- Die Dynamik der deutschen Wirtschaft dürfte sich im dritten Quartal 2026 - nach der Belebung im ersten Halbjahr – infolge von Sonderfaktoren vorübergehend abgeschwächt haben. Zwar hellten sich die Stimmungsindikatoren zuletzt weiter auf. Der nachlassende globale Lageraufbau bei energieintensiven Gütern, der vor allem im zweiten Quartal noch Impulse für Produktion und Exporte gab, sowie Einschränkungen der Binnenschifffahrt infolge von Niedrigwasser dämpfen aber weiterhin die Wertschöpfung. Auch von der Binnenwirtschaft sind angesichts von Kaufkraftverlusten aufgrund erhöhter Energiepreise, andauernder Unsicherheiten und gestiegener Finanzierungskosten kurzfristig kaum Impulse zu erwarten.
- Die Produktion im Produzierenden Gewerbe wurde im August preis-, kalender- und saisonbereinigt gegenüber Juli um 2,0 Prozent hochgefahren. Einen großen Anteil an dieser Steigerung hatte eine außergewöhnliche Expansion im Ausbaugewerbe. Die Ausbringung in den übrigen Wirtschaftsbereichen entwickelte sich verhalten. Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe verzeichneten einen deutlichen Rücksetzer. Darin spiegelt sich auch wider, dass die Impulse der energieintensiven Industrien, die sich im ersten Halbjahr im Zuge der Krise in der Golfregion ergeben hatten, nachlassen. Die Aussichten für die Industriekonjunktur bleiben verhalten.
- Die preisbereinigten Umsätze im Einzelhandel (saisonbereinigt, ohne Kfz) sind im August um 1,3 Prozent gegenüber dem Vormonat gestiegen, nachdem sie im Juli spürbar um 3,2 Prozent gesunken waren. Gegenüber August 2025 gingen die Einzelhandelsumsätze insgesamt leicht zurück. Die privaten Neuzulassungen von Pkw verzeichneten im September sowohl im Vormonats- als auch im Vorjahresvergleich deutliche Zuwächse. Die Neuzulassungen durch Unternehmen und Selbstständige erhöhten sich von August auf September etwas, verharrten aber weiterhin unter dem Vorjahresniveau. Die Konsumstimmung hat sich am aktuellen Rand erneut abgeschwächt.
- Die Verbraucherpreise sind im September um 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Vor allem verteuerte sich Energie nochmals deutlich um fast 15 Prozent verglichen mit September 2025. Die Kerninflation – ohne die stark schwankenden Preise für Energie und Nahrungsmittel – wächst unverändert auf erhöhtem Niveau um 2,4 Prozent. Nahrungsmittel sind 0,4 Prozent teurer als im September 2025, Preise für Dienstleistungen sind um 2,7 Prozent gestiegen, allerdings mit leicht abgeschwächter Dynamik.
- Die saisonbereinigte Arbeitslosigkeit stieg im September um zwölftausend Personen. Die Erwerbstätigkeit war im August mit einem Minus von 29.000 Personen spürbar rückläufig. Auch die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nahm im Juli um
12.000 Personen ab. In Anbetracht der weiterhin gedämpften Beschäftigungsperspektiven zeichnet sich für die kommenden Monate keine Trendwende auf dem Arbeitsmarkt ab. - Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen befindet sich weiter auf hohem Niveau. Laut amtlicher Statistik wurden von August 2025 bis Juli 2026 insgesamt 25.043 Unternehmensinsolvenzen gemeldet (Anstieg um 7,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum). Dem um zwei Monate aktuelleren IWH-Insolvenztrend zufolge wurden von Oktober 2025 bis September 2026 18.797 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften gemeldet (+ 8,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum).
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Wachstumspause im dritten Quartal infolge von Sonderfaktoren
Die deutsche Wirtschaft verlor im dritten Quartal 2026 vorübergehend an Schwung, bleibt aber auf Erholungskurs. Wie in der jüngst veröffentlichten Herbstprojektion der Bundesregierung angenommen, dürfte sich die konjunkturelle Dynamik nach der spürbaren Belebung im ersten Halbjahr 2026 im dritten Quartal etwas verringert haben. Dämpfend wirkten dabei Sonderfaktoren wie das Nachlassen des globalen Lageraufbaus von energieintensiven Gütern im Zuge der Nahost-Krise sowie anhaltende Belastungen aus dem historischen Niedrigwasser auf deutschen Schifffahrtstraßen.
