Titelbild zum Artikel "Binnenwirtschaftliche Belebung in schwierigem Umfeld Bundesministerin Katherina Reiche stellt die Herbstprojektion der Bundesregierung vor"

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DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

Nach zwei Jahren rückläufiger Wirtschaftsleistung als Folge der Energiepreisschocks und gestiegener geopolitischer Unsicherheiten zeichnet sich im Herbst 2025 eine konjunkturelle Bodenbildung ab. Hierauf deutet die trendmäßige – wenn auch noch fragile – Verbesserung vieler Stimmungsindikatoren hin, nicht zuletzt im Mittelstand. Dabei haben sich seit Jahresbeginn vor allem die Geschäftserwartungen aufgehellt. Die aktuelle wirtschaftliche Lage wird noch zurückhaltend beurteilt, die Einschätzung der Auftragslage verläuft bis zuletzt noch gedämpft. Vor dem Hintergrund der belastenden Effekte der höheren US-Zölle, einer in der Folge abgeschwächten weltwirtschaftlichen Dynamik und einer gedrückten Konsumstimmung der privaten Haushalte dürfte das Wachstum im dritten Quartal insgesamt verhalten ausfallen.

Für das laufende Jahr ist im Vergleich zur Frühjahrsprojektion von einem leicht höheren realen Wirtschaftswachstum von 0,2 Prozent auszugehen. Ursächlich dafür sind die aktuell etwas günstigere statistische Ausgangslage („Überhang“) sowie der stärker als erwartete Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im ersten Quartal. Zur Jahreswende 2025/26 dürfte dann die binnenwirtschaftliche Dynamik, gestützt von den wirtschafts- und finanzpolitischen Maßnahmen der Bundesregierung, an Fahrt gewinnen. Im Jahr 2026 wird ein BIP-Zuwachs von 1,3 Prozent und 2027 von 1,4 Prozent erwartet (s. Abbildung 1). Diese Einschätzung deckt sich mit der Herbstdiagnose der Wirtschaftsforschungsinstitute. Tabelle 1 zeigt die Eckwerte der Herbstprojektion.

Abbildung 1: Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts in Deutschland Bild vergrößern: Abbildung 1: Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts in Deutschland

Entgegen dem typischen Erholungsmuster wird diesmal nicht die Außenwirtschaft Impulsgeber der Erholung sein, sondern die Binnennachfrage, insbesondere der private und öffentliche Konsum und die Investitionsentwicklung. Eine stabile Preisentwicklung, deutliche (reale) Lohnsteigerungen und gezielte Kostenentlastungen von privaten Haushalten (Erhöhung der Pendlerpauschale, Absenkung des Mehrwertsteuersatzes in der Gastronomie, Reduzierung der Übertragungsnetzentgelte und Abschaffung der Gasspeicherumlage) werden die realen verfügbaren Einkommen in den kommenden Jahren stärken. Zusammen mit einer erwarteten Trendwende auf dem Arbeitsmarkt zum Jahreswechsel 2025/26 dürfte sich die Verbraucherstimmung aufhellen und die Nachfrage in konsumnahen Dienstleistungsbereichen beleben. Ausrüstungs- und Bauinvestitionen werden in den kommenden Jahren von dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität, dem Sondervermögen Bundeswehr bzw. der Bereichsausnahme von Verteidigungsausgaben bei der Schuldenbremse sowie den steuerlichen Investitionsanreizen (insbesondere dem „Investitionsbooster“, der perspektivischen Absenkung der Körperschaftssteuer, der steuerlichen FuE-Förderung, der Förderung der eMobilität) spürbare Impulse erhalten und nach mehrjährigen Rückgängen einen Aufschwung vollziehen.

Die außenwirtschaftlichen Perspektiven bleiben dagegen verhalten: Die schwache Auslandsnachfrage nach deutschen Exportgütern – vor allem Maschinen, Anlagen und Kfz – und die damit rückläufige Exportentwicklung sind Zeichen des globalen Wandels der Handels- und Güterstrukturen. Es zeigen sich strukturelle Wettbewerbsnachteile der deutschen Industrie in diesen Bereichen. Ein wichtiger Grund ist die zunehmende Konkurrenz zu Anbietern aus China. Daneben belasten auch die handels- und geopolitischen Unsicherheiten die deutschen Ausfuhren. Insgesamt dürfte Deutschland erneut Weltmarktanteile verlieren. Per Saldo werden damit vom Außenhandel in diesem und den kommenden Jahren dämpfende Effekte auf die wirtschaftliche Entwicklung ausgehen.

Vor allem die wirtschafts- und finanzpolitischen Maßnahmen der Bundesregierung werden der Konjunktur in den kommenden zwei Jahren spürbar Schub geben. In der Herbstprojektion, wie auch schon in der Frühjahrsprojektion, sind die fiskalischen Impulse der Bundesregierung aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität und der Bereichsausnahme der Schuldenbremse für Verteidigung berücksichtigt. Dazu kommen in der Herbstprojektion die seit dem Frühjahr beschlossenen Maßnahmen aus dem Koalitionsvertrag, wie der „Investitionsbooster“. Insgesamt wird in der Herbstprojektion aus diesen Maßnahmen ein Wachstumsimpuls auf das BIP von rund 2/3 Prozentpunkten im Jahr 2026 und von rund 1/3 Prozentpunkten im Jahr 2027 angenommen. Dies deckt sich weitgehend mit den Einschätzungen der Wirtschaftsforschungsinstitute.

