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Energiepreisschock führt die Weltwirtschaft in unruhiges Fahrwasser
Einleitung
IN KÜRZE
Ende Februar 2026 begann der militärische Konflikt zwischen den USA, Israel und Iran. Im Zuge des aktuellen Konflikts schränkt Iran mit der Blockade der Straße von Hormus einen zentralen Transportkorridor der globalen Energieversorgung maßgeblich ein. Da jeweils rund ein Fünftel des weltweiten Ölkonsums und der weltweiten Flüssiggastransporte (LNG) die Straße von Hormus passieren, zogen die eingeschränkten Transportkapazitäten einen deutlichen Anstieg der Energiepreise und erhöhte Volatilität an den Rohstoff- und Finanzmärkten nach sich. Positive Entwicklungen, die eine Aufwärtsrevision von Wachstumsprognosen und die Erwartung sinkender Inflation gerechtfertigt hätten, wurden damit untergraben. Die weitere Entwicklung kann nur in Szenarien approximiert werden. Klar ist: Je intensiver und länger die Kriegshandlungen weitergeführt werden, je länger die Passierbarkeit der Meerenge eingeschränkt bleibt und je größer die Zerstörung wichtiger Infrastruktur ausfällt, desto ausgeprägter und nachhaltiger werden Wachstumsverluste und Inflationsdruck sein.
I. ALLGEMEINE ENTWICKLUNGEN, JÜNGSTE PROJEKTIONEN UND SZENARIEN
Die Weltwirtschaft hat sich in den letzten Jahren trotz des Auftretens verschiedener Schocks robust gezeigt. Der Ende Februar begonnene militärische Konflikt zwischen den USA, Israel und Iran stellt diese Resilienz auf eine weitere, harte Probe. Der Konflikt hat bereits hohe humanitäre Kosten verursacht. Kritische Infrastruktur wurde beschädigt, der See- und Luftverkehr in der betroffenen Region ist stark beeinträchtigt. Volkswirtschaften weltweit sehen sich mit den Folgen höherer Rohstoffpreise, dadurch erhöhten Inflationserwartungen und einer risikoscheuen Stimmung an den Finanzmärkten konfrontiert. Rohstoff importierende Schwellen- und Entwicklungsländer könnten besonders hart getroffen werden, insb. falls eine Abwertung ihrer Währungen die Auswirkungen höherer Energie- und Lebensmittelpreise noch verschärfen sollte.
Der jüngste Schock ereignet sich weniger als ein Jahr nach der Wende in der US-Handelspolitik, die das internationale Handelssystem und die Weltwirtschaft ohnehin vor große Herausforderungen und Unsicherheiten gestellt hat (Abbildung 1). Entsprechend sind auch die jüngsten Wachstumsprognosen der Internationalen Organisationen von hoher Unsicherheit gekennzeichnet. Der Internationale Währungsfonds (IWF) geht in seiner aktuellen Prognose – veröffentlicht am 14. April 2026 – im Basisszenario von 3,1 Prozent globalem BIP-Wachstum in diesem und von 3,3 Prozent im nächsten Jahr aus. Gegenüber seiner letzten Prognose aus dem Januar entspricht dies zwar nur einer leichten Abwärtskorrektur für 2026 und einer leichten Anhebung für 2027. Allerdings wäre in einem hypothetischen Szenario ohne Krieg das Wachstum 2026 um 0,3 Prozentpunkte (PP) höher prognostiziert worden.
