjunkturpakets der Bundesregierung und wurde aus Mitteln der Europäischen Union (Deutscher Aufbau- und Resilienzplan) kofinanziert. Das Programm wird aktuell mit der Förderrichtlinie „DNS der zukunftsfähigen Mobilität. Digital – Nachhaltig – Systemfähig.“ fortgeführt.
Für das Projekt wurden zwei Fahrzeuge umgerüstet, ein Mireo-Zug von Siemens Mobility und ein Fahrzeug der S-Bahn Stuttgart der Baureihe BR430. Beide Fahrzeuge wurden mit nahezu identischer Hinderniserkennungs-Hardware, aber unterschiedlichen Softwarelösungen zur Umfelderkennung ausgerüstet. Damit wurden zu Testzwecken Ansätze der Automotive- und der Bahnindustrie vergleichend gegenüber gestellt. An der Fahrzeugfront verbaute Sensoren ermöglichen es den Fahrzeugen, ihr Umfeld zu erfassen und auf Hindernisse zu reagieren.
Beim Mireo-Fahrzeug wurde zusätzlich die vollständige Hard- und Softwareumrüstung für den vollautomatisierten Betrieb prototypisch implementiert und in einem gesicherten Testfeld ausgiebig erprobt. Eine besondere Herausforderung lag hierbei im Zusammenspiel der Fahrzeugsteuerungssysteme mit einem neuen, hochsicheren Automatisierungsmodul als Fahrerersatz in Kombination mit der Hinderniserkennung. Auch weitere Funktionen, darunter die automatische Fahrzeugauf- und Abrüstung, wurden bei den Demonstrationen erfolgreich gezeigt.
Das Fahrzeug der S-Bahn Stuttgart, ein Zug der Baureihe 430, sammelte im Rahmen von Probefahrten Daten im betrieblichen Umfeld. Diese Fahrten liefern wichtige Daten zur Weiterentwicklung und Erprobung der Umfelderkennung.
Die Ergebnisse des Projekts und die Prototypen werden ebenfalls im Rahmen der InnoTrans 2026, der internationalen Fachmesse für Bahn- und Verkehrstechnik, vom 22. bis 25. September 2026 präsentiert.