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Die deutsche Wirtschaft steht im Frühjahr 2026 noch ganz im Zeichen der Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten und den deutlichen Energie- und Rohstoffpreissteigerungen. Während sich bei der Stimmung in der Industrie zuletzt eine gewisse Stabilisierung abzeichnet, hat sich die Dynamik bei den Dienstleistern spürbar abgeschwächt. Vor allem konsumnahe Bereiche wie der Einzelhandel und das Gaststättengewerbe bekommen die Zurückhaltung infolge der Kaufkraftverluste und erhöhten Unsicherheit zu spüren. Die wirtschaftliche Dynamik dürfte im zweiten Quartal spürbar gedämpft werden. Eine konjunkturelle Erholung dürfte allenfalls in kleinen Schritten einsetzen, abhängig von dem weiteren Verlauf des Konflikts im Nahen Osten und der daraus folgenden Entwicklung der Energie- und Rohstoffpreise.
Die Industriekonjunktur stellt sich zu Beginn des zweiten Quartals verhalten dar. Bei den Auftragseingängen kam es im April nach dem vorangegangenen kräftigen Anstieg zu einem Rücksetzer. Die Industrieproduktion bewegte sich seitwärts. Im weniger volatilen Dreimonatsvergleich waren sowohl Auftragseingänge als auch die Industrieproduktion abwärtsgerichtet. Aktuelle Stimmungsindikatoren deuten nach den zuvor deutlichen Rückgängen eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau an.
Die preisbereinigten Umsätze im Einzelhandel (saisonbereinigt, ohne Kfz) sind im April um 0,3 Prozent gegenüber dem Vormonat gesunken, nachdem der März-Wert nach oben revidiert wurde. Gegenüber dem Vorjahresmonat verzeichnete der Einzelhandel im April ein Minus von 0,3 Prozent. Bei den PKW-Neuzulassungen durch Privatpersonen zeigt sich im Mai im Vorjahresvergleich erneut ein deutliches Plus. Auch in der Dreimonatsbetrachtung legten die Neuzulassungen signifikant zu. Das Stimmungsbild hat sich am aktuellen Rand vorerst stabilisiert, bleibt aber fragil und bewegt sich auf niedrigem Niveau.
Die Verbraucherpreise verlangsamten sich im Mai auf + 2,6 Prozent, nach + 2,9 Prozent im April. Ursächlich hierfür war der nachlassende Energiepreisauftrieb (+ 6,6 Prozent nach + 10,1 Prozent), wobei die temporäre Energiesteuersenkung auf Kraftstoffe entlastend wirkte. Auch eine geringe Dynamik bei Nahrungsmittelpreisen (+ 0,4 Prozent) wirkte dämpfend; Dienstleistungspreise zogen hingegen um + 3,1 Prozent weiter an; die Kerninflation stieg leicht auf + 2,5 %.
Der Arbeitsmarkt entwickelt sich im Frühjahr weiter schwach: So ist die Zahl der Arbeitslosen im Mai saisonbereinigt zwar leicht zurückgegangen, die Erwerbstätigkeit nahm im April jedoch weiter ab. Trotz eines leichten Plus im März war die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im Trend ebenfalls weiter rückläufig. Anhaltend hohe Energiepreise und die Unsicherheit über den Fortgang des Krieges im Nahen Osten lassen auch in den Sommermonaten keine Belebung der Arbeitskräftenachfrage erwarten.
Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist nach amtlicher Statistik im Februar 2026 um 6,7 Prozent gegenüber dem Vormonat auf 2.048 Fälle gestiegen; verglichen mit Februar 2025 ist sie um ein Prozent gesunken. Die aktuellen Zahlen der amtlichen Statistik für März 2026 werden am 12. Juni 2026 veröffentlicht. Der im Vergleich mit der amtlichen Statistik methodisch enger gefasste und zeitlich aktuellere IWH-Insolvenztrend für Personen- und Kapitalgesellschaften weist für Mai einen Rückgang der Insolvenzen von 15 Prozent gegenüber dem Vormonat sowie einen Anstieg von drei Prozent gegenüber Mai 2025 aus.
