Titelbild zum Artikel "Jahreswirtschaftsbericht 2026: Investitionen und Reformen für Wachstum und Resilienz"

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Das Bundeskabinett hat den Jahreswirtschaftsbericht am 28. Januar 2026 beschlossen. Die Bundesregierung stellt im Jahreswirtschaftsbericht zum ersten Mal in dieser Legislaturperiode umfassend die Leitlinien und Handlungsfelder ihrer Wirtschafts- und Finanzpolitik sowie ihre Konjunkturprognose für das laufende Jahr vor und nimmt zum Jahresgutachten des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung Stellung.

JAHRESPROJEKTION 2026 – KONJUNKTURELLE ERHOLUNG IM ZUGE FISKALISCHER IMPULSE

Die deutsche Wirtschaft hat sich nach den negativen Wachstumsraten in den Jahren 2023 und 2024 zuletzt stabilisiert. Während die spürbare Ausweitung der privaten und öffentlichen Konsumausgaben im vergangenen Jahr positiv zu Buche schlug, blieb die Investitionstätigkeit gedämpft und vom Außenhandel gingen per Saldo erneut deutlich negative Impulse aus. Damit blieb die wirtschaftliche Entwicklung 2025 mit einem preis-, saison- und kalenderbereinigten BIP-Anstieg von 0,2 Prozent insgesamt schwach.

Die gesamtwirtschaftliche Ausgangslage für das Jahr 2026 ist vor dem Hintergrund geo- und handelspolitischer Unsicherheiten, höherer Zölle und struktureller Faktoren wie einer verringerten Wettbewerbsfähigkeit, demografisch bedingten Fachkräfteengpässen sowie erhöhten Energie-und Bürokratiekosten weiterhin herausfordernd.

Insgesamt rechnet die Bundesregierung für 2026 mit einem Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts von 1,0 Prozent (vgl. Abb. 1). Die Prognose liegt damit etwas unter früheren Erwartungen, was vor allem auf eine ungünstigere Ausgangsbasis angesichts der schwächeren Entwicklung in der zweiten Jahreshälfte 2025 zurückzuführen ist. Im Jahresverlauf 2026 wird gleichwohl eine konjunkturelle Erholung erwartet, die von einer zunehmenden Binnennachfrage getragen wird. Maßgebliche Wachstumsimpulse dürften mit rund zwei Drittel Prozentpunkten von den wirtschafts- und finanzpolitischen Maßnahmen der Bundesregierung ausgehen, insbesondere von den Sondervermögen für Infrastruktur, Klimaneutralität und Bundeswehr sowie von steuerlichen Investitionsanreizen und verbesserten Finanzierungsbedingungen für Unternehmen.

Abbildung 1: Entwicklung des preisbereinigten Bruttoinlandprodukts in Deutschland Bild vergrößern: Abbildung 1: Entwicklung des preisbereinigten Bruttoinlandprodukts in Deutschland

Die binnenwirtschaftliche Dynamik nimmt angesichts steigender Konsumausgaben und Investitionen zu. Anhaltende Reallohnzuwächse und staatliche Entlastungsmaßnahmen erhöhen die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte. Hinzu kommt eine allmähliche Verbesserung der Arbeitsmarktperspektive im Jahresverlauf, die das Konsumklima zusätzlich stärken dürfte. Insgesamt ist damit ein Plus beim preisbereinigten privaten Konsum von 0,8 Prozent zu erwarten. Auch der staatliche Konsum leistet mit einem Zuwachs von 2,4 Prozent erneut einen spürbar positiven Beitrag.

Die Investitionen dürften nach mehreren Jahren des Rückgangs im Jahresverlauf 2026 wieder Tritt fassen. Öffentliche, aber auch private Ausrüstungs- und Bauinvestitionen werden durch umfangreiche staatliche Programme sowie durch verbesserte steuerliche Rahmenbedingungen stimuliert. Besonders die Ausrüstungsinvestitionen profitieren von höheren Verteidigungs- und Infrastrukturinvestitionen sowie von Maßnahmen zur Stärkung des Finanz- und Innovationsstandorts. Auch die Investitionen in geistiges Eigentum, insbesondere in Digitalisierung, Forschung und Entwicklung, geben Impulse. Im Baugewerbe wird eine allmähliche Erholung erwartet. Alles in allem rechnet die Bundesregierung bei den Bruttoanlageinvestitionen für dieses Jahr mit einem Anstieg um 3,0 Prozent.