Das Exportgeschäft, von dem im ersten Halbjahr wesentliche Wachstumsimpulse ausgingen, war zuletzt rückläufig. Nach der Erholung bis zur Jahresmitte dürfte die Dynamik im dritten Quartal schwächer gewesen sein. Hauptgründe sind auslaufende Vorzieheffekte im Zuge des Kriegs im Iran, hohe Energiepreise sowie die Transporteinschränkungen auf den Binnenschifffahrtsstraßen.
Die Auftragseingänge in der deutschen Industrie haben nach den Anstiegen in den Vormonaten mit einem Rückgang im August um über 10 Prozent gegenüber dem Vormonat einen deutlichen Dämpfer erfahren. Ursächlich hierfür war unter anderem, wie schon seit längerem, eine sehr volatile Entwicklung bei Großaufträgen im sonstigen Fahrzeugbau, worunter auch Beschaffungen im Verteidigungsbereich fallen. Ohne die Berücksichtigung von Großaufträgen stagnierte der Auftragseingang im August nahezu. Der Abwärtstrend seit dem Frühjahr wurde damit nicht durchbrochen.
Die Produktion im Produzierenden Gewerbe hat sich im August – nach dem deutlichen Rücksetzer im Vormonat – wieder merklich belebt, allerdings ging diese Erholung wesentlich von einem kräftigen Anstieg im Baugewerbe aus, bei dem die Abschlussbuchung eines Großprojekts im Ausbaugewerbe zu einem kräftigen Zuwachs führte. Die Produktion in der Industrie blieb dagegen zuletzt verhalten und unterschritt im Mittel der Monate Juli und August das Niveau des zweiten Quartals um 1,4 Prozent. Besonders ausgeprägt war dabei die Schwäche der energieintensiven Industriezweige, die zuvor von der globalen Lageraufstockung energieintensiver Güter profitieren konnten. Diese Industrien dürften auch besonders von den eingeschränkten Transportmöglichkeiten auf den Schifffahrtsstraßen infolge des Niedrigwassers betroffen sein.
Die Stimmung in den deutschen Unternehmen deutet dagegen auf eine günstigere Entwicklung zum Jahresende hin. Der ifo Geschäftsklimaindex stieg im September zum fünften Mal auf den höchsten Stand seit Mai 2023. Die Unternehmen beurteilten sowohl ihre aktuelle Lage als auch ihre Aussichten besser. Der S&P-Einkaufsmanagerindex erhöhte sich im September auf den höchsten Wert seit Oktober 2025. Neben einer fortgesetzten Produktionsausweitung im Produzierenden Gewerbe weisen erstmals auch Dienstleister eine spürbare Verbesserung ihrer Geschäftstätigkeit aus. Auch das ifo Geschäftsklima deutet auf eine zuletzt positivere Entwicklung im Dienstleistungssektor hin, wobei Unternehmen vor allem die laufenden Geschäfte, aber auch ihre Geschäftserwartungen günstiger bewerten. Auch die Lage bei den konsumnahen Dienstleistern scheint sich – ausgehend von einem sehr niedrigen Niveau – aufzuhellen: Das ifo Geschäftsklima im Einzelhandel (inkl. Kfz) stieg im September auf den höchsten Wert seit Jahresbeginn. Die Einzelhandelsumsätze (ohne Kfz) erholten sich im August im Vormonatsvergleich zwar etwas. Im Mittel der Monate Juli und August blieben sie aber um mehr als zwei Prozent unter dem Niveau des Vorquartals. Die Verbraucherstimmung hat sich zuletzt erneut eingetrübt: Das GfK-Konsumklima fiel für Oktober auf den niedrigsten Wert seit fünf Monaten und auch das HDE-Konsumbarometer war im Oktober deutlich rückläufig. Bei beiden Umfragen wurden sowohl die Einkommenserwartungen als auch die Anschaffungsneigung negativer beurteilt. Angesichts der energiepreisbedingt weiterhin erhöhten Inflation und der sinkenden Beschäftigung dürfte sich die Konsumstimmung der privaten Haushalte zunächst nicht wesentlich aufhellen.