Konjunktureller Dämpfer im Frühjahr
Nach der wirtschaftlichen Belebung in Deutschland zu Jahresbeginn zeichnet sich im Frühjahr 2026 – vor dem Hintergrund des anhaltenden Konflikts im Nahen Osten und des damit zusammenhängenden deutlichen Energiepreisanstiegs – eine Abschwächung der konjunkturellen Dynamik im zweiten Quartal ab.
Angesichts der erhöhten geopolitischen Unsicherheiten, gestiegener Kosten für Energie und Rohstoffe sowie zunehmender Lieferkettenengpässe mehren sich am aktuellen Rand die Anzeichen für eine Abschwächung der in- und ausländischen Nachfrage, insbesondere nach Investitionsgütern. Laut jüngster Umfrage des ifo Instituts hat sich zudem der Anteil der Industrieunternehmen, die von Engpässen betroffen sind, von 7,5 Prozent im Januar auf 15,9 Prozent im Mai mehr als verdoppelt und liegt nunmehr auf dem höchsten Wert seit zweieinhalb Jahren. Vor allem Branchen mit hohem Bedarf an öl- und energieintensiven Vorprodukten wie die chemische Industrie und Hersteller von Gummi- und Kunststoffwaren spüren die Folgen der globalen Angebotsverknappung.
Nach dem Einbruch der Stimmungsindikatoren infolge der Eskalation im Nahen Osten haben sich diese zwischenzeitlich angesichts der vorläufigen Waffenruhe und der laufenden Friedensverhandlungen auf niedrigem Niveau stabilisiert. Dies spiegelt vermutlich die Erwartung einer sich abzeichnenden Annäherung im Konflikt im Nahen Osten wider. Allerdings dürfte auch in diesem Fall bis zu einer weitgehenden Normalisierung der Produktions- und Handelskapazitäten das Preisniveau für Energie noch längere Zeit deutlich erhöht und die Liefersituation bei wichtigen Vorleistungsgütern angespannt bleiben. Auch wenn sich die Stimmung in den Unternehmen zuletzt nicht weiter eingetrübt hat und aktuelle Indikatoren wie der LKW-Fahrleistungsindex für den Mai eine gewisse Erholung anzeigen, dürfte sich die Industrieproduktion angesichts der anhaltenden Belastungen in den kommenden Monaten weiter nur verhalten entwickeln.
Auch der Dienstleistungssektor bekommt die geopolitische Krisensituation und die energiepreisbedingten Kaufkraftverluste zunehmend zu spüren. Nach einer aktuellen DIHK-Umfrage vom Mai haben sich sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die Erwartungen von Dienstleistern deutlich eingetrübt. Ebenso verharrt der Einkaufsmanagerindex für den deutschen Dienstleistungssektor unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten, auch wenn sich der Rückgang der Geschäftstätigkeit zuletzt leicht abschwächte.
Auf der Nachfrageseite hält die Kaufzurückhaltung der privaten Haushalte an. Obwohl die Reallöhne im ersten Quartal mit einem Zuwachs von 1,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal weiter spürbar zulegten, tendieren der private Konsum und die konsumnahen Dienstleistungsbereiche wie Einzelhandel und Gaststättengewerbe weiter schwach. So waren die preisbereinigten Einzelhandelsumsätze (ohne Kfz) im April ebenso wie die realen Umsätze im Gastgewerbe im März weiter rückläufig. Zuletzt scheint sich die Stimmung der Konsumentinnen und Konsumenten aber auf einem niedrigen Niveau stabilisiert zu haben. Das HDE-Konsumbarometer stieg im Juni leicht an und auch das GfK-Konsumklima erholte sich moderat, wobei sich die Einkommenserwartungen etwas aufhellten, während die Anschaffungsneigung auf einem niedrigen Niveau verblieb. Solange die Energiepreise deutlich erhöht bleiben und die geopolitische Unsicherheit anhält, ist eine spürbare Erholung des privaten Konsums nicht zu erwarten.
Insgesamt deuten die aktuell vorliegenden Konjunkturindikatoren auf eine Stagnation der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung im zweiten Quartal hin, wobei nach wie vor erhebliche Risiken hinsichtlich einer erneuten Eskalation des Nahost-Konflikts, eines weiteren Anstiegs der Energie- und Rohstoffpreise sowie einer Verschärfung von Materialengpässen bestehen.
