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Die Inflation in der Eurozone hat sich im Großen und Ganzen über die letzten drei Monate seitwärts bewegt. Aber die monetäre Entwicklung in der Währungsunion ist durch eine graduelle Lockerung der Finanzierungsbedingungen gekennzeichnet, v.a. durch Leitzinssenkungen. Die Zinsen für Haushalte und Unternehmen fallen langsam, während sich bei den Staatsanleihen die Verhältnisse v. a. untereinander verändern: Französische Anleihen notierten zeitweise höher als griechische Staatsanleihen. Der Euro hat seit Beginn letzten Jahres gegenüber Dollar und Pfund abgewertet, jedoch gegenüber dem Yen aufgewertet.1
Inflation
Die Inflation in der Eurozone ist im Großen und Ganzen unverändert und lag bei 2,2 % im Durchschnitt der letzten drei Monate (Abb. 1). Dahinter bewegten sich die Preise verschiedener Güter unterschiedlich: Während die Preise für Energie im gleichen Zeitraum um durchschnittlich 2,2 % fielen, stiegen die Preise für Lebensmittel um durchschnittlich 2,8 % und die für Dienstleistungen sogar um durchschnittlich 4,0 %. Die Kerninflation, bei der die stark schwankenden Energie- und Lebensmittelpreise herausgerechnet werden, verharrt hartnäckig bei 2,7 % – also deutlich über dem EZB-Ziel von 2 %.
Dabei hatte Irland mit durchschnittlich 0,5 % die niedrigste Inflation in der Eurozone, Belgien mit 4,6 % die höchste. Die Amplitude lag bei durchschnittlich 3,5 %-Punkten. Deutschland erfuhr im gleichen Zeitraum im Durchschnitt Preissteigungen in Höhe von 2,5 %, Frankreich in Höhe von 1,7 %, Italien in Höhe von 1,3 % und Spanien in Höhe von 2,3 %.
Die EZB rechnet aktuell damit, dass die Gesamtinflation für die Eurozone um den Jahreswechsel 2025/26 wieder bei 2 % liegt.
Geldpolitischer Kurs der EZB
Leitzinsen (Abb. 2): Die EZB hat im Dezember weiter ihre Zinsen gesenkt, sodass sich die Finanzierungsbedingungen der Eurozone langsam lockern, aber im Niveau weiter vergleichsweise restriktiv bleiben. Die Leitzinsen der EZB belaufen sich auf 3,15 % (Hauptrefinanzierungssatz), 3,00 % (Einlagesatz) und 3,65 % (Spitzenrefinanzierungssatz). Der EURIBOR-Zins, zu dem sich Banken untereinander unbesichert Geld leihen, betrug zuletzt 3,17 % und deutet damit auf wieder günstiger werdende Liquidität hin. Offen bleibt, ob weitere Zinssenkungen folgen und ggf. wie viele. Die EZB lehnt Vorfestlegungen ab und will weiter „datenabhängig“ und „meeting-by-meeting“ entscheiden. Die meisten Beobachterinnen und Beobachter rechnen derzeit mit einer weiteren Senkung im Januar. Die nächste Zinsentscheidung trifft die EZB am 30.01.25.
Wertpapierankaufprogramme (Abb. 3): Der Kurs der Wertpapierankaufprogramme bleibt weiter unverändert. Das Quantitative Tightening, also der Abbau der Portfolios durch keine Reinvestitionen von fällig werdenden Posten, geht weiter. Die Bilanzsumme der EZB beträgt derzeit 6.373 Mrd. Euro – 28 % weniger als zum Höhepunkt im Mai 2022. Das Asset Purchase Program (APP) macht davon 2.698 Mrd. Euro (42 %) aus, das Pandemienotfallankaufprogramm (PEPP) 1.619 Mrd. Euro (25 %). Staatsanleihen in diesen Programmen machen damit 88 % der Gesamtbilanz aus (Stand im Mai 2022: 50 %). Vergünstigte Kredite an Banken (TLTROs) machen 374 Mrd. Euro (6 %) der Bilanz aus. Die EZB-Bilanz normalisiert sich also weiter.