Weltwirtschaft weiterhin auf Wachstumskurs
Die weltweite Industrieproduktion nahm im Juli mit einem saisonbereinigten Zuwachs von 0,3 Prozent gegenüber dem Vormonat weiter zu, nachdem sie im Juni mit + 1,2 Prozent recht deutlich ausgeweitet wurde. Im Vergleich zum Vorjahresmonat lag sie damit zuletzt um 2,0 Prozent im Plus. Für den weiteren Verlauf weisen Frühindikatoren weiterhin auf eine stabile Weltkonjunktur hin. Der Einkaufsmanagerindex von S&P Global für die Weltwirtschaft ist im September um 0,8 Punkte auf 54,3 Punkte gestiegen und deutet damit auf eine etwas höhere Gangart als im Vormonat hin. Der Anstieg spiegelt Zuwächse sowohl in der Industrie als auch im Dienstleistungssektor wider. Der sentix-Konjunkturindex für die Weltwirtschaft befindet sich im Oktober mit 13,5 Punkten weiterhin auf einem hohen Niveau. Während die Lagebeurteilung der Finanzinvestoren dank der Entwicklung der US- und der asiatischen Volkswirtschaften erneut etwas positiver ausfällt, haben sich die Erwartungen etwas eingetrübt.
Der globale Warenhandel legte im Juli im Vormonatsvergleich mit saisonbereinigt + 0,3 Prozent zu, nachdem er im Juni im Zuge der vorübergehenden Erholung des Handels durch die Straße von Hormus um 1,8 Prozent expandiert hatte. Dabei nahmen insbesondere die Ein- und Ausfuhren Lateinamerikas sowie die Importe der USA zu, während sich der Warenhandel in Asien im Juli schwächer entwickelte. Der RWI/ISL-Containerumschlagindex ist im August leicht um 0,1 auf 141,9 Punkte gestiegen und deutet damit auf eine weiterhin robuste Entwicklung des Welthandels hin. Regional betrachtet stellt sich die Entwicklung allerdings unterschiedlich dar: Während der Nordrange-Index mit (+ 3,4 auf 123,9 Punkte merklich zulegte, stagnierte der Umschlag in den chinesischen Häfen bei 155,8 Punkten und liegt damit weiterhin unter den Werten vor Beginn des Kriegs im Nahen Osten. Schiffsbewegungsdaten deuten laut dem Trade Nowcast des Internationalen Währungsfonds im August im Dreimonatsvergleich allerdings auf ein geringeres globales Handelsvolumen als im Vorjahreszeitraum hin.
Insgesamt gehen aktuelle Prognosen für die weltwirtschaftliche Entwicklung trotz geopolitischer Spannungen nach wie vor von einer robusten Weltkonjunktur mit Zuwachsraten von rund drei Prozent in den kommenden Jahren aus. Der Welthandel mit Waren und Dienstleistungen dürfte laut der aktuellen Prognose des Internationalen Währungsfonds im laufenden Jahr angesichts des starken ersten Halbjahres um 4,5 Prozent zulegen, 2027 wird mit einem ähnlichen Anstieg gerechnet. Neben der Investitions- und Handelsdynamik im Zusammenhang mit dem Ausbau künstlicher Intelligenz tragen hierzu auch verstärkte Investitionen im Verteidigungssektor bei.
Erholungskurs des Außenhandels gerät ins Stocken
Das Exportgeschäft war nach einem starken ersten Halbjahr im August den zweiten Monat in Folge rückläufig. Die nominalen Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen gaben saison- und kalenderbereinigt um 2,7 Prozent gegenüber dem Vormonat nach, lagen im Vorjahresvergleich mit + 6,9 Prozent jedoch weiterhin deutlich im Plus. Rückgänge zum Vormonat waren mit - 0,6 Prozent sowohl bei den Warenausfuhren in EU-Länder als auch mit - 1,1 Prozent in die Drittstaaten zu verzeichnen. Das US-Geschäft schwankt weiterhin stark: Nach einer kräftigen Zunahme im Juli gingen die Ausfuhren im August wieder merklich um 6,3 Prozent zurück. Seit Jahresbeginn liegen die Exporte von Waren und Dienstleistungen infolge der deutlichen Zuwächse im ersten Halbjahr insgesamt um 5,2 Prozent über dem Vorjahreszeitraum.