Weltwirtschaftliche Dynamik verlangsamt sich
Die weltweite Industriekonjunktur hat sich im März mit einem Rückgang der globalen Ausbringungsmenge um saisonbereinigt 1,7 Prozent gegenüber dem Vormonat spürbar abgekühlt. Während die Produktion in den Industrieländern in etwa stagnierte, brach sie in der Region des Nahen Ostens und Afrika mit - 26,0 Prozent infolge des Kriegs im Iran und der Blockade der Straße von Hormus deutlich ein. Im Vergleich zum Vorjahresmonat lag sie insgesamt nur noch um 1,3 Prozent im Plus. Die Frühindikatoren für die Weltkonjunktur weisen aktuell auf eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau hin: Der Einkaufsmanagerindex von S&P Global für die Weltwirtschaft bewegte sich mit 51,8 Punkten im Mai seitwärts und signalisiert damit trotz des Iran-Konflikts weiterhin ein moderates Wachstum. Zum Teil dürfte dies damit zusammenhängen, dass Kunden ihre Nachfrage vorzogen, um erwartete Preissteigerungen und Lieferengpässe abzufedern. Die Stimmung in der Industrie (52,6 Punkte) übertraf im Mai zum dritten Mal in Folge die im Dienstleistungsgewerbe (51,3 Punkte). Die Konjunkturerwartungen der Finanzinvestoren bleiben dagegen weiter eher optimistisch: Ungeachtet der anhaltend hohen Unsicherheit über den weiteren Verlauf des Konflikts im Nahen Osten ist der Sentix-Konjunkturindex im Juni um 4,4 auf 8,0 Punkte gestiegen. Dabei verbesserten sich sowohl die Lageeinschätzung als auch die Erwartungen mit Blick auf die Weltkonjunktur.
Der weltweite Güterhandel ging im März im Vormonatsvergleich erstmals seit August 2025 mit - 2,1 Prozent spürbar zurück. Infolge der faktischen Sperrung der Straße von Hormus sank der Außenhandel Afrikas und des Nahen Ostens deutlich. Darüber hinaus kam es zu kräftigen Rückgängen bei den Exporten Chinas sowie der asiatischen Schwellenländer, die zum Teil wohl mit dem in diesem Jahr spät liegenden chinesischen Neujahrsfest zusammenhängen dürften. Gegenüber März 2025 lag das globale Handelsvolumen insgesamt noch um 2,9 Prozent im Plus, im Vormonat hatte es den Vorjahreswert noch um 7,6 Prozent übertroffen.
Schiffsbewegungs- und Containerumschlagsdaten weisen für das zweite Quartal auf weitere Rückgänge hin. Der RWI/ISL-Containerumschlagindex ist im April angesichts der anhaltenden Sperrung der Straße von Hormus erneut von 142,2 auf 141,2 Zähler gesunken. Der Nordrange-Index für die Entwicklung im nördlichen Euroraum gab um 1,5 Punkte auf 118,5 Punkte nach. Besonders deutlich ging die Dynamik in den chinesischen Häfen zurück. Laut RWI dürften Lieferkettenstörungen durch den Konflikt im Nahen Osten und eine sinkende Nachfrage wesentlich dazu beigetragen haben. Auch der Trade Monitor des Internationalen Währungsfonds ist im April zum ersten Mal seit rund drei Jahren in den negativen Bereich gerutscht und deutet auf eine rückläufige Handelsaktivität hin.
Aktuelle Prognosen für die weltwirtschaftliche Entwicklung gehen unter der Annahme einer baldigen Beruhigung des Konflikts im Nahen Osten von BIP-Wachstumsraten von rund drei Prozent für das laufende und das kommende Jahr aus, betonen aber die erheblichen Abwärtsrisiken bei länger anhaltenden und höheren Energiepreisen und Lieferkettenstörungen. Auch für den Welthandel werden spürbare Beeinträchtigungen und damit – trotz des Booms im Handel mit KI-bezogenen Gütern – deutlich geringere Zuwächse als im vergangenen Jahr prognostiziert.
