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Nach über 25 Jahren und mehr als 3.000 erfolgreichen internationalen Verwaltungspartnerschaften modernisiert die Europäische Kommission (KOM) ihr Twinning-Instrument. Die Reform verspricht mehr Effizienz, einfachere Prozesse und eine konsequente Digitalisierung – mit konkreten Verbesserungen für alle Beteiligten.
WAS IST TWINNING?
Twinning-Projekte sind Partnerschaften auf Augenhöhe zwischen öffentlichen Verwaltungen der EU-Mitglieder und von Partnerstaaten. Partner sind vor allem die Länder der EU-Beitrittsregion sowie der östlichen und südlichen Nachbarschaft, aber auch einzelne Länder weltweit. Twinning zielt darauf ab, durch Kooperation zwischen Verwaltungen nachhaltigen Kapazitätsaufbau zu unterstützen und langfristige Zusammenarbeit zu etablieren. Die Förderung guter Regierungsführung – basierend auf Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Transparenz und Menschenrechten – spielt dabei eine zentrale Rolle. Diese Werte sind Grundlage guter öffentlicher Dienstleistungen und gleichzeitig Garant für das Vertrauen von Gesellschaft und Wirtschaft in den Staat.
Durch Twinning werden EU-Beitrittskandidaten in der Übernahme und Umsetzung des Unionsrechts unterstützt. Die östlichen und südlichen Nachbarn der EU arbeiten mit Twinning-Projekten an der Annäherung an europäische Standards und der Umsetzung von Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen. Twinning-Projekte sind in der Regel langfristig ausgelegt (bis zu 3 Jahre); für kurzfristigere Projekte gibt es das TAIEX Instrument (Technical Assistance and Information Exchange Instrument). Seit dem Jahr 2020 werden im Kontext der europäischen internationalen Zusammenarbeit Projekte auch weltweit umgesetzt.
Nun steht eine umfassende Reform bevor, um das Instrument zu modernisieren. Dabei werden zentrale Herausforderungen aufgegriffen, die nach über zwei Jahrzehnten Twinning-Erfahrung angegangen werden müssen: analoge Prozesse, aufwändige Berichtsverfahren und Änderungsanträge sowie hohe administrative Hürden.
DIALOG ZUR REFORM – IM SEPTEMBER 2025 IN BERLIN
Die deutsche Nationale Kontaktstelle (NCP) für Twinning war Co-Gastgeber der internationalen Tagung aller NCPs der EU-Mitgliedstaaten sowie ausgewählter Partnerländer im September in Berlin. Zentrales Thema der Tagung war der aktuelle Stand der geplanten Reformen und die strategische Neuausrichtung. In den Diskussionen wurde die Rolle von Twinning und TAIEX als strategische Instrumente im Erweiterungsprozess und in der europäischen Nachbarschaftspolitik betont, die nun digitaler und fit für die Zukunft gemacht werden müssen.
Dabei sollen sich insbesondere die Berichterstattung und das Finanzmanagement von Twinning-Projekten künftig stärker an der Logik der klassischen EU-Zuwendungsverträge („Grants“) orientieren.
DIE WICHTIGSTEN REFORMVORSCHLÄGE IM ÜBERBLICK
Einführung eines digitalen Twinning-Portals
Alle Projektphasen – von der Bewerbung über die Vertragserstellung bis zur Berichterstattung – werden künftig über eine zentrale Online-Plattform abgewickelt. Die bisherige E-Mail- und Papier-basierte Kommunikation entfällt.
Vereinfachte Berichterstattung
Statt der vierteljährlichen Berichterstattung soll künftig der inhaltliche Projektfortschritt im Protokoll des jeweiligen Steuerungstreffens festgehalten werden. Finanzberichte werden nur noch bei Mittelanforderungen erstellt. Basis hierfür ist eine zu Projektbeginn erstellte detaillierte Auflistung der Ergebnisse, die im Projektverlauf erreicht werden sollen.
Vereinfachtes Finanzmanagement durch Budgetierung von Pauschalbeträgen / Wegfall der Schlussprüfung
Künftig sollen im Budget die jeweiligen Arbeitspakete durch Pauschalbeträge abgebildet werden. Die Bearbeitung der Arbeitspakete würde die Zahlung begründen, für die EU wären keine Prüfpfade für angefallene und bezahlte Ausgaben mehr erforderlich. Das bisherige Audit durch den Wirtschaftsprüfer am Projektende entfällt. Bei möglichen EU-Prüfungen zu einem späteren Zeitpunkt würde nur die Erreichung der Ergebnisse verifiziert werden.
REAKTIONEN AUS DEN MITGLIEDSTAATEN
Die NCPs der EU-Mitgliedstaaten begrüßten grundsätzlich sowohl die kommende Digitalisierung als auch die geplanten Vereinfachungen. Diskussionsbedarf besteht zur Bewertung, wann ein Arbeitspaket als erfüllt bzw. abgearbeitet betrachtet werden kann. Hier braucht es klare Kriterien, die für alle Seiten verbindlich sind. Weitere Themen sind die auch künftig notwendige Flexibilität bei der Anpassung einzelner Budgetpositionen im Projektverlauf und das ggf. trotzdem notwendige Vorhalten von Nachweisen/Belegen aufgrund nationaler Regelungen.
Für den deutschen NCP ist das Feedback unserer „twinnenden“ Behörden zentral. Auch auf der anschließenden Jahrestagung der deutschen Twinning-Community standen die praktischen Konsequenzen der Reform im Vordergrund. In den Diskussionen und Berichten aus den Projekten wurde einmal mehr deutlich, dass nach wie vor eine hohe Nachfrage nach deutscher Verwaltungsexpertise besteht und sich deutsche Verwaltungen ungebrochen aktiv engagieren – trotz zunehmend knapper werdender Ressourcen. Schon allein aus diesem Grund sind messbare Vereinfachungen in der Projektadministration mehr als willkommen!
AUSBLICK
Gegen Ende des ersten Quartals 2026 soll der Austausch zwischen der KOM und den EU-Mitgliedstaaten abgeschlossen sein. Die Ergebnisse sollen dann auf den für April 2026 geplanten „Institution Building Days“ in Brüssel verabschiedet werden und sich im Anschluss in einer neuen Version des EU Twinning-Handbuchs wiederfinden. Eine Veröffentlichung der neuen Handbuch-Version ist nicht vor Beginn 2027 zu erwarten, d.h. die ersten Twinning-Projekte nach neuem Regelwerk gehen voraussichtlich frühestens nach der Sommerpause 2027 in die Umsetzung.
KONTAKT & MEHR ZUM THEMA
Referat EB6 – Internationale Verwaltungspartnerschaften (inkl. EU-Twinning), Regierungsberatung schlaglichter@bmwe.bund.de
Weitere Informationen zu EU-Twinning und den bilateralen Verwaltungspartnerschaften finden Sie regelmäßig aktuell bei dem deutschen National Contact Point unter www.ncp-twinning.de. Dort können Sie auch eine Übersicht der aktuellen Projekte abrufen und Informationen dazu erhalten, wie Sie sich an den Projekten beteiligen können.