IN KÜRZE

Die Inflation in der Eurozone hat sich in den letzten drei Monaten bei rd. 2,0 Prozent eingependelt. Die EZB hat ihre Leitzinsen bei den letzten beiden Sitzungen nicht weiter gesenkt, so dass von einem Ende des Senkungszyklus ausgegangen werden kann. Die Bilanzsumme der EZB schrumpfte im Vergleich zur Vorperiode weiter. Zinsen von Wohnimmobilienkrediten blieben stabil, von Unternehmenskrediten waren sie leicht rückläufig. Das Kreditwachstum bleibt moderat. Zinsen auf Staatsanleihen blieben insgesamt stabil, während die Spreads zu deutschen Bundesanleihen abnahmen. Der Euro wertete zuletzt gegenüber Dollar deutlich auf.

Inflation (Abb.1):1 Die Inflation in der Eurozone ist ggü. dem Frühjahr leicht gesunken und lag im Drei-Monats-Durchschnitt bei 2,0 Prozent, und entsprach damit dem EZB-Ziel. Die Kerninflation lag im Juni mit 2,3 Prozent weiterhin etwas darüber. Die Inflation in Deutschland lag zuletzt bei 2,0 Prozent, Frankreich bei 0,8 Prozent, Italien bei 1,7 Prozent und Spanien bei 2,2 Prozent. Die Amplitude innerhalb der Eurozone lag zuletzt bei 4,7 Prozent-Punkten: Zypern verzeichnete dabei mit 0,5 Prozent die niedrigste und Estland mit 5,2 Prozent die höchste Inflationsrate. Die Preise für Energie sanken um -2,7 Prozent, Lebensmittelpreise stiegen um 3,1 Prozent und Dienstleistungen um 3,3 Prozent. Die EZB rechnet derzeit damit, dass die Gesamtinflation für die Eurozone nun bis zum ersten Quartal 2026 stetig bis auf 1,4 Prozent sinken wird und danach wieder steigt. Aufs Jahr betrachtet erwartet die EZB für 2025 eine Inflation von 2,0 Prozent, für 2026 1,6 Prozent.

Abbildung 1: Inflation in der Eurozone Bild vergrößern: Abbildung 1: Inflation in der Eurozone

GELDPOLITISCHER KURS DER EZB

Leitzinsen (Abb. 2): Die EZB hat im Juni ihre Zinsen erneut gesenkt, sodass sich die Finanzierungsbedingungen der Eurozone erneut lockerten, und nun im Niveau vergleichsweise neutral sind. Im Juli und September nahm die EZB keine weiteren Anpassungen vor. Die EZB-Leitzinsen betragen somit zum Redaktionsschluss beim Hauptrefinanzierungssatz 2,15 Prozent, beim Einlagesatz 2,00 Prozent und beim Spitzenrefinanzierungssatz 2,40 Prozent. Der EURIBOR-Zins, zu dem sich Banken untereinander unbesichert Geld leihen, lag jüngst bei 1,95 Prozent und ist damit deutlich niedriger als vor einem Jahr (3,71 Prozent). In Bezug auf weitere Zinsschritte signalisierte EZB zuletzt, dass der Senkungszyklus sich seinem Ende nähern könnte. Beobachter rechnen derzeit nicht mit zeitnahen Anpassungen. Von einigen Beobachtern werden sogar Erhöhungen für möglich gehalten, allerdings eher mittelfristig.

Abbildung 2: Leitzinsen der EZB Bild vergrößern: Abbildung 2: Leitzinsen der EZB

Wertpapierankaufprogramme (Abb. 3): Der Kurs der Wertpapierankaufprogramme bleibt unverändert. Das Quantitative Tightening, also der Abbau der Portfolios über ausbleibene Reinvestitionen von fällig werdenden Posten, geht weiter. Die Bilanzsumme der EZB beträgt 6.141 Mrd. EUR – das sind 30 Prozent weniger als zum Höchststand im Mai 2022. Davon entfallen 2.475 Mrd. EUR auf das Asset Purchase Program (APP) (24 Prozent unter dem Höchststand) und 1.492 Mrd. EUR auf das Pandemienotfallankaufprogramm (PEPP) (12 Prozent weniger). Die Bestände an gezielten längerfristigen Refinanzierungsgeschäften (TLTROs) sind inzwischen abgebaut. Die EZB-Bilanz normalisiert sich also weiter.