Außenhandel auch zu Beginn des zweiten Quartals noch auf Erholungskurs
Das deutsche Auslandsgeschäft setzte seine Aufwärtsbewegung auch zu Beginn des zweiten Quartals fort. Die nominalen Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen stiegen im April im Vormonatsvergleich saison- und kalenderbereinigt um 2,7 Prozent nach einer Seitwärtsbewegung im März. Sowohl in die EU als auch in die übrigen Länder wurden mehr Waren geliefert als im Vormonat. Während die Exporte in die USA zunahmen, hielt der Abwärtstrend auf dem chinesischen Markt an. Insgesamt lagen die Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen seit Januar um 2,2 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Auch die nominalen Einfuhren von Waren und Dienstleistungen legten im April mit + 4,5 Prozent gegenüber dem Vormonat deutlich zu, wobei vor allem aus den USA und den Drittstaaten insgesamt, aber auch aus dem Euroraum mehr Güter bezogen wurden. Der monatliche Saldo im Handel mit Waren und Dienstleistungen ging im April um 2,5 Milliarden Euro auf 6,4 Milliarden Euro weiter zurück.
Die Einfuhrpreise, insbesondere für Vorleistungsgüter, sind im April infolge des Konflikts im Nahen Osten saisonbereinigt mit 1,3 Prozent gegenüber dem Vormonat weiter gestiegen. Auch bei den Ausfuhren setzte sich der Preisauftrieb mit 0,9 Prozent fort, so dass sich die Terms of Trade um 0,4 Prozent gegenüber dem Vormonat verschlechterten. In realer Rechnung dürften also sowohl die Ex- als auch die Importe etwas schwächer expandiert haben.
Die Frühindikatoren haben sich zuletzt vor dem Hintergrund des andauernden Konflikts im Nahen Osten überwiegend eingetrübt: Die ifo-Exporterwartungen sanken im Mai von (revidiert) - 1,2 Punkte auf - 5,5 Punkte. Nach vier Monaten mit aufgehellten Erwartungen rechnet die Automobilindustrie nunmehr mit geringeren Ausfuhren. Zudem stehen v.a. die energieintensiven Branchen angesichts der Preisanstiege für Energie auf dem Weltmarkt unter Druck und erwarten Rückgänge. Die Elektrobranche blickt hingegen weiterhin leicht optimistisch auf das Exportgeschäft der nächsten drei Monate.
Die Auftragseingänge aus dem Ausland sind im April nach den vorangegangenen beiden Zuwächsen um 4,2 Prozent gegenüber dem Vormonat zurückgegangen. Aus dem Euroraum gingen deutlich weniger Order ein (- 11,1 Prozent), die Nachfrage aus den Drittstaaten nahm dagegen weiter leicht zu (+ 0,8 Prozent). Trotz des Rücksetzers zu Beginn des zweiten Quartals blieb die ausländische Bestelltätigkeit sowohl bei den Vorleistungs-, als auch bei den Konsum- und Investitionsgütern in der Tendenz aufwärtsgerichtet.
Nachdem die Weltwirtschaft angesichts kräftiger Investitionen in künstliche Intelligenz, günstiger finanzieller Rahmenbedingungen und nachlassender Handelsspannungen dynamisch in das Jahr 2026 gestartet war, weisen aktuelle Indikatoren auf eine Abschwächung infolge des Konflikts im Nahen Osten und den damit gestiegenen Kosten, Unsicherheiten und Lieferkettenengpässen hin. Entsprechend ist in den kommenden Monaten nach der zuletzt erfreulich robusten Entwicklung der deutschen Exporte mit einer spürbaren Eintrübung der Absatzperspektiven zu rechnen.