Die nominalen Einfuhren von Waren und Dienstleistungen stagnierten im August im Vormonatsvergleich. Im Vorjahresvergleich lagen sie mit 7,7 Prozent aber nach wie vor deutlich im Plus. Regional betrachtet zeigte sich bei den Wareneinfuhren ein differenziertes Bild: Während die Lieferungen aus den EU-Staaten leicht zurückgingen, legten die Importe aus den Ländern außerhalb der EU mit + 2,2 Prozent im Vormonatsvergleich zu. Vor allem die Einfuhren aus der Volksrepublik China expandierten mit + 11,0 Prozent deutlich. Der monatliche Überschuss im Handel mit Waren und Dienstleistungen schrumpfte um 4,3 auf 11,4 Milliarden Euro. Im Zeitraum von Januar bis August lag er damit um 10,4 Prozent über dem Vorjahreswert.
Die Einfuhrpreise sind im August mit saisonbereinigt + 1,1 Prozent gegenüber dem Vormonat erneut kräftig gestiegen und lagen damit um 8,3 Prozent über dem Vorjahresniveau. Der Preisauftrieb ist weiterhin maßgeblich auf gestiegene Rohstoffpreise insbesondere für Erdöl und Erdgas zurückzuführen. Die Ausfuhrpreise nahmen insgesamt um 0,6 Prozent zu, so dass sich die Terms of Trade leicht verschlechterten. In realer Rechnung dürften die Exporte damit etwas stärker rückläufig gewesen sein, die Importe dürften ebenfalls gefallen sein.
Aktuelle Frühindikatoren sind uneinheitlich, können in Summe aber positiv gewertet werden: Die ifo Exporterwartungen sind im September von 9,8 auf 8,0 wieder etwas gefallen, liegen jedoch noch immer höher als im gesamten Zeitraum seit Anfang 2022. Der Rückgang ist maßgeblich auf gedämpfte Erwartungen der Automobilindustrie zurückzuführen. Besonders optimistisch sind auch im September die Hersteller von elektrischen Ausrüstungen, Datenverarbeitungsgeräten sowie elektronischen und optischen Erzeugnissen, die von den globalen Investitionen in Rechenzentren profitieren. Verbessert haben sich erneut auch die Erwartungen im Maschinenbau. Die Neuaufträge aus dem Ausland sind im August mit - 5,4 Prozent gegenüber dem Vormonat deutlich gefallen und sind nun auch im Dreimonatsvergleich mit - 3,4 Prozent deutlich abwärtsgerichtet. Dabei gaben die Bestellungen aus dem Euroraum im August ähnlich stark nach wie die aus den übrigen Ländern. Dies ist vor allem auf einen deutlichen Rückgang an Großaufträgen zurückzuführen. Ohne Großaufträge gingen die Order aus dem Euroraum im Vormonatsvergleich nur um 0,2 Prozent und aus den übrigen Ländern um 0,8 Prozent zurück.
Nachdem sich die Ausfuhren trotz der gestiegenen Energiepreise und geopolitischen Unsicherheiten bis zur Jahresmitte erholt hatten, bestätigen die jüngsten Daten die erwartete schwächere Dynamik im dritten Quartal. Zum einen dürften mögliche Vorzieheffekte vor dem Hintergrund des Kriegs im Nahen Osten, z.B. bei Exporten von energieintensiven Vorprodukten, nachlassen. Zum anderen behindert das anhaltende Niedrigwasser auf wichtigen Binnenschifffahrtswegen den Warentransport.
Produktion durch Sondereffekt gestützt – Auftragseingänge rückläufig
Die Produktion im Produzierenden Gewerbe befindet sich auf dem höchsten Stand seit achtzehn Monaten. Im August wurde sie preis-, kalender- und saisonbereinigt im Vormonatsvergleich um 2,0 Prozent hochgefahren. Zuvor war es laut revidierten Angaben zu einer Drosselung um 1,2 Prozent gekommen. Im weniger volatilen Dreimonatsvergleich folgte die Ausbringung mit + 0,4 Prozent einem Aufwärtstrend. Gegenüber dem Vorjahresniveau lag sie arbeitstäglich bereinigt um 2,3 Prozent höher.
Im August lag die Bauproduktion deutlich (+ 9,3 Prozent) und die Industrieproduktion leicht (+ 0,6 Prozent) im Plus. Demgegenüber ging die Energieproduktion mit - 0,4 Prozent etwas zurück.
In den Zweigen des Baugewerbes verlief die Entwicklung im August durchweg positiv. Dabei stieg der Produktionsindex im Ausbaugewerbe mit +1 3,1 Prozent auf den höchsten Stand seit Dezember 2020. Dabei dürfte der Bauabschluss eines größeren Energieinfrastrukturprojekts eine Rolle gespielt haben. Der Hoch- und Tiefbau befanden sich wie schon seit dem Frühjahr weiter auf einem Erholungskurs (+ 2,0 Prozent bzw. + 0,4 Prozent).
Innerhalb der industriellen Gütergruppen gab das Produktionsvolumen von Vorleistungsgütern zum vierten Mal in Folge leicht nach (- 0,2 Prozent). Derweil konnten die Investitionsgüterproduzenten einen Teil ihres Einbruchs im Juli aufholen (+ 1,2 Prozent). Auch die Konsumgüterproduzenten legten nach dem vorherigen Rücksetzer leicht zu (+ 0,6 Prozent).
Die Industriezweige entwickelten sich uneinheitlich: Zuwächse verzeichneten Bereiche wie der Maschinenbau (+ 5,3 Prozent), Metallerzeugnisse (+ 3,5 Prozent) und elektrische Ausrüstungen (+ 1,2 Prozent). Hersteller von Kfz- und Kfz-Teilen (- 5,4 Prozent), chemischer Erzeugnisse (- 1,2 Prozent), Datenverarbeitungsgeräten sowie elektrischer und optischer Erzeugnisse (- 2,6 Prozent) mussten hingegen Rückgänge verbuchen. Der Boom in den energieintensiven Branchen, der in der ersten Jahreshälfte zu deutlichen Produktionsausweitungen in den entsprechenden Zweigen geführt hatte, scheint sich mit der dritten Drosselung in Folge (- 0,5 Prozent) nicht weiter fortzusetzen.
Die Steigerung der Produktion im Produzierenden Gewerbe fiel damit zuletzt überraschend kräftig aus. Einen großen Anteil daran hat die außergewöhnliche Expansion im Ausbaugewerbe, auf das etwa ein Prozentpunkt des Zuwachses entfällt. Unabhängig von diesem Sondereffekt setzt der restliche Bausektor trotz des gestiegenen Zinsniveaus seinen Erholungskurs fort. Gestützt wird er dabei insbesondere von öffentlichen Aufträgen zur Modernisierung der Infrastruktur. Dagegen bleibt die Industriekonjunktur verhalten. Während Werksmodernisierung und -ferien im Kfz-Sektor im Sommer für Dämpfungen sorgten, lässt der Impuls der energieintensiven Industrien im Zuge der Krise in der Golfregion nach. Entsprechend entwickelten sich die Auslandsumsätze in den letzten Monaten angesichts des hohen Wettbewerbsdrucks wenig dynamisch.
Dieser Umstand spiegelt sich auch in der Auftragsentwicklung wider: Die Auftragseingänge fielen um 10,6 Prozent geringer aus als im Vormonat. Aufgrund der kräftigen Anstiege im Juni und Juli ergab sich im Dreimonatsvergleich dennoch ein Plus von 1,3 Prozent. Auch gegenüber dem Vorjahresmonat fiel das Ordervolumen arbeitstäglich bereinigt um 2,7 Prozent höher aus. Ausschlaggebend für die starken monatlichen Schwankungen ist der Einfluss von Großaufträgen. Rechnet man diese heraus, stagnierten die Auftragseingänge in der Industrie im August im Vormonatsvergleich nahezu (- 0,1 Prozent). Im Dreimonatsvergleich zeigte sich hier ein deutlicher Rückgang um 2,6 Prozent.
Sowohl die Inlands- als auch die Auslandsnachfrage entwickelten sich zuletzt rückläufig. So brachen die inländischen Auftragseingänge nach drei kräftigen Anstiegen in Folge im August gegenüber dem Vormonat um - 17,3 Prozent ein. Ursächlich hierfür war die stark rückläufige heimische Investitionsgüternachfrage (- 28,6 Prozent), die aufgrund staatlicher Großaufträge zuvor erheblich zugenommen hatte. Aber auch die Auslandsorder gaben spürbar nach (- 5,4 Prozent). Nicht nur die Aufträge aus dem Nicht-Euroraum gingen zuletzt abermals deutlich zurück (- 5,5 Prozent). Auch die Bestellungen aus dem Euroraum verzeichneten ein Minus von 5,4 Prozent.