Für die dargestellte Entwicklung bestehen allerdings beträchtliche Risiken: Vor allem von der Handels- und Geopolitik gehen derzeit erhebliche Unsicherheiten aus. Das betrifft sowohl die weitere Entwicklung der geopolitischen Konflikte als auch die Verlässlichkeit der handelspolitischen Einigung mit den USA. Erneute Eskalationen könnten die Erwartungen in Unternehmen und privaten Haushalten eintrüben und die Export-, Investitions- und Konsumstimmung spürbar dämpfen. Auch eine mögliche stärker als erwartete wirtschaftliche Abschwächung in den USA oder China könnte die globalen Wachstums- und Handelsperspektiven zusätzlich belasten. Darüber hinaus bremsen strukturelle Schwächen eine kräftigere Erholung: Ein demografisch bedingter Fachkräftemangel, hohe Energie- und Lohnnebenkosten, bürokratische Auflagen sowie die sinkende internationale Wettbewerbsfähigkeit belasten die längerfristigen Wachstumsperspektiven. Demgegenüber gibt es auch Aufwärtsrisiken, sofern sich die angenommenen fiskalischen Impulse schneller materialisieren sollten oder stärker ausfallen als angenom- men. Auch eine Entspannung der geopolitischen Konflikte und eine zurückgehende Unsicherheit in der Handelspolitik könnten zu einer deutlichen Stimmungsaufhellung bei Produzenten, Investoren und Verbraucherinnen und Verbraucher führen und die Investitions- und Konsumdynamik verstärken.

Kasten 1: Annahmen der Herbstprojektion 2025

Für die Weltwirtschaft wird mit einem preisbereinigten BIP-Wachstum in Höhe von 3,1 Prozent in diesem Jahr, 3,0 Prozent 2026 und 3,2 Prozent im Jahr 2027 gerechnet. Der Projektion liegt der Kenntnisstand zur US-Handelspolitik vom 26. September zugrunde. Es wird unterstellt, dass Zölle, die in Kraft getreten bzw. vereinbart sind, bestehen bleiben. Damit gilt im Projektionszeitraum mehrheitlich ein Basiszoll von 15 Prozent auf US-Einfuhren aus der EU (mit Ausnahmen), auch für Pharmaprodukte. Sektorale Zölle auf US-Einfuhren von Stahl, Aluminium und Kupfer betragen 50 Prozent. Die Änderungen des Grundgesetzes (Sondervermögen Infrastruktur, Bereichsausnahme Verteidigung) wie auch Steueranreize („Investitionsbooster“) sind in der Projektion über die Haushaltsaufstellung berücksichtigt.

Für die Entwicklung der Energiepreise wird eine technische Annahme auf Basis von Terminnotierungen zum Zeitpunkt des Projektionsabschlusses getroffen. Demnach wird für 2025 ein durchschnittlicher Rohölpreis für ein Fass der Sorte Brent von rund 68 US- Dollar unterstellt, 2026 und 2027 dürfte der Durchschnittspreis jeweils bei 65 US-Dollar liegen. Für Gas wird für den Jahresdurchschnitt 2025 ein Preis von 38 Euro pro MWh erwartet. Im Jahr 2026 dürfte der durchschnittliche Gaspreis dann auf 33 Euro pro MWh zurückgehen, 2027 weiter auf 30 Euro pro MWh. Der Leitzins der Europäischen Zentralbank (Hauptrefinanzierungssatz) liegt aktuell bei 2,15 Prozent. Für 2025 wird auf Basis von Experteneinschätzungen (Consensus Forecast) ein jahresdurchschnittlicher Leitzins von 2,3 Prozent unterstellt, 2026 von 2,0 Prozent und 2027 von 2,1 Prozent.

WELTWIRTSCHAFT BISLANG ROBUST, ZÖLLE UND UNSICHERHEIT DÄMPFEN WEITEREN VERLAUF

Die Weltwirtschaft hat sich zwar bis zuletzt robust entwickelt, allerdings wurde die Dynamik seit Jahresbeginn durch Sondereffekte im US-Geschäft überzeichnet; in Erwartung von US-Zollanhebungen hatten viele US-Unternehmen, besonders im ersten Quartal 2025, Bestellungen vorgezogen und Lager aufgefüllt. Während in den USA im Zuge der überdurchschnittlichen Importdynamik das BIP leicht zurückging, wurde die Wirtschaftsleistung in Regionen wie China und dem Euroraum durch starke Exporte gestützt.

Ab dem zweiten Halbjahr dürften die Zollanhebungen und die nach wie vor erhöhten handelspolitischen Unwägbarkeiten die weltweite Wirtschafts- und Handelsentwicklung aber spürbar dämpfen. Zum einen ist im weiteren Verlauf eine schwächere Importnachfrage aus den USA zu erwarten. Aktuell liegt der effektive US-Importzoll laut Berechnungen der Welthandelsorganisation bei rund 19 Prozent und damit so hoch wie zuletzt in den 1930er Jahren. Zu Jahresbeginn hatte er noch rund 2 ½ Prozent betragen. Zum anderen wird die Investitionstätigkeit infolge der anhaltenden Unsicherheit weltweit wohl an Schwung verlieren, was eine weniger handelsintensive globale Nachfrage mit sich bringt.