Reserven (Abb. 4): Die Mindestreserveeinlagen bewegen sich stetig seitwärts (zuletzt: 163 Mrd. Euro), während die Überschussreserven weiter sehr hoch sind (zuletzt: 2.690 Mrd. Euro), aber allmählich von den Geschäftsbanken abgebaut werden.
Zinsen – Haushalte (Abb. 5): Die Zinsen für Haushalte beim Wohnimmobilienerwerb fallen langsam. In den letzten drei Monaten betrugen sie in der Eurozone durchschnittlich 3,6 %, in DE 3,7 % und bewegten sich in der Bandbreite von 2,0% (Griechenland) und 5,0 % (Litauen) mit einer Amplitude von 3,0 %-Punkten.
Zinsen – Unternehmen (Abb. 6): Die Zinsen für Unternehmen fallen ebenfalls langsam. In den letzten drei Monaten betrugen sie in der Eurozone 4,7 %, in DE 4,9 % und bewegten sich in der Bandbreite von 4,1% (Finnland) und 6,2 % (Malta) mit einer Amplitude von 2,3 %-Punkten.
Kreditwachstum (Abb. 7): Das Kreditwachstum erholt sich langsam. Zuletzt belief sich das Wachstum der Menge an Unternehmenskrediten in der Eurozone auf 0,6 % und in Deutschland auf 5,3 %. Die Menge an Immobilienkrediten an Haushalte veränderte sich in der Eurozone um 0,3 % und in Deutschland um 3 % (jüngste Werte für die Eurozone aus November und für DE aus Juni 2023).
Finanzelle Lage der Eurostaaten: Die finanzielle Lage der MS verändert sich v. a. untereinander. Seit Ende Oktober notierten französische Staatsanleihen zeitweise höher als jene von Griechenland, gleiches gilt für den Risikoaufschlag auf französische Staatsanleihen. Einerseits profitiert Griechenland von den europäischen Langfrist-Finanzhilfen, andererseits leidet Frankreich (u. a.) an schwachem Wachstum, politischer Unsicherheit und Haushaltsproblemen – dennoch sind die Finanzierungsbedingungen für Frankreich weiterhin besser als bei Italien.
Zinsen – Eurostaaten (Abb. 8): 10-jährige Staatsanleihen von Deutschland notierten in den letzten drei Monaten bei durchschnittlich 2,5 %, bei Frankreich bei 3,3 %, bei Italien bei 3,6 %, bei Spanien bei 3,2 % und bei Griechenland bei 3,2 %.
Spreads – Eurostaaten (Abb. 9): Die Risikoaufschläge (Spreads) fallen entsprechend aus. Die Spreads ggü. Bundesanleihen belaufen sich in den letzten drei Monaten für Frankreich auf durchschnittlich 82 Basispunkte, bei Italien auf 114 Basispunkte, bei Spanien auf 67 Basispunkte und bei Griechenland auf 73 Basispunkte.
Wechselkurse (Abb. 10): Der Euro hat in den letzten 12 Monaten gegenüber dem US-Dollar 6 % abgewertet und notierte bei zuletzt 1,03 US-Dollar pro Euro. Auch gegenüber dem britischen Pfund hat der Euro mit 3 % etwas abgewertet und notierte zuletzt bei 0,84 Pfund pro Euro. Gegenüber dem japanischen Yen hat der Euro allerdings im gleichen Zeitraum 3 % an Wert gewonnen und notierte zuletzt bei 163 Yen pro Euro. Über die letzten drei Jahre hat der Euro gegenüber dem US-Dollar insgesamt 9 % verloren, gegenüber dem Pfund 2 %, aber gegenüber dem Yen 27 % an Wert gewonnen.