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Die wirtschaftliche Ausgangslage stellt sich im Frühjahr 2026 ungünstiger dar als noch zur Jahreswende erwartet. Mit dem kriegerischen Konflikt im Nahen Osten, der faktischen Sperrung der Straße von Hormus und den damit einhergehenden Engpässen und Preisanstiegen bei Energie und weiteren Rohstoffen haben sich die kurzfristigen Perspektiven eingetrübt. Aktuelle Stimmungsindikatoren im Unternehmenssektor und bei Verbraucherinnen und Verbrauchern gaben insbesondere mit Blick auf die erwartete Entwicklung deutlich nach. Die drastischen Energiepreissteigerungen dämpfen die Kaufkraft und erhöhen die Produktionskosten. Laut Umfragen des ifo Instituts sehen sich rund 90 Prozent der Industrieunternehmen von der Eskalation im Nahen Osten und mehr als ein Drittel der Unternehmen von Lieferverzögerungen bei Vorprodukten bzw. Rohstoffen betroffen. Vor diesem Hintergrund dürfte die wirtschaftliche Entwicklung im ersten Halbjahr 2026 sehr verhalten ausfallen. Unter der Annahme einer baldigen Beruhigung des Konflikts sollten die Belastungen im späteren Jahresverlauf jedoch nachlassen.
Ausgehend von dieser Lage geht die Bundesregierung gegenüber der Jahresprojektion von einem geringeren Zuwachs des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts von 0,5 Prozent in diesem und von 0,9 Prozent im kommenden Jahr aus. Zentrale Ursache für die Abwärtsrevision sind die kräftig gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise infolge der Auseinandersetzung im Nahen Osten. Deren negativer Effekt wird für dieses Jahr auf rund 0,3 Prozentpunkte veranschlagt.
Die globale Wachstumsdynamik hat sich angesichts der krisenhaften geopolitischen Entwicklungen bislang als relativ robust erwiesen, dürfte kurzfristig infolge des Energiepreisanstiegs aber auch einen Dämpfer erleiden. Neben dem Iran-Krieg belasten die bestehenden Handelskonflikte, insbesondere zwischen den USA und China, sowie die Fragmentierung des Welthandelssystems weiterhin den globalen Handel und die internationalen Lieferketten. Die deutsche Exportschwäche dürfte zwar im Prognosezeitraum allmählich nachlassen, die insgesamt verhaltene globale Nachfrage und strukturellen Wettbewerbsdefizite, insbesondere gegenüber China, stehen einer deutlichen Belebung aber entgegen. Positive Impulse ergeben sich teilweise durch eine stärkere Ausrichtung auf europäische Absatzmärkte. Insgesamt dürften vom Außenhandel in den Jahren 2026 und 2027 noch leicht negative Wachstumsbeiträge auf die BIP-Entwicklung ausgehen.
Die Bruttoanlageinvestitionen dürften sich im Prognosezeitraum moderat beleben, insbesondere infolge der fiskalischen Impulse aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität, dem Sondervermögen Bundeswehr bzw. der Bereichsausnahme für Verteidigungsausgaben, dem Deutschlandfonds sowie der steuerlichen Investitionsanreize. Zunächst ist vor allem mit einer Belebung der öffentlichen Ausrüstungs- und Bauinvestitionen zu rechnen, während die private Investitionstätigkeit infolge des Energiepreisanstiegs, der geopolitischen Unsicherheiten und ungünstigerer Finanzierungsbedingungen erst im späteren Jahresverlauf eine Trendwende vollziehen dürfte. Insgesamt dürften die preisbereinigten Bruttoanlageinvestitionen um 1,6 Prozent im Jahr 2026 und um 3,0 Prozent im Jahr 2027 zulegen.
Der private Konsum bleibt eine Stütze der konjunkturellen Entwicklung in Deutschland. Der Energiepreisanstieg führt kurzfristig zwar zu Kaufkraftverlusten bei den privaten Haushalten, im Projektionszeitraum wird jedoch von einer allmählichen Normalisierung der Energiepreise ausgegangen. Die Effektivlöhne (Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmenden) dürften im Projektionszeitraum trotz des deutlichen Verbraucherpreisanstiegs real leicht steigen. Im Jahr 2027 dürfte dann bei nachlassendem Energiepreisdruck und einer schrittweisen Verbesserung der Beschäftigungslage der private Konsum weiter expandieren, wenn auch mit insgesamt moderater Dynamik. Damit dürften die privaten Konsumausgaben in realer Betrachtung mit Zuwachsraten von jeweils rund einem halben Prozent zulegen.
Die Staatsausgaben sind neben dem privaten Konsum ein weiterer Träger der gesamtwirtschaftlichen Expansion. Bereits im Jahr 2025 haben verstärkte Investitions- und Konsumausgaben des Staates – vor allem im Bereich Verteidigung, Infrastruktur und Klimaschutz – die Erholung gestützt. Die Jahre 2026 und 2027 sind von der expansiven Ausrichtung der Finanzpolitik geprägt. Die kräftige Ausweitung der Neuverschuldung und die Nutzung von Ausnahmetatbeständen der Schuldenbremse schaffen fiskalische Spielräume, die zu einem deutlichen Anstieg der staatlichen Ausgaben führen dürften. Dabei kommt neben den zusätzlichen Infrastrukturinvestitionen in den Bereichen Verkehr, Digitalisierung und Energie auch den Ausgabensteigerungen bei Bildung und Betreuung sowie Forschung, Entwicklung und Wohnungsbau eine zentrale Rolle zu, da sie die Produktionskapazitäten erhöhen und das mittelfristige Potenzialwachstum stärken können.
