Professor Jürgen Kühling

Professor Jürgen Kühling

Was ist aus Ihrer Sicht der größte Erfolg der Monopol­kommission in den vergangenen 50 Jahren?

Der größte Erfolg ist zweifellos der gute Ruf, den sich die Kommission mit ihren fundierten Analysen und Vorschlä­gen bei Ministerien, Politik und Öffentlichkeit erworben hat. Es gibt auch zahlreiche Beispiele, in denen unsere Vor­schläge unmittelbar zur Ausgestaltung des Wettbewerbs-­ und Regulierungsrechts beigetragen haben, wie jetzt bei der Effektivierung des kartellrechtlichen Instruments der Sektoruntersuchung. Vor allem aber geht es darum, bei den Entscheiderinnen und Entscheidern das Bewusstsein für wettbewerbliche Lösungen zu schärfen und ihre Vorteile für die Verbraucherinnen und Verbraucher aufzuzeigen.

Welche (neuen) Märkte werden in den kommenden Jahren verstärkt im Fokus der Arbeit der Monopol­kommission liegen?

In den Netzwirtschaften ist durch die Transformation vieles in Bewegung und z.B. die Bahn zeigt uns allen leider all­zu oft, dass das Potenzial für bessere Lösungen noch lange nicht ausgeschöpft ist. Darüber hinaus wird sich die Kom­mission immer wieder mit aktuellen Themen beschäftigen. Im kommenden Hauptgutachten schauen wir uns z.B. den Fernwärmesektor in seiner neuen Rolle näher an und eva­luieren, wie der Zugang zu wettbewerbsrelevanten Daten gestaltet werden könnte.

Wird es je genug Wettbewerb geben?

Nein, jedenfalls nicht in allen Bereichen. Wettbewerb liegt nicht im Interesse der Unternehmen, sondern in dem der Verbraucherinnen und Verbraucher. Etablierte Platzhirsche z.B. im Telekommunikationssektor, staatliche Interessen vor allem bei eigenen Unternehmen oder die Probleme von Plattformen und Ökosystemen in digitalen Märkten machen deutlich, warum eine durchdachte wettbewerbspolitische Analyse nie obsolet wird.