Titelbild zum Artikel "BMWE unterstützt Führungskräfte der ukrainischen Regierung: Trainingsprogramm 2025 erfolgreich abgeschlossen"

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Mit einer Rekordzahl von 40 Bewerbungen und einem intensiven Auswahlprozess begann das diesjährige „Fortbildungsprogramm für Führungskräfte der ukrainischen Regierung“ im August dieses Jahres. Ausgewählt wurden 15 Teilnehmende aus zentralen Ministerien der Ukraine, die zur Umsetzung von EU-Anforderungen und an der Steuerung von Reformprozessen im Rahmen der EU-Beitrittsperspektive arbeiten.

„Ich habe mich für das Trainingsprogramm beworben, weil ich sehr interessiert am EU-Integrationsprozess bin. Gerne möchte ich mehr über die Herausforderungen dieses Prozesses erfahren – insbesondere darüber, wie ein erfahrener Staat wie Deutschland damit umgeht“, sagte Mariia Hrebeniuk, leitende Fachreferentin im Referat für Internationale Zusammenarbeit und europäische Integration im Ministerium für die Entwicklung von Gemeinden und Territorien der Ukraine.

Veronika Goritska, stellvertretende Gruppenleiterin im Referat für Unternehmensentwicklung im Ministerium für Wirtschaft, Landwirtschaft und Umwelt, ergänzte: „Als Ukrainer und Ukrainerinnen sind wir auf dem Weg der EU-Integration. Es ist daher wichtig zu verstehen, welche Verantwortung und Rollen die verschiedenen Institutionen der EU und in den Mitgliedstaaten wie Deutschland tragen. Nach dem Trainingsprogramm möchte ich dieses Wissen in mein Team weitertragen.“

Mit diesen exemplarischen Erwartungshaltungen starteten die ausgewählten Führungskräfte in den diesjährigen Programmzyklus. Das Programm besteht aus verschiedenen virtuellen und Präsenztrainings sowie einer zweiwöchigen Studienreise nach Berlin.

Das erste Training fand an zwei Tagen im August in Kyiv statt. Es ermöglichte den Teilnehmenden eine tiefgehende vergleichende Analyse der Strukturen, Kompetenzen und Tätigkeiten deutscher und ukrainischer Ministerien sowie der bilateralen Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern. In einem weiteren virtuellen Training im September zum Thema „Interkulturelles Management“ lag der Fokus darauf, Unterschiede in Kommunikationsstilen und Entscheidungswegen zu verstehen.

Was ist das „Fortbildungsprogramm Ukraine“?

Das „Fortbildungsprogramm für Führungskräfte der ukrainischen Regierung“ wurde bereits 2001 auf Anregung der ukrainischen Regierung von der Bundesregierung eingerichtet. Es wird aus dem Etat des BMWE finanziert. Seitdem fanden 23 Programmzyklen statt, an denen insgesamt mehr als 300 Beamtinnen und Beamte der ukrainischen Regierung teilgenommen haben.

Ziel des Fortbildungsprogramms ist die Qualifizierung ukrainischer Beamtinnen und Beamter zur Unterstützung des angestrebten EU-Beitritts der Ukraine und der damit verbundenen Reformprozesse. Dadurch soll ein besseres Verständnis für europäische Abläufe und die Zusammenarbeit mit der EU gefördert werden. Das Programm ist ein wichtiger Beitrag zur Annäherung an Europa und zur grenzüberschreitenden Verwaltungszusammenarbeit.

Kernstück des Fortbildungsprogramms ist eine zweiwöchige Studienreise nach Berlin mit praxisnahen Fachgesprächen in deutschen Ministerien über die Zusammenarbeit mit EU-Institutionen und den Prozess der EU-Integration. Praktische Trainings zu beruflichen Schlüsselqualifikationen und zum politischen System Deutschlands vor und nach der Studienreise ergänzen das Programm.

