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In Kürze Der Nowcast für die saison- und kalenderbereinigte Veränderungsrate des BIP beträgt +1,5 % für das zweite Quartal 2021 (Stand 11. Juni)1
Das Prognosemodell ermittelt als Nowcast für das zweite Quartal 2021 einen saison- und kalenderbereinigten Anstieg des BIP um preisbereinigt 1,5 % gegenüber dem Vorquartal. Der Nowcast ist eine täglich aktualisierte, rein technische Prognose, bei der es sich weder um die Schätzung des BMWi noch um die offizielle Projektion der Bundesregierung handelt. Die amtlichen Ergebnisse für das zweite Quartal 2021 werden vom Statistischen Bundesamt Ende Juli 2021 veröffentlicht.
Die Entwicklung des Nowcast im Zeitverlauf wird durch die Abbildung veranschaulicht. Nach erstmaliger Ermittlung zu Jahresanfang 2021 lag der Wert für das zweite Quartal bei 0,2 %. Im Laufe des ersten Quartals führten vor allem enttäuschende Nachrichten zur Konjunktur des Euroraums sowie gedrückte Stimmungsindikatoren zu einer Dämpfung der Prognose. Zeitweise fiel der Schätzwert auf rund -0,8 %, stabilisierte sich dann aber wieder bei -0,2 %. Ende März sorgten verbesserte Stimmungsindikatoren sowie eine anziehende Euroraum-Konjunktur für deutliche Sprünge nach oben auf rund 0,7 %. Nach der Veröffentlichung weiterer Umfragedaten kam es Ende April zu einer Verringerung auf ca. 0,4 %. Anfang Mai überraschten die Meldungen für März und April 2021 zu Produktion, Auftragseingängen und Außenhandel das Modell jedoch positiv, was zu einer Anhebung auf fast 0,9 % führte. Der anschließende Sprung auf den zwischenzeitlichen Höchststand von 2,6 % Ende Mai ist das Ergebnis einer Neukalibrierung des Modells. Hierbei werden die Zeitreihen der herangezogenen Wirtschaftsdaten standardmäßig um Ergebnisse aus dem vorangegangenen Jahr erweitert. Diese eigentlich routinemäßige Aktualisierung hat in diesem Fall einen deutlichen Einfluss auf den Schätzwert ausgeübt. Der Grund dafür ist, dass die verwendeten Daten während der Hochphase der Corona-Pandemie zum Teil beispiellos niedrige Werte aufgewiesen haben. Konfrontiert mit diesem tieferen Ausgangsniveau hob das Modell seine Erwartungshaltung angesichts der sich am aktuellen Rand abzeichnenden Erholung der Konjunktur stark an. Anfang Juni fiel der Nowcast allerdings wieder pessimistischer aus. Die Absenkung ist die Reaktion darauf, dass die Produktion, die Auftragseingänge und die Umsätze in der Industrie sowie der Außenhandel ihr bisheriges Erholungstempo im April nicht halten konnten. Derzeit liegt der Schätzwert bei rund +1,5 %.
Nach wie vor ist die Prognoseunsicherheit hoch. Aufgrund der Ausnahmesituation, in der sich die deutsche Konjunktur befindet, ist der Zusammenhang zwischen Indikatoren und der zukünftigen wirtschaftlichen Entwicklung derzeit kaum in empirischen Modellen abzubilden. Der weitere Konjunkturverlauf hängt nun stark vom weiteren Infektionsgeschehen und den in der Folge ergriffenen Maßnahmen ab. Eine wesentliche Rolle spielt dabei der Fortschritt bei der Impfkampagne. Diese Sachverhalte können im ökonometrischen Modell des Nowcast nicht abgebildet werden.
Derzeit ist mit einem weiteren zügigen Voranschreiten der Impfkampagne und weiteren Lockerungen der Infektionsschutzmaßnahmen zu rechnen. Wie die weitere Entwicklung tatsächlich ausfällt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen, wenn die amtlichen Daten für das zweite Quartal 2021 veröffentlicht werden. Die Bundesregierung hat mit der Frühjahrsprojektion 2021 am 27. April ihre aktualisierte Vorausschätzung vorgelegt.
1 Für nähere Erläuterungen zu der Methode, den verwendeten Daten und der Interpretation des Modells, siehe Senftleben und Strohsal (2019): „Nowcasting: Ein Echtzeit-Indikator für die Konjunkturanalyse“, Schlaglichter der Wirtschaftspolitik, Juni 2019, Seite 9–11, und Andreini, Hasenzagl, Reichlin, Senftleben und Strohsal (2020) „Nowcasting German GDP“, CEPR DP14323.l
Das Modell
Das Modell zur Prognose des deutschen Bruttoinlandsprodukts wird von Now-Casting Economics Ltd. betrieben. Der hier veröffentlichte Nowcast ist eine rein technische, modellbasierte Prognose. Die Schätzungen sind mit einer hohen statistischen Unsicherheit behaftet, die mit Modellprognosen immer einhergeht. Es handelt sich bei dem Nowcast weder um die Prognose des BMWi noch um die offizielle Projektion der Bundesregierung.
ENTWICKLUNG DES BIP NOWCAST FÜR DAS ZWEITE QUARTAL IN %