Innerhalb der Gütergruppen registrierten die Investitionsgüterproduzenten den stärksten Auftragsrückgang (- 15,3 Prozent), nachdem ihr Absatz seit Mai aufwärtsgerichtet war. Ohne Berücksichtigung von Großaufträgen entwickelte sich die Investitionsgüternachfrage jedoch positiv (+ 2,7 Prozent). Die Produzenten von Vorleistungsgütern meldeten im August ein 2,6 Prozent geringeres Ordervolumen als im Vormonat und büßten damit etwa die Hälfte des vorangegangenen Anstiegs ein. Auch die Nachfrage nach Konsumgütern kühlte sich nach einem deutlichen Rücksetzer zu Beginn des dritten Quartals weiter ab (- 7,3 Prozent).
Die Ordervolumen in den einzelnen Wirtschaftszweigen entwickelten sich überwiegend rückläufig. Gestiegene Auftragseingänge meldeten insbesondere die Hersteller von Kraftfahrzeugen und Kfz-Teilen (+ 2,8 Prozent), nachdem diese zuvor stark gesunken waren. Den deutlichsten Nachfrageeinbruch verzeichnete der sonstige Fahrzeugbau (- 61,5 Prozent), dessen Aufträge sich im Juli allerdings mehr als verdoppelt hatten. Ebenfalls weniger Aufträge registrierten die Hersteller von elektrischen Ausrüstungen (- 5,3 Prozent), Metallerzeugnissen (- 3,5 Prozent) und chemischen Erzeugnissen (- 1,5 Prozent). Auch Maschinenbauer (- 4,4 Prozent), Metallerzeuger (- 3,9 Prozent) sowie die Hersteller von Datenverarbeitungsgeräten, elektrischen und optischen Erzeugnissen (- 2,0 Prozent) meldeten weniger Bestellungen. Die Ordervolumen in diesen Branchen fielen dennoch deutlich höher aus als im Vorjahresmonat.
Aufgrund der gestiegenen Bedeutung von öffentlichen Beschaffungen entwickeln sich die Auftragseingänge weiterhin sehr volatil. Gleichzeitig war die Industrienachfrage zu Jahresbeginn auch von Sondereffekten im Zusammenhang mit dem Krieg im Nahen Osten geprägt, deren Auswirkung im dritten Quartal spürbar nachgelassen hat. Auch wenn die Neuaufträge in der Industrie im August schwach ausfielen und strukturelle Wettbewerbsprobleme fortbestehen, hat sich die Auftragslage insbesondere in Branchen, die vom KI-Boom und staatlichen Beschaffungen profitieren, zuletzt deutlich verbessert.
Die Aussichten für eine breit angelegte Belebung der Industriekonjunktur sind allerdings nach wie vor verhalten. Produktionsseitig ist für September mit einem Rückprall der Sonderentwicklung im Ausbaugewerbe zu rechnen.
Erlöse im Einzelhandel im Plus; Frühindikatoren auf niedrigem Niveau uneinheitlich
Die preisbereinigten Umsätze im Einzelhandel (saisonbereinigt, ohne Kfz) sind im August um 1,3 Prozent gegenüber dem Vormonat gestiegen, nachdem sie im Juli spürbar um 3,2 Prozent gesunken waren. Sowohl der Handel mit Lebensmitteln als auch mit Nicht-Lebensmitteln konnte zulegten. Letzterer hatte im Juli ein deutliches Minus in Höhe von 4,3 Prozent verzeichnet. Gegenüber August 2025 gingen die Einzelhandelsumsätze insgesamt leicht zurück, wobei der Handel mit Nicht-Lebensmitteln dämpfend wirkte. Der Handel mit Motorenkraftstoffen (Tankstellen) blieb nach einem Minus von 8,1 Prozent im Juli am aktuellen Rand im Vormonatsvergleich unverändert und ging gegenüber dem Vorjahr erneut deutlich zurück.
Der Umsatz im Gastgewerbe erhöhte sich im Juli im Vormonatsvergleich sowohl preisbereinigt um 1,5 Prozent als auch nominal um 1,3 Prozent. Gegenüber dem Vorjahresmonat lagen die realen Umsätze mit - 4,0 Prozent hingegen deutlich niedriger, während sich in nominaler Rechnung ein Plus von 3,0 Prozent ergab.