Die weitere wirtschaftliche Entwicklung hängt wesentlich von den Perspektiven des Konfliktes im Nahen Osten ab. Selbst wenn es zu einer baldigen Befriedung und Öffnung der Straße von Hormus käme, dürfte eine Normalisierung der Produktions- und Transportkapazitäten angesichts der Zerstörung der dortigen Produktionskapazitäten und des Rückstaus durch Lieferengpässe bei Energie- und anderen Rohstoffen noch eine längere Zeit erfordern und die Energie- und Rohstoffpreise auf einem erhöhten Niveau bleiben. Die belastenden Effekte auf die deutsche Wirtschaft dürften damit auch im weiteren Jahresverlauf spürbar sein. In der Frühjahrsprojektion wird unterstellt, dass die Energiepreise zur Jahresmitte allmählich wieder sinken, aber für längere Zeit deutlich über dem Vorkrisenniveau verbleiben (s. Kasten 1). Allerdings ist auch nicht auszuschließen, dass die begonnenen Verhandlungen nicht zu einer stabilen Lösung in der Region führen und es erneut zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit einer Blockade der Straße von Hormus, Beschädigungen von Produktionsanlagen und entsprechenden deutlichen Energie- und Rohstoffpreisanstiegen kommt. Um die möglichen Auswirkungen unterschiedlicher Entwicklungen, unabhängig von der Frühjahrsprojektion, auf das BIP und die Verbraucherpreise zu quantifizieren, werden auf Basis eines strukturellen Mehrländermodells alternative Szenarien vorgestellt (s. Kasten 2). In einem adversen Szenario würde der BIP-Zuwachs infolge einer ungünstigeren Energiepreisentwicklung in diesem Jahr um 0,2 Prozentpunkte niedriger ausfallen als in einem Szenario, das die Markterwartungen für Öl- und Gaspreise vom 1. April 2026 unterstellt.
KASTEN 1: ANNAHMEN DER FRÜHJAHRS-PROJEKTION 2026
Für die Weltwirtschaft wird mit einem preisbereinigten BIP-Wachstum in Höhe von 2,9 Prozent in diesem Jahr und 3,0 Prozent im Jahr 2027 gerechnet. Mit Blick auf das Zollumfeld wird unterstellt, dass Zölle, die Anfang April 2026 in Kraft getreten bzw. vereinbart sind, bestehen bleiben. Damit liegt der effektive US-Zoll für Einfuhren aus der EU nach wie vor bei gut 15 Prozent.
Für die Entwicklung der Energiepreise wird eine technische Annahme auf Basis von Terminnotierungen zum Zeitpunkt des Projektionsabschlusses (10. April) getroffen. Demnach wird für das Jahr 2026 ein durchschnittlicher Rohölpreis für ein Fass der Sorte Brent von rund 84 US-Dollar unterstellt, 2027 dürfte der Durchschnittspreis gemäß Futures bei 76 US-Dollar liegen. Für Gas wird für den Jahresdurchschnitt 2026 ein Preis von 46 Euro pro MWh erwartet. Im Jahr 2027 dürfte der durchschnittliche Gaspreis dann auf 38 Euro pro MWh zurückgehen. Der Hauptrefinanzierungssatz der Europäischen Zentralbank liegt aktuell bei 2,15 Prozent. Für das Jahr 2026 wird auf Basis von Experteneinschätzungen ein jahresdurchschnittlicher Zinssatz von 2,4 Prozent unterstellt, 2026 von 2,7 Prozent.
Die Weltwirtschaft hat sich bis Ende Februar robust gezeigt, gestützt durch Investitionen und Produktion im KI-Bereich und vielerorts günstigere Finanzierungsbedingungen. Sowohl in den USA als auch in China expandierte die Wirtschaftsleistung 2025 trotz höherer Zölle und handelspolitischer Unsicherheit ähnlich wie im Jahr zuvor. Gleichzeitig setzte sich die allmähliche konjunkturelle Erholung im Euroraum fort. Auch der Welthandel blieb bis zuletzt, ungeachtet der deutlich restriktiveren Handelspolitik, aufwärtsgerichtet. Hierzu trug eine dynamischere Handelsaktivität in Asien mit KI-bezogenen Produkten bei.
Am aktuellen Rand zeichnet sich vor dem Hintergrund des Konflikts im Nahen Osten und des Energiepreisanstiegs jedoch eine Abschwächung ab. Frühindikatoren für die weltwirtschaftliche Aktivität haben sich seit März spürbar eingetrübt. Der Sentix-Index, der die Konjunkturerwartungen von Finanzinvestoren widerspiegelt, hat Anfang April zum zweiten Mal in Folge nachgegeben. Der Einkaufsmanagerindex von S&P Global für die Weltwirtschaft ist zuletzt sowohl in der Industrie als auch im Dienstleistungsbereich zurückgegangen. Das globale Expansionstempo nimmt ab.
Unter der technischen Annahme, dass sich die derzeitigen Turbulenzen auf dem Energiemarkt im weiteren Verlauf abschwächen und die Preise für Öl und Gas ab Mitte 2026 allmählich sinken, ist ab dem zweiten Halbjahr wieder mit einer schrittweise anziehenden weltwirtschaftlichen Dynamik zu rechnen. Dazu dürfte neben einer weiterhin dynamischen Entwicklung von KI-bezogenen Investitionen beitragen, dass der effektive US-Importzoll nach dem Urteil des Obersten Gerichtshofs der USA im Februar gesunken ist und die Finanzpolitik vielerorts leicht stützend wirkt.
Im Euroraum dürfte die konjunkturelle Erholung angesichts des Iran-Kriegs schwächer ausfallen als zuvor erwartet. Während höhere Zölle, der starke Euro und der anhaltende Wettbewerbsdruck aus China belasten, gehen stützende Effekte von der staatlichen Nachfrage nach Verteidigungsgütern und einer weiteren, wenn auch etwas schwächer als zuvor erwarteten Expansion des privaten Konsums dank einer robusten Arbeitsmarktentwicklung aus.
