IN KÜRZE

Im vierten Quartal 2024 ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Deutschland gegenüber dem Vorquartal preis-, kalender- und saisonbereinigt um 0,2 % gesunken.

Positiv entwickelten sich die privaten und vor allem die staatlichen Konsumausgaben. Zudem stützten die Bauinvestitionen und die Vorratsveränderung die BIP-Entwicklung.

Dämpfend wirkten hingegen die Entwicklung der Ausrüstungsinvestitionen sowie insbesondere ein negativer Außenbeitrag.

Die preisbereinigte Bruttowertschöpfung nahm um 0,3 % ab. Im Verarbeitenden Gewerbe sank die Wirtschaftsleistung im siebten Quartal in Folge und auch im Baugewerbe ging sie zurück.

Bei der Stimmung in den Unternehmen deutet sich eine Bodenbildung an, aber eine nachhaltige konjunkturelle Belebung zeichnet sich angesichts der erhöhten Unsicherheit insbesondere aufgrund der US-amerikanischen Handelspolitik noch nicht ab.

Das Statistische Bundesamt hat am 25. Februar detaillierte Ergebnisse zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) im vierten Quartal 2024 veröffentlicht. Demnach verringerte sich die preis-, kalender- und saisonbereinigte Wirtschaftsleistung gegenüber dem Vorquartal um 0,2 %. Damit bestätigte das Statistische Bundesamt seine BIP-Schnellschätzung für das vierte Quartal vom 30. Januar. Auch der vorangegangene Quartalsverlauf hat sich nicht mehr verändert, es blieb bei Veränderungsraten des BIP von +0,2 % im ersten, -0,3 % im zweiten und +0,1 % im dritten Quartal.

RÜCKLÄUFIGE WERTSCHÖPFUNG IN DEN MEISTEN BEREICHEN

Die Bruttowertschöpfung nahm im vierten Quartal preis-, kalender- und saisonbereinigt um 0,3 % ab. Damit ergab sich auf der Entstehungsseite des BIP zum vierten Mal in Folge ein Minus. Bereits in den ersten drei Quartalen 2024 war die Wertschöpfung um jeweils 0,4 %, 0,3 % bzw. 0,4 % zurückgegangen.

Eckerte der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland Bild vergrößern: Eckerte der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland

Wesentliche Treiber des Abwärtstrends waren das Verarbeitende Gewerbe, das mit -0,6 % zum siebten Mal in Folge Produktionsrückgänge aufwies, und das Baugewerbe, das zuletzt eine Abnahme um 0,9 % verzeichnete. Die Wertschöpfung bei den Dienstleistungen insgesamt blieb konstant. Dabei meldeten die Bereiche Handel, Verkehr, Gastgewerbe sowie Öffentliche Dienstleister, Erziehung, Gesundheit Zuwächse um 0,5 % bzw. 0,3 %. Spürbar rückläufig hingegen war mit -2,1 % die Bruttowertschöpfung bei Finanz- und Versicherungsdienstleistern. Die Unternehmens- und sonstigen Dienstleister meldeten ein Minus von jeweils 0,3 %.

KONSUM LEGT ZU, ABER EXPORTE DEUTLICH IM MINUS

Auf der Verwendungsseite nahm der staatliche Konsum deutlich um 0,4 % und der private Konsum um 0,1 % zu. Während bei den Ausrüstungsinvestitionen mit -0,3 % der fünfte Rückgang in Folge zu beobachten war, erhöhten sich die Bauinvestitionen begünstigt durch die milde Witterung um 1,0 %. Die Bruttoanlageinvestitionen insgesamt waren damit um 0,4 % höher als im Vorquartal. Ein merklich positiver Impuls kam von der Vorratsveränderung mit +0,8 Prozentpunkten. Der Außenbeitrag indes fiel mit -1,2 Prozentpunkten deutlich negativ aus, weil die Exporte um kräftige 2,2 % zurückgingen und die Importe gleichzeitig um 0,5 % stiegen.

Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (Wachstumsbeiträge in Prozentpunkten, preis-, kalender- und saisonbereinigt) Bild vergrößern: Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (Wachstumsbeiträge in Prozentpunkten, preis-, kalender- und saisonbereinigt)

ZAHL DER ERWERBSTÄTIGEN NAHEZU KONSTANT

Der Arbeitsmarkt war auch im vierten Quartal 2024 von der schwachen gesamtwirtschaftlichen Entwicklung geprägt. Die Zahl der Erwerbstätigen blieb gegenüber dem Vorquartal kalender- und saisonbereinigt nahezu unverändert, nachdem es im dritten Quartal zum ersten Mal seit dem ersten Vierteljahr 2021 zu einem leichten Rückgang gekommen war. Die Wirtschaftsleistung wurde im vierten Quartal 2024 von rund 46,3 Millionen Erwerbstätigen erbracht. Das waren 8.000 Personen weniger als im Vorjahresquartal (0,0 %), aber 156.000 Personen oder 0,3 % mehr als im dritten Quartal 2024.

Die durchschnittlich geleisteten Arbeitsstunden je Erwerbstätigen sind nach vorläufigen Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) gegenüber dem Vorjahresquartal um 0,8 % gestiegen. Das gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen (Produkt aus der gestiegenen Erwerbstätigenzahl und den geleisteten Stunden je erwerbstätiger Person) nahm im gleichen Zeitraum um 0,7 % zu.

Die nominalen Arbeitnehmerentgelte (Bruttomonatsverdienste einschließlich Sonderzahlungen) stiegen im vierten Quartal im Vorjahresvergleich deutlich um 4,6 %. Die hohen Steigerungsraten der Nominallöhne nehmen aber mit dem Auslaufen der Möglichkeit zur Zahlung einer Inflationsausgleichsprämie sukzessive ab. Infolge der rückläufigen Inflationsrate stiegen die Reallöhne im gleichen Zeitraum um 2,5 %.

Bruttolöhne und -gehälter je Arbneitnehmerin und Arbeitnehmer verzeichneten einen nicht mehr ganz so kräftigen Zuwachs von 4,4 % gegenüber dem Vorjahr. Da sich auch die Zahl der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer geringfügig erhöhte, stiegen die Bruttolöhne und -gehälter insgesamt mit +4,6 % erneut etwas stärker. Aufgrund eines Basiseffekts durch die Zahlung der steuer- und abgabenfreien Inflationsausgleichsprämien zum Jahresende 2023 fiel das Plus bei den Nettolöhnen und -gehältern je Arbeitnehmerin und Arbeitnehmer mit +4,1 % zwar geringer, aber ebenfalls noch deutlich aus.

Die Unternehmens- und Vermögenseinkommen verringerten sich hingegen um 8,3 %. Insgesamt stieg das Volkseinkommen binnen Jahresfrist um 1,3 %.

Die Zuwachsrate der nominalen privaten Konsumausgaben betrug 2,7 % gegenüber dem Vorjahresquartal. Das nominale verfügbare Einkommen stieg demgegenüber erneut etwas kräftiger mit +3,6 %. Damit lag die Sparquote bei 10,6 % und über ihrem Niveau vom vierten Quartal 2023 (9,9 %).

ERHOLUNG WEITERHIN NOCH NICHT ABSEHBAR

Die vom Statistischen Bundesamt vorgelegten detaillierten Ergebnisse zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung im vierten Quartal sind etwas schwächer ausgefallen, als von vielen Expertinnen und Experten erwartet worden war. Durch den etwas ungünstigeren Einstieg in das Jahr 2025 ergibt sich aber keine grundsätzlich andere Einschätzung des konjunkturellen Verlaufs in diesem Jahr.

Der deutschen Wirtschaft fällt es weiterhin schwer, die Phase der Stagnation in den letzten zwei Jahren zu überwinden. Von den umfragebasierten Frühindikatoren kommen vorsichtige Signale für eine Bodenbildung. Vor dem Hintergrund der schwachen binnen- und außenwirtschaftlichen Nachfrage sowie der erhöhten Unsicherheit vor allem durch die US-amerikanische Handelspolitik zeichnet sich bislang noch keine nachhaltige Trendwende ab.