Die Neuzulassungen von Pkw insgesamt stiegen im September im Vormonatsvergleich spürbar um 7,6 Prozent. Auch im Dreimonats- sowie Jahresvergleich ergab sich mit + 3,9 bzw. + 9,0 Prozent ein Plus. Insbesondere die Neuzulassungen von Arbeitnehmern und Nichterwerbstätigen erhöhten sich deutlich. Die Neuzulassungen von Unternehmen und Selbstständigen stiegen zwar im Vormonatsvergleich, im Dreimonats- und auch Vorjahresvergleich gingen sie jedoch zurück. Nach Antriebsarten legten Zulassungen von Fahrzeugen mit Elektroantrieben zu, während sie bei Benzin- und Dieselmotoren rückläufig waren. Treiber dieser Entwicklung sind v.a. die staatliche Förderung für Elektroautos, die seit Mai rückwirkend bis Januar von Privatpersonen beantragt werden kann, und die anhaltend hohen Kraftstoffpreise.
Nach der Stabilisierung der Frühindikatoren in den vergangenen Monaten zeigt sich am aktuellen Rand eher eine Zweiteilung zwischen eingetrübtem, verbraucherseitigen Konsumklima auf der einen und optimistischeren Händlerbewertungen auf der anderen Seite. Laut Prognose der GfK wird das Konsumklima im Oktober spürbar um 3,8 Zähler auf - 30,6 Punkte zurückgehen, gedämpft von einem Rückprall der Einkommenserwartung um 16,7 Zähler und einer gestiegenen Sparneigung. Letztere kletterte auf das Niveau der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008. Die Konjunkturerwartung, die nicht Bestandteil des Konsumklimas ist, konnte etwas zulegen und verzeichnete den fünften Anstieg in Folge. Das Anfang Oktober erschienene HDE-Konsumbarometer ist ebenfalls spürbar gesunken und bewegt sich deutlich unter Vorjahresniveau. Im Gegensatz zu den rückläufigen Konsumindikatoren von GfK und HDE stieg das ifo Geschäftsklima im Einzelhandel (inkl. Kfz) im September hingegen auf den höchsten Wert seit Januar. Insbesondere die Bewertung der Geschäftslage, aber auch der Erwartungsindikator hellten sich auf. Die Verkaufspreiserwartungen legten nach einem deutlichen Rückgang im Vormonat wieder spürbar zu. In der Betrachtung ohne den Kfz-Handel zeigt sich ebenfalls eine Aufhellung.
Das Stimmungsbild zeigt sich am aktuellen Rand uneinheitlich und insgesamt auf schwachem Niveau. Sorgen um Kaufkraftverluste vor dem Hintergrund anhaltend hoher Verbraucherpreise und einer schwachen Arbeitsmarktentwicklung wirken dämpfend, während sich Hoffnungen auf eine fortgesetzte wirtschaftliche Erholung in Deutschland zu verfestigen scheinen und im weiteren Jahresverlauf positive Stimmungsimpulse setzen könnten.
Energiepreise treiben Inflation weiter nach oben
Die Verbraucherpreise sind im September um 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Vor allem verteuerten sich Energiepreise nochmals deutlich um fast 15 Prozent verglichen mit September 2025. Die Kerninflation – ohne die stark schwankenden Preise für Energie und Nahrungsmittel – lag unverändert bei 2,4 Prozent. Nahrungsmittel waren 0,4 Prozent teurer als 2025. Preise für Dienstleistungen sind zwar um 2,7 Prozent gestiegen, allerdings mit leicht abnehmender Dynamik.
Die Erzeugerpreise wiesen im August mit 4,6 Prozent den höchsten Anstieg seit April 2023 auf. Preise für importiere Waren legten im August deutlich um 8,3 Prozent. Zu. Vor allem Preise für Energieimporte erhöhten sich um + 43,0 Prozent erheblich.