Industrieproduktion stagniert im April, Baugewerbe setzt Erholung fort
Die Produktion im Produzierenden Gewerbe startet verhalten in das zweite Quartal. Preis-, kalender- und saisonbereinigt legte sie gegenüber dem Vormonat um 0,4 Prozent zu. Gleichzeitig wurden die Werte für die beiden Vormonate, insbesondere für das Baugewerbe, vom Statistischen Bundesamt deutlich nach oben revidiert, so dass der Rückgang seit Jahresbeginn insgesamt geringer ausfällt. Im Vergleich zum Vorjahr lag die Produktion im Produzierenden Gewerbe arbeitstäglich bereinigt um 0,5 Prozent niedriger. Auch im Dreimonatsvergleich ging die Ausbringung gegenüber dem Vorzeitraum um 0,5 Prozent zurück, im Vergleich zu Vorjahr verringerte sie sich kalenderbereinigt um 1,7 Prozent.
Nach zuvor viermaligen Rückgängen stagnierte die Industrieproduktion im April im Vormonatsvergleich (0,0 Prozent). Im Baugewerbe setzte sich die Erholung des witterungsbedingten Einbruchs zu Jahresbeginn mit einem erneuten, deutlichen Plus von 2,4 Prozent fort. Im Energiesektor dagegen stagnierte die Ausbringung nach dem deutlichen Rückgang im Vormonat mit + 0,2 Prozent nahezu. Die energieintensiven Industrien setzten auch im April mit einem Plus von 1,0 Prozent ihre Erholung seit Jahresbeginn 2026 fort.
Nach Gütergruppen zeigte sich im Vormonatsvergleich bei den Vorleistungs- (+ 1,4 Prozent) wie auch den Konsumgüterproduzenten (+ 1,9 Prozent) ein Zuwachs. Bei den Investitionsgüterproduzenten setzte sich der Rückgang dagegen weiter fort (- 1,5 Prozent).
Im Baugewerbe konnte vor allem das Ausbaugewerbe (+ 3,2 Prozent) wie auch der witterungsabhängigere Tiefbau (+ 1,5 Prozent) zulegen, während der Hochbau leicht rückläufig war (- 0,4 Prozent).
Bei den einzelnen industriellen Wirtschaftszweigen zeigte sich im Vormonatsvergleich in der Mehrheit ein leichter Anstieg der Ausbringung: Insbesondere der sonstige Fahrzeugbau (+ 3,2 Prozent), pharmazeutische Erzeugnisse (+ 3,0 Prozent), chemische Erzeugnisse (+ 2,1 Prozent), Metallerzeugung und -bearbeitung (+ 1,9 Prozent), Metallerzeugnisse (+ 1,6 Prozent) sowie Gummi- und Kunststoffwaren (+ 1,6 Prozent) wiesen spürbare Zuwächse aus. Der gewichtige Maschinenbau (+ 0,8 Prozent) sowie Datenverarbeitungsgeräte, elektrische und optische Erzeugnisse (+ 0,5 Prozent) entwickelten sich dagegen schwächer. Rückgänge wiesen insbesondere die Produktion von Kfz- und Kfz-Teilen (- 4,7 Prozent) sowie die Kokereien und Mineralölverarbeitung (- 2,9 Prozent) aus.
Abgesehen vom Baugewerbe, das infolge der witterungsbedingten Aufholeffekte eine kräftige Erholung aufweist, stellt sich die Industriekonjunktur zu Beginn des zweiten Quartals vor dem Hintergrund des anhaltenden Konflikts im Nahen Osten und der gestiegenen Energiepreise recht verhalten dar.
Nach dem vorangegangenen deutlichen Anstieg kam es bei den Neuaufträgen zu Beginn des zweiten Quartals erwartungsgemäß zu einem Rücksetzer. Im April gingen die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe preis-, kalender- und saisonbereinigt – sowohl mit als auch ohne Großaufträge – um 3,8 Prozent gegenüber dem Vormonat zurück. Im März waren sie, wohl auch infolge vorgezogener Bestellungen angesichts drohender Lieferengpässe durch die faktische Sperrung der Straße von Hormus, um (revidiert) 4,5 Prozent gestiegen. Im Vergleich zum April 2025 lag die Nachfrage im industriellen Sektor arbeitstäglich bereinigt damit aber noch um 1,6 Prozent im Plus. Im weniger volatilen Dreimonatsvergleich war die Entwicklung mit - 3,1 Prozent zuletzt abwärtsgerichtet.
