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Die wirtschaftliche Entwicklung im zweiten Quartal 2024
Einleitung
IN KÜRZE
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Deutschland ist im zweiten Quartal 2024 gegenüber dem Vorquartal preis-, kalender- und saisonbereinigt um 0,1 % zurückgegangen.
Ausschlaggebend für das leichte Minus war ein Rückgang des privaten Konsums und der Bruttoanlageinvestitionen sowie ein negativer Außenbeitrag.
Stützend wirkten hingegen der staatliche Konsum sowie eine positive Vorratsveränderung.
Die Bruttowertschöpfung nahm insgesamt um 0,1 % ab. Rückgänge waren im Bausektor, im Verarbeitenden Gewerbe sowie in gewichtigen Dienstleistungsbereichen zu verzeichnen.
Angesichts der verhaltenen Ergebnisse wichtiger Stimmungs- und Konjunkturindikatoren dürfte die wirtschaftliche Erholung im dritten Quartal weiterhin schwach verlaufen.
Am 27. August hat das Statistische Bundesamt detaillierte Ergebnisse zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal 2024 veröffentlicht. Im Ergebnis hat sich die preis-, kalender- und saisonbereinigte Wirtschaftsleistung gegenüber dem Vorquartal um 0,1 % verringert. Im ersten Quartal hatte sie sich mit einem Plus von 0,2 % noch leicht erhöht. Damit bestätigte das Amt seine Schnellschätzung vom 30. Juli.
Nach der Belebung zu Jahresbeginn mit einem Plus von 0,2 % ist das Wachstum im zweiten Quartal erneut zum Stillstand gekommen. Damit verläuft die Erholung der deutschen Wirtschaft schwächer als zu Jahresbeginn allgemein erwartet.
Auf der Entstehungsseite des BIP nahm die Bruttowertschöpfung im zweiten Quartal preis-, saison- und kalenderbereinigt ebenfalls um 0,1 % ab. Das Baugewerbe verzeichnete nach dem witterungsbedingt kräftigen Anstieg im ersten Quartal einen Rückgang um 3,2 %. Die Wertschöpfung im Verarbeitenden Gewerbe reduzierte sich bei schwacher Auslandsnachfrage nach Exportgütern um 0,2 %. Der Dienstleistungssektor verbuchte zwar insgesamt ein leichtes Plus von 0,2 %. Dabei fiel der Vorquartalsvergleich vor dem Hintergrund der allgemeinen Konsumzurückhaltung in gewichtigen Branchen aber negativ aus. Das betraf vor allem den Handel (-0,8 %) und das Gastgewerbe (-5,6 %), das von der Fußball-Europameisterschaft in Deutschland im Juni und Juli nicht spürbar profitieren konnte. Wachstumsimpulse gingen hingegen von den weniger konjunktursensiblen Bereichen Verkehr und Lagerei (+1,6 %), Unternehmensdienstleistern und Wohnungswesen (+0,9 %) sowie Information und Kommunikation (+0,6 %) aus.
Staatlicher Konsum stützte die Wirtschaftsleistung
Auf der Verwendungsseite des BIP war die nach wie vor verhaltene binnen- und außenwirtschaftliche Nachfrage dominierend. So gingen trotz des kräftigen Anstiegs der Verfügbaren Einkommen um 3,1 % die privaten Konsumausgaben – nach einem leichten Anstieg im ersten Quartal – um 0,2 % zurück. Die Bau- sowie die Ausrüstungsinvestitionen brachen um 2,0 % bzw. 4,1 % ein. Positive Impulse gingen einzig vom Staatskonsum mit einem Plus von 1,0 % und von der Vorratsveränderung mit einem Wachstumsbeitrag von 0,4 Prozentpunkten aus. Der Außenbeitrag war mit -0,1 Prozentpunkten leicht negativ, weil die Exporte angesichts der schwachen Auslandsnachfrage um 0,2 % zurückgingen, während die Importe stagnierten (0,0 %).