Der Energiepreisanstieg ist weiter deutlich spürbar in den Verbraucherpreisen und die Überwälzung auf nachgelagerte Stufen hält weiter an. Laut ifo Preiserwartungen planten im September insgesamt etwas mehr Unternehmen, ihre Preise zu erhöhen. Die ifo Preiserwartungen stiegen leicht auf 22,7 Punkte, von 21,4 im August. Dies deutet darauf hin, dass die höheren Energiepreise zunehmend auf die Verkaufspreise weitergegeben werden. Die ab Oktober wieder reduzierte Energiesteuer auf Kraftstoffe dürfte die Inflation um etwa 0,1 Prozentpunkte im Schlussquartal dämpfen. Dennoch werden die Verbraucherpreise voraussichtlich noch bis in den Winter steigen, vor allem infolge weiterhin hoher Energiepreise. So kostete das Barrel Öl der Sorte Brent im Mittel des Monats September 102 US-Dollar. Allerdings bepreisen die Terminmärkte das Barrel im Dezember 2026 mit 98 US-Dollar und im September nächsten Jahres mit 83 US-Dollar wieder niedriger. Dagegen dürften die Gaspreise auf Basis der Terminmärkte etwas länger erhöht bleiben.
Erwerbstätigkeit sinkt, Stimmungsindikatoren stabilisieren sich
Der Trend rückläufiger Beschäftigung setzt sich im dritten Quartal fort. Die saisonbereinigte Erwerbstätigkeit verzeichnete im August ein Minus von 29 Tausend Personen und lag damit um 0,5 Prozent unterhalb des Vorjahresniveaus. Zudem wurde die Zahl der Erwerbstätigen in den vorangegangenen Monaten leicht abwärtsrevidiert. Auch die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nahm im Juli um zwölftausend Personen ab. Bis zum Ende des Quartals dürfte dieser Trend anhalten. So hat die Arbeitslosigkeit im September um zwölftausend Personen zugenommen.
Ursächlich hierfür war auch eine leicht sinkende Unterbeschäftigung. Die Inanspruchnahme von Kurzarbeit ist im Juli voraussichtlich sowohl gegenüber dem Vormonat als auch im Vorjahresvergleich zurückgegangen. Die Anzeigen von Kurzarbeit sind im Trend weiter rückläufig.
Die Frühindikatoren haben sich zuletzt auf niedrigem Niveau stabilisiert. So verzeichnete das ifo Beschäftigungsbarometer im September den dritten Anstieg in Folge und erreicht damit den höchsten Wert seit Mai 2025. Im Verarbeitenden Gewerbe dürfte der Stellenabbau sich dementsprechend verlangsamen. Im Dienstleistungssektor und im Baugewerbe deuten die Umfrageergebnisse auf eine Stagnation der Beschäftigung hin. Auch die Arbeitslosigkeitskomponente des IAB-Arbeitsmarktbarometers hat sich zuletzt spürbar verbessert. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit dürfte daher auch auf die infolge der Bürgergeldreform höhere statistische Erfassung von erziehenden Leistungsberechtigten zurückzuführen sein. Angesichts nach wie vor geringer Abgangschancen von Arbeitslosen in Beschäftigung zeichnet sich für die kommenden Monate weder ein Rückgang der Arbeitslosigkeit noch ein Anstieg der Beschäftigung ab.
Unternehmensinsolvenzen weiterhin auf hohem Niveau
Aktuellen Zahlen des statistischen Bundesamtes zufolge ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im Juli 2026 gegenüber dem Vormonat um 4,7 Prozent auf 2.373 Fälle gestiegen. Verglichen mit Juli 2025 liegt sie um 8,0 Prozent höher. In den ersten sieben Monaten 2026 wurden 6,9 Prozent mehr Unternehmensinsolvenzen beantragt als im Vorjahreszeitraum.
Dem um zwei Monate aktuelleren IWH-Insolvenztrend zufolge lag im September 2026 ein Anstieg der Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften von 9,2 Prozent auf 1.666 Fälle gegenüber dem Vormonat sowie ein Anstieg von 13,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat vor. Insgesamt wurden in den letzten zwölf Monaten von Oktober 2025 bis September 2026 18.797 Insolvenzen gemeldet (Anstieg um 8,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum). Die Zahl der Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften ging im 3. Quartal 2026 gegenüber dem Vorquartal leicht zurück (- 2,3 Prozent), war zugleich aber auf dem zweithöchsten Stand seit 2005. Auf der Basis eigener Frühindikatoren erwartet das IWH zum Jahresende eine weitere Entspannung.
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1In diesem Bericht werden Daten genutzt, die bis zum 13. Oktober 2026 vorlagen. Soweit nicht anders vermerkt, handelt es sich um Veränderungsraten gegenüber der jeweiligen Vorperiode auf Basis preis-, kalender- und saisonbereinigter Daten.