Titelbild zum Artikel "Regionalpolitische Jahrestagung 2025 des BMWE in Chemnitz – Europäische Kulturhauptstadt bietet Rahmen für Austausch zu zukunftsorientierter Regionalentwicklung"

© bundesfoto / Christina Czybik

Am 19. und 20. November 2025 fand die Regionalpolitische Jahrestagung 2025 des BMWE in Chemnitz statt. Mehr als 650 Gäste vorrangig aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung, Verbänden, Gewerkschaften und Wissenschaft kamen in der Europäischen Kulturhauptstadt 2025 zusammen. Ziel war es, in interaktiven Formaten voneinander zu lernen, Netzwerke zu stärken und gemeinsam neue Ansätze und Kooperationsmöglichkeiten für eine zukunftsorientierte Regionalentwicklung zu diskutieren.

Den Auftakt machte am ersten Veranstaltungstag eine Konferenz in der Stadthalle Chemnitz mit vielen hochrangigen Rednerinnen und Rednern und einer Vielzahl an Workshops zu verschiedenen Themen der Regionalentwicklung sowie verschiedenen Vernetzungsformaten. Am zweiten Veranstaltungstag besuchten ausgewählte Teilnehmerinnen und Teilnehmer Unternehmen und Institutionen, welche beispielhaft für Innovationen in der Region stehen.

In den Konferenztag eingebettet war der sächsische 6. Industriedialog, der sich dem Wandel und den Herausforderungen insbesondere in den Bereichen Mobilität und Infrastruktur widmete: Es ging dabei u.a. um neue Wert-schöpfungsketten, eine verlässliche Verkehrsinfrastruktur, die Weiterentwicklung der Stromnetze sowie das autonome Fahren.

UNTERNEHMEN IM FOKUS REGIONALER ENTWICKLUNG

Bundesministerin Katherina Reiche bekräftigte in ihrer Rede, dass es Deutschland nur gut gehe, wenn es den Regionen gut gehe. Entscheidend sei es, die Unternehmen in den Fokus zu rücken. Wirtschaftsförderung und Wirtschaftspolitik müssten zudem immer auch regionale Gegebenheiten einbeziehen. Reiche hob die Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“, kurz GRW, als erfolgreiches Instrument regionaler Strukturpolitik hervor: Die GRW zeichne sich durch eine hohe Hebelwirkung aus, mit der Standortnachteile ausgeglichen würden. Sie betonte, dass gerade auch die regionale Wirtschafts- und Strukturpolitik auf veränderte Rahmenbedingungen und Anforderungen reagieren müsse. In diesem Zusammenhang verwies sie auf die derzeitigen Abstimmungen zwischen Bund und Ländern zur Neuaufstellung der GRW, mit der die Effizienz des Programms weiter gestärkt und zusätzliche Anreize für Wachstum und Beschäftigung in den strukturschwachen Regionen gesetzt werden sollen. Darüber hinaus brauche es Bürokratierückbau, mehr Freiräume für Städte, Gemeinden und Unternehmen, mehr Risikobereitschaft und einen besseren Transfer von Innovation in die Praxis.

Der Ministerpräsident des Freistaates Sachsen, Michael Kretschmer, betonte die Kraft der Innovation. Regionen müssten den Mut haben, sich neu zu erfinden. Sachsen habe sich wirtschaftlich gut entwickelt und werde auch dank seiner Kompetenzen u. a. in den Bereichen Mikroelektronik und Wasserstofftechnologie den Strukturwandel gut bewältigen. Kretschmer hob hervor, dass bereits heute jeder dritte in Europa produzierte Mikrochip aus Sachsen komme. Voraussetzung dafür, auch global attraktiver zu werden und Anteile an globalen Märken zu gewinnen, sei es, mehr Soziale Marktwirtschaft zu wagen.

CHEMNITZ ALS BEISPIEL FÜR GELUNGENEN STRUKTURWANDEL

Sven Schulze, Oberbürgermeister der Stadt Chemnitz, warb dafür, Wandel als Chance zu begreifen. Er betonte, dass Chemnitz als ein Ort, der Moderne und Tradition verbinde, Gestaltungsvermögen und Gestaltungswillen beweise und als Europäische Kulturhauptstadt kulturell, wirtschaftlich und auch gesellschaftlich aufgeblüht sei.

Burkhard Jung, Präsident des Deutschen Städtetags und Oberbürgermeister der Stadt Leipzig, hob die Bedeutung handlungsfähiger Städte und Gemeinden hervor, um das Vertrauen der Bevölkerung zu stärken. Er warb für eine Modernisierungsagenda, die auf einen handlungsfähigen Staat abziele und eine schnelle und bürgernahe Verwaltung sowie den Abbau von Doppelstrukturen ermöglicht.

Zwei Menschen schauen in die Kamera.