Dabei gingen im April sowohl aus dem Inland (- 2,9 Prozent) als auch aus dem Ausland (- 4,2 Prozent) weniger Bestellungen ein. Nach zwei kräftigen Zuwächsen kürzten die Abnehmer aus dem Euroraum ihre Aufträge um 11,1 Prozent, während die Nachfrage aus den übrigen Ländern mit + 0,8 Prozent aufwärtsgerichtet blieb.
Mit Blick auf die Gütergruppen waren nach den vorangegangenen kräftigen Zuwächsen insbesondere bei den Konsum- (- 6,7 Prozent) und Vorleistungsgütern (- 4,4 Prozent) Auftragseinbußen zu verzeichnen. In der Tendenz blieb die Nachfrage in beiden Segmenten aber aufwärtsgerichtet. Dagegen verringerte sich die Ordertätigkeit bei den Investitionsgüterherstellern sowohl im April (- 2,9 Prozent) als auch in der längerfristigen Dreimonatsbetrachtung (- 7,3 Prozent) spürbar.
In den einzelnen Wirtschaftszweigen stellte sich die Geschäftsentwicklung unterschiedlich dar. Während gewichtige Bereiche wie Kfz und Kfz-Teile (- 5,3 Prozent) und der Maschinenbau (- 7,4 Prozent) sowie die Hersteller von elektrischen Ausrüstungen (- 16,3 Prozent), pharmazeutischen Produkten (- 2,6 Prozent) und der sonstigen Fahrzeuge (- 7,4 Prozent) zu Beginn des zweiten Quartals spürbare Ordereinbußen zu verzeichnen hatten, blieb der Auftragsfluss bei Metall- und chemischen Erzeugnissen in etwa auf dem Niveau des Vormonats. Ein leichtes Orderplus ergab sich bei Daten, EDV und optischen Geräten sowie in der Metallerzeugung und in der Textil- und Bekleidungsindustrie (jeweils + 0,6 Prozent).
Am aktuellen Rand mehren sich die Anzeichen, dass sich die Preissteigerungen für Energie und Rohstoffe sowie die deutlich erhöhte geopolitische Unsicherheit zunehmend in einer geringeren Nachfrage insbesondere nach Investitionsgütern niederschlagen. Neben der zuletzt verhaltenen Auftragsentwicklung dürfte zum Teil auch eine zunehmende Anspannung in den Lieferketten die Produktionsentwicklung in einigen Bereichen dämpfen.
Erlöse im Einzelhandel leicht rückläufig; Frühindikatoren zeigen Stabilisierung
Die preisbereinigten Umsätze im Einzelhandel (saisonbereinigt, ohne Kfz) sind im April um 0,3 Prozent gegenüber dem Vormonat gesunken, nachdem der März-Wert nach oben revidiert wurde. Während der Handel mit Nicht-Lebensmitteln im Vergleich zum Vormonat um 2,2 Prozent sank, konnte der Umsatz mit Lebensmitteln um 3,2 Prozent zulegen. Gegenüber dem Vorjahresmonat verzeichnete der Einzelhandel im April ein Minus von 0,3 Prozent. Dabei gingen weder vom Handel mit Nicht-Lebensmitteln noch vom Handel mit Lebensmitteln signifikante Impulse aus, wobei sich ein deutlicher Rückgang im Handel mit Motorenkraftstoffen (Tankstellen) dämpfend auswirkte. Letzterer wies infolge des spürbaren Spritpreisanstiegs bereits in den Vormonaten reale Umsatzeinbußen auf. Im Dreimonatsvergleich zeigte sich der Gesamtumsatz im Einzelhandel ebenfalls deutlich abwärtsgerichtet (- 0,8 Prozent), wobei die Umsätze mit Nicht-Lebensmitteln um 0,2 Prozent zunahmen und die mit Lebensmitteln um 1,3 Prozent sanken.
Der Umsatz im Gastgewerbe sank im März sowohl preisbereinigt als auch nominal um 2,2 bzw. 1,3 Prozent. Gegenüber dem Vorjahresmonat ergab sich ein realer Rückgang von 5,2 Prozent; nominal lag der Umsatz um 2,5 Prozent höher.
