Entwicklung des Leistungsbilanzsaldos in Deutschland Bild vergrößern: Entwicklung des Leistungsbilanzsaldos in Deutschland

© Deutsche Bundesbank, Statistisches Bundesamt, eigene Berechnungen.

In der Leistungsbilanz werden die laufenden Güter-, Dienstleistungs- und Einkommensströme zwischen dem In- und Ausland erfasst. Ein Leistungsbilanzüberschuss bedeutet, dass in einem Land mehr Güter und Dienstleistungen produziert werden sowie Einkommen aus dem Ausland zufließen, als in dem Land selbst konsumiert und investiert werden. Die deutsche Leistungsbilanz weist seit über zwanzig Jahren durchgängig Überschüsse auf.

Laut aktuellen Daten der Deutschen Bundesbank ist der Leistungsbilanzüberschuss von 232,8 Milliarden Euro im Jahr 2023 auf 246,7 Milliarden Euro im Jahr 2024 leicht gestiegen. In Relation zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) nahm er geringfügig von 5,6 % auf 5,7 % zu. Damit liegt der Überschuss deutlich unterhalb der Werte, die in den Jahren vor der Corona- Pandemie und vor dem russischen Angriff auf die Ukraine beobachtet wurden (Durchschnitt 2010 bis 2019: 7,5 %). Im Jahr 2022 war der Wert der Einfuhren – infolge des Energiepreisschocks und der damit deutlich höheren Einfuhrpreise – erheblich gegenüber dem Vorjahr gestiegen, was den Leistungsbilanzsaldo zwischenzeitlich auf 3,8 % gedrückt hatte.

Der trendmäßige Rückgang des Leistungsbilanzsaldos seit dem Höhepunkt Mitte der 2010er Jahre ist vor allem auf geringere Überschüsse im Warenhandel, aber auch auf größere Defizite im Handel mit Dienstleistungen zurückzuführen: Der Saldo im Warenhandel – traditionell der wichtigste Bestimmungsfaktor der deutschen Leistungsbilanz – hat sich seit seinem Höchststand von 7,9 % in Relation zum BIP im Jahr 2015 infolge der schwächeren Exportentwicklung deutlich auf 5,5 % reduziert. Das Defizit der Dienstleistungsbilanz ist infolge höherer Dienstleistungsimporte zuletzt wieder gestiegen und hat im Jahr 2024 mit 1,7 % in Relation zum BIP einen Höchststand seit 2004 erreicht. Gleichzeitig hat die Bedeutung der Primäreinkommen, also der Erwerbs- und insbesondere der Vermögenseinkommen aus der übrigen Welt, für den Leistungsbilanzüberschuss weiter zugenommen. Mit einem Überschuss von 3,5 % in Relation zum BIP lag der Saldo der Primäreinkommen zuletzt auf ähnlichem Niveau wie der Überschuss im Handel mit Waren und Dienstleistungen insgesamt (3,8 %). 2010 hatte er mit 2,0 % noch eine wesentlich geringere Bedeutung.