Indikatoren für die weltwirtschaftliche Aktivität bleiben am aktuellen Rand angesichts der angekündigten Zollanhebungen und der darauf folgenden Verzögerungen oder Änderungen der Zollsätze vor allem mit Blick auf den Welthandel volatil: Auch wenn sich die weltweite Industrieproduktion nach einer Verlangsamung des Expansionstempos im zweiten Quartal auch im Juli lediglich seitwärts bewegt hat, nahm der weltweite Warenhandel nach drei Rückgängen in Folge gleichzeitig wieder merklich zu. Der Einkaufsmanagerindex von S&P Global für die Weltwirtschaft ist im September wieder zurückgegangen, nachdem er im Juli und August gestiegen war. Er liegt aber weiterhin sowohl in der Industrie als auch im Dienstleistungssektor über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten.

Angesichts der Zollanhebungen, die ab August gelten und sich im weiteren Verlauf erst nach und nach auf Handelsaktivität, Investitionen und Produktion auswirken werden, erwarten internationale Organisationen wie auch die Gemeinschaftsdiagnose ab dem dritten Quartal eine Verlangsamung von Weltkonjunktur und -handel. Im Jahr 2026 dürfte dann eine allmähliche Erholung einsetzen, da vielerorts vorherige geldpolitische Lockerungen, Reallohnsteigerungen und eine expansivere Finanzpolitik stützen. Ab 2027 dürfte angesichts einer Normalisierung der US-Importnachfrage auch der Welthandel wieder etwas anziehen, wenn auch mit geringerem Tempo als das Welt-BIP.

In den USA dürfte der BIP-Anstieg im laufenden Jahr aufgrund des Rückgangs zu Jahresbeginn zwar deutlich geringer ausfallen als 2024. Im weiteren Verlauf ist aber trotz der deutlich höheren Importzölle mit einer robusten – wenn auch unterdurchschnittlichen – Wirtschaftsaktivität zu rechnen. Denn die Finanzpolitik, z. B. der One Big Beautiful Act, sowie lebhafte Investitionen in künstliche Intelligenz liefern Wachstumsimpulse, und die Zolleffekte auf Verbraucherpreise und reale Einkommen werden sich erst nach und nach zeigen. Im Euroraum dürfte sich die moderate, binnenwirtschaftlich getriebene Erholung angesichts der robusten Arbeitsmarkt- und Realeinkommensentwicklung, günstigerer Finanzierungsbedingungen und staatlicher Mehrausgaben für Verteidigung und Infrastruktur fortsetzen. Höhere Handelshemmnisse, Unsicherheiten und die Aufwertung des Euro bremsen hingegen. In China ist von einer sowohl konjunkturell als auch strukturell bedingten Wachstumsabschwächung im Projektionszeitraum auszugehen. Trotz staatlicher Stützungsmaßnahmen dürften die Belastungen durch die deutlich erhöhten Zölle, erschwerte Exportperspektiven, Spannungen auf dem Immobilienmarkt und eine schwache Binnennachfrage überwiegen.

Unter den handelspolitisch bedingten, aktuell hohen wirtschaftlichen Schwankungen sowie den zu erwartenden Veränderungen von Lieferketten, Handels- und Produktionsstrukturen bleiben die Risiken und Unwägbarkeiten für die weltwirtschaftliche Entwicklung und deren Projektion derzeit erheblich. In der vorliegenden Herbstprojektion wird unterstellt, dass das weltweite BIP in den Jahren 2025, 2026 und 2027 um 3,1 Prozent, 3,0 Prozent und 3,2 Prozent expandiert und damit im historischen Vergleich nur unterdurchschnittlich. Die Dynamik des Welthandels dürfte angesichts der deutlich erhöhten Handelshemmnisse und Unsicherheiten mit 2,6 Prozent im laufenden Jahr, 1,9 Prozent im Jahr 2026 und 3,0 Prozent im Jahr 2027 noch dahinter zurückbleiben.

Die deutschen Warenexporte sind zwar infolge spürbarer Vorzieheffekte im US-Geschäft sehr kräftig in das Jahr 2025 gestartet, anschließend setzte aber eine Korrektur dieses Son- dereffektes ein und die Ausfuhren gaben im zweiten Quartal etwas nach. Insgesamt kann die deutsche Exportwirtschaft schon seit mehreren Jahren nicht mehr mit dem Wachstum des Welthandels Schritt halten. So hat sich die Nachfrage nach traditionellen deutschen Exportgütern vor dem Hintergrund der verhaltenen globalen Industriekonjunktur schwächer entwickelt. Darüber hinaus haben angebotsseitige Faktoren wie der Fachkräftemangel und Bürokratiekosten sowie die zunehmende Konkurrenz aus China durch eine Annäherung der Exportportfolios, z. B. im Bereich Automobil-und Maschinenbau, zu Marktanteilsverlusten deutscher Unternehmen auf dem Weltmarkt geführt.1

Insgesamt geht die Bundesregierung davon aus, dass sich die Ausfuhren angesichts höherer Zölle, der Aufwertung des Euro und einer strukturell geringeren internationalen Wettbewerbsfähigkeit im Projektionszeitraum allmählich, aber mit einer vergleichsweise schwachen Dynamik erholen. Nach dem starken, durch Vorzieheffekte gestützten Start in das Jahr dürften die preisbereinigten Exporte von Waren und Dienstleistungen im laufenden Jahr mit -0,1 Prozent gegenüber Vorjahr nahezu stagnieren. Ab der Jahreswende 2025/2026 ist bei moderat zunehmender Auslandsnachfrage, vor allem aus der EU, mit einer verhaltenen Belebung und Anstiegen von +1,2 Prozent im Jahr 2026 bzw. +1,6 Prozent im Jahr 2027 zu rechnen. Infolge der verringerten Wettbewerbsfähigkeit sind aber weitere Marktanteilsverluste zu erwarten.

Die realen Importe von Waren und Dienstleistungen haben sich in den vergangenen Quartalen kräftiger entwickelt als die Exporte und dürften auch im Projektionszeitraum bei anziehender Binnennachfrage mit +3,6 Prozent in diesem Jahr, +2,6 Prozent im Jahr 2026 und +2,1 Prozent im Jahr 2027 stärker zunehmen. Hier macht sich zudem die steigende Nachfrage nach Rüstungsgütern bemerkbar. Dementsprechend sind im gesamten Projektionszeitraum per Saldo negative Wachstumsbeiträge vom Außenbeitrag (Exporte abzüglich Importe) von -1,4 Prozentpunkten im laufenden Jahr, -0,5 Prozentpunkten im Jahr 2026 und 0,2 Prozentpunkten im Jahr 2027 zu erwarten. Dies spiegelt sich auch in der Entwicklung der Leistungsbilanz wider. In der Herbstprojektion wird erwartet, dass sich das Verhältnis von Ausfuhr- zu Einfuhrpreisen zwar in diesem und im kommenden Jahr dank fallender Einfuhrpreise für Energie weiter verbessert, 2027 dürfte es aber zu einer leichten Verschlechterung kommen. Insgesamt ist bei weiter abnehmenden Exportüberschüssen damit zu rechnen, dass sich der Leistungsbilanzsaldo von 5,8 Prozent in Relation zum nominalen BIP im vergangenen Jahr bis zum Ende des Projektionszeitraums weiter auf etwa 4 Prozent reduziert.

INVESTITIONEN ZIEHEN AB 2026 WIEDER AN

Die Investitionstätigkeit in Deutschland zeigt nach drei Jahren Rückgang erste Anzeichen einer Erholung. Die Bundesregierung geht davon aus, dass die realen Bruttoanlageinvestitionen im Jahresdurchschnitt 2025 noch leicht um 0,5 Prozent sinken. Ab dem Jahreswechsel 2025/26 dürfte jedoch eine Trendwende einsetzen: Für 2026 rechnet die Bundesregierung mit einem Anstieg um 3,7 Prozent, für 2027 mit einem Plus von 4,2 Prozent. Damit leistet der Investitionsbereich einen wichtigen Beitrag zur gesamtwirtschaftlichen Belebung.

Die jüngste Schwächephase geht auf hohe Zinsen, geopolitische Unsicherheit und eine gedämpfte Industriekonjunktur zurück. Das ifo Geschäftsklima der Investitionsgüterproduzenten liegt zwar weiter unter dem Vor-Pandemie-Niveau, zeigt seit Jahresbeginn aber eine erste Aufhellung. Auftragseingänge aus dem Ausland ziehen wieder an, während die Inlandsnachfrage schwach bleibt. Der Impuls für die Wende kommt nun vor allem aus der Fiskalpolitik. Neben dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität und der Ausnahme der Verteidigungsausgaben von der Schuldenregel sorgt der neu beschlossene „Investitionsbooster“ – ein von der Bundesregierung gesetzter Steueranreiz – durch bessere Abschreibungsmöglichkeiten dafür, dass Unternehmen mehr Liquidität für Investitionen zur Verfügung haben.

Besonders dynamisch entwickeln sich die Ausrüstungsinvestitionen. Zwar werden sie 2025 wohl noch stagnieren, dann aber kräftig zulegen: +6,5 Prozent im Jahr 2026 und +5,5 Prozent im Jahr 2027. Treiber sind höhere staatliche Ausgaben für Verteidigung und steuerliche Anreize. Auftragsbestände im Maschinenbau haben sich zuletzt spürbar erhöht, was den positiven Ausblick stützt.

Auch sonstige Anlagen wie Forschung und Entwicklung sowie Software gewinnen an Gewicht. Die Bundesregierung geht hier von jährlichen Zuwächsen um etwa 3½ Prozent aus. Diese Dynamik speist sich aus höheren Verteidigungsausgaben sowie einer zunehmenden Nachfrage nach künstlicher Intelligenz.

Im Bausektor verläuft die Entwicklung zweigeteilt. Insgesamt bleiben die Bauinvestitionen 2025 mit -2,3 Prozent im Minus. Erst 2026 beginnt eine Erholung mit +2,0 Prozent, die sich 2027 mit +3,7 Prozent fortsetzt. Dabei bleibt der Wohnungsbau weiter rückläufig: -4,8 Prozent im Jahr 2025, -2,0 Prozent im Jahr 2026 und -0,5 Prozent im Jahr 2027. Hauptursache sind weiterhin vergleichsweise hohe Hypothekenzinsen sowie steigende Baukosten, die sich mit Raten über der allgemeinen Inflationsrate verteuern dürften. Dagegen zieht der Nicht-Wohnungsbau, insbesondere der Tiefbau, deutlich an. Hier rechnet die Bundesregierung mit Zuwächsen von +1,3 Prozent im Jahr 2025, +6,9 Prozent im Jahr 2026 und +8,4 Prozent im Jahr 2027. Hohe staatliche Nachfrage nach Infrastruktur bildet den Hauptantrieb. Die Auftragsbestände im Tiefbau steigen bereits kräftig, während die Kapazitätsauslastung trotz positiver Dynamik noch unter früheren Werten verharrt.