Die Entwicklung der Ölpreise – ein zentraler Faktor für weltwirtschaftliche Prognosen – hängt vom weiteren Verlauf des Konflikts ab. Diesen Unwägbarkeiten trägt der IWF durch Berechnung verschiedener Szenarien Rechnung: Im obigen Basisszenario wird angenommen, dass die Energie-preise 2026 insgesamt nur mäßig ansteigen, der Ölpreis im Jahresdurchschnitt 2026 bei 82 US-Dollar/Barrel liegt, und sich die Störungen globaler Lieferketten bis Mitte 2026 normalisieren. Unter diesen Prämissen erwartet der IWF ein globales Wachstum von 3,1 Prozent in diesem und 3,3 Pro-zent im nächsten Jahr. Die weltweite Inflation wird für 2026 bei 4,4 Prozent und für 2027 bei 3,7 Prozent erwartet, was ggü. Januar einem spürbaren, aber noch moderaten Anstieg um 0,6 PP und 0,3 PP entspricht. In einem Negativszenario mit um 80 Prozent höheren Ölpreisen ab dem zweiten Quartal 2026 als zuvor angenommen und 20 Prozent höheren Ölpreisen für 2027 (entspricht durchschnittlichem Spotpreis von etwa 100 USD/Barrel im Jahr 2026 und etwa 75 USD im Jahr 2027) beträgt die Wachstumsprognose für das Jahr 2026 nur 2,5 Prozent, die Inflationsprognose hingegen 5,4 Prozent. In einem extrem negativen Szenario werden stärkere Schäden der Energieinfrastruktur und ein weiterer, das ganze Jahr 2027 andauernder Anstieg der Ölpreise unterstellt (entspricht durchschnittlichem Spotpreis von etwa 110 USD/Barrel im Jahr 2026 und etwa 125 USD im Jahr 2027). Unter diesen Prämissen wird die Wachstumsprognose für 2026 auf 2 Prozent – an den Rand einer globalen Rezession – gesenkt und die Inflationsprognose erreicht 2027 über 6 Prozent. Die unterschiedlichen Szenarien verdeutlichen die große Bandbreite möglicher Entwicklungen. Als gemeinsamer Nenner kann festgehalten werden, dass der weitere Verlauf des Krieges in der Golfregion die entscheidende Determinante ist: Je ausgeprägter und länger andauernder der Konflikt und je größer das Ausmaß an Zerstörung von Infrastruktur, desto geringer das Wachstum der Weltwirtschaft und desto stärker der Inflationsdruck.
Das Wachstum des Welthandelsvolumens dürfte dem IWF zufolge selbst im Basisszenario von 5,1 Prozent in 2025 auf 2,8 Prozent in diesem Jahr zurückgehen und 2027 wieder auf 3,8 Prozent ansteigen. Diese Entwicklung reflektiert laut IWF die Vorverlagerung von Handelsaktivitäten angesichts der US-Zollerhöhungen sowie die Anpassungen der Handelsbeziehungen und Produktionsketten im Zeitablauf. Sowohl die Waren- als auch die Dienstleistungsexporte dürften als Anteil am weltweiten BIP zurückgehen, wobei der Rückgang im Dienstleistungshandel weniger ausgeprägt sein dürfte. Dies spiegele das stärkere Trendwachstum und die größere Widerstandsfähigkeit gegenüber steigenden Risiken im Dienstleistungshandel im Vergleich zum Warenhandel wider.
Gemäß dem World Trade Monitor des niederländischen Centraal Planbureau (CPB) ist das Handelsvolumen zuletzt (Februar 2026) gestiegen. Der Indikator erfasst monatlich das Handelsvolumen von über 80 Ländern, die fast 99 Prozent des Welthandels ausmachen. Auch das Trade Barometer der Welthandelsorganisation (WTO) deutet auf eine leichte Expansion hin. Das Barometer fasst vierteljährlich verschiedene handelsbezogene Teilindizes zu einem Gesamtindex zusammen, der Wendepunkte im weltweiten Warenhandel aufzeigt: Ein Wert von 100 bedeutet, dass die Expansion des Handels den jüngsten Trends entspricht, Werte über 100 deuten auf überdurchschnittliches, Werte unter 100 auf ein unterdurchschnittliches Wachstum hin.