Die Neuzulassungen von Pkw insgesamt sind im Mai im Vormonatsvergleich um 0,7 Prozent und im Dreimonatsvergleich um 1,9 Prozent gestiegen. Gegenüber dem Vorjahresmonat stagnierten die Neuzulassungen, die erneut von einem stärkeren Privatkundengeschäft getragen wurden. So lagen die Neuzulassungen durch Privatpersonen gegenüber Mai 2025 um deutliche 8,5 Prozent höher, nachdem sie schon in den beiden Vormonaten spürbar zugelegt hatten (Unternehmen und Selbstständige: - 4,1 Prozent). Auffällig ist das weiterhin signifikante Absatzwachstum bei E-Autos, das von der seit Mitte Mai – rückwirkend ab Januar - beantragbaren E-Auto-Förderung des Bundes für Privatpersonen mit kleinen und mittleren Einkommen verstärkt worden sein dürfte. Auch im Vormonats- und Dreimonatsvergleich stiegen die PKW-Neuzulassungen durch Privatpersonen, während die Pkw-Neuzulassungen von Unternehmen und Selbstständigen leicht nachgaben.
Nach starken Rückgängen infolge des andauernden Konflikts im Nahen Osten haben sich die Frühindikatoren für die Entwicklung des privaten Konsums im zweiten Quartal zwar überwiegend stabilisiert, zeichnen jedoch weiterhin ein pessimistisches Bild. Laut Prognose der GfK wird sich das Konsumklima im Juni mit einer Zunahme um 3,3 Zählern auf - 29,8 Pt. etwas von den Rückgängen der vergangenen Monate erholen. Positiv wirkte sich vor allem der deutliche Anstieg der Einkommenserwartungen aus, dem allerdings ein Einbruch im April vorausgegangen war. Die Anschaffungsneigung nahm ebenfalls etwas zu und die Sparneigung ging leicht zurück. Das Anfang Juni erschienene HDE-Konsumbarometer erhöhte sich nach mehreren deutlichen Verlusten etwas. Das ifo-Geschäftsklima im Einzelhandel (inkl. Kfz) stieg im Mai nach drei Rückgängen in Folge leicht auf -37,2 Pt. Während die Geschäftserwartungen mit - 46,2 Pt. um 2,9 Zähler positiver beurteilt wurden, sank die Geschäftslage um 1,9 Zähler auf - 27,6 Pt. Die Verkaufspreiserwartungen gingen nach einem kräftigen Anstieg seit Februar gegenüber dem Vormonat zurück.
Das Stimmungsbild hat sich am aktuellen Rand vorerst stabilisiert, bleibt aber fragil und bewegt sich auf niedrigem Niveau. Trotz leichter Aufhellung deuten die Frühindikatoren daher weiterhin keine spürbare Belebung der Konsumentwicklung im zweiten Quartal 2026 an. Insbesondere die kritische Lage im Nahen Osten und ihre weltwirtschaftlichen Folgen dürften dafür sorgen, dass die Unsicherheit der Verbraucherinnen und Verbraucher hoch bleibt.
Inflation lässt im Mai etwas nach
Der Verbraucherpreisanstieg verlangsamte sich im Mai auf + 2,6 Prozent (April + 2,9 Prozent), infolge einer geringeren Energiepreisdynamik (+ 6,6 Prozent nach + 10,1 Prozent) sowie eines unterproportionalen Anstiegs der Nahrungsmittelpreise (+ 0,4 Prozent); Dienstleistungspreise zogen hingegen an (+ 3,1 Prozent) und hoben die Kerninflation auf + 2,5 Prozent. Auch in den kommenden Monaten dürften die erhöhten Energie- und Rohstoffpreise die Preisentwicklung dominieren und schrittweise auch auf nachgelagerte Preisstufen durchwirkten.