In der Gesamtsicht markiert der Jahreswechsel 2025/26 den Beginn einer spürbaren Investitionsbelebung. Staatliche Impulse schaffen die Basis, die in Verbindung mit verbesserten steuerlichen Abschreibungsbedingungen zunehmend auch auf private Unternehmen ausstrahlen dürften.

INFLATION STABIL UM ZWEI PROZENT

Die Verbraucherpreise sind auf einen stabilen Entwicklungspfad zurückgekehrt. Nach den Hochphasen 2022 (+6,9 Prozent) und 2023 (+5,9 Prozent) bewegt sich die Inflationsrate nun bereits seit Frühjahr 2024 wieder knapp über 2 Prozent, im September zuletzt bei 2,4 Prozent. Inflationsdämpfend wirken weiterhin die Energiepreise, die im September 0,7 Prozent unter Vorjahresniveau lagen. Die Kernrate (ohne Energie und Nahrungsmittel) verharrt mit 2,8 Prozent hingegen auf einem noch immer erhöhten Niveau. Ausschlaggebend dafür ist eine mit 3,4 Prozent weiter überdurchschnittliche Teuerung bei den Dienstleistungen.

Bis weit in das kommende Jahr hinein dürften die Energiepreise dämpfend auf die Inflation wirken. Dafür sprechen die in den vergangenen Monaten rückläufigen Preise an den Weltmärkten und stabile Preiserwartungen der Marktteilnehmer. Vom Anstieg der CO2-Bepreisung im Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) ist zwar ein geringfügiger Preisschub zu Beginn des kommenden Jahres zu erwarten. Mit dem Wegfall der Gasspeicherumlage und reduzierten Stromnetzentgelten dürften entlastende Maßnahmen der Bundesregierung jedoch überwiegen.

Stabilitätsorientierte Lohnabschlüsse tragen dazu bei, dass sich die Preisdynamik bei Dienstleistungen bis zum Jahresende weiter abschwächt. Dennoch bleiben Dienstleistungen auch im kommenden Jahr der wesentliche Faktor für Preis- auftrieb, da Kostensteigerungen in diesem Bereich erfahrungsgemäß nur in geringem Umfang durch Effizienzgewinne kompensiert werden. Dementsprechend ist zu erwarten, dass ein Teil der Mehrkosten durch den ab dem 01.01.2026 geltenden höheren Mindestlohn auf die Dienstleistungspreise überwälzt wird. Der öffentliche Personenverkehr wird sich, bedingt durch die Anhebung des Deutschlandticket-Preises von 58 auf 63 Euro, ebenfalls leicht verteuern. Bei den Ausgaben für Speisen in der Gastronomie werden Verbraucherinnen und Verbraucher hingegen von einer dauerhaften Senkung der MwSt. von 19 Prozent auf 7 Prozent entlastet.

Insgesamt erwartet die Bundesregierung für dieses Jahr eine Inflationsrate von 2,1 Prozent. Im kommenden Jahr ist dann von einem leichten Rückgang der Inflation auf 2,0 Prozent auszugehen. Erst danach dürfte der prognostizierte gesamtwirtschaftliche Aufschwung allmählich auch in den Verbraucherpreisen sichtbar werden: Mit einer Rate von 2,2 Prozent wird für das Jahr 2027 wieder ein etwas stärkerer Preisauftrieb erwartet. Die Kerninflation wird im gesamten Projektionszeitraum leicht erhöht bleiben. Nach einem Rückgang von 2,6 Prozent auf 2,3 Prozent in 2026 dürfte die Kernrate in 2027 mit 2,4 Prozent wieder leicht zulegen.

FINANZPOLITISCHE IMPULSE UNTERSTÜTZEN ERHOLUNG AM ARBEITSMARKT

Infolge der anhaltenden wirtschaftlichen Schwäche ist die Zahl der Arbeitslosen im Sommer erstmals seit 2015 auf über drei Millionen Personen gestiegen. Gleichzeitig wurde der seit 2022 beobachtete Anstieg der Erwerbstätigkeit vom Statistischen Bundesamt zuletzt deutlich abwärtsrevidiert. Aufgrund des statistischen Überhangs bleibt der in der Frühjahrsprojektion erwartete Rückgang der Erwerbstätigenzahl im Jahresdurchschnitt 2025 aus, auch wenn sich die Lage am Arbeitsmarkt gegenüber der Frühjahrsprojektion nicht wesentlich verbessert hat.

Die insgesamt weiter rückläufige Arbeitskräftenachfrage zeigt sich nicht nur an der sinkenden Zahl der bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten offenen Stellen, sondern auch auf Basis der Unternehmensbefragungen im Rahmen der IAB-Stellenerhebung. Insbesondere im Verarbeitenden Gewerbe und im Handel deutet das ifo Beschäftigungsbarometer auf einen anhaltenden Stellenabbau. Ungeachtet der insgesamt deutlich abgeschwächten Arbeitskräftenachfrage und der erhöhten Arbeitslosigkeit bestehen angesichts der immer deutlicheren Folgen des demografischen Wandels in einigen Branchen allerdings weiterhin spürbare Fachkräfteengpässe. Hoffnung auf einen baldigen Rückgang der Arbeitslosigkeit gibt jedoch die zuletzt deutliche Aufhellung des IAB-Arbeitsmarktbarometers.