Bundesministerin Reiche besucht den Stand der Wismut bei der Ausstellung der Regionalpolitischen Jahrestagung

© bundesfoto / Christina Czybik

IMPULSE LOKALER AKTEURE FÜR ZENTRALE THEMEN REGIONALER ENTWICKLUNG

Akteure aus Chemnitz brachten wertvolle Impulse aus der Region und die Unternehmensperspektive in die Diskussion ein. Martin Vieweg, Geschäftsführer des mittelständischen Familienunternehmens Elektro Vieweg GmbH & Co. KG mit 170 Beschäftigten in der Region Chemnitz, erläuterte, dass sein Unternehmen auf den Rückgang an Auszubildenden infolge des demografischen Wandels erfolgreich mit dem Aufbau eines eigenen Ausbildungszentrums reagiert habe. Er warb für ein modernes und zeitgemäßes Handwerk zum Anfassen, einen ambitionierten Bürokratierückbau und eine Stärkung der Problemlösungskultur in Behörden.

Annegret Haas, Geschäftsführende Gesellschafterin des Familienunternehmens RAILBETON HAAS GmbH mit 130 Beschäftigten, betonte die Vorteile des Standorts Chemnitz, wie etwa ein verlässliches Zulieferernetz. Lokal verwurzeltes Unternehmertum bedeute für sie auch Engagement für eine lebenswerte Stadt. Sie verwies zudem auf den Anreizeffekt der GRW, der zuletzt in ihrem Unternehmen eine wichtige Investition ermöglicht habe, die ansonsten nicht erfolgt wäre. Zugleich sprach sie sich ebenfalls für einen effektiven Bürokratierückbau, weniger Berichtspflichten und Vertrauen in verantwortungsvolle Unternehmerschaft aus.

Prof. Dr. Harald Kuhn, Lehrstuhlinhaber an der TU Chemnitz und Leiter des Fraunhofer-Instituts für Elektronische Nanosysteme ENAS mit Sitz in Chemnitz, stellte Chemnitz als einen weltweit vernetzten Innovationsstandort und wichtigen Teil des Silicon Saxony dar. Chemnitz‘ Stärke u. a. im Bereich der Mikrotechnologie, auch bei Studium und Ausbildung, sei deutschlandweit bekannt. Als Innovationsstandort habe die Stadt eine lange Tradition, die nicht nur durch wissenschaftliche Exzellenz, sondern auch in der stark ausgeprägten interdisziplinären Zusammenarbeit zum Ausdruck komme.

WIE WIRKT SICH DER STRUKTURWANDEL REGIONAL AUS?

Prof. Dr. Monika Schnitzer, Vorsitzende des Sachverständigenrats Wirtschaft und Professorin an der LMU München, erläuterte, dass der langjährige Wachstumsmotor Export an Dynamik verloren habe. Die Treiber des Strukturwandels in den Regionen seien vielfältig und reichten von demografischen Trends sowie der Energiekrise und Dekarbonisierung über geopolitische Veränderungen bis hin zu Anpassungsprozessen aufgrund von Automatisierung, Digitalisierung und KI. Vor diesem Hintergrund gelte es, den Strukturwandel sowohl in den strukturschwächeren als auch in den bislang strukturbeständigen, wirtschaftlich erfolgreichen Regionen nicht zu bremsen. Zudem sei von Bedeutung, eine flächendeckende Infrastruktur sicherzustellen, Zukunftsperspektiven für besonders betroffene Regionen zu schaffen, und Beschäftigungswechsel auch durch die Teilnahme an Weiterbildungen zu erleichtern.

In einer anschließenden Paneldiskussion zum Thema „Wachstum durch regionale Stärke“ setzte sich Prof. Schnitzer für eine Stärkung des europäischen Binnenmarkts ein und warb dafür, innovative Netzwerke zu stärken und Forschung und Unternehmen besser zusammenzubringen. Sebastian Scheel, Staatssekretär und Amtschef im Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klima, sprach sich für eine strategische Industriepolitik und eine beschleunigte Transformation durch Automatisierung sowie für wettbewerbsfähige Energiepreise aus; hierfür brauche es einen entsprechenden regulativen Rahmen. Stefan Körzell, Mitglied des geschäftsführenden Bundesvorstands des DGB, warb dafür, Beschäftigte im Strukturwandel mitzunehmen und mit Gewerkschaften als Ansprechpartnerinnen für konstruktive Lösungsansätze ins Gespräch zu kommen. Es sei wichtig, Arbeitsplätze in der Region zu halten und Perspektivlosigkeit zu vermeiden. Auch aus Gründen der Resilienz müsse Produktion in Europa gehalten werden. Nora Seitz, Mitglied des Deutschen Bundestags, setzte sich für einen effektiven Bürokratierückbau insbesondere für kleine und mittlere Betriebe ein. Sie sprach sich zudem für die Neuordnung von Berufsordnungen und moderne Ausbildungssysteme aus, die Ausbildung erfahrbarer machen.

