IN KÜRZE

Im ersten Quartal 2025 ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Deutschland gegenüber dem Vorquartal preis-, kalender- und saisonbereinigt um 0,4 % gestiegen.

Wachstumsimpulse kamen vom privaten Konsum, den Bruttoanlageinvestitionen sowie – vor dem Hintergrund vorgezogener Bestellungen von US-Unternehmen infolge angekündigter Zollerhöhungen – dem Außenhandel. Ein deutlicher Lagerabbau hat ebenfalls zu dem positiven Ergebnis beigetragen.

Die preisbereinigte Bruttowertschöpfung erhöhte sich um 0,6 %. Insbesondere konnte sie im Verarbeitenden Gewerbe sowie im Baugewerbe zulegen.

Die Aussichten für die kommenden Monate bleiben dennoch verhalten. Die hohe handelspolitische Unsicherheit dämpft die konjunkturelle Entwicklung. Die Stimmungsindikatoren verbleiben auf einem niedrigen Niveau.

Das Statistische Bundesamt hat am 23. Mai die detaillierten Ergebnisse zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Quartal 2025 veröffentlicht. Demnach erhöhte sich das preis-, kalender- und saisonbereinigte BIP um 0,4 % gegenüber dem vierten Quartal 2024. Damit korrigierte das Statistische Bundesamt seine BIP-Schnellschätzung für das erste Quartal vom 30. April (+0,2 %) nach oben.

WERTSCHÖPFUNG NIMMT AUF BREITER FRONT ZU

Auf der Entstehungsseite der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR) nahm die Bruttowertschöpfung im Vorquartalsvergleich um 0,6 % zu.

Vor allem das Verarbeitende Gewerbe verzeichnete mit +1,0 % ein deutliches Wachstum. Auch die Wertschöpfung im Bausektor legte mit +0,9 % spürbar zu, wobei dieser auch von einer günstigen Witterung profitieren konnte.

Abbildung 1: Eckwerte der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland Bild vergrößern: Abbildung 1: Eckwerte der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland

Der Dienstleistungssektor expandierte mit +0,2 % dagegen nur moderat. Während sich die konsumnahen Bereiche wie Gastgewerbe (+1,1 %) und Verkehr (+0,8 %) sowie der IKT- Bereich (+1,7 %) dynamisch entwickelten, ging die Wertschöpfung bei den öffentlichen Dienstleistern, Erziehung und Gesundheit (-0,2 %) sowie den sonstigen Dienstleistern (-0,3 %) zurück.

JAHRESAUFTAKT ERHIELT RÜCKENWIND VON VORZIEHEFFEKTEN

Auf der Verwendungsseite der VGR ging der größte Wachstumsimpuls vom Außenbeitrag aus. Die Exporte legten um 3,2 % zu, während die Importe nur um 1,1 % stiegen. Daraus ergab sich ein positiver Wachstumsbeitrag des Außenhandels von +0,9 Prozentpunkten. Dabei dürften Vorzieheffekte eine Rolle gespielt haben. In Folge der Ankündigung von Zollerhöhungen seitens der USA und der damit verbundenen Erwartung von Gegenmaßnahmen anderer Handelspartner war eine deutliche Belebung des Außenhandels zu beobachten.

Abbildung 2: Wachstum des Bruttoinlandsprodukts Bild vergrößern: Abbildung 2: Wachstum des Bruttoinlandsprodukts

Derweil setzte der private Konsum seine Erholung mit einem Anstieg um 0,5 % fort. Neben steigenden Nominal- und Reallöhnen machte sich dabei auch ein deutlicher Rückgang der Sparquote bemerkbar. Die staatlichen Konsumausgaben gingen hingegen – auch infolge der vorläufigen Haushaltsführung – um 0,3 % zurück.

Bei den Bruttoanlageinvestitionen nahmen die Bauinvestitionen auch dank milder Witterung um 0,5 % zu. Die Ausrüstungsinvestitionen wuchsen um 0,7 %, getrieben von höheren Ausgaben für Verteidigungsgüter. Insgesamt stiegen die Bruttoanlageinvestitionen bei deutlicher Expansion der Investitionen in Sonstige Anlagen, zu denen Ausgaben für Forschung und Entwicklung, Software und geistiges Eigentum zählen, um 0,9 %.

