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Infolge des Iran-Krieges ist die Inflationsrate im Euroraum im März 2026 auf 2,5 Prozent angestiegen, nachdem sie noch im Februar mit 1,9 Prozent unter dem EZB-Zielwert von 2,0 Prozent gelegen hatte. Die EZB hat seit der EZB-Ratssitzung im Juni 2025 ihre Leitzinsen nicht mehr verändert – so auch bei der vergangenen Sitzung am 19. März. Vor allem aufgrund höherer Inflationserwartungen sind die Staatsanleiherenditen angestiegen, im Falle zehnjähriger Bundesanleihen um rund 40 Basispunkte. Als Zeichen höherer Risikosensitivität sind auch die Spreads ggü. Bundesanleihen angestiegen, dies betrifft insbesondere italienische und französische Staatsanleihen.
PREISENTWICKLUNG IM EURORAUM:
Die Inflation1 im Euroraum ist im März auf 2,5 Prozent angestiegen, nachdem sie im Februar 1,9 Prozent und im Januar 1,7 Prozent betragen hatte. Der Sprung um 0,6 Prozentpunkte ist der stärkste Anstieg der Jahresrate innerhalb eines Monats seit Oktober 2022. Wie Abbildung 1 zeigt, waren die Preissteigerungsraten aller Komponenten bis einschließlich März rückläufig, mit Ausnahme der Energiepreise, die aufgrund steigender Heizöl-, Benzin-und Dieselpreise im Vergleich zum Februar um rund 8 Prozentpunkte höher ausfiel. Energie hat im Jahr 2026 im Warenkorb des harmonisierten Verbraucherpreisindex ein Gewicht von etwa 9 Prozent – weitere Anstiege der Energieinflation werden also immer mit rund 1/10 in die Gesamtinflation übersetzt. Innerhalb des Euroraums fiel der Anstieg der Inflationsrate nicht uniform aus: Während in Deutschland, Frankreich und Spanien die jeweiligen Inflationsraten um 0,8 Prozentpunkte überdurchschnittlich stark anstiegen, war der Anstieg in den Niederlanden mit 0,3 Prozentpunkten gedämpft und in Italien war im Gesamtindex gar keine Veränderung zu beobachten. Die EZB rechnet in ihrer Prognose vom 19. März in einem Basisszenario derzeit damit, dass die Gesamtinflation im Euroraum im zweiten Quartal über 3 Prozent liegen wird, im Gesamtjahr 2026 beträgt die prognostizierte Inflationsrate 2,6 Prozent und im Jahr 2027 dann wieder 2,0 Prozent. In zwei alternativen Szenarien – einem adversen und einem „schweren“ Szenario, die sich nach Dauer und Auswirkungen des Iran-Krieges negativ vom Basisszenario unterscheiden – fiele die Inflation 2026 noch einmal um 0,9 bzw. 1,8 Prozentpunkte höher aus. Unter Berücksichtigung des Marktgeschehens seit Veröffentlichung der Prognose dürfte aktuell eine Mischung des Basisszenarios und des adversen Szenarios wahrscheinlich sein.
Leitzinsen (Abb. 2): Die EZB hat auch im März ihre Zinsen unverändert gelassen. Die EZB-Leitzinsen betragen zum Redaktionsschluss beim Hauptrefinanzierungssatz 2,15 Prozent, beim Einlagesatz 2,00 Prozent und beim Spitzenrefinanzierungssatz 2,40 Prozent. Der EURIBOR-Zins, zu dem sich Banken untereinander unbesichert Geld leihen, lag jüngst bei 2,2 Prozent und ist damit seit Anfang März dem Hauptrefinanzierungssatz deutlich näher als dem Einlagesatz. Die nächste Zinsentscheidung trifft die EZB am 30.04.26 – an den Finanzmärkten werden gegenwärtig (Stand: 13.04.) im laufenden Jahr zwei Zinserhöhungen (um je 25 Basispunkte) erwartet, jedoch rechnen die Marktteilnehmer bislang mehrheitlich nicht mit einer ersten Erhöhung im April, sondern erst im Juni. Die Unsicherheit über den weiteren geldpolitischen Kurs ist jedoch vergleichsweise hoch.