WORKSHOPS UND AUSSTELLUNG DIENEN DER VERTIEFTEN BEFASSUNG MIT THEMEN DER REGIONALENTWICKLUNG

Eine Vielzahl engagierter Referentinnen und Referenten wirkte aktiv an über 20 Workshops mit, die vertiefte Einblicke in verschiedene Themenfelder der regionalen Entwicklung erlaubten. Die Bandbreite der Workshopthemen reichte von regionalen Einkommens- und Vermögensunterschieden über Aspekte der regionalen Fachkräftesicherung, Kreislaufwirtschaft, Industrieflächenentwicklung, Mobilitätswandel, die Bedeutung von Clusterorganisationen und die Zusammenarbeit in Grenzregionen bis hin zu Kooperationen und Wissensaufbau im Bereich New Defence, d.h. eine innovationsorientierte Sicherheits- und Verteidigungswirtschaft, als Wachstumstreiber von Industrie und Mittelstand.

Vertiefte Einblicke und Vernetzungsmöglichkeiten bot auch eine Ausstellung, bei der sich unter anderem Unternehmen und Institutionen aus der Region Chemnitz, das bundeseigene Unternehmen für Bergbausanierung Wismut sowie im Bundeswettbewerb „Zukunft Region“ geförderte und darüber hinaus weitere Projekte vorstellten.

EXKURSIONSTAG IM ZEICHEN DER INNOVATION

Am zweiten Veranstaltungstag besuchte ein kleinerer Kreis interessierter Teilnehmerinnen und Teilnehmer erfolgreiche und innovative Unternehmen und Institutionen in der Region.

Beim Besuch des Smart System Campus mit seinem Fokus auf Mikro- und Nanosystemtechnik, Leichtbau sowie intelligente Systemintegration wurde deutlich, welche Potenziale die Zusammenarbeit hochinnovativer Unternehmen und Forschungsinstitutionen hat. Dort finden sich in unmittelbarer Nachbarschaft das Fraunhofer-Institut für Elektronische Nanosysteme ENAS, die 3D-Micromac AG, ein führender Spezialist für die Lasermikrobearbeitung, sowie das Technologie Centrum Chemnitz GmbH (TCC), das kapitalintensive technologieorientierte Unternehmensgründungen und Start-ups u. a. durch die Bereitstellung von Gewerbeflächen unterstützt.

An der zweiten Station stand der Mobilitätswandel im Fokus. Neben dem Netzwerk Automobilzulieferer Sachsen, kurz AMZ, stellte sich das Technologieunternehmen FDTech GmbH vor, das sich auf die Entwicklung von Funktionen für Fahrerassistenz sowie automatisiertes Fahren und deren Einbindung in die regionale und überregionale Infrastruktur spezialisiert hat. Darüber hinaus erhielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Einblicke in die Herstellung von Anlagen zur Lasermaterialbearbeitung und automatisierten Montage bei der SITEC Industrietechnologie GmbH.

Der abschließende Besuch führte in den ländlichen Verdichtungsraum Erzgebirge. Die Station bot Informationen zur Weber-Gruppe als Beispiel für unternehmerische Transformation, grüne Logistik und regionale Innovationspartnerschaften. Außerdem stellte sich die LSA GmbH vor, die unter Reinraumbedingungen hochautomatisierte – auch KI-gestützte – Produktionssysteme entwickelt. Schließlich erhielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen Eindruck von den thematischen Schwerpunkten der Wirtschaftsförderung Erzgebirge GmbH, die seit 30 Jahren erfolgreich Regionalentwicklung und Standortmarketing verbindet, sowie von der Entwicklung der Bergstadt Wolkenstein.

REGIONALPOLITISCHE JAHRESTAGUNG 2026 IM MÄRZ 2026 IN HALLE

Für die Regionalpolitische Jahrestagung 2026 geht es von Sachsen ins benachbarte Sachsen-Anhalt: Die Tagung wird am 2. und 3. März 2026 in Halle (Saale) stattfinden. Alle an der Veranstaltung Interessierten sind eingeladen, sich beim Referat IB3 im BMWE (buero-ib3@bmwe.bund.de) zu melden.

KONTAKT & MEHR ZUM THEMA

Referat IB3 – Regionale Wirtschafts- und Strukturpolitik, Gemeinschaftsaufgabe (GRW), Gesamtdeutsches Fördersystem

schlaglichter@bmwe.bund.de

buero-ib3@bmwe.bund.de

Weitere Informationen zur Regionalpolitischen Jahrestagung 2025:

https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Veranstaltungsarchiv/regionalpolitische-jahrestagung-2025.html

Weitere Informationen zur regionalen Strukturpolitik des Bundes:

https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/ Dossier/regionalpolitik.html