Arbeitsmarkt weiter von konjunktureller Schwäche und Unsicherheit geprägt
Trotz einer leichten Frühjahrsbelebung entwickelt sich der Arbeitsmarkt insgesamt weiter schwach. Die Zahl der Arbeitslosen ist im Mai saisonbereinigt um zwölf Tausend Personen zurückgegangen. Dies ist zum Teil jedoch eine Gegenbewegung zu dem ferienbedingten Anstieg im Vormonat. Gegenüber dem Vorjahresmonat waren 31 Tausend Personen mehr arbeitslos. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Unterbeschäftigung. Die Erwerbstätigkeit nahm im April saisonbereinigt mit fünf Tausend Personen weniger stark ab als in den vorigen Monaten. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung konnte mit einem Plus von neun Tausend Personen im März den Rückgang des Vormonats zwar nahezu ausgleichen, verzeichnet in der längerfristigen Betrachtung jedoch weiterhin Rückgänge. Die Inanspruchnahme von Kurzarbeit hat sich im März voraussichtlich kaum verändert und auch die Zahl der Anzeigen von Kurzarbeit dürfte nach vorläufigen Meldungen im Mai in etwa auf Vormonatsniveau verharren.
Trotz leichter Stimmungsaufhellung bleibt der Arbeitsmarktausblick verhalten. Die Frühindikatoren haben sich zuletzt zwar stabilisiert, bewegen sich jedoch weiterhin im negativen Bereich. So gehen die Arbeitsagenturen gemäß IAB-Beschäftigungsbarometer auch für die kommenden drei Monate von einem leichten Anstieg der Arbeitslosigkeit aus. Gleichzeitig ist eine Ausweitung der Beschäftigung nach Einschätzung der vom ifo Institut befragten Unternehmen allenfalls in einzelnen Wirtschaftszweigen zu erwarten. Während die Beschäftigungsaussichten in der Industrie unverändert schwach sind, konnten die Dienstleister den Einbruch der Einstellungsbereitschaft im Vormonat wieder wettmachen. Aufgrund anhaltend hoher Energiepreise und der Unsicherheit über den Fortgang des Krieges im Nahen Osten zeichnet sich für die kommenden Monate weiterhin keine Erholung auf dem Arbeitsmarkt ab.
Unternehmensinsolvenzen im Mai deutlich gesunken aber weiterhin auf hohem Niveau
Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist nach amtlicher Statistik im Februar 2026 um 6,7 Prozent gegenüber dem Monat Januar auf 2.048 beantragte Verfahren gestiegen; verglichen mit Februar 2025 ist sie hingegen um ein Prozent gesunken. Im Vergleich zum Februar-Mittelwert 2016-2019 (1653) entspricht dies einem Anstieg von 24,2 Prozent. Die voraussichtlichen Forderungen der Gläubiger aus den im Februar 2026 gemeldeten Unternehmensinsolvenzen lagen mit rund 2,5 Mrd. Euro deutlich unter denen des Vorjahreszeitraums (9,0 Mrd. Euro).
#Der im Vergleich mit der amtlichen Statistik methodisch enger gefasste und zeitlich aktuellere IWH-Insolvenztrend für Personen- und Kapitalgesellschaften weist im Mai mit 1518 Insolvenzen einen Rückgang von 15 Prozent gegenüber dem Vormonat sowie einen Anstieg von drei Prozent gegenüber Mai 2025 aus. Die Zahl der betroffenen Beschäftigten (ca. 11.000) in den größten zehn Prozent der insolventen Unternehmen ist im Vergleich zum Vormonat um 43 Prozent gesunken und lag damit 22 Prozent unter dem Wert vom Mai 2025. Maßgeblich für den Rückgang der von Insolvenzen betroffenen Arbeitsplätze gegenüber den Vormonaten war das Ausbleiben besonders großer Unternehmensinsolvenzen im Mai. Das IWH geht auf der Basis eigener Frühindikatoren davon aus, dass die Insolvenzzahlen im Juni auf ähnlich hohem Niveau verharren werden.
1In diesem Bericht werden Daten genutzt, die bis zum 11. Juni 2026 vorlagen. Soweit nicht anders vermerkt, handelt es sich um Veränderungsraten gegenüber der jeweiligen Vorperiode auf Basis preis-, kalender- und saisonbereinigter Daten.
Weiterführende Informationen
12.06.2026 - Download -
Wirtschaftliche Entwicklung
Publikation:Ausgewählte Daten zur wirtschaftlichen Lage