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Die wirtschaftliche Entwicklung im dritten Quartal 2025
Einleitung
IN KÜRZE
Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) stagnierte im dritten Quartal 2025 preis-, kalender- und saisonbereinigt gegenüber dem Vorquartal.
Während die Ausrüstungsinvestitionen und der staatliche Konsum zulegten, dämpfte der negative Außenbeitrag die wirtschaftliche Entwicklung. Auch der private Konsum und die Bauinvestitionen entwickelten sich leicht rückläufig.
Die preisbereinigte Bruttowertschöpfung wurde gegenüber dem Vorquartal geringfügig ausgeweitet. Das Verarbeitende Gewerbe und die Bauwirtschaft verzeichneten dabei einen spürbaren Rückgang, der gewichtige Dienstleistungsbereich expandierte jedoch.
Das Statistische Bundesamt hat am 25. November die detaillierten Ergebnisse zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal 2025 veröffentlicht. Demnach stagnierte das BIP im 3. Quartal 2025 preis-, kalender- und saisonbereinigt gegenüber dem Vorquartal (±0,0 Prozent). Gegenüber dem Vorjahresquartal ergab sich ein preisbereinigter BIP-Zuwachs von 0,3 Prozent. Damit bestätigte das Statistische Bundesamt seine Schnellmeldung vom 30. Oktober.
WERTSCHÖPFUNG INSGESAMT LEICHT IM PLUS
Auf der Entstehungsseite der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) blieb die Bruttowertschöpfung im Vorquartalsvergleich mit einem leichten Plus von 0,1 Prozent nahezu unverändert. Dahinter steht eine über die einzelnen Branchen hinweg sehr unterschiedliche Entwicklung.
Im Verarbeitenden Gewerbe sank die Bruttowertschöpfung mit +0,9 Prozent im dritten Quartal spürbar. Hierin spiegelt sich die schwache Auftragslage der Industrie infolge von US-Zollerhöhungen und zunehmender Konkurrenz auf den Weltmärkten wider. Auch im Baugewerbe entwickelte sich die Wertschöpfung mit -0,6 Prozent abermals rückläufig. Die schwache Baukonjunktur dürfte insbesondere auf die weiterhin hohen Baukosten, teilweise aber auch auf die lange Phase der vorläufigen Haushaltsführung zurückzuführen sein.
Im Dienstleistungsbereich entwickelte sich die Wertschöpfung hingegen insgesamt positiv (+0,4 Prozent). Insbesondere die Bereiche Information und Kommunikation (+0,8 Prozent) sowie Handel, Verkehr und Gastgewerbe (+0,7 Prozent) expandierten dabei deutlich. Die Zunahme der Wertschöpfung im Handel ist insbesondere auf die zuletzt deutlich gestiegene Zahl der PKW-Neuzulassungen zurückzuführen. Auch öffentliche Dienstleister, Erziehung und Gesundheit konnten abermals zulegen (+0,4 Prozent). Bei den Unternehmensdienstleistern war die Entwicklung mit -0,1 Prozent hingegen leicht rückläufig, vor allem infolge einer geringeren Nachfrage aufgrund der schwachen Industriekonjunktur.
Auf der Verwendungsseite der VGR konnte eine schwache Auslandsnachfrage durch positive Impulse der Binnennachfrage ausgeglichen werden. Die deutlichen Anstiege der Ausrüstungsinvestitionen (+1,1 Prozent) und des staatlichen Konsums (+0,8 Prozent) sind zum Teil Folge höherer Rüstungsausgaben und einer insgesamt expansiveren Finanzpolitik. Die Belebung der privaten Ausrüstungsinvestitionen, insbesondere die deutliche Ausweitung der Investitionen in Fahrzeuge (+5,3 Prozent), deutet jedoch auch darauf hin, dass die staatlichen Anreize (verbesserte Abschreibungsbedingungen für Anlagen und gewerbliche Elektrofahrzeuge) bereits Wirkung zeigen.
Der Rückgang der Bauinvestitionen setzte sich mit +0,5 Prozent weiter fort. Eine kräftige Zunahme der staatlichen Bauten von 2,1 Prozent konnte den Rückgang der privaten Bauinvestitionen um 1,0 Prozent dabei nicht ausgleichen. Gestützt wurde die Investitionstätigkeit allerdings von einem spürbaren Anstieg der sonstigen Anlageinvestitionen (+0,9 Prozent), die Ausgaben für Forschung und Entwicklung, Software und geistiges Eigentum umfassen. Die Bruttoanlageinvestitionen wurden somit gegenüber dem Vorquartal insgesamt um 0,3 Prozent ausgeweitet.
Trotz anhaltender Reallohnzuwächse ist der private Konsum im dritten Quartal mit -0,3 Prozent leicht zurückgegangen. Die Kaufzurückhaltung der privaten Haushalte dürfte insbesondere auf eine gestiegene Einkommensunsicherheit aufgrund der rückläufigen Arbeitsnachfrage zurückzuführen sein. Während die Konsumausgaben für Gastronomie und Beherbergungsdienstleistungen merklich sanken (-1,3 Prozent), nahmen die Ausgaben für Bekleidung (+2,9 Prozent) und Gesundheit (+1,8 Prozent) besonders kräftig zu. Aufgrund der deutlichen Ausweitung des staatlichen Konsums verblieben die gesamtwirtschaftlichen Konsumausgaben in etwa auf Vorquartalsniveau (±0,0 Prozent).