Angesichts der gedämpften Frühindikatoren und der vorerst weiter schwachen wirtschaftlichen Entwicklung ist bis Jahresende keine Belebung des Arbeitsmarktes zu erwarten. Infolge der erwarteten konjunkturellen Erholung und unterstützt durch die finanzpolitischen Impulse dürfte sich die Lage am Arbeitsmarkt im kommenden Jahr jedoch allmählich bessern. Während die Arbeitslosigkeit im laufenden Jahr auch aufgrund eines hohen Überhangs im Schnitt um 155 Tausend Personen zunehmen dürfte, ist infolge der erwarteten wirtschaftlichen Erholung 2026 mit einem Rückgang um rund 40 Tausend Personen und im Jahr 2027 um weitere 100 Tausend Personen zu rechnen. Angesichts der eingetrübten Beschäftigungsaussichten wird die Zahl der Erwerbstätigkeit in diesem Jahr voraussichtlich stagnieren (+10 Tausend Personen). Im kommenden Jahr dürfte sich im Zuge der stärkeren wirtschaftlichen Dynamik die Belebung der Arbeitsnachfrage schrittweise verstärken. Allerdings ist angesichts des statistischen Unterhangs aus dem Vorjahr nur ein Anstieg der Erwerbstätigkeit von durchschnittlich 15 Tausend Personen im Jahr 2026 zu erwarten. Im Jahr 2027 dürfte die Zahl der Erwerbstätigen dann um 40 Tausend Personen steigen. Der Beschäftigungsaufbau wird jedoch zunehmend von den Folgen des demografischen Wandels und einer rückläufigen Nettozuwanderung gedämpft. So geht das IAB in seiner Herbstprognose bereits für das Jahr 2026 von einem Rückgang des Erwerbspersonenpotenzials in Höhe von 60 Tausend Personen aus.

Im Rahmen der Revision der Erwerbstätigenstatistik wurde insbesondere die Zahl der Selbstständigen spürbar abwärtskorrigiert. Dem bereits seit 2012 anhaltenden Trend folgend, ist auch im Prognosezeitraum von einem weiteren – jedoch weniger dynamischen – Rückgang der Zahl von Selbständigen auszugehen. Mit Blick auf die schwache konjunkturelle Entwicklung dürfte zunächst auch die Zahl der marginal Beschäftigten weiterhin leicht sinken, sich jedoch infolge der anziehenden Baukonjunktur gegen Ende des Prognosezeitraums stabilisieren. Angesichts des hohen statistischen Überhangs und der im weiteren Prognoseverlauf anziehenden Konjunktur wird erwartet, dass die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ihr Wachstum fortsetzt – aufgrund des demografischen Wandels jedoch mit deutlich schwächerer Dynamik als in den Vorjahren.

PRIVATER KONSUM VON ROBUSTER EINKOMMENSENTWICKLUNG GESTÜTZT

Die Nominallöhne von Vollzeitbeschäftigten sind seit Jahresbeginn durchschnittlich um 3,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum angestiegen. Beschäftigte im niedrigsten Einkommensbereich konnten dabei mit +5,9 Prozent abermals am deutlichsten von den Lohnsteigerungen profitieren. Trotz eines dämpfenden Effekts durch das Auslaufen der Inflationsausgleichsprämie haben die Effektivlöhne (Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer) im ersten Halbjahr um 4,3 Prozent zugenommen. Dies dürfte jedoch teilweise auf Sonderzahlungen zurückzuführen sein, deren Einfluss im weiteren Jahresverlauf nachlassen sollte. Insgesamt deuten die jüngsten Tarifabschlüsse und die weitgehend stabile Beschäftigungsentwicklung auf eine im Trend robuste, wenn auch im Vergleich zu den Vorjahren nachlassende Lohndynamik hin. Zudem ist davon auszugehen, dass die spürbaren Anstiege des Mindestlohns um 8,4 Prozent im Januar 2026 und weiterer 5,0 Prozent im Januar 2027 die Lohnentwicklung stützen. Im laufenden Jahr geht die Bundesregierung daher von einem Anstieg der Effektivlöhne um 3,6 Prozent aus, für die Jahre 2026 und 2027 wird ein Zuwachs von 3,3 Prozent bzw. 3,2 Prozent erwartet. Das Wachstum der Nettolöhne hat angesichts des Auslaufens der Inflationsausgleichsprämie und des Anstiegs der Sozialversicherungsbeitragssätze zuletzt spürbar an Dynamik verloren, dürfte im Projektionszeitraum jedoch weiterhin oberhalb der Inflationsrate liegen.

Mit der abflachenden Entwicklung der Nettoeinkommen geht auch eine geringere Dynamik bei den verfügbaren Einkommen einher. Zusätzlich wird die Konsumlaune der privaten Haushalte derzeit von Unsicherheiten gedämpft. Die angespannte Situation am Arbeitsmarkt sorgt neben den nach wie vor hohen geo- und handelspolitischen Unwägbarkeiten für Ungewissheit über die künftige Einkommenssituation. Diese Gemengelage – eine Entwicklung der Einkünfte, die positiv, aber abgeschwächt verläuft und teils mit Unsicherheit behaftet ist – spiegelt sich auch in der uneinheitlichen Indikatorenlage wider. So haben sich das unterkühlte GfK-Konsumklima und das tendenziell aufwärtsgerichtete HDE-Konsumbarometer im September gegenüber dem Vormonat abgeschwächt. Das ifo Geschäftsklima im Einzelhandel hat sich zuletzt verbessert, bewegt sich aber weiterhin im deutlich negativen Bereich. Die preisbereinigten Einzelhandelsumsätze gingen im Vormonatsvergleich leicht zurück, während sie gegenüber dem Vorjahrsmonat deutlich zulegen konnten. Immerhin waren die Kfz-Neuzulassungen von Privatpersonen im Trend aufwärtsgerichtet. Insgesamt ist für den weiteren Jahresverlauf mit einer noch verhaltenen Entwicklung des privaten Konsums zu rechnen. Durch den starken Jahresauftakt ergibt sich aber für das Gesamtjahr durchschnittlich ein deutliches Plus von 0,9 Prozent. Die realen Lohnsteigerungen zusammen mit der erwarteten Belebung am Arbeitsmarkt dürften auch für Impulse beim privaten Verbrauch sorgen mit Wachstumsraten von 0,8 Prozent im Jahr 2026 bzw. 1,1 Prozent im Jahr 2027.