Seit diesem Jahr liegt die Zuständigkeit für das Programm innerhalb des BMWE erstmals im Referat EB6 „Internationale Verwal-tungspartnerschaften (einschl. EU-Twinning) und Regierungsberatung“. Das Projekt wird von der im Referat EB6 angesiedelten Koordinierungsstelle für Institutionelle Partnerschaften betreut, die wiederum von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) operativ umgesetzt wird.

STUDIENREISE 2025 NACH BERLIN VOM 27.09. BIS 12.10.2025

Am 27. September 2025 begann das Kernstück des Fortbildungsprogramms, die zweiwöchige Studienreise nach Berlin mit praxisnahen Fachgesprächen in deutschen Bundesinstitutionen über die Zusammenarbeit mit der EU. An sieben Tagen wurden zwölf Institutionen des Bundes besucht.

Den Auftakt des Programms machte das BMWE. Diskutiert wurden beispielsweise die Aufgaben des BMWE im Rahmen der deutschen Europapolitik, die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und der Ukraine sowie die Koordinierung mit der EU angesichts aktueller Herausforderungen in der multilateralen und bilateralen Handelspolitik. Darüber hinaus wurden konkrete Instrumente wie Twinning und Verwaltungspartnerschaften vorgestellt, die die EU-Beitrittskandidaten beim Integrationsprozess unterstützen können. Auch das System der deutschen Außenwirtschaftsförderung und das Selbstverwaltungssystem der Wirtschaft in Deutschland gehörten zu den Themen. Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussionen waren die Energiepartnerschaften und die europäische Energiepolitik – in der aktuellen geopolitischen Situation besonders zentrale Themen für die Ukraine, aber auch für Deutschland.

Im weiteren Verlauf wurden ebenfalls besucht: das Bundeskanzleramt, das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), das Bundesministerien der Finanzen (BMF), das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), das Auswärtige Amt (AA), das Bundesverkehrsministerium (BMV), das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV), die Bundestagsverwaltung, der Bundesrat, das Bundespräsi-dialamt sowie das Bundespresseamt.

Bei den Gesprächen ging es u.a. um die zentralen Aufgaben der Ministerien mit EU-Bezug, die Abstimmungsprozesse und Kommunikation mit der EU und innerhalb Deutschlands zur EU-Politik sowie die Umsetzung von EU-Richtlinien anhand von konkreten Praxisbeispielen.

So stellte das BMJV exemplarisch als Fallstudie die Umsetzung und die dabei entstehenden konkreten Herausforderungen der EU-Zahlungsverzugsrichtlinie in Deutschland vor – eine Richtlinie, an der derzeit in der Ukraine gearbeitet wird. Im BMF wurde insbesondere zum Rat „Wirtschaft und Finanzen“ (ECOFIN-Rat) diskutiert sowie über europäische Vorgaben zur Staatsverschuldung, die EU-Mitgliedsbeiträge und das Thema Haushaltsplanung.

Im Anschluss an den intensiven fachlichen Austausch im BMAS zur Arbeits- und Lohnpolitik in Deutschland und zur Angleichung von Standards in der Ukraine gab es zudem ein vertieftes Einzelgespräch zwischen Kolleginnen und Kollegen des BMAS und Kateryna Astakhova, stellvertretende Abteilungsleiterin im Ministerium für Wirtschaft, Landwirtschaft und Umwelt. Hier konnten neben einem Austausch zu individuellen arbeitsmarktpolitischen Fragestellungen wichtige Kontakte für die laufende Verwaltungspartnerschaft zwischen dem BMAS, dem BMWE und dem ukrainischen Wirtschaftsministerium geknüpft werden.

„Das Programm wurde so aufgebaut, dass auch alle unsere individuellen Fragen beantwortet werden konnten“, betonte Yuliia Tyshko, leitende Fachreferentin im Referat für Notifizierungen im ukrainischen Wirtschaftsministerium. „In jedem Ministerium, mit dem wir über die EU-Integration gesprochen haben, hatten wir Gelegenheit, viele Fragen zu stellen, zum Beispiel, wie eine Vorgabe umgesetzt wurde und welche Herausforderungen es in Deutschland dabei gab. Wir möchten diese Erkenntnisse in der Ukraine unbedingt umsetzen“, ergänzte Veronika Goritska.