Wertpapierankaufprogramme(Abb.3): Der Kurs der Wertpapierankaufprogramme bleibt unverändert. Das Quantitative Tightening, also der Abbau der geldpolitischen Portfolios APP und PEPP durch ausbleibende Reinvestitionen von fällig werdenden Posten, geht weiter. Die Bilanzsumme der EZB beträgt 6.253 Mrd. EUR – das sind 29 Prozent weniger als zum Höchststand im Mai 2022. Die Bestände an gezielten längerfristigen Refinanzierungsgeschäften (TLTROs) sind inzwischen abgebaut. Während der Teil der EZB-Bilanz, der auf außergewöhnliche geldpolitische Geschäfte zurückzuführen ist, weiter abgebaut wird, haben jedoch andere Bilanzposten diesen Abbau teilweise kompensiert.
Einlagen (Abb.4): Die Mindestreserveeinlagen bewegen sich weiter seitwärts und betrugen zuletzt 172 Mrd. EUR, während die Überschussreserven von hohem Niveau aus weiter sinken (zuletzt: 2.161 Mrd. EUR.).
Zinsen – Haushalte (Abb. 5): Die Zinsen für Wohnimmobilienkredite sind im Februar leicht angestiegen. Sie lagen im Euroraum zuletzt bei 3,4 Prozent. In Deutschland lagen sie zuletzt bei 3,8 Prozent, in Frankreich bei 3,5 Prozent, in Italien bei 2,8 Prozent und in Spanien bei 3,1 Prozent. Die Spannbreite innerhalb des Euroraums betrug zuletzt 1,9 Prozentpunkte. Es ist davon auszugehen, dass die Zinsen aufgrund der erhöhten Inflationserwartungen im Verlauf des Jahres weiter ansteigen – und ggf. im März bereits deutlich zugelegt haben.
Zinsen – Unternehmen (Abb. 6): Die Zinsen für Unternehmenskredite blieben relativ konstant, jedoch mit einer leichten Tendenz nach unten; sie lagen zuletzt im Euroraum bei 3,4 Prozent. In Deutschland betrugen sie 3,6 Prozent, in Frankreich 3,5 Prozent, in Italien 3,3 Prozent und in Spanien 3,5 Prozent. Die Spannbreite innerhalb der Eurozone betrug zuletzt 1,7 Prozent-Punkte.
Kreditwachstum (Abb. 7): Das Wachstum von Unternehmenskrediten betrug zuletzt 2,6 Prozent. Die Menge an Wohnimmobilienkrediten wuchs um 3,2 Prozent. Das Kreditwachstum hat sich also bis zuletzt beschleunigt.
Zinsen– Eurostaaten (Abb. 8): Die Zinsen für Staatsanleihen der Eurostaaten haben sich insbesondere aufgrund der gestiegenen Inflationserwartungen infolge des Angriffes gegen Iran in den letzten Wochen deutlich erhöht. 10-jährige Staatsanleihen notierten für Deutschland zuletzt (Stichtag: 10.04.26) bei 3,04 Prozent (vor dem Krieg: 2,65 Prozent), für Frankreich bei 3,8 Prozent (3,2 Prozent), für Italien bei 3,8 Prozent (3,3 Prozent) und für Spanien bei 3,5 Prozent (3,1 Prozent). Die Renditen auf zehnjährige Bundesanleihen liegen somit rund 40 Basispunkte höher als vor dem Krieg.
Spreads – Eurostaaten (Abb. 9): Seit dem Angriff auf Iran und der insgesamt gestiegenen Risikosensitivität haben sich auch die Spreads ggü. Bundesanleihen ausgeweitet. Der Spread ggü. Frankreich betrug zuletzt 71 Basispunkte (vor dem Krieg: 57), bei Italien 77 BP (63) und bei Spanien 45 BP (42). Die Spreads von Italien und Frankreich sind mit Ausbruch des Krieges um jeweils 14 Basispunkte angestiegen, zuvor war der Spread französischer Anleihen deutlich gesunken nachdem eine Einigung im Haushaltsstreit verkündet wurde.
Wechselkurse (Abb. 10): Der Euro notierte zuletzt bei 1,17 US-Dollar pro Euro und blieb damit in den letzten Wochen per Saldo weitgehend stabil; steigende Ölpreise stützen in der Regel den US-Dollar. Gegenüber dem Pfund notierte er ebenso recht unverändert bei 0,87 Pfund pro Euro. Gegenüber dem Yen gewann der Euro mit jüngst 187 Yen pro Euro seit Anfang 2025 deutlich an Wert.