Die USA sind als Netto-Energieexporteur weniger stark von dem Energiepreisschock betroffen und dürften im Projektionszeitraum mit ähnlichem Tempo wie zuvor expandieren – und damit kräftiger als der Durchschnitt der Industrieländer. Hierzu dürften finanzpolitische Impulse, günstigere Finanzierungsbedingungen infolge der vorangegangenen Leitzinssenkungen und dynamische Investitionen in Digitalisierung und KI beitragen. Die restriktivere Handels- und Einwanderungspolitik dürfte aber zu Preissteigerungen führen.
In China ist trotz staatlicher Stützungsmaßnahmen und expansiver Geldpolitik eine strukturelle Verlangsamung der Wirtschaftsaktivität zu erwarten. Auch wenn sich das Zollumfeld seit Februar für die chinesischen Exporteure deutlich günstiger darstellt, bremsen anhaltende Korrekturen auf dem Immobilienmarkt und eine schwache Binnennachfrage.
Insgesamt hängen die Aussichten für die Weltwirtschaft wesentlich von der weiteren Entwicklung des Konflikts im Nahen Osten ab und die Risiken bleiben erheblich. Auf Basis der aktuellen Einschätzungen internationaler Organisationen wie dem IWF oder der OECD wird in der vorliegenden Projektion davon ausgegangen, dass das weltweite BIP in den Jahren 2026 und 2027 mit 2,9 Prozent bzw. 3,0 Prozent expandiert und damit mit etwas geringerem Tempo als 2025. Auch beim Welthandelsvolumen ist nach den zollbedingten Vorzieheffekten im vergangenen Jahr mit einer Verlangsamung der Dynamik auf 2,3 Prozent im laufenden Jahr zu rechnen, 2027 dürfte der Zuwachs mit 3,0 Prozent wieder etwas höher liegen.
Vor dem Hintergrund der Zollanhebungen, einer Aufwertung des Euro und des auch strukturell erhöhten Wettbewerbsdrucks, insbesondere aus China, sind die deutschen Ausfuhren im vergangenen Jahr nach zwei deutlichen Rückgängen nochmals etwas gesunken. Nach den zollbedingten kräftigen Vorzieheffekten zu Jahresbeginn gingen insbesondere die realen Warenausfuhren in die USA und nach China zurück. Das expandierende EU-Geschäft konnte diese Rückgänge nur zum Teil abfedern.
Indikatoren wie der Spezialhandel oder die ifo Exporterwartungen weisen für das erste Quartal 2026 auf eine Belebung der realen Exporte hin. Ab dem zweiten Quartal ist infolge des Energiepreisschocks aber wieder mit einer vorübergehenden Eintrübung der Exporte zu rechnen, da sich die globale Industriekonjunktur und damit die Auslandsnachfrage abschwächen dürfte. Basierend auf der Annahme, dass sich die Energiepreise und Unsicherheiten ab der zweiten Jahreshälfte wieder allmählich zurückbilden und die Zölle auf dem aktuellen Niveau bleiben, ist zu erwarten, dass sich das Auslandsgeschäft im weiteren Verlauf allmählich erholt. Dazu dürfte insbesondere die Belebung der Nachfrage aus dem Euroraum und den übrigen EU-Ländern beitragen. Der starke Euro lastet aber weiterhin auf der Wettbewerbsfähigkeit außerhalb des Euroraums. Insgesamt erwartet die Bundesregierung eine Stagnation der realen Exporte von Waren und Dienstleistungen im Jahr 2026. Im nächsten Jahr dürften die Ausfuhren um 1,3 Prozent steigen, allerdings mit geringerem Tempo als die Absatzmärkte, so dass die deutschen Exporteure erneut Marktanteile verlieren dürften.
Auch bei den realen Importen zeichnet sich eine geringere Dynamik als zuvor erwartet ab. Zum einen weisen aktuelle Außenhandelsdaten nach dem schwachen Jahresende 2025 auf eine verhaltene Importentwicklung im ersten Quartal hin. Zum anderen dürften sich auch bei den Einfuhren insbesondere im zweiten Quartal die Folgen des Konflikts im Mittleren Osten dämpfend bemerkbar machen. Bei allmählicher Erholung der Binnen- und Auslandsnachfrage dürften sich die Einfuhren von Waren und Dienstleistungen im weiteren Projektionszeitraum dann aber dynamischer entwickeln als die Exporte, auch weil staatliche Mehrausgaben für Verteidigung Impulse geben. Alles in allem rechnet die Bundesregierung mit Importzuwächsen von 1,4 Prozent im Jahr 2026 und 1,8 Pro-zent im Jahr 2027.
Damit gehen vom Außenhandel per Saldo weiterhin negative Wachstumsbeiträge von -0,5 Prozentpunkten im laufenden Jahr und -0,2 Prozentpunkten im kommenden Jahr aus. Dies beeinflusst maßgeblich die weitere Entwicklung des Leistungsbilanzsaldos. In der Frühjahrsprojektion wird vor dem Hintergrund vorübergehend stark steigender Importpreise damit gerechnet, dass sich die Terms of Trade, also das Verhältnis von Export- zu Importpreisen, im laufenden Jahr um 1,5 Prozent verschlechtern und 2027 mit einem leichten Anstieg um 0,3 Prozent wieder normalisieren. Alles in allem ist bei deutlich abnehmendem Exportüberschuss mit einem weiteren Abschmelzen des Leistungsbilanzüberschusses von 4,5 Prozent in Relation zum nominalen Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2025 auf 3,2 Prozent im Jahr 2027 zu rechnen.