Zusätzlich zu den Fachgesprächen gab es Trainings in Präsenz zu den Themen „Kommunikation und Präsentation“, „Verhandlungsführung“ und „Leadership“. Die Module waren interaktiv und praxisorientiert aufgebaut, mit Fallbeispielen, Übungen, Videofeedback und intensiver Gruppenreflexion. Besonders hervorgehoben wurde die Relevanz der Trainings für reale berufliche Situationen.

„Ohne Soft Skills kann man kein Team leiten“, so Veronika Goritska. „Man kann sich so viel Wissen aneignen, wie man möchte, aber ohne die Entwicklung von Soft Skills ist es unmöglich, mit seinem Team zu kommunizieren und Ziele zu erreichen. In diesem Schulungsprogramm haben wir u.a. den Verhandlungsprozess und verschiedene Kommunikationsinstrumente geübt. Aus meiner Sicht ist die Kombination aus Weiterbildung durch die fachlichen Gespräche mit den Ministerien sowie der Entwicklung von Soft Skills sehr zielführend. Dies macht das Trainingsprogramm so einzigartig.“

Der Programmzyklus 2025 wurde mit zwei weiteren Online-Trainings im November – nach Rückkehr der Teilnehmenden nach Kyiv – abgeschlossen. Das Thema war „Resilienz und Steuerung in Kriegszeiten“. Die beiden Einheiten wurden von Teilnehmenden als wertvolle Ergänzung wahrgenommen, die half, persönliche Muster zu reflektieren und die Erkenntnisse aus Berlin dauerhaft zu verankern.

Gruppenfoto

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Fortbildungsprogramms 2025 im Goerckehof des BMWE

© BMWE/Steffen Goldacke

WURDEN DIE ERWARTUNGEN DER TEILNEHMENDEN ERFÜLLT?

„Es war eine sehr gelungene Verbindung von Fachtreffen in allen Ministerien mit Trainings und sogar Kulturprogramm“, so Veronika Goritska. „Wir hatten dadurch die Möglichkeit, Deutschland zu entdecken. Wir sind dankbar für die Offenheit der Kolleginnen und Kollegen der Ministerien und für ihre praktischen Tipps. Dies gilt auch für die psychologischen Trainings, die wunderbaren Worte der Menschen, die wir treffen durften, für die Vernetzung und die Kontakte – und für die Offenheit und Transparenz der deutschen Regierung.“

Mariia Hrebeniuk: „Die Kolleginnen und Kollegen in den Ministerien waren sehr offen und freundlich. Deutschland steht an der Seite der Ukraine – das ist rübergekommen. Durch das Programm zog sich ein roter Faden – die Erwartungen wurden übertroffen.“

Aus deutscher Sicht stärkt die insbesondere durch die Studienreise entstehende Vernetzung zwischen deutschen und ukrainischen Kolleginnen und Kollegen die institutionelle und politische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und der Ukraine. Gleichzeitig unterstützt das Programm das Interesse der Bundesregierung, die langfristigen Rahmenbedingungen für wirtschaftliche Kooperationen und Geschäftsbeziehungen deutscher Unternehmen mit der Ukraine zu verbessern.

Mit dem sehr hohen Renommee des Programms bei den ukrainischen Ministerien leistet es einen wichtigen Beitrag für die Ukraine beim Weg in die EU.

In den Rückmeldungen aus den Vorjahren hat sich zudem gezeigt, dass das vermittelte Wissen erfolgreich in der praktischen Umsetzung Anwendung findet und das Programm zugleich die Karriereentwicklung der Teilnehmenden nachhaltig fördert. Zudem hat sich ein großes Alumninetzwerk etabliert, das den fachlichen Austausch unterstützt und die Vernetzung zwischen den Absolventinnen und Absolventen stärkt.

Für den Herbst 2026 ist eine weitere Studienreise geplant.

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Referat EB6 – Internationale Verwaltungspartnerschaften (inkl. EU-Twinning), Regierungsberatung

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