Die Frachtkosten sind zuletzt auf niedrigem Niveau leicht gestiegen. Der Shanghai Containerized Freight Index spiegelt die Frachtraten für wichtige Seefrachtrouten, die von Shanghai aus in die Welt gehen. Er wird von Reedereien, Spediteuren und Verladern verwendet, um Preisentwicklungen zu analysieren, und kann auch als Indikator für die Nachfrage im internationalen Handel dienen. Der Druck auf die Lieferketten bleibt allerdings hoch: Der globale Supply-Chain-Pressure-Index (GSCPI) misst Störungen in globalen Lieferketten. Dazu werden Daten aus verschiedenen Quellen, u.a. Komponenten des Einkaufsmanagerindex (PMI) in verschiedenen Ländern, Frachtraten und Luftfrachtpreise, zu einem umfassenden Bild aggregiert. Positive Werte zeigen an, dass der Index über dem Durchschnitt liegt und die Lieferketten unter Druck stehen. Negative Werte deuten auf eine gute Funktion der Lieferketten mit geringen Störungen hin. Wenig überraschend deutet der GSCPI am aktuellen Rand auf Lieferkettenstörungen hin.
Die Risiken sind nach Einschätzung des IWF deutlich nach unten gerichtet, wobei einige an Bedeutung gewonnen haben.
Verschärfung der Konflikte und Aufbrechen politischer Spannungen
Kriegsfolgen, die sich bereits in Form von schwankenden Rohstoffpreisen, unterbrochenen Lieferketten und Währungsabwertungen bemerkbar machen, könnten sich verstärken. Die Ernährungssicherheit könnte gefährdet werden, da Störungen auf den Düngemittelmärkten zu einer erheblichen Inflation der Lebensmittelpreise führen könnten. Sinkende Realeinkommen und zunehmende Armut in Rohstoff importierenden Ländern könnten außenwirtschaftliche Ungleichgewichte dieser Länder verschärfen. Zunehmende Risikoscheu oder verstärkte Friktionen bei grenzüberschreitenden Finanztransaktionen könnten Kapitalabflüsse und abrupte Anpassungen der Vermögenswerte hervorrufen, insbesondere in Schwellenländern mit schwächeren Rahmenbedingungen sowie geringeren fiskalischen und außenwirtschaftlichen Puffern.
Neubewertung der Produktivitätsgewinne durch neue Technologien
Sollten die durch KI-Einsatz bedingten Produktivitätssteigerungen geringer als erwartet ausfallen, könnten die Investitionen in Technologiesektoren stark zurückgehen. Darüber hinaus könnten die Aktienmärkte – insbesondere solche mit hoher Konzentration auf Technologiesektoren – anfällig für eine drastische Neubewertung sein. Korrekturen an den Aktienmärkten könnten durch negative Vermögenseffekte zusätzlich den Konsum belasten.
Störung des fragilen Gleichgewichts der aktuellen Handelspolitik
Länder könnten protektionistischer agieren, wenn Handelsumlenkungen und -verlagerungen zu binnenwirtschaftlichen Störungen führen und das bisherige Muster begrenzter Vergeltungsmaßnahmen durchbrechen. Zusätzliche Zölle würden das globale Wachstum weiter belasten. Nichttarifäre Maßnahmen, die auf kritische Vorleistungen wie Seltene Erden abzielen, könnten ebenfalls globale Lieferketten stören. Die Auswirkungen würden sich verstärken, wenn die Maßnahmen Vergeltungsmaßnahmen in Form von Zöllen und nichttarifären Maßnahmen auslösen.
Neubewertung der Kreditkosten aufgrund fiskalischer Schwachstellen
Die Staatsverschuldung ist in mehreren großen Volkswirtschaften hoch, insbesondere in jenen, deren Währungen und Wertpapiere auf den internationalen Finanzmärkten relevant sind. Sorgen um die Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen in diesen Volkswirtschaften könnten nicht nur Druck auf deren Kreditkosten ausüben, sondern auch die allgemeinen finanziellen Rahmenbedingungen verschärfen und die Volatilität der Finanzmärkte sowie das Refinanzierungsrisiko in einigen hochverschuldeten Entwicklungsländern verstärken. Für Länder mit niedrigem Einkommen stellen geplante Kürzungen der Entwicklungshilfe eine zusätzliche Herausforderung dar.
