Titelbild zum Artikel "Neue Standards für den Baustoffsektor in Ghana – Internationale Verwaltungspartnerschaft mit Ghana verbessert den Marktzugang zur Baubranche"

© BAM

STÄRKUNG DER BAUBRANCHE IN GHANA – EIN WIN-WIN FÜR DIE GHANAISCHE UND DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT

Die Baubranche zählt zu den Schlüsselindustrien der ghanaischen Wirtschaft. Eine steigende Nachfrage nach hochwertigen Bauleistungen und ein wachsender Infrastrukturbedarf schaffen ein breites Spektrum an Geschäftschancen auch für Unternehmen aus Deutschland. Die Einführung einheitlicher Standards erleichtert den Marktzugang für ausländische Unternehmen: Faire Wettbewerbsbedingungen und beschleunigte Verfahren – etwa bei der Zollabfertigung – senken Hürden für ausländische Anbieter. Ob Baumaschinen, Messtechnik, Umwelttechnik oder spezialisierte Dienstleistungen, Ghana sucht aktiv nach zuverlässigen und technologisch starken Partnern.

Eine internationale Verwaltungspartnerschaft zwischen Ghana und Deutschland hat dazu beigetragen, den ghanaischen Baustoffsektor zu stärken. Die intensive, fünfjährige Zusammenarbeit zwischen der Ghana Standards Authority (GSA) und der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) hat seit 2021 dabei unterstützt, die öffentlichen ghanaischen Prüflabore im Bereich Baustoffe und Bauchemie gezielt zu stärken, Prüf- und Standardisierungsprozesse weiterzuentwickeln sowie nachhaltige Baupraktiken systematisch zu fördern. Die konsequente Angleichung an internationale und europäische Standards erhöht nicht nur die Sicherheit und Nachhaltigkeit vor Ort, sondern beflügelt zugleich das Wachstumspotenzial in Ghana.

Eingebettet war diese Zusammenarbeit von GSA und BAM in eine bilaterale Verwaltungspartnerschaft zwischen dem Ministry of Trade, Agribusiness and Industry in Ghana und dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE). Die Zusammenarbeit war von beachtlichem Erfolg geprägt: Im Verlauf der Partnerschaft wurden erhebliche Fortschritte bei der Modernisierung der Laborausstattung, der Schulung des Fachpersonals sowie der Intensivierung von Stakeholder-Konsultationen erzielt. Bestehende Standardisierungsprozesse wurden analysiert und optimiert, um die institutionellen Kapazitäten der GSA nachhaltig zu stärken.

Was ist die Ghana Standards Authority?

Die Ghana Standards Authority (GSA) ist eine der zentralen Regierungsbehörden in Ghana mit erheblichem politischen Einfluss. Ihre Kompetenzen entsprechen in Deutschland weitgehend den kombinierten Zuständigkeiten der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) und dem Deutschen Institut für Normung (DIN) sowie dem Deutschen Institut für Bau-technik (DIBt