Die Exporte gingen mit +0,7 Prozent im Vorquartalsvergleich deutlich zurück, während die Importe stagnierten (+/-0,0 Prozent). Infolgedessen war der Außenbeitrag im dritten Quartal mit -0,3 Prozentpunkten leicht negativ. Neben strukturellen Problemen der exportorientierten Unternehmen im internationalen Wettbewerb machen sich hier auch die gestiegenen Handelsbarrieren bemerkbar.
Infolge der anhaltenden wirtschaftlichen Schwäche und der demografischen Entwicklung ist die Zahl der Erwerbstätigen im Vorquartalsvergleich saisonbereinigt leicht gesunken (-0,1 Prozent). Gegenüber dem Vorjahresquartal waren etwa 20 Tausend Personen weniger erwerbstätig. Dies war der erste Rückgang seit 2021. Hierbei sind jedoch erhebliche sektorale Unterschiede zu beobachten. So ging die Erwerbstätigkeit im Verarbeitenden Gewerbe innerhalb des letzten Jahres um etwa 170 Tausend Personen zurück, während sie im Bereich der öffentlichen Dienstleister um ca. 200 Tausend Personen zunahm.
Die durchschnittlich geleisteten Arbeitsstunden je Erwerbstätigen lagen nach vorläufigen Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) im dritten Quartal 2025 in etwa auf dem Niveau des Vorjahresquartals. Gegenüber dem zweiten Quartal sind sie mit +0,2 Prozent allerdings leicht gestiegen. Wegen der etwas geringeren Zahl von Erwerbstätigen nahm das gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen im Vorquartalsvergleich lediglich um +0,1 Prozent zu, im Vorjahresvergleich stagnierte es.
Die Arbeitnehmerentgelte (Bruttomonatsverdienste einschließlich Sonderzahlungen und Sozialbeiträgen der Arbeitgeber) stiegen im dritten Quartal 2025 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 5,4 Prozent. Damit setzte sich das Lohnwachstum etwas dynamischer als zu Jahresbeginn fort. Neben einem deutlichen Anstieg der Sozialbeiträge dürften dabei auch weiterhin Sonderzahlungen im Rahmen von Restrukturierungsprozessen eine Rolle gespielt haben.
Die Bruttolöhne und -gehälter legten im dritten Quartal 2025 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 5,1 Prozent zu. Ursächlich hierfür waren kräftige Lohnzuwächse im Dienstleistungssektor. Angesichts der geringen Beschäftigungsdynamik nahmen die Effektivlöhne (Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer) in gleicher Höhe zu. Die Reallöhne haben sich im Jahresverlauf wieder etwas dynamischer entwickelt und lagen im dritten Quartal im Schnitt um 2,7 Prozent höher als im Vorjahr. Der Anstieg der Nettolöhne und -gehälter (insgesamt und pro Arbeitnehmer) fiel aufgrund gestiegener Sozialbeiträge mit 4,7 Prozent etwas weniger stark aus, lag aber ebenfalls weiterhin deutlich oberhalb der Inflationsrate.
Die Unternehmens- und Vermögenseinkommen nahmen binnen Jahresfrist abermals um 0,7 Prozent ab, der Rückgang fiel allerdings deutlich schwächer aus als in den vorangegangenen Quartalen. Aufgrund der dynamischen Entwicklung der Arbeitnehmerentgelte expandierte das Volkseinkommen insgesamt mit einem Plus von 3,7 Prozent im Vorjahresvergleich jedoch erneut kräftig.
Die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte legten mit einem Plus von 2,6 Prozent gegenüber dem dritten Quartal 2024 spürbar zu. Die nominalen privaten Konsumausgaben verzeichneten gleichzeitig einen Zuwachs von 3,5 Prozent. Daher ist die saisonbereinigte Sparquote im Vorjahresvergleich spürbar gesunken. Nach einem noch deutlicheren Rückgang in der ersten Jahreshälfte hat sie sich mit 10,7 Prozent wieder an ihren langfristigen Mittelwert angenähert.
Die vom Statistischen Bundesamt vorgelegten detaillierten Ergebnisse zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung im dritten Quartal bestätigen das vorläufige Ergebnis der Schnellmeldung vom 30. Oktober. Damit entspricht die Entwicklung des BIP im bisherigen Jahresverlauf insgesamt in etwa den Erwartungen der Herbstprojektion der Bundesregierung.
Auch wenn strukturelle Herausforderungen und erschwerte handelspolitische Rahmenbedingungen die ausländische Nachfrage und damit auch die Industriekonjunktur voraussichtlich weiter bremsen, ist eine leichte konjunkturelle Belebung zum Jahresende möglich. So haben sich Auftragseingänge und Industrieproduktion zu Beginn des Schlussquartals etwas erholt und auch die Lagebeurteilung der Unternehmen in einigen Wirtschaftszweigen hellte sich etwas auf. Dies dürfte auch darauf zurückzuführen sein, dass die öffentlichen Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung allmählich Fahrt aufnehmen. Eine spürbare konjunkturelle Erholung ist jedoch erst im kommenden Jahr zu erwarten.