Erosion des Vertrauens in wirtschaftliche Institutionen
Verschärfter politischer Druck auf Zentralbanken (und andere politische Institutionen) kann das hart erkämpfte Vertrauen der Öffentlichkeit in deren Fähigkeit, ihre Mandate zu erfüllen, untergraben und Inflationserwartungen steigen lassen. Eine Wiederverankerung der Erwartungen erfordert in der Regel eine längere Phase restriktiver Geldpolitik, mithin höhere längerfristigen Renditen, die das Wirtschaftswachstum dämpfen würden. Auch könnten Länder mit anhaltend erhöhten Finanzierungskosten und Kapitalabflüssen konfrontiert werden. Gegenüber den sehr präsenten Abwärtsrisiken sind die Chancen vergleichsweise gering:
Frühere Realisierung von Produktivitätsgewinnen durch KI
Der Anstieg KI-bezogener Investitionen und die Einführung von KI könnten das mittelfristige Wachstum eher früher als später ankurbeln. Das seit 2020 über dem Trend liegende Produktivitätswachstum in den USA könnte ein erstes Indiz dafür sein. In Ländern mit niedrigem Einkommen könnte die Realisierung der entsprechenden Vorteile allerdings zusätzliche Anstrengungen erfordern, um Lücken in der Energie- und digitalen Infrastruktur zu schließen und die Konzentration der Arbeitskräfte in Sektoren wie Landwirtschaft und Bergbau zu verringern, in denen KI-getriebene Produktivitätsgewinne begrenzter sein dürften.
Strukturreformen
Die aktuellen Herausforderungen und die Möglichkeit transformativer technologischer Veränderungen eröffnen ein Zeitfenster für Strukturreformen. Eine beschleunigte Umsetzung von Reformen, die die Qualifikationen der Arbeitskräfte verbessern, Hindernisse für die Arbeitskräftemobilität abbauen, Vorschriften straffen und rationalisieren, interne Handelsbarrieren verringern, den Wettbewerb stärken und Innovationen fördern, könnte das Wachstumspotenzial von Volkswirtschaften steigern und gleichzeitig ihre Widerstandsfähigkeit und Anpassungsfähigkeit stärken.
Fortschritte bei Handelsverhandlungen
Greifbare Fortschritte bei Handelsverhandlungen könnten Zölle senken und die Vorhersehbarkeit verbessern. Die Vorteile für Investitionen und Wirtschaftstätigkeit würden noch größer ausfallen, wenn die Intensivierung der Zusammenarbeit auf den Dienstleistungshandel, ausländische Direktinvestitionen und die internationale Besteuerung ausgedehnt würde. Bemühungen zur Vertiefung bestehender oder zum Abschluss neuer regionaler Handelsabkommen könnten dazu beitragen, Handelskosten zu senken und die Anpassung an jüngste politische Veränderungen zu erleichtern, wie beispielsweise die jüngsten Handelsabkommen der EU mit Indien und dem MERCOSUR.
II. REGIONALE ENTWICKLUNGEN
Der kriegsbedingte Energiepreisschock wirkt sich grundsätzlich negativ auf Netto-Energieimporteure aus. Besonders schwierig dürfte die Situation für einkommensschwache Entwicklungsländer mit bestehenden makroökonomischen Schwachstellen und begrenzten fiskalischen Puffern sein. Netto-Energieexporteure dürften hingegen von den höheren Preisen ceteris paribus grundsätzlich profitieren. Dies gilt jedoch nicht für die Energieexporteure der Golfregion, die mit Schäden und Produktionsstillständen, Exportbeschränkungen sowie einem Rückgang des Tourismus und der allgemeinen Geschäftstätigkeit konfrontiert sind.