Zunahme der Erwerbstätigen verringert sich
Die konjunkturelle Schwäche hinterlässt auch auf dem Arbeitsmarkt allmählich ihre Spuren: Die Zahl der Erwerbstätigen nahm zwar erneut zu, allerdings fällt das Plus zunehmend schwächer aus. Die Wirtschaftsleistung wurde im zweiten Quartal 2024 von rund 46,1 Millionen Erwerbstätigen erbracht. Das waren 167 000 Personen oder 0,4 % mehr als ein Jahr zuvor und stellt einen neuen Höchststand dar.
Die durchschnittlichen geleisteten Arbeitsstunden je Erwerbstätigen gingen gegenüber dem Vorjahresquartal nach vorläufigen Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) um 0,2 % zu. Dazu beigetragen hat auch ein Kalendereffekt infolge der frühen Osterfeiertage im ersten Quartal. Das gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen (Produkt aus Erwerbstätigenzahl und geleisteten Stunden je erwerbstätiger Person) erhöhte sich im gleichen Zeitraum um 0,3 %.
Die nominalen Arbeitnehmerentgelte (Bruttomonatsverdienste einschließlich Sonderzahlungen) sind den aktuellen Berechnungen zufolge im Vorjahresvergleich kräftig um 5,4 % gestiegen. Die hohen Steigerungsraten der Nominallöhne nehmen aber nach erfolgter Auszahlung der Inflationsausgleichsprämien sukzessive ab. Infolge der rückläufigen Inflationsrate stiegen die Reallöhne im gleichen Zeitraum um 3,1 %.
Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmerin und Arbeitnehmer verzeichneten ebenfalls erneut einen kräftigen Zuwachs um 5,1 % gegenüber dem Vorjahr. Da sich auch die Zahl der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erhöhte, stiegen die Bruttolöhne und -gehälter insgesamt mit 5,6 % erneut etwas kräftiger. Infolge der steuer- und abgabenfreien Inflationsausgleichsprämien fiel das Plus bei den Nettolöhnen und -gehältern je Arbeitnehmerin und Arbeit- nehmer mit +5,3 % ebenfalls deutlich aus.
Die Unternehmens- und Vermögenseinkommen verringerten sich hingegen um 2,1 %. Insgesamt stieg das Volkseinkommen binnen Jahresfrist um 3,4 %.
Die Zuwachsrate der nominalen privaten Konsumausgaben betrug 3,0 % gegenüber Vorjahresquartal. Das nominale verfügbare Einkommen stieg demgegenüber erneut etwas kräftiger mit +3,9 %. Daraus resultiert ein Anstieg der Sparquote auf 10,8 %. Im Vorquartal hatte sie aufgrund der deutlicheren Steigerungen der verfügbaren Einkommen noch 13,7 % betragen.
Erholung in zweiter Jahreshälfte unsicher
Die grundsätzlichen Ausgangsbedingungen für eine binnenwirtschaftlich getragene Belebung in der zweiten Jahreshälfte sind nach wie vor gegeben: Die privaten Haushalte haben infolge der gesunkenen Inflationsraten und der Tariflohnsteigerungen auch real wieder mehr Geld zur Verfügung. Vom privaten Konsum könnten somit in der zweiten Jahreshälfte konjunkturelle Impulse ausgehen. Auch die eingeleitete Zinswende der Europäischen Zentralbank dürfte sich im späteren Jahresverlauf zunehmend bemerkbar machen.
Mit der fortgesetzten Eintrübung der Stimmung in den Unternehmen sind die Risiken für die allgemein erwartete konjunkturelle Erholung allerdings gestiegen. Zudem hat sich zuletzt auch die Stimmung unter den Konsumenten leicht eingetrübt.
Hinzu kommen Risiken aus geopolitischen Entwicklungen, ungünstigeren internationalen Konjunkturdaten und einer gestiegenen Volatilität an den Finanzmärkten.