Der Außenhandel bleibt hingegen ein struktureller Schwachpunkt. Die weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind weiterhin von geopolitischen Spannungen, gestiegenem Protektionismus und einer schwächeren internationalen Nachfrage geprägt. Insbesondere die anhaltend hohen US-Zölle sowie der zunehmende Wettbewerbsdruck aus China belasten die Exportperspektiven der deutschen Industrie. Trotz einer robusten Nachfrage aus dem EU-Binnenmarkt ist 2026 erneut mit einem negativen Wachstumsbeitrag des Außenhandels zu rechnen, denn die Importe dürften vor dem Hintergrund der anziehenden Binnennachfrage mit +2,1 Prozent lebhafter zunehmen als die Exporte mit 0,8 Prozent.

Am Arbeitsmarkt zeigte sich die Beschäftigung zuletzt insgesamt robust, allerdings bei deutlichen sektoralen Verschiebungen. Rückgänge der Erwerbstätigenzahl im Produzierenden Gewerbe wurden bislang durch Zuwächse im Dienstleistungssektor kompensiert. Für 2026 wird angesichts des demografischen Wandels und einer verhaltenen Arbeitsnachfrage insgesamt mit einer nur schwachen Beschäftigungsentwicklung gerechnet. Auch ein spürbarer Rückgang der Arbeitslosigkeit ist erst mit einer breiteren konjunkturellen Erholung zu erwarten; die Arbeitslosenquote dürfte daher im Jahresdurchschnitt bei 6,2 Prozent verharren. In der Jahresprojektion werden erstmalig die Ergebnisse der im Dezember 2025 veröffentlichten 16. Koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung berücksichtigt (Destatis, 2025; Details im separaten Artikel in dieser Ausgabe).

Die Inflationsrate bewegte sich mit 2,2 Prozent 2025 nahe dem Zielwert der Europäischen Zentralbank und dürfte auch 2026 nahe der Zwei-Prozent-Marke bleiben. Sinkende Energiepreise und administrative Entlastungen wirken inflationsdämpfend, während insbesondere die Dienstleistungspreise u.a. aufgrund steigender Arbeitskosten (Mindestlohnanstieg) weiterhin überdurchschnittlich zunehmen dürften. Insgesamt erwartet die Bundesregierung für 2026 eine Inflationsrate von 2,1 Prozent.

Die Jahresprojektion 2026 stellt die aus Sicht der Bundesregierung wahrscheinlichste wirtschaftliche Entwicklung dar. Sie bleibt aber weiterhin mit erheblichen Unsicherheiten behaftet. Risiken ergeben sich insbesondere aus der internationalen Handelspolitik, geopolitischen Konflikten sowie möglichen Verwerfungen an den Finanzmärkten. Unternehmen auf beiden Seiten des Atlantiks sehen sich mit erheblichen Planungsrisiken und potenziell steigenden Kosten konfrontiert. Gleichzeitig bestehen Chancen für eine stärkere wirtschaftliche Erholung, sofern sich die außenwirtschaftlichen Rahmenbedingungen entspannen oder die wirtschafts- und finanzpolitischen Maßnahmen stärkere Anreize für private Investitionen und Konsum setzen.

Evaluation der Projektionen der Bundesregierung

Alle vier Jahre prüft die Gemeinschaftsdiagnose (GD) – ein Zusammenschluss führender Wirtschaftsforschungsinstitute – die gesamtwirtschaftlichen Projektionen der Bundesregierung auf systematische Verzerrungen. Im Dezember 2025 wurden die Projektionen von 2021 bis 2024 evaluiert. Die Institute der Gemeinschaftsdiagnose attestieren der Bundesregierung wissenschaftlich fundierte und methodisch solide Projektionen: Die GD konstatiert, dass der Evaluationszeitraum infolge der Nachwirkungen der COVID-Pandemie, Russlands Angriff auf die Ukraine und der darauffolgenden Energiepreiskrise durch außergewöhnliche Schocks geprägt war, sodass die Unsicherheit erheblich war. Vor diesem Hintergrund fielen die Projektionen der Bundesregierung, aber auch die anderer Prognostiker, rückblickend im Durchschnitt zu optimistisch aus. Dennoch weisen die Projektionen der Bundesregierung laut GD eine vergleichbare Genauigkeit wie die Prognosen der Institute der Gemeinschaftsdiagnose selbst auf. Das deutet darauf hin, dass die Projektionen auf Grundlage der zum Zeitpunkt ihrer Erstellung verfügbaren Daten und Informationen nicht systematisch verzerrt waren. Für die Entwicklung des realen Bruttoinlandsprodukts waren die Regierungsprojektionen sogar treffsicherer.

STANDORTBEDINGUNGEN UMFASSEND VERBESSERN

Vor dem Hintergrund der geopolitischen Unsicherheiten ist es aus Sicht der Bundesregierung umso drängender, die bestehenden strukturellen Herausforderungen des Standorts zu adressieren: hohe Regulierungsdichte und Bürokratiekosten, öffentlicher Investitionsstau bei Infrastruktur, Rückgang des Erwerbspersonenpotenzials aufgrund demografischer Entwicklung, weiterhin hohe Energiekosten, hohe Abgaben auf Arbeitseinkommen sowie hohe Steuern auf Unternehmenserträge. Diese strukturellen Faktoren schwächen die Wachstumsperspektiven in der mittleren Frist, auch wenn fiskalische Impulse 2026 zu der projizierten Erholung beitragen. Um das Potenzialwachstum zu steigern und die Resilienz der deutschen Volkswirtschaft zu stärken, sieht die Bundesregierung Strukturreformen im Interesse einer umfassenden Verbesserung der Standortbedingungen als nötig an. Hierbei kommt nicht zuletzt den in vielen Bereichen eingesetzten Reformkommissionen, u. zur Reform des Sozialstaats oder zur Modernisierung der Schuldenregel, eine wesentliche Rolle zu.

Für eine nachhaltige Stärkung des Wachstums setzt die Bundesregierung auf eine Kombination aus zusätzlichen öffentlichen Investitionen zur Modernisierung des öffentlichen Kapitalstocks über das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität und aus strukturellen Reformen, die die Rahmenbedingungen für private Investitionen verbessern. Dafür identifiziert der Jahreswirtschaftsbericht insgesamt sechs Handlungsfelder:

  1. Bürokratierückbau und Staatsmodernisierung: Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, die Bürokratiekosten für die Wirtschaft in dieser Legislaturperiode um 25 Prozent zu reduzieren. Bereits die in den ersten sechs Monaten beschlossenen Maßnahmen reduzieren den jährlichen Erfüllungsaufwand für Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen und Verwaltung um drei Milliarden Euro. Mit Entlastungskabinett und Modernisierungsagenda hat sie ein ganzes Maßnahmenbündel zur weiteren Entlastung beschlossen. Außerdem streicht sie Berichtspflichten auf nationaler Ebene (etwa im Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz) und setzt sich für eine Reduzierung von Bürokratie auf europäischer Ebene wie durch die Omnibus-Pakete ein. Bei Planungs- und Genehmigungsverfahren setzt die Bundesregierung konsequent auf Beschleunigung, um privaten und öffentlichen Investitionen Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Gleiches gilt für die Vergabe- und Beschaffungsverfahren der öffentlichen Verwaltung mit dem Vergabebeschleunigungsgesetz und dem Gesetz zur beschleunigten Planung und Beschaffung für die Bundeswehr.
  2. Infrastruktur: Moderne und verlässliche Infrastruktur ist ein entscheidender Standortfaktor. In den vergangenen Jahren ist aber ein großer Investitionsbedarf entstanden. Mit dem neu eingerichteten Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität verfügt die Bundesregierung über die finanziellen Mittel zur Modernisierung und zum Ausbau des öffentlichen Kapitalstocks mit Schwerpunkt auf Verkehrsinfrastruktur und Digitalisierung. Die entsprechende Investitionsoffensive erfolgt in enger Abstimmung mit Ländern und Kommunen. Der Bund stellt im Jahr 2026 insgesamt 118,2 Milliarden Euro und damit rund 20 Milliarden mehr als im Vorjahr für Investitionen zur Verfügung. Damit diese Mittel – aber auch private Investitionen beispielsweise in Strom- oder Wärmenetze – effektiv und effizient eingesetzt werden können, liegt ein Fokus der Verfahrensbeschleunigungen auf Bereichen der digitalen Infrastruktur, der Energie- und der Verkehrsinfrastruktur sowie dem Wohnungsbau. Bereits umgesetzt sind das Infrastruktur-Zukunftsgesetz und der Wohnungsbauturbo.
  3. Innovationen: Deutschland ist Spitzenreiter bei der Grundlagenforschung und damit wichtiger Wegbereiter des technologischen Damit neue Technologien zu Geschäftsmodellen werden können, braucht es innovationsfreundliche Rahmenbedingungen. Solche ermöglicht die Bundesregierung u.a. durch das Reallabore-Gesetz sowie die Prüfung von Experimentierklauseln für neue Gesetze. Für Startups und Scaleups geht es um den Abbau von Bürokratie, aber auch um verbesserten Zugang zu Kapital. Denn die Finanzierungsmöglichkeiten für junge und wachsende Unternehmen sind in Deutschland weiterhin nicht zufriedenstellend. Um den Kapitalzugang zu erleichtern, hat die Bundesregierung im vergangenen Jahr u.a. das Standortfördergesetz verabschiedet. Mit dem im Dezember 2025 gestarteten Deutschlandfonds wird die Bundesregierung durch den gezielten Einsatz von öffentlichen Mitteln privates Kapital gerade auch für Startups mobilisieren. Mit diesen Maßnahmen wird eine Grundlage geschaffen, den positiven Trend einer Rekordzahl neugegründeter Startups – 3.568 im Jahr 2025 – in den kommenden Jahren fortzusetzen. Mit der Hightech Agenda Deutschland richtet die Bundesregierung die Forschungs-, Technologie- und Innovationspolitik an den Zielen Wachstum, Wertschöpfung und Souveränität neu aus. Im Mittelpunkt stehen sechs Schlüsseltechnologien mit zentraler ökonomischer Hebelwirkung: Künstliche Intelligenz, Quantentechnologien, Mikroelektronik, Biotechnologie, Kernfusion und klimaneutrale Energieerzeugung sowie Technologien für die klimaneutrale Mobilität.
  4. Bezahlbare und sichere Energie: Gerade für die energieintensiven Unternehmen im internationalen Wettbewerb sind wettbewerbsfähige Energiekosten ein entscheidender Standortfaktor. Um Unternehmen von weiterhin hohen Kosten zu entlasten, hat die Bundesregierung zusätzlich zu bestehenden Begünstigungen die Stromsteuersenkung für das Verarbeitende Gewerbe und die Forst- und Landwirtschaft verstetigt, die Gasspeicherumlage abgeschafft sowie Übertragungsnetzentgelte mit Hilfe einer Bezuschussung reduziert. Allein im Jahr 2026 sorgen Energiepreisentlastungsmaßnahmen der Bundesregierung für Kostenreduktionen in Höhe von ca. 30 Milliarden Euro für alle Verbraucherinnen und Verbraucher. Darüber hinaus werden u.a. für die Jahre 2026 bis 2028 ein Industriestrompreis eingeführt sowie die Strompreiskompensation künftig auf weitere strom- und handelsintensive Wirtschaftssektoren ausgeweitet. Auf Grundlage eines Monitorings zum Stand der Energiewende wurden Schlüsselmaßnahmen für eine kosteneffizientere und verlässlichere Energieversorgung identifiziert. Dazu gehören Maßnahmen für einen stärker markt- und systemdienlichen, kosteneffizienten Ausbau der Erneuerbaren Energien und der Netze sowie zum Vorantreiben von Flexibilisierung und Digitalisierung.
  5. Arbeitsangebot und -produktivität: Die Nachfrage nach Fachkräften bleibt trotz sinkender Zahl offener Stellen aufgrund der demografischen Alterung weiterhin hoch. Eine Erschließung vorhandener und neuer Potenziale ist daher essentiell für den Wirtschaftsstandort (s. 2). Deswegen stärkt die Bundesregierung Erwerbsanreize für Ältere mit der zum Januar 2026 in Kraft getretenen Aktivrente verbunden mit der Abschaffung des sogenannten Vorbeschäftigungsverbots nach Erreichen der Regelaltersgrenze. Durch die reformierte Grundsicherung stärkt die Bundesregierung auch die Anreize für Arbeitsuchende. Zur Förderung der zielgerichteten Fachkräfteeinwanderung aus Drittstaaten hat die Bundesregierung Eckpunkte zum Aufbau einer digitalen „Work-and-Stay-Agentur“ beschlossen. Bedeutend für das Arbeitskräfteangebot aus dem In- und Ausland sowie die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen ist auch die Steuer- und Abgabenbelastung des Faktors Arbeit, die in Deutschland bereits sehr hoch ist. Deswegen setzt die Bundesregierung auf eine Stabilisierung der Sozialversicherungsbeiträge, um so höhere Belastungen von Arbeitgebenden und Arbeitnehmenden zu begrenzen. Auch vor diesem Hintergrund hat die Bundesregierung mehrere (Experten-)Kommissionen im Bereich Rente, Kranken- und Pflegeversicherung einberufen. Gleichzeitig braucht der Arbeitsmarkt in Deutschland mehr Flexibilität für eine positivere Entwicklung der Arbeitsproduktivität.
  6. Diversifizierung und ein starkes Europa: Seit dem Jahr 2020 ist global ein rapider Anstieg an protektionistischen handelspolitischen Maßnahmen zu verzeichnen, verschärft durch die im vergangenen Jahr von den USA verhängten Zölle, aber auch durch nicht-marktwirtschaftliche Praktiken Chinas. Dies macht sich auch in der Entwicklung des deutschen Warenhandels mit China und den USA bemerkbar (s. Abb. 3). Auch vor diesem Hintergrund treibt die Bundesregierung die Diversifizierung der Handelsbeziehungen mit Drittstaaten voran. Die Unterzeichnung des Mercosur-Abkommens unterstreicht den Wert des regelgebundenen Handels in Zeiten geopolitischer Umbrüche. Die Bundesregierung setzt sich für eine WTO-Reform (Subventionsregeln, plurilaterale Initiativen) und weitere Freihandelsabkommen ein. Gegen nicht-marktwirtschaftliche Praktiken (v. a. China) werden Handelsschutzinstrumente (Anti-Dumping, Safeguards) sowie EU-Aktionspläne für fairen E-Commerce intensiviert. Auch eine tiefere europäische Integration ist essenziell, um Skaleneffekte zu nutzen und Resilienz zu erhöhen. Die Bundesregierung begrüßt die EU-Binnenmarktstrategie und die dazugehörige Roadmap bis zum Jahr 2028. Insbesondere die Schaffung eines 28. Regimes im Gesellschaftsrecht oder die Vertiefung der Spar- und Investitionsunion können mittelfristig zu mehr Innovationen und Investitionen in Europa beitragen.
Abbildung 2: Entwicklung des Arbeitsvolumens Bild vergrößern: Abbildung 2: Entwicklung des Arbeitsvolumens
Abbildung 3a: Abbildung 3a: Entwicklung von Im- und Exporten im Warenhandel mit China … Bild vergrößern: Abbildung 3a: Abbildung 3a: Entwicklung von Im- und Exporten im Warenhandel mit China …
Abbildung 3b:  … und den USA Bild vergrößern: Abbildung 3b: … und den USA

STRUKTURANPASSUNG, INDUSTRIELLE WERTSCHÖPFUNG UND WIRTSCHAFTSSICHERHEIT GEWÄHRLEISTEN

Für eine Rückkehr zu einem höheren und selbsttragenden gesamtwirtschaftlichen Wachstum sind die dargelegten angebotspolitischen Schwerpunkte von zentraler Bedeutung. Jenseits einer horizontal wirkenden Angebotspolitik zur Stärkung des Wachstumspotenzials erfordern die geopolitische Lage sowie die Notwendigkeit der Dekarbonisierung besondere Anstrengungen, um den nötigen Strukturwandel zu flankieren und bestimmte Wertschöpfung auch aus Gründen der Wirtschaftssicherheit zu schützen. Dabei zahlt Resilienz langfristig auf die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen ein und trägt gesamtstaatlich zum Ziel der Wirtschaftssicherheit bei.

Um die industrielle Wettbewerbsfähigkeit in der Dekarbonisierung zu gewährleisten, flankiert die Bundesregierung den EU-Emissionshandel in der Phase anfänglicher infrastruktureller und technologischer Pfadabhängigkeiten mit Fördermaßnahmen wie den CO2-Differenzverträgen und der Bundesförderung für Industrie und Klimaschutz (BIK). Zudem setzt sich die Bundesregierung für einen konsequenten Carbon-Leakage-Schutz ein.

Im Interesse der Wirtschaftssicherheit wird das KRITIS-Dachgesetz einen übergreifenden Rahmen für den effektiven Schutz kritischer Infrastrukturen schaffen, während die Umsetzung der NIS-2-Richtlinie Vorgaben für eine verbesserte Netzwerk- und Informationssicherheit setzt. Kritische Abhängigkeiten im Bereich der Rohstoffversorgung sollen u.a. mit Hilfe des neu eingerichteten Rohstofffonds, dem Aufbau von Rohstoffpartnerschaften und dem gezielten Hochlauf von Sekundärrohstoffmärkten beseitigt werden. Zudem stärkt die Bundesregierung, nicht zuletzt durch die Bereichsausnahme in der Schuldenbremse, die Verteidigungsfähigkeit des Landes und zielt dabei mit der steigenden staatlichen Nachfrage auch auf technologische Innovation und mögliche Spillover-Effekte für nicht (aus-schließlich) militärische Güter ab.

KONTAKT & MEHR ZUM THEMA

Referat IA1 – Grundsatzfragen der Wirtschaftspolitik

Referat IC1 – Beobachtung, Analyse und Projektion der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung

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Jahreswirtschaftsbericht 2026

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