Für die Vereinigten Staaten prognostiziert der IWF für das Jahr 2026 ein Wirtschaftswachstum von 2,3 Prozent, das durch die Fiskalpolitik und die verzögert wirkenden Leitzinssenkungen im letzten Jahr gestützt werde. Die Abwärtskorrektur um 0,1 PP gegenüber der letzten Prognose aus dem Januar 2026 sei das Resultat aus einem geringen negativen Effekts des Iran-Kriegs (die USA sind Nettoenergieexporteur) und einer Erholung der Wirtschaftstätigkeit Anfang des Jahres. Für 2027 wird ein weiterhin solides Wachstum von 2,1 Prozent prognostiziert. Die techno-logiegetriebene Dynamik dürfte sich abschwächen, aber dennoch einen Ausgleich für die geringere Einwanderung und den nachlassenden Konsum bieten. Das starke Produk-tivitätswachstum dürfte sich allmählich normalisieren. Für Kanada prognostiziert der IWF ein BIP-Wachstum von 1,5 Prozent für 2026 und von 1,9 Prozent für 2027. Der positive Terms-of-Trade-Schock durch höhere Ölpreise gleiche die anderen Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten aus. Sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in Kanada dürften höhere Energiepreise eine stärkere inländische Energieproduktion fördern.
Für den Euroraum rechnet der IWF mit einem Rückgang des Wachstums auf 1,1 Prozent in diesem und auf 1,2 Prozent im nächsten Jahr. Die Prognose wurde gegenüber Januar für beide Jahre um 0,2 PP nach unten korrigiert, was den negativen Auswirkungen des Nahostkonflikts geschuldet sei. Diese dürften die bestehenden Auswirkungen des seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine anhaltenden Anstiegs der Energiepreise verstärken und das Verarbeitende Gewerbe belasten, wobei zusätzlicher Druck durch die reale Aufwertung des Euro gegenüber den Währungen von Ländern entstehe, die ähnliche Produkte exportieren.
Im Vereinigten Königreich führen der Irankrieg und eine langsamere geldpolitische Lockerung aus Sicht des IWF dazu, dass das Wachstum im Jahr 2026 auf 0,8 Prozent zurückgeht – eine Abwärtskorrektur um 0,5 PP gegenüber der Prognose vom Januar. Für 2027 wird eine Erholung auf 1,3 Prozent erwartet.
In Japan sieht der IWF das Wachstum auf 0,7 Prozent in diesem Jahr und auf 0,6 Prozent im nächsten Jahr zurückgehen. Positive Effekte erwartet er von dem im vergangenen November angekündigten Konjunkturpaket sowie staatlichen Maßnahmen zur Begrenzung der Auswirkungen höherer Energiepreise, die teilweise durch eine schwächere Auslandsnachfrage und den Nahostkonflikt ausgeglichen werden.
Für China hat der IWF seine Wachstumserwartungen für das Jahr 2026 gegenüber Januar um 0,1 PP auf 4,4 Prozent angehoben, was auf die niedrigeren effektiven US-Zollsätze für chinesische Waren zurückgeführt wird. Zudem würden Konjunkturmaßnahmen die negativen Auswirkungen des durch den Nahostkonflikt ausgelösten Schocks ausgleichen. Für 2027 wird erwartet, dass sich das Wachstum auf 4,0 Prozent verlangsamt, da sich struktureller Gegenwind – Immobiliensektor, schrumpfende Erwerbsbevölkerung, sinkende Kapitalrenditen und ein langsameres Produktivitätswachstum – bemerkbar machten.
Für Indien hat der IWF seine Prognose für das Haushaltsjahr 2026-27 moderat um 0,1 PP auf 6,5 Prozent nach oben korrigiert, was auf die Senkung der US-Zölle auf indische Waren von 50 auf 10 Prozent zurückzuführen sei, die die negativen Auswirkungen des Nahostkonflikts überwiegen. Für 2027-28 wird ein Wachstum von 6,5 Prozent prognostiziert.
Der Region Naher Osten und Zentralasien prognostiziert der IWF für 2026 ein Wachstum von 1,9 Prozent, da die Region die unmittelbarsten Auswirkungen des Konflikts und den erwarteten anschließenden Aufschwung zu spüren bekommt. Im Jahr 2027 rechnet der IWF mit einer Erholung des regionalen Wachstums auf 4,6 Prozent. Für die direkt vom Konflikt betroffenen Rohstoffexporteure bedingen Produktions- und Exportrückgänge erhebliche Abwärtskorrekturen für 2026, je nach Ausmaß der Schäden an der Energie- und Verkehrsinfrastruktur, der Abhängigkeit von der Straße von Hormus sowie der Verfügbarkeit alternativer Exportrouten. Der Rückgang des BIP-Wachstums im Jahr 2026 ist daher für Bahrain, Iran, Irak, Kuwait und Katar ausgeprägter als für Oman, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate. Für all diese Volkswirtschaften wird – basierend auf der Annahme, dass sich die Energieproduktion und der Transport in den nächsten Monaten normalisieren – für 2027 eine Erholung des Wachstums erwartet.
Für die Region Lateinamerika und Karibik sieht der IWF das Wachstum im Jahr 2026 mit 2,3 Prozent weitgehend stabil und im Jahr 2027 auf 2,7 Prozent ansteigen. Die Auswirkungen des Nahostkonflikts auf die Region sind uneinheitlich, wobei kleinere Volkswirtschaften stärker beeinträchtigt werden. In Brasilien wird das Wachstum dem IWF zufolge 2026 bei 1,9 Prozent und 2027 bei 2,0 Prozent liegen, was einem Zuschlag von 0,3 PP für dieses und einem Abschlag von 0,3 PP im nächsten Jahr entspricht. Für 2026 wird erwartet, dass der Krieg einen geringen positiven Nettoeffekt hat. 2027 dürften eine nachlassende weltweite Nachfrage, höhere Inputkosten (insbes. von Düngemitteln) und strengere finanzielle Rahmenbedingungen dominieren.
Für die Region Subsahara-Afrika erwartet der IWF, dass das Wachstum mit 4,3 Prozent im Jahr 2026 und 4,4 Prozent im Jahr 2027 relativ stabil bleibt. Einige Länder – insbesondere Öl importierende, nicht ressourcenreiche Länder – sind vom Nahostkonflikt negativ betroffen. Die größten Volkswirtschaften profitieren von früheren makroökonomischen Stabilisierungs- und Reformbemühungen. In Nigeria hält die Wachstumsdynamik 2026, gestützt durch eine verbesserte makroökonomische Stabilität und positive Terms-of-Trade-Effekte, an, während höhere Waren- und Transportkosten Gegenwind erzeugen. Der IWF erwartet, dass sich das Wachstum von 4,1 Prozent im Jahr 2026 auf 4,3 Prozent im Jahr 2027 verstärkt, wenn der Gegenwind nachlässt. Dies bedeutet eine Abwärtskorrektur um 0,3 PP für dieses und eine Aufwärtskorrektur um 0,2 PP für nächstes Jahr. In Südafrika dürften Störungen durch den Nahostkonflikt das Wachstum im Jahr 2026 auf 1,0 Prozent verlangsamen. Der IWF erwartet, dass sich die Wirtschaft in 2027 wieder erholt und, unterstützt durch eine allmähliche Wiederaufnahme strukturreformgetriebener privater Investitionen, um 1,3 Prozent wächst.
Die jüngsten Einschätzungen des IWF sind in Tabelle 1 zusammengefasst. Zudem sind die Korrekturen gegenüber der vorhergehenden Prognose dargestellt.