PRODUKTIONSLÜCKE, PRODUKTIONSPOTENZIAL UND MITTLERE FRIST

Das Produktionspotenzial wird von der Bundesregierung in Übereinstimmung mit der gemeinsamen EU-Methode geschätzt und beschreibt die wirtschaftliche Aktivität einer Volkswirtschaft bei Normalauslastung der Produktionsfaktoren (konjunkturbereinigte bzw. strukturelle, trendmäßige Wirtschaftsleistung, sog. „Normallage“). Das Wachstum des Produktionspotenzials beträgt im Projektionszeitraum bis 2030 durchschnittlich rund +0,6 Prozent. Es ist aktuell von einer schwachen Produktivitätsentwicklung geprägt. In den kommenden Jahren wird es zunehmend durch die demografische Entwicklung gedämpft, der Wachstumsbeitrag des Faktors Arbeit ist rückläufig und wird im Projektionszeitraum negativ.

Die gesamtwirtschaftliche Produktionslücke liegt im deutlich negativen Bereich; die Wirtschaftsaktivität liegt damit weiterhin erheblich unter ihren Möglichkeiten. Infolge der wirtschaftlichen Belebung in den Jahren 2026 und 2027 vermindert sich die negative Produktionslücke betragsmäßig schrittweise auf -1,6 Prozent bzw. -0,9 Prozent und liegt damit auch am Ende der kurzen Frist noch merklich außerhalb des Korridors der Normalauslastung (hier definiert als ±½ Prozentpunkt um null). Bis zum Ende des Projektionszeitraums schließt sich die Lücke annahmegemäß. Angesichts der aktuellen Entwicklung des Wanderungsgeschehens in der ersten Jahreshälfte 2025 wurden die der Projektion zugrundeliegenden Annahmen zur Nettozuwanderung deutlich nach unten angepasst auf nun +250 Tsd. Personen im laufenden Jahr. Die bisherige rückläufige Tendenz seit Jahresbeginn fiel deutlich stärker aus, als nach der amtlichen Bevölkerungsvorausberechnung und auch nach dem Informationsstand im Frühjahr zu erwarten war. Die Größenordnung der neuen Annahmen entspricht in etwa den aktuellen Veröffentlichungen der Gemeinschaftsdiagnose oder dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung.

Zur Herbstprojektion erfolgten Revisionen bzw. Aktualisierungen zentraler Datengrundlagen der Potenzialschätzung, die für sich genommen insgesamt jedoch keine substantiellen Veränderungen der Ergebnisse im Projektionszeitraum bewirken. Neben der regulären VGR-Sommerrevision hat das Statistische Bundesamt im Sommer 2025 auch die vollständigen Bevölkerungsreihen auf Basis des Zensus 2022 veröffentlicht, die im Rahmen der Herbstprojektion 2025 erstmals berücksichtigt werden. Zudem wurde infolge einer methodischen Umstellung bei der Statistik der Schutzsuchenden im Berichtsjahr 2023 auch die sogenannte Fluchtanpassung im Rahmen der Potenzialschätzung aktualisiert. Diese soll seit Mitte der 2010er Jahre der zunächst verminderten Arbeitsmarktpartizipation von Geflüchteten Rechnung tragen. Im Rahmen der Potenzialschätzung werden ab der vorliegenden Herbstprojektion dazu nun Sonderauswertungen des Statistischen Bundesamtes zur Wanderungsstatistik und zu Erwerbsinformationen auf Basis der Arbeitskräfteerhebung herangezogen.

CHANCEN UND RISIKEN

Die Herbstprojektion stellt wie üblich die aus Sicht der Bundesregierung zum Projektionszeitpunkt wahrscheinlichste Wirtschaftsentwicklung in den kommenden Jahren dar; sie unterliegt allerdings wie schon in den vergangenen Jahren größeren Unsicherheiten als sonst üblich. Wesentliche Risiken ergeben sich dabei aus den außenwirtschaftlichen Rahmenbedingungen: Die Unsicherheiten in der Handels- und Sicherheitspolitik erschweren die Planungen in Unternehmen und verunsichern Konsumentinnen und Konsumenten, zumal die Verlässlichkeit des EU-US-Handelsabkommens latent in Frage steht. Ein erneuter Handelskonflikt mit den USA würde das Risiko von Gegenmaßnahmen erhöhen und die globale Wachstums- und Handelsentwicklung zusätzlich belasten. Verstärkt werden diese Ungewissheiten durch die ungelösten geopolitischen Krisen: dem völkerrechtswidrigen Krieg Russlands gegen die Ukraine sowie dem Konflikt im Nahen Osten. Weitere Eskalationen dieser Konflikte könnten zu neuen Sanktionen führen – mit der Folge von Preisanstiegen im Warenhandel, bei Energierohstoffen und Transportkosten. Dabei könnten auch Rohstoffe von strategischer Bedeutung, wie z. B. Seltene Erden, aus strategischen Gründen verknappt werden mit der Folge von Lieferketten- und Produktionsengpässen. Schließlich könnte sich die erwartete Erholung des privaten Konsums trotz steigender Reallöhne aufgrund anhaltender Arbeitsplatzunsicherheit, erhöhtem (Vorsorge-)Sparen und einer daraus folgenden Konsumzurückhaltung verzögern.