Abbildung 3: EZB-Bilanz Bild vergrößern: Abbildung 3: EZB-Bilanz

Einlagen (Abb. 4): Die Mindestreserveeinlagen bewegten sich weiter seitwärts und betrugen zuletzt 167 Mrd. EUR, während die Überschussreserven weiter hoch sind (zuletzt: 2.524 Mrd. EUR.), aber allmählich von den Geschäftsbanken abgebaut werden.

Abbildung 4: Einlagen der Geschäftsbanken bei der EZB Bild vergrößern: Abbildung 4: Einlagen der Geschäftsbanken bei der EZB

Zinsen – Haushalte (Abb. 5): Die Zinsen für Wohnimmobilienkredite verhielten sich in den letzten drei Monaten stabil. Sie lagen in der Eurozone zuletzt bei 3,3 Prozent. In Deutschland lagen sie zuletzt bei 3,7 Prozent, in Frankreich bei 3,2 Prozent, in Italien bei 2,7 Prozent und in Spanien bei 3,0 Prozent. Die Amplitude innerhalb der Eurozone betrug zuletzt 2,3 Prozent-Punkte.

Abbildung 5: Zinsen für Haushalte bei Wohnimmobilien Bild vergrößern: Abbildung 5: Zinsen für Haushalte bei Wohnimmobilien

Zinsen – Unternehmen (Abb. 6): Die Zinsen für Unternehmenskredite sind erneut leicht gefallen; sie lagen zuletzt in der Eurozone bei 3,7 Prozent. In Deutschland betrugen sie 3,8 Prozent, in Frankreich 3,6 Prozent, in Italien 3,4 Prozent und in Spanien 3,0 Prozent. Die Spanne innerhalb der Eurozone betrug zuletzt 2,2 Prozent-Punkte.

Abbildung 6: Zinsen für Unternehmen (ohne Banken) Bild vergrößern: Abbildung 6: Zinsen für Unternehmen (ohne Banken)

Kreditwachstum (Abb. 7): Das Wachstum von Unternehmenskrediten betrug zuletzt 1,7 Prozent. Die Menge an Wohnimmobilienkrediten wuchs um 1,9 Prozent. Die Kreditmenge wächst also weiterhin stetig.

Abbildung 7: Kreditwachstum Bild vergrößern: Abbildung 7: Kreditwachstum

Zinsen – Eurostaaten (Abb. 8): Die Zinsen für Staatsanleihen der Eurostaaten blieben in den letzten Wochen zunächst stabil, stiegen dann jedoch Ende Juni leicht an. 10-jährige Staatsanleihen notierten in Deutschland zuletzt (Stichtag: 09.07.25) bei 2,7 Prozent (vor einem Jahr: 2,5 Prozent), in Frankreich bei 3,4 Prozent (3,2 Prozent), in Italien bei 3,5 Prozent (3,9 Prozent) und in Spanien bei 3,2 Prozent (3,3 Prozent).

Abbildung 8: Zinsen auf 10-jährige Staatsanleihen - ausgewählte MS Bild vergrößern: Abbildung 8: Zinsen auf 10-jährige Staatsanleihen - ausgewählte MS

Spreads – Eurostaaten (Abb. 9): Die Spreads ggü. Bundesanleihen sind in den letzten drei Monaten deutlich gesunken. Der Spread ggü. Frankreich betrug zuletzt 66 Basispunkte (vor einem Jahr: 63), bei Italien hingegen 84 BP (138 vor einem Jahr) und bei Spanien 55 BP (75 vor einem Jahr). Der Spread von Frankreich hat sich in den letzten Wochen demjenigen von Griechenland angenähert.

Abbildung 9: Spreads ggü. Bundesanleihen - ausgewählte MS Bild vergrößern: Abbildung 9: Spreads ggü. Bundesanleihen - ausgewählte MS

Wechselkurse (Abb. 10): Der Euro notierte zuletzt bei 1,17 US-Dollar pro Euro und wertete damit in den letzten Wochen erheblich auf. Gegenüber dem Pfund notierte er jüngst weiter unverändert bei 0,86 Pfund pro Euro. Gegenüber dem Yen gewann der Euro mit jüngst 172 Yen pro Euro an Wert.

Abbildung 10: Wechsekurse über die letzten drei Jahre - 1 Euro ergibt... Bild vergrößern: Abbildung 10: Wechsekurse über die letzten drei Jahre - 1 Euro ergibt...

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1 Gemessen auf Basis des über die Eurozone Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI).