IN KÜRZE

Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) ging im zweiten Quartal 2025 preis-, kalender- und saisonbereinigt um 0,3 % gegenüber dem Vorquartal zurück.

Ausschlaggebend waren rückläufige Bruttoanlageinvestitionen sowie ein negativer Außenbeitrag. Stützend wirkten hingegen vor allem der staatliche Konsum sowie ein Vorratsaufbau. Der private Konsum konnte dagegen kaum zulegen.

Die preisbereinigte Bruttowertschöpfung sank um 0,2 %. Ursächlich dafür war neben dem Einbruch der Wertschöpfung im Bausektor eine schwache Entwicklung im Verarbeitenden Gewerbe sowie in gewichtigen Dienstleistungsbranchen.

Mit der BIP-Meldung zum zweiten Quartal wurden zudem turnusgemäß Revisionen der bisherigen Ergebnisse zurück bis zum Jahr 2008 vorgenommen, die für die vergangenen Jahre teils deutlich ausfallen: So ist die wirtschaftliche Erholung nach der Corona-Pandemie in den Jahren 2021/22 nun kräftiger ausgefallen als bisher ausgewiesen. Dafür war die reale Wirtschaftsleistung in den vergangenen beiden Jahren wesentlich schwächer als bisher angenommen.

Das Statistische Bundesamt hat am 22. August die detaillierten Ergebnisse zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal 2025 veröffentlicht. Demnach sank das preis-, kalender- und saisonbereinigte BIP um 0,3 % gegen- über dem ersten Quartal 2025. Damit korrigierte das Sta- tistische Bundesamt seine BIP-Schnellschätzung für das zweite Quartal vom 30. Juli (-0,1 %) nach unten.

WERTSCHÖPFUNG IN VIELEN BRANCHEN RÜCKLÄUFIG

Auf der Entstehungsseite der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR) nahm die Bruttowertschöpfung im Vorquartalsvergleich um 0,2 % ab.

Der deutlichste Rückgang war mit -3,7 % im Bausektor zu verzeichnen. Eine Rolle dürfte dabei ein Rückpralleffekt gespielt haben, nachdem die Bauproduktion infolge der günstigen Witterung im ersten Quartal spürbar ausgeweitet wurde. Hinter der Entwicklung steht aber auch, dass private Haushalte damitzögern, ihre Bauvorhaben umzusetzen angesichts der ungünstigeren Finanzierungsbedingungen. Zudem sank die Wertschöpfung im Verarbeitenden Gewerbe im Quartalsvergleich um 0,3 %. Dahinter stand neben der allgemein verhaltenen Industriekonjunktur eine schwache Auslandsnachfrage, auch infolge von Vorzieheffekten aus dem Vorquartal: Aufgrund der für das zweite Quartal angedrohten Erhöhung von Zöllen bei Einfuhren in die USA und der damit verbundenen Erwartung von Gegenmaßnahmen anderer Handelspartner waren vermehrte Bestellungen im Industriesektor vorgezogen worden.

Eckwerte der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland Bild vergrößern: Eckwerte der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland

Der Dienstleistungssektor stagnierte angesichts der eingetrübten Konsumstimmung. Zuwächse ergaben sich in den Branchen Information und Kommunikation (+0,5 %) und Unternehmensdienstleistungen (+0,5 %) sowie im Bereich öffentliche Dienstleistungen, Erziehung und Gesundheit (+0,1 %). Finanz- und Versicherungsdienstleistungen gingen dagegen spürbar zurück (-1,2 %).

RÜCKPRALLEFFEKTE UND UNSICHERHEIT BELASTETEN

Auf der Verwendungsseite der VGR dämpfte insbesondere der Außenbeitrag die Entwicklung. Die Exporte gingen um 0,1 % zurück, nachdem sie aufgrund der Vorzieheffekte im Vorquartal deutlich zugelegt hatten. Demgegenüber blieben die Importe mit einem Plus von 1,6 % dynamisch. Daraus folgte ein negativer Wachstumsbeitrag des Außenhandels von 0,7 Prozentpunkten.

Wachstum des Bruttoinlandsprodukts Bild vergrößern: Wachstum des Bruttoinlandsprodukts

Bei den Bruttoanlageinvestitionen erfuhren die Bauinvestitionen – nach dem Anstieg zu Jahresbeginn infolge der günstigen Witterung – im Frühsommer ebenfalls einen Rückprall und gingen um 2,1 % zurück. Die Ausrüstungsinvestitionen nahmen um 1,9 % ab, was auf einen deutlichen Rückgang der öffentlichen Ausrüstungsinvestitionen, die zuletzt im Zuge der Beschaffung von Rüstungsgütern sehr volatil waren, zurückzuführen ist. Die nicht-staatlichen Ausrüstungsinvestitionen stagnierten dagegen nahezu. Gestützt wurde das Ergebnis von der deutlichen Expansion der Investitionen in Sonstige Anlagen um 1,2 %. Zu diesem Bereich zählen Ausgaben für Forschung und Entwicklung,
Software und geistiges Eigentum. Insgesamt verringerten sich die Bruttoanlageinvestitionen im Quartalsvergleich um 1,4 %.

Bei den gesamtwirtschaftlichen Konsumausgaben zeigte sich eine uneinheitliche Entwicklung: Während von den öffentlichen Konsumausgaben, die um 0,8 % zulegten, Wachstumsimpulse ausgingen, konnte der private Konsum seine Erholung, die er im ersten Quartal 2024 begonnen hatte, mit einem Anstieg um 0,1 % nur schleppend fortset-
zen. Zwar sind bei den Nominal- und Reallöhnen spürbare Steigerungen zu verzeichnen. Die nach wie vor angespannte Situation auf dem Arbeitsmarkt sorgte aber insgesamt weiter für Zurückhaltung bei Verbraucherinnen und Verbrauchern.

STABILISIERUNGSTENDENZEN AM ARBEITSMARKT

Der Arbeitsmarkt trat im zweiten Quartal 2025 erneut auf der Stelle, könnte damit aber allmählich seine Talsohle erreicht haben. Die Zahl der Erwerbstätigen lag bei rund 46,0 Millionen Personen, was einem leichten Rückgang von 7.000 Personen gegenüber dem Vorquartal entspricht. Im Vergleich zum Vorjahresquartal blieb die Erwerbstätigenzahl mit einem Anstieg um 10.000 Personen ebenfalls nahezu unverändert. Erneut wurde die gesamtwirtschaftliche Leistung somit von einer nahezu konstanten Beschäftigtenbasis getragen.

Die durchschnittlich geleisteten Arbeitsstunden je Erwerbstätigen sind nach vorläufigen Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) im zweiten Quartal 2025 gegenüber dem Vorjahresquartal um 0,5 % zurückgegangen. Das gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen sank im gleichen Zeitraum ebenfalls um 0,5 %.

Die nominalen Arbeitnehmerentgelte (Bruttomonatsverdienste einschließlich Sonderzahlungen) stiegen im zweiten Quartal 2025 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 4,8 %. Damit setzte sich der Aufwärtstrend bei den Löhnen fort, allerdings weniger kräftig als in den Vorquartalen – unter anderem aufgrund des Wegfalls der Inflationsausgleichsprämie. Dank der rückläufigen Inflationsrate ergab sich dennoch ein spürbarer Reallohnzuwachs von 1,9 % gegenüber dem Vorjahresquartal.

Die Bruttolöhne und -gehälter stiegen im zweiten Quartal 2025 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 4,4 %. Da sich die Zahl der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer leicht erhöhte, legten die Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer mit 4,3 % etwas geringer zu. Netto erhöhten sich die monatlichen Durchschnittsverdienste mit +3,6 % aufgrund gestiegener Sozialbeitragssätze weniger deutlich.

Die Unternehmens- und Vermögenseinkommen gingen im zweiten Quartal 2025 gegenüber dem Vorjahresquartal um 3,5 % zurück. Insgesamt stieg das Volkseinkommen damit binnen Jahresfrist um 2,7 %.

Die nominalen privaten Konsumausgaben stiegen im zweiten Quartal 2025 gegenüber dem Vorjahresquartal um 3,7 %. Das nominal verfügbare Einkommen nahm im gleichen Zeitraum etwas schwächer um 2,5 % zu. Dadurch lag die saisonbereinigte Sparquote mit 10,2 % deutlich unter dem Niveau des Vorjahresquartals (11,3 %).

DEUTSCHE WIRTSCHAFT IN SCHWIERIGEN FAHRWASSERN

Die vom Statistischen Bundesamt vorgelegten detaillierten Ergebnisse zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung im zweiten Quartal sind ungünstiger ausgefallen als in der Schnellmeldung vom 30. Juli gemeldet. Die Revision hängt mit den ungünstigen Daten zur Produktion für den Berichtsmonat Juni zusammen, die zum Zeitpunkt der Schnellmeldung noch nicht vorlagen.

Gleichzeitig wurden turnusgemäß Revisionen der bisherigen VGR-Ergebnisse zurück bis zum Jahr 2008 vorgenommen. Diese zeichnet für die vergangenen Jahre ein ausgeprägteres Konjunkturbild: Das BIP-Wachstum lag 2021 bei +3,9 % (statt +3,7 %), 2022 bei +1,8 % (statt +1,4 %), 2023 bei -0,9 % (statt -0,3 %) und 2024 bei -0,5 % (statt -0,2 %). Damit war die Erholung nach der Corona-Pandemie 2021/22 etwas stärker, während sich die reale Wirtschaftsleistung in den beiden vergangenen Jahren infolge der Auswirkungen des Angriffskrieges Russlands auf die Ukraine und der Energiepreiskrise wesentlich schwächer entwickelt hat als bisher angenommen.

Die vom Statistischen Bundesamt vorgelegten Ergebnisse zur Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts im zweiten Quartal belegen, dass sich die deutsche Wirtschaft weiter in einer Schwächephase befindet. Um dieser entgegenzuwirken, setzt die Bundesregierung auf fiskalische Impulse (Sondervermögen, „Investitionsbooster“) sowie strukturelle Verbesserungen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.