Eine günstigere als hier dargestellte Entwicklung wäre im Falle einer Entspannung bei den handels- und geopolitischen Konflikten vorstellbar. Eine nachlassende Unsicherheit und größere Planungssicherheit könnten die Konsumenten- und Investorenstimmung verbessern und den privaten Verbrauch und die Investitionsentwicklung begünstigen. Die geldpolitische Normalisierung könnte ebenfalls stärkere als angenommene Impulse auf Investitionen und Konsum ausüben. Schließlich ist nicht auszuschließen, dass die wirtschafts- und finanzpolitischen Impulse schneller und stärker wirken als hier unterstellt, insbesondere dann, wenn sich aus Maßnahmen stärkere Effekte auf die private Investitionstätigkeit ergeben.

ECKWERTE DER HERBSTPROJEKTION 2025

Gesamtwirtschaftliche Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland 1)2024Herbst-
projektion
2025
Herbst-
projektion
2026
Herbst-
projektion
2027
Veränderung gegenüber Vorjahr in Prozent, soweit nicht anders angegeben
ENTSTEHUNG des Bruttoinlandsprodukts (BIP)
BIP (preisbereinigt)-0,50,21,31,4
Erwerbstätige (im Inland)0,10,00,00,1
BIP je Erwerbstätigen-0,60,21,31,3
BIP je Erwerbstätigenstunde-0,30,21,11,2
nachrichtlich:
     Erwerbslosenquote in % (ESVG-Konzept) 2)3,13,43,43,1
     Arbeitslosenquote in Prozent (Abgrenzung der BA) 2)6,06,36,26,0
VERWENDUNG des BIP in jeweiligen Preisen (nominal)
Konsumausgaben
     Private Haushalte und private Organisationen ohne Erwerbszweck2,93,02,83,4
     Staat5,16,15,12,2
Bruttoanlageinvestitionen-0,92,47,08,0
     Vorratsveränderungen und Nettozugang an Wertsachen (Mrd. EURO)45,075,082,180,9
Inlandsnachfrage2,84,34,34,0
     Außenbeitrag (Mrd. EURO)163,5114,2100,288,4
     Außenbeitrag (in % des BIP)3,82,62,21,8
    Saldo der Leistungsbilanz (in % des BIP)5,84,64,44,0
Bruttoinlandsprodukt (nominal)2,63,03,93,7
VERWENDUNG des BIP preisbereinigt (real)
Konsumausgaben
    Private Haushalte und priv. Organisationen ohne Erwerbszweck0,50,90,81,1
    Staat2,62,52,50,6
Bruttoanlageinvestitionen-3,3-0,53,74,2
    Ausrüstungen-5,40,06,55,5
    Bauten-3,4-2,32,03,7
    Sonstige Anlagen0,23,63,63,5
    Vorratsveränderung und Nettozugang an Wertsachen (Impuls) 3)0,00,70,1-0,1
Inlandsnachfrage0,21,71,91,5
Exporte-2,1-0,11,21,6
Importe-0,63,62,62,1
    Außenbeitrag (Impuls) 3)-0,71,4-0,50,2
Bruttoinlandsprodukt (real)-0,50,21,31,4
Preisentwicklung (2020 = 100)
Verbraucherpreisindex2,22,12,02,2
Konsumausgaben der privaten Haushalte2,42,12,02,2
Inlandsnachfrage2,62,52,42,4
Bruttoinlandsprodukt 4)3,12,82,52,3
VERTEILUNG des Bruttonationaleinkommens (BNE)
(Inländerkonzept)
Arbeitnehmerentgelte5,54,43,53,6
Unternehmens- und Vermögenseinkommen-8,1-0,14,74,1
Volkseinkommen1,53,23,83,7
Bruttonationaleinkommen2,83,43,93,6
nachrichtlich (Inländerkonzept):
Arbeitnehmer0,30,10,10,1
Bruttolöhne und -gehälter5,53,73,43,3
Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer5,23,63,33,2
Verfügbares Einkommen der privaten Haushalte4,02,52,83,2
    Sparquote in Prozent 5)11,210,710,710,5

1) Bis 2025 vorläufige Ergebnisse des Statistischen Bundesamtes; Stand: August 2025;
2) Bezogen auf alle Erwerbspersonen; Abgrenzung der Bundesagentur für Arbeit
3) Absolute Veränderung der Vorräte bzw. des Außenbeitrags in Prozent des BIP des Vorjahres (= Beitrag zur Zuwachsrate des BIP);
4) Lohnstückkosten je Arbeitnehmer; Veränderung gegenüber Vorjahr: 2025: 4,0 %; 2026: 2,2 %; 2027: 2,2 %
5) Sparen in Prozent des verfügbaren Einkommens der privaten Haushalte einschl. betrieblicher Versorgungsansprüche.


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1Vgl. Deutsche Bundesbank, Monatsbericht Juli 2025 und Gemeinschaftsdiagnose Herbst 2025, Kapitel 5.

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