Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) startet heute den Stakeholder-Dialog „Modernisierung der Prozesswärme in Deutschland“ mit Vertreterinnen und Vertretern aus Industrie, Mittelstand, Verbänden, Wissenschaft und Politik.

Prozesswärme ist für viele industrielle Produktionsprozesse unverzichtbar und macht mit rund zwei Dritteln einen wesentlichen Anteil des Endenergieverbrauchs der Industrie aus. Prozesswärme wird heute überwiegend noch aus fossilen Quellen erzeugt. Dabei können moderne Technologien den Energieverbrauch, CO2-Emissionen und die Energiekosten für Unternehmen senken und sie widerstandsfähiger gegen die Auswirkungen geopolitischer Krisen machen. Gleichzeitig erhöht die Modernisierung den Bedarf an Technologielösungen aus Deutschland, die Innovation und Wachstum fördern.

Frank Wetzel, Staatssekretär im BMWE: „Die Modernisierung der Prozesswärme ist ein zentraler Baustein für einen wettbewerbsfähigen Industriestandort Deutschland. Wir müssen sie beschleunigen, um unsere Technologieführerschaft zu behaupten. Unser Ziel ist ein pragmatischer Dialog mit der Wirtschaft: Hürden abbauen, Investitionen beschleunigen und Innovationen marktreif machen. Heute geben wir den Startschuss dafür.“

Im Rahmen des Stakeholder-Dialogs werden gemeinsam Handlungsempfehlungen zur Modernisierung der industriellen Prozesswärme erarbeitet, wobei ein besonderer Fokus auf der praktischen Erfahrung der Industrie und der technischen Entwicklung liegt.

Begleitet wird der Dialog von einem Beirat mit Vertreterinnen und Vertretern der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz e.V. (DENEFF) und des VDMA. Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (Fraunhofer ISI) unterstützt den Prozess und begleitet ihn wissenschaftlich.

Bei der Auftaktveranstaltung diskutieren Dr. Sebastian Bolay, Bereichsleiter Energie, Umwelt, Industrie der DIHK, Christian Noll, Geschäftsführender Vorstand der DENEFF, und Dr. Tobias Fleiter, Leiter des Geschäftsfelds Klimaneutrale Industrie des Fraunhofer ISI, in einem Panel gemeinsam mit Staatssekretär Frank Wetzel.

Die Panelisten äußern sich wie folgt zur Modernisierung der industriellen Prozesswärme:

Dr. Sebastian Bolay, Bereichsleiter Energie, Umwelt, Industrie bei der DIHK: „Die Dekarbonisierung der Prozesswärme ist eine Operation am offenen Herzen der deutschen Wirtschaft. Ohne Prozesswärme kann quasi kein Produkt hergestellt werden. Entscheidend sind wirtschaftlich tragfähige Lösungen, bedarfsgerechte Infrastrukturen und eine breite Palette an technologischen Optionen, um den unterschiedlichen Anforderungen gerecht zu werden. Wir unterstützen deshalb, dass die Modernisierung der Prozesswärme nun in einem breit angelegten Stakeholder-Prozess diskutiert wird.“

Christian Noll, Geschäftsführender Vorstand bei der DENEFF: „Wir begrüßen, dass das BMWE mit dem Dialogprozess die Transformation der Prozesswärme angeht. Entscheidend ist jetzt, die gesamte Lösungspalette in den Blick zu nehmen: Energieeffizienz konsequent zu heben, Abwärme zu nutzen und dort, wo es technisch sinnvoll ist, Prozesse effizient zu elektrifizieren und Energiedienstleistungen voranzubringen. Dafür brauchen Unternehmen verlässliche Rahmenbedingungen, die Investitionen in Effizienz und klimaneutrale Prozesswärme wirtschaftlich attraktiv machen.“

Dr. Tobias Fleiter, Leiter des Geschäftsfelds Klimaneutrale Industrie beim Fraunhofer ISI: "Unsere Forschung zeigt: Technologien für eine klimafreundliche Prozesswärme sind für viele Branchen verfügbar. Gerade die smarte flexible Elektrifizierung bietet bereits kurzfristig vielen Unternehmen klimafreundliche, effiziente und wirtschaftliche Lösungen.“

Der Stakeholder-Dialog ist auf rund 1 Jahr angelegt und wird von der Deutschen Energie-Agentur (dena) unterstützt.