SCHWACHE FRÜHJAHRSBELEBUNG AM ARBEITSMARKT

Der Arbeitsmarkt vollzog im ersten Quartal 2025 trotz der konjunkturellen Belebung eine Seitwärtsbewegung. Die Zahl der Erwerbstätigen lag bei rund 46,0 Millionen Personen, was einem leichten Rückgang von 7.000 Personen gegenüber dem Vorquartal entspricht. Im Vergleich zum Vorjahresquartal blieb die Erwerbstätigenzahl nahezu unverändert. Die gesamtwirtschaftliche Leistung wurde somit im ersten Quartal von einer nahezu konstanten Beschäftigtenbasis getragen, trotz der positiven Impulse durch den Außenhandel, den privaten Konsum und die Investitionen.

Die durchschnittlich geleisteten Arbeitsstunden je Erwerbstätigen sind nach vorläufigen Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) im ersten Quartal 2025 gegenüber dem Vorjahresquartal um 0,4 % gestiegen. Das gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen erhöhte sich im gleichen Zeitraum um 0,2 %, was auf die gestiegene Arbeitszeit je Erwerbstätigen trotz der leicht rückläufigen Zahl der Erwerbstätigen zurückzuführen ist.

Die nominalen Arbeitnehmerentgelte (Bruttomonatsverdienste einschließlich Sonderzahlungen) stiegen im ersten Quartal 2025 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 4,6 %. Damit setzte sich der Aufwärtstrend bei den Löhnen fort, allerdings weniger kräftig als in den Vorquartalen – unter anderem aufgrund des Wegfalls der Inflationsausgleichsprämie. Dank der rückläufigen Inflationsrate ergab sich dennoch ein spürbarer Reallohnzuwachs von 2,6 %.

Die Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmerin und Arbeitnehmer stiegen im ersten Quartal 2025 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 3,9 %. Da sich die Zahl der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ebenfalls leicht erhöhte, legten die gesamten Bruttolöhne und -gehälter insgesamt auch um 3,9 % zu. Aufgrund eines Basiseffekts durch die im Vorjahr gezahlten steuer- und abgabenfreien Inflationsausgleichsprämien fiel der Zuwachs bei den Nettolöhnen und -gehältern je Arbeitnehmerin und Arbeitnehmer mit +2,6 % etwas schwächer, aber weiterhin spürbar, aus.

Die Unternehmens- und Vermögenseinkommen gingen im ersten Quartal 2025 gegenüber dem Vorjahresquartal um 1,3 % zurück. Insgesamt stieg das Volkseinkommen binnen Jahresfrist um 2,9 %.

Die nominalen privaten Konsumausgaben stiegen im ersten Quartal 2025 gegenüber dem Vorjahresquartal um 2,9 %. Das nominal verfügbare Einkommen nahm im gleichen Zeitraum etwas schwächer um +2,1 % zu. Die saisonbereinigte Sparquote lag mit 10,4 % deutlich unter dem Niveau des Vorjahresquartals (11,1 %).

UNSICHERHEIT BREMST ERHOLUNGSTENDENZEN

Die vom Statistischen Bundesamt vorgelegten detaillierten Ergebnisse zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung im ersten Quartal sind etwas positiver ausgefallen als in der Schnellmeldung vom 30. April gemeldet. Ursächlich für die kräftigere als von vielen erwartete wirtschaftliche Dynamik waren nicht zuletzt die Vorzieheffekte mit Blick auf die angekündigten US-Zollanhebungen. Durch den etwas günstigeren Einstieg in das Jahr 2025 ergibt sich aber keine grundsätzlich andere Einschätzung des konjunkturellen Verlaufs in diesem Jahr.

Aktuelle Stimmungsindikatoren deuten zwar eine weitere Erholung an, befinden sich allerdings noch auf einem niedrigen Niveau; die Unsicherheit bezüglich der US-Handelspolitik bleibt sehr hoch. Daher ist eine erneute, außenwirtschaftlich bedingte Abschwächung der deutschen Wirtschaft im weiteren Jahresverlauf nicht auszuschließen.