FISKALISCHE IMPULSE STÜTZEN DIE INVESTITIONSENTWICKLUNG
Die Investitionstätigkeit dürfte im Projektionszeitraum für die konjunkturelle Erholung zunehmend bedeutsamer werden. Wesentliche Treiber sind die fiskalischen Impulse aus den Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität sowie für die Bundeswehr, deren unmittelbare Wirkung vor allem in zunehmender Bautätigkeit und Rüstungsproduktion sichtbar wird. Private Investitionen werden durch die steuerlichen Anreize des Investitions-Sofortprogramms in Verbindung mit den schrittweisen Absenkungen des Körperschaftsteuersatzes gestützt. Gleichwohl werden auch die Investitionen infolge des jüngsten Energiepreisanstiegs, der geopolitischen Unsicherheiten und ungünstigerer Finanzierungsbedingungen gedämpft.
Die Ausrüstungsinvestitionen erholen sich nur schrittweise von der Schwäche der vergangenen Jahre. Nach einem Rückgang von real 1,9 Prozent im Jahr 2025 wird für das Jahr 2026 ein Anstieg von 1,1 Prozent erwartet. Das Spannungsfeld zwischen kräftig zunehmenden öffentlichen Beschaffungen, vor allem im Rüstungsbereich, und einer Zurückhaltung der Unternehmen, in neue Maschinen, Geräte und Fahrzeuge zu investieren, wird auch in diesem Jahr zunächst weiter fortbestehen. Neben strukturellen Investitionshemmnissen dürften gestiegene Energie- und Vorleistungskosten sowie erhöhte Unsicherheiten infolge des Irankriegs zum Aufschieben privater Investitionen führen. Unter der Annahme eines Rückgangs der geopolitischen Unsicherheiten im Jahresverlauf dürften sich die stützenden Kräfte, insbesondere die bereits im Vorjahr beschlossenen Maßnahmen wie etwa verbesserte steuerliche Abschreibungsregeln, jedoch zunehmend durchsetzen. Darauf deuten auch die Investitionspläne der Unternehmen hin, die zuletzt wieder deutlich optimistischer geworden sind: Laut ifo-Umfrage sind die Investitionserwartungen im März auf +0,2 Punkte gestiegen, nach -3,1 Punkten im Dezember 2025. Noch deutlicher haben sich der Umfrage zufolge die Erwartungen der Industrie in Richtung Ausweitung verschoben, von -6,4 auf +0,1 Punkte. Aufbauend auf der erwarteten Erholung in der zweiten Hälfte dieses Jahres wird für das Jahr 2027 dann mit deutlich zunehmenden Ausrüstungsinvestitionen gerechnet (+4,4 Prozent).
Bei den Bauinvestitionen zeichnet sich insgesamt eine Stabilisierung ab, mit Zuwachsraten von 1,0 Prozent in diesem und 1,9 Prozent im kommenden Jahr. Nach einem witterungsbedingt kräftigen Einbruch zu Jahresbeginn wird erwartet, dass sich die bereits Ende 2025 eingeschlagene Erholung im Frühjahr fortsetzt. Vor allem der Nichtwohnungsbau profitiert von zusätzlichen öffentlichen Infrastrukturprojekten. Etwas schwächer dürfte sich hingegen der Wohnungsbau entwickeln. Zwar deuten trendmäßig steigende Genehmigungs- und Auftragseingänge auch in diesem Bereich Zuwächse an. Steigende Baupreise und höhere Hypothekenzinsen dürften einer stärkeren Erholung in diesem Jahr jedoch entgegenstehen.
Die Investitionen in sonstige Anlagen sind von den Energiepreisschocks kaum betroffen und expandieren mit 3,8 Pro-zent 2026 und 3,7 Prozent 2027 weiterhin kräftig. Vor allem steigende Aufwendungen für KI als auch staatlich finanzierte Forschung und Entwicklung tragen zum kräftigen Wachstum bei.
Insgesamt erwartet die Bundesregierung für die Bruttoanlageinvestitionen nach einem Rückgang von 0,2 Prozent im vergangenen Jahr für das Jahr 2026 einen Zuwachs von 1,6 Prozent. Für das kommende Jahr wird dann mit einem Anstieg um 3,0 Prozent gerechnet.
ENERGIEPREISANSTIEG ERHÖHT INFLATION
Die Verbraucherpreisentwicklung wird im Projektionszeitraum maßgeblich durch den Energiepreisschock infolge des Iran-Kriegs geprägt. Nach einer Phase stabiler Inflation um zwei Prozent im zweiten Halbjahr 2025 dürfte die Inflationsrate 2026 auf 2,7 Prozent und 2027 auf 2,8 Prozent steigen.
Zentrale Ursache ist die faktische Blockade der Straße von Hormus, über die mehr als ein Viertel des globalen seegestützten Ölhandels und rund ein Fünftel des weltweiten Handels mit Flüssigerdgas verschifft wird. Entsprechend haben sich die Annahmen für Rohöl- und Gaspreise deutlich erhöht (siehe Kasten 1) mit der Folge, dass die Energiepreise nach einem Rückgang um 2,7 Prozent im vorherigen Jahr in diesem Jahr um 6,4 Prozent steigen dürften. 2027 wird mit einer Verlangsamung der Energiepreisinflation auf 3,2 Prozent gerechnet; der Preisschock wird von den Märkten als vorübergehend eingepreist.
Auch Zweitrundeneffekte des Energiepreisanstiegs dürften im Verlauf des Jahres zunehmend spürbar werden. Über höhere Rohstoff- und Vorleistungskosten wie z. B. für Düngemittel und Helium schlagen sie sich in steigenden Güter-und Nahrungsmittelpreisen nieder. So stieg der S&P-Getreidepreisindex als vorlaufender Indikator im Durchschnitt des März um sechs Prozent gegenüber Februar – ein ungewöhnlich starker Anstieg, der den Kostenschub im Agrarsektor illustriert. Die Kerninflation, also ohne Preise von Energie und Lebensmitteln, dürfte nach einem Anstieg von 2,3 Prozent in diesem Jahr im Zuge der verzögerten Effekte des Energiepreisanstiegs auf 2,7 Prozent im kommenden Jahr anziehen.
Die Preise für Dienstleistungen bleiben mit einem Zuwachs von rund drei Prozent im Projektionszeitraum ein struktureller Inflationstreiber. Dahinter steht u.a. der hohe Arbeitskostenanteil im Dienstleistungssektor, der unter anderem über die Anhebung des Mindestlohns um über acht Prozent und steigende Sozialversicherungsbeiträge preissteigernd wirkt.
Administrative Maßnahmen beeinflussen die Preisentwicklung in beide Richtungen, bleiben insgesamt aber gering. Die CO2-Preiserhöhung auf rund 65 Euro pro Tonne, die Mindestlohnanhebung und die Preiserhöhung des Deutschlandtickets wirken leicht preistreibend. Dem stehen die dauerhafte Senkung der Mehrwertsteuer in der Gastronomie auf sieben Prozent, reduzierte Stromnetzentgelte und der Wegfall der Gasspeicherumlage gegenüber.
KONJUNKTUR UND DEMOGRAFIE DÄMPFEN ARBEITSMARKTAUSBLICK
Die Entwicklung am Arbeitsmarkt ist weiterhin von der konjunkturellen Schwächephase, dem Strukturwandel und der Demografie geprägt. So kam der seit 2022 andauernde Anstieg der saisonbereinigten Arbeitslosigkeit zuletzt zwar zum Erliegen, dies ist jedoch ausschließlich auf Rückgänge im Rechtskreis des Sozialgesetzbuches II zurückzuführen. Die konjunkturreagiblere Arbeitslosigkeit im Rechtskreis des Sozialgesetzbuches III steigt hingegen weiterhin leicht an. Gleichzeitig hat die Zahl der Erwerbstätigen nach revidierten Angaben des Statistischen Bundesamtes seit Mitte 2025 kontinuierlich abgenommen. Dabei setzt sich nicht nur der seit 2012 anhaltende Rückgang der Selbständigen weiter fort, sondern auch die Zahl von Arbeitnehmenden und sozialversicherungspflichtig Beschäftigten entwickelte sich zuletzt rückläufig.
Die Frühindikatoren deuten am aktuellen Rand weiter auf eine sinkende Arbeitskräftenachfrage hin. Sowohl die bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten offenen Stellen als auch die Unternehmensbefragungen im Rahmen der IAB-Stellenerhebung weisen ein im langjährigen Vergleich sehr niedriges Stellenangebot aus. Insbesondere die Beschäftigungschancen von Arbeitslosen sind unverändert gering. Zudem zeichnet sich laut ifo Beschäftigungsbarometer im Verarbeitenden Gewerbe und im Handel ein anhaltender Stellenabbau ab. Beschäftigungszuwächse dürften weiterhin bei den öffentlichen Dienstleistern zu beobachten sein. Da der Beschäftigungsanstieg im Bereich Bildung zuletzt zum Erliegen kam, dürfte die Dynamik im weiteren Verlauf jedoch abnehmen.
Aufgrund der schwachen Frühindikatoren sowie der infolge des Krieges im Nahen Osten abermals deutlich erhöhten Unsicherheit ist eine spürbare Erholung des Arbeitsmarktes in diesem Jahr nicht zu erwarten. Die Bundesregierung geht davon aus, dass die Zahl der Erwerbstätigen 2026 jahresdurchschnittlich um etwa 100 Tausend Personen zurückgeht und die Arbeitslosigkeit mit rund 30 Tausend Personen weiter leicht ansteigt. Angesichts der in einigen Branchen weiterhin bestehenden Unterauslastung dürfte die Arbeitskräftenachfrage der Unternehmen erst infolge eines dauerhaften konjunkturellen Aufschwungs wieder spürbar zunehmen. Gedämpft wird der Beschäftigungsaufbau jedoch durch die demografische Entwicklung und die teilweise mangelnde Passgenauigkeit zwischen Arbeitskräfteangebot und -nachfrage. Im kommenden Jahr wird daher eine Stagnation der Erwerbstätigkeit und ein Rückgang der Arbeitslosigkeit um ca. 30 Tausend Personen erwartet. Entsprechend dem langjährigen Trend dürfte die Zahl der Selbständigen weiter leicht abnehmen. Auch bei der marginalen Beschäftigung ist nach einem Rückgang im laufenden Jahr allenfalls mit einer Stabilisierung zum Ende der kurzen Frist zu rechnen. Angesichts des sinkenden Erwerbspersonenpotenzials dürfte die seit der Finanzkrise anhaltende Expansion der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung im Projektionszeitraum allmählich zum Erliegen kommen.
ENERGIEPREISSCHOCK BREMST KONSUMDYNAMIK
Trotz der schwachen Entwicklung des Arbeitsmarktes legten die Effektivlöhne (Bruttolöhne und Gehälter je Arbeitnehmer) 2025 mit einem Plus von 4,5 Prozent weiter spürbar zu. Gleichzeitig fielen die Tarifabschlüsse angesichts der abnehmenden Inflationsdynamik zuletzt deutlich geringer aus als in den beiden vorangegangenen Jahren. Grund für die hohe Lohndrift dürften neben sektoralen Arbeitskräfteengpässen auch Sonderzahlungen in Form von Boni und Abfindungen sein. Angesichts der anhaltenden Restrukturierungsprozesse innerhalb der Unternehmen könnte diese Entwicklung im laufenden Jahr noch anhalten, dürfte jedoch im weiteren Verlauf eine immer geringere Rolle spielen.
Die Effektivlöhne nehmen auch wegen deutlicher Mindestlohnanstiege mit 3,5 Prozent in diesem und 3,2 Prozent im kommenden Jahr voraussichtlich weiter spürbar zu, weisen jedoch eine geringere Dynamik auf. Gleichzeitig könnten die Tarifabschlüsse im Projektionszeitraum aufgrund der infolge des Energiepreisschocks anziehenden Inflation wieder etwas kräftiger ausfallen. Die Lohndrift dürfte daher im Prognosezeitraum allmählich zurückgehen. Aufgrund steuerlicher Entlastungen (Ausgleich der kalten Progression, Einführung der Aktivrente, Anhebung des Grund- und Kinderfreibetrags) dürften die Nettolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer mit 3,7 Prozent im Jahr 2026 in etwa so stark zunehmen wie die Effektivlöhne. Die Löhne wachsen damit im laufenden Jahr zwar kräftiger als die Inflationsrate, 2027 zeichnet sich angesichts des jüngsten Energiepreisschocks jedoch nur noch eine leichte Zunahme der realen Bruttolöhne ab.
Damit erhält der private Konsum weniger Rückenwind von der Einkommensentwicklung als noch in den vergangenen Jahren. Ein weiterer Dämpfer für die Konsumlaune geht von den gestiegenen Unsicherheiten bezüglich der Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt aus. Zusätzlich leiden einige gewichtige Branchen in Deutschland ganz besonders unter dem erstarkenden Protektionismus im globalen Handel sowie den ohnehin bestehenden geo- und handelspolitischen Unwägbarkeiten.
Eine skeptischere Erwartungshaltung bei Verbraucherinnen und Verbrauchern sorgte für einen Rückgang des ifo Ge-schäftsklimaindex des Einzelhandels im März. Das HDE-Konsumbarometer fiel im April auf den niedrigsten Wert seit zwei Jahren. Auch das GfK-Konsumklima dürfte im April erneut rückläufig sein; wobei die jüngste Eintrübung v. a. auf negativere Einkommenserwartungen zurückzuführen ist.
Vor diesem Hintergrund ist von einer gedämpften Entwicklung des privaten Verbrauchs auszugehen mit Wachstumsraten von 0,4 Prozent im Jahr 2026 bzw. 0,5 Prozent im Jahr 2027. Dabei geht die Bundesregierung für den Prognosezeitraum von einer recht stabilen Sparquote aus. Nach 10,3 Prozent im vergangenen Jahr sinkt sie in diesem Jahr voraussichtlich leicht auf 10,1 Prozent, bevor sie sich im kommenden Jahr auf 10,2 Prozent erhöht.
PRODUKTIONSLÜCKE, PRODUKTIONSPOTENZIAL UND MITTLERE FRIST
Das Produktionspotenzial wird von der Bundesregierung in Übereinstimmung mit der gemeinsamen EU-Methode geschätzt und beschreibt die wirtschaftliche Aktivität einer Volkswirtschaft bei Normalauslastung der Produktionsfaktoren (konjunkturbereinigte bzw. strukturelle, trendmäßige Wirtschaftsleistung, sog. „Normallage“). Das Wachstum des Produktionspotenzials fällt im Zuge der eingetrübten gesamtwirtschaftlichen Aussichten nochmals schwächer aus als in der Jahresprojektion und beträgt im Projektionszeitraum bis 2030 durchschnittlich rund +0,4 Prozent. Dabei tragen die verschiedenen Schocks und die strukturellen Umbrüche zu einer erhöhten Unsicherheit bezüglich der weiteren Entwicklung bei. Das schwache Potenzialwachstum ist aktuell von einer relativ geringen Produktivitätsentwicklung und einer zurückhaltenden privaten Investitionstätigkeit geprägt. In den kommenden Jahren wird es zunehmend durch die demografische Entwicklung gedämpft. Der Wachstumsbeitrag des Faktors Arbeit ist rückläufig und wird im Projektionszeitraum negativ. Die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter (15 bis 74 Jahre) nimmt bis zum Jahr 2030 insgesamt um mehr als 700 Tsd. Personen ab gegenüber dem Jahr 2025, in der Altersgruppe 20 bis 66 Jahre beträgt der Rückgang sogar knapp 1,9 Mio. Personen.
Die gesamtwirtschaftliche Produktionslücke liegt im deutlich negativen Bereich. In den Jahren 2026 und 2027 vermindert sich die negative Produktionslücke betragsmäßig schrittweise auf -1,8 Prozent bzw. -1,3 Prozent und liegt damit auch am Ende der kurzen Frist noch merklich außerhalb des Korridors der Normalauslastung (hier definiert als ±½ Prozentpunkt um null). Bis zum Ende des Projektionszeitraums schließt sich die Lücke annahmegemäß.
In Vorbereitung der Frühjahrsprojektion wurden erneut die technischen Verfahren zur Fortschreibung der Bevölkerungsannahmen in den Projektionszeitraum sowie die optimale Auswahl der Spezifikationen der drei univariaten Zeitreihenfortschreibungsmodelle bestimmter Rechengrößen (Partizipationsrate, Arbeitsstunden je Erwerbstätigen und potenzielle Investitionsquote) in den mittelfristigen Projektionszeitraum gemäß statistisch-ökonometrischer Gütekriterien gemeinsam von Bundeskanzleramt, Bundesministerium der Finanzen und BMWE überprüft. Im Ergebnis wurden die bisherigen Festlegungen innerhalb des EU-Methodenrahmens bestätigt, so dass bei der Potenzialschätzung im Rahmen der Frühjahrsprojektion 2026 keine methodischen Änderungen erfolgt sind.
CHANCEN UND RISIKEN
Die in der Frühjahrsprojektion dargelegte Entwicklung stellt wie üblich die aus Sicht der Bundesregierung zum Projektionszeitpunkt wahrscheinlichste Einschätzung der Wirtschaftsentwicklung in den kommenden Jahren dar. Wie in den vergangenen Jahren basiert diese Projektion auf Annahmen, die höheren Ungewissheiten als normalerweise üblich unterliegen.
Erheblich Risiken bestehen unverändert in den geopolitischen Rahmenbedingungen: Eine Einigung des Konflikts im Nahen Osten zwischen den USA und dem Iran ist eine zentrale Voraussetzung für die Normalisierung von Handels- und Produktionskapazitäten in der Region. Erneute Eskalationen könnten zu weiteren Lieferunterbrechungen sowie zu deutlicheren und anhaltenden Preissteigerungen bei Energie und Rohstoffen führen mit entsprechend negativen Auswirkungen auf die erwartete konjunkturelle Erholung (s. Kasten 2). Auch jenseits des Nahen Ostens besteht das Risiko einer möglichen Eskalation geopolitischer Spannungen, etwa in dem Handelskonflikt zwischen den USA und China sowie im Zusammenhang mit dem Krieg Russlands gegen die Ukraine. Sanktionen oder politisch motivierte Handelsbeschränkungen könnten Lieferkettenstörungen und Produktionsausfälle bei strategisch wichtigen Vorprodukten, wie etwa Halbleitern oder Seltenen Erden, verursachen.
Darüber hinaus könnte eine stärkere Abschwächung der globalen Konjunktur infolge steigender Energie-, Rohstoff-und Nahrungsmittelpreise – insbesondere in wichtigen Wachstumsregionen wie Asien – in Verbindung mit restriktiveren geldpolitischen Maßnahmen zu einer Verlangsamung der Handels-, Konsum- und Investitionsdynamik führen. Auch von den Finanzmärkten gehen Risiken in Form einer möglicherweise plötzlichen Korrektur infolge deutlicherer Leitzinsanhebungen oder einer Neubewertung der Wachstums- und Gewinnperspektiven – etwa im Zusammenhang mit Erwartungen an neue Technologien wie Künstliche Intelligenz – aus, die globale Verwerfungen und entsprechende Wachstumsverluste nach sich ziehen könnten.
Schließlich besteht das Risiko, dass die energiepreisbedingten Kaufkraftverluste die Erholung des privaten Konsums stärker als erwartet dämpfen. Eine erhöhte Arbeitsplatzunsicherheit könnte zudem die Sparneigung der privaten Haushalte steigern und zu einer Konsumzurückhaltung führen.
Eine günstigere Entwicklung als in der Frühjahrsprojektion erwartet wäre im Falle einer Entspannung bei den handels-und geopolitischen Konflikten vorstellbar. Eine nachlassende Unsicherheit und größere Planungssicherheit könnten die Konsumenten- und Investorenstimmung verbessern und den privaten Verbrauch sowie die Investitionsentwicklung begünstigen. Darüber hinaus könnten geldpolitische Reaktionen weniger restriktiv ausfallen als angenommen und somit Investitionen und Konsum weniger stark dämpfen.
Schließlich ist nicht auszuschließen, dass fiskalische Maßnahmen – insbesondere durch die Sondervermögen und investitionsfördernden Programme – schneller und stärker wirken als unterstellt und über positive Spillover-Effekte die private Investitionstätigkeit zusätzlich anregen.
KASTEN 2: MÖGLICHE GESAMTWIRTSCHAFTLICHE AUSWIRKUNGEN DES KRIEGS IM NAHEN OSTEN
Infolge des Kriegs im Nahen Osten und der Einstellung des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus sind die Preise für Öl und Gas stark gestiegen. Gleichzeitig hat sich die geopolitische Unsicherheit und die Volatilität an den Finanzmärkten deutlich erhöht. Die wirtschaftlichen Aussichten unterliegen damit hohen Unsicherheiten. Die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft und die deutsche Wirtschaft werden entscheidend von Dauer und Ausmaß des Konflikts abhängen.
In der Frühjahrsprojektion der Bundesregierung wird die wahrscheinlichste gesamtwirtschaftliche Entwicklung in den Jahren 2026 und 2027 zum Stand der Projektionserstellung dargestellt. Die Energiepreisannahmen wurden auf Basis von Markterwartungen zur Entwicklung von Öl- und Gaspreisen vom 10. April 2026 gesetzt. Sollte sich der Konflikt länger hinziehen oder die Wiederaufnahme der Produktions- und Transportaktivitäten in der Konfliktregion länger dauern als von den Märkten eingepreist und die Energiepreise daher höher liegen als unterstellt, wären die wirtschaftlichen Einbußen höher.
Um die potenzielle Bandbreite der Auswirkungen möglicher alternativer Entwicklungen zu veranschaulichen, haben verschiedene Institutionen bereits eine Reihe von Simulationsanalysen vorgelegt, die mögliche wirtschaftliche Effekte unterschiedlicher Energiepreisszenarien isoliert darstellen. In ihren Frühjahrsprognosen haben internationale Organisationen wie der IWF oder die OECD den globalen BIP-Zuwachs in diesem Jahr infolge des Iran-Kriegs um etwa 0,3 Prozentpunkte niedriger veranschlagt als vor Kriegsbeginn.1 In ungünstigeren Szenarien, also unter der Annahme höherer Öl- und Gaspreise als von den Märkten aktuell erwartet, könnte der weltweite BIP-Zuwachs in diesem Jahr laut Simulationen um bis zu 0,8 Prozentpunkte unter dem Vorkriegsszenario liegen. In einem schwerwiegenden Konfliktszenario erreichen die vom IWF ausgewiesenen Effekte auf die globale BIP-Entwicklung -1,3 Prozentpunkte im laufenden Jahr.
Im Folgenden ist die Simulation der Effekte zweier Energiepreisszenarien mithilfe des Global Economic Model von Oxford Economics auf die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland im Jahr 2026 dargestellt. Dieses strukturelle makroökomische Mehrländermodell bildet vielfältige Handels-, Finanzmarkt- und gesamtwirtschaftliche Verknüpfungen innerhalb und zwischen einer Vielzahl von Ländern ab. Für das Basisszenario werden die Markterwartungen (Futures) vom 10.4. für die Entwicklung der Öl- und Gaspreise im Jahr 2026 unterstellt (Abb. 2). Für Rohöl der Sorte Brent legen diese einen Preis von 84 USD/Barrel im Jahresdurchschnitt 2026 nahe. Für Gas wird entsprechend den Futures ein Preis von 46 EUR/MWh im Jahr 2026 angenommen. In diesem Szenario läge der BIP-Zuwachs gemäß den Modellrechnungen 2026 um etwa 0,3 Prozentpunkte unter dem Vorkriegsszenario (Abb. 3). Die Inflationsrate würde um etwa 0,7 Prozentpunkte höher ausfallen als ohne Energiepreisanstieg.
In einem ungünstigeren Szenario, unter der Annahme höherer Anstiege der Öl- und Gaspreise auf 107 USD/ Barrel bzw. 66 EUR/MWh im Jahresdurchschnitt 2026, deuten die Modellsimulationen auf BIP-Effekte von -0,5 Prozentpunkten hin. Die Inflationsrate läge in diesem Szenario mit +1,6 Prozentpunkten wesentlich höher als im Vorkrisenszenario. Nicht erfasst bei diesen exemplarischen Simulationen sind mögliche zusätzlich dämpfende Effekte, die z.B. von Lieferkettenstörungen oder geopolitischen Unsicherheiten ausgehen können. Die Gemeinschaftsdiagnose kommt in Simulationsrechnungen zu ähnlichen Ergebnissen.2
Eckwerte der Frühjahrsprojektion 2026
Gesamtwirtschaftliche Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland 1)
2025
Frühjahrsprojektion
2026
Frühjahrsprojektion
2027
Veränderung gegenüber Vorjahr in Prozent,
soweit nicht anders angegeben
ENTSTEHUNG des Bruttoinlandsprodukts (BIP)
BIP (preisbereinigt)
0,2
0,5
0,9
Erwerbstätige (im Inland)
0,0
-0,2
0,0
BIP je Erwerbstätigen
0,3
0,7
1,0
BIP je Erwerbstätigenstunde
0,4
0,2
0,5
nachrichtlich:
Arbeitslosenquote in Prozent (Abgrenzung der BA) 2)
6,3
6,3
6,3
VERWENDUNG des BIP in jeweiligen Preisen (nominal)
Konsumausgaben
Private Haushalte und private Organisationen ohne Erwerbszweck
4,2
3,2
3,3
Staat
5,7
5,2
3,3
Bruttoanlageinvestitionen
2,5
4,7
6,3
Vorratsveränderungen und Nettozugang an Wertsachen (Mrd. EURO)
72,4
75,5
76,5
Inlandsnachfrage
4,8
4,0
3,9
Bruttoinlandsprodukt (nominal)
3,3
2,8
3,8
VERWENDUNG des BIP preisbereinigt (real)
Konsumausgaben
Private Haushalte und priv. Organisationen ohne Erwerbszweck
1,6
0,4
0,5
Staat
1,3
2,0
1,3
Bruttoanlageinvestitionen
-0,2
1,6
3,0
Ausrüstungen
-1,9
1,1
4,4
Bauten
-0,6
1,0
1,9
Sonstige Anlagen
3,8
3,7
3,8
Vorratsveränderung und Nettozugang an Wertsachen (Impuls) 3)
0,7
0,0
0,0
Inlandsnachfrage
1,8
1,0
1,2
Exporte
-0,4
0,0
1,3
Importe
3,6
1,4
1,8
Außenbeitrag (Impuls) 3)
-1,5
-0,5
-0,2
Bruttoinlandsprodukt (real)
0,2
0,5
0,9
Preisentwicklung (2020 = 100)
Verbraucherpreisindex
2,2
2,7
2,8
Konsumausgaben der privaten Haushalte
2,6
2,7
2,8
Inlandsnachfrage
2,9
2,9
2,7
Bruttoinlandsprodukt 4)
3,0
2,3
2,8
VERTEILUNG des Bruttonationaleinkommens (BNE)
(Inländerkonzept)
Arbeitnehmerentgelte
5,1
3,4
3,5
Unternehmens- und Vermögenseinkommen
-1,4
0,5
4,0
Volkseinkommen
3,3
2,6
3,6
Bruttonationaleinkommen
3,4
2,9
3,7
nachrichtlich (Inländerkonzept):
Arbeitnehmer
0,1
-0,1
0,0
Bruttolöhne und -gehälter
4,6
3,4
3,2
Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer
4,5
3,5
3,2
Verfügbares Einkommen der privaten Haushalte
3,1
3,1
3,4
Sparquote in Prozent 5)
10,3
10,1
10,2
1) Bis 2025 Ergebnisse des Statistischen Bundesamtes; Stand: Februar 2026;
2) Bezogen auf alle Erwerbspersonen; Abgrenzung der Bundesagentur für Arbeit
3) Absolute Veränderung der Vorräte bzw. des Außenbeitrags in Prozent des BIP des Vorjahres (= Beitrag zur Zuwachsrate des BIP);
4) Lohnstückkosten je Arbeitnehmer; Veränderung gegenüber Vorjahr: 2025: 4,7 %; 2026: 2,8 %; 2027: 2,5%
5) Sparen in Prozent des verfügbaren Einkommens der privaten Haushalte einschl. betrieblicher Versorgungsansprüche.
Publikation:Im Fokus: Geopolitische Krisen verzögern Erholung - Bundesministerin Katherina Reiche stellt die Frühjahrsprojektion der Bundesregierung vor
Schlaglichter der Wirtschaftspolitik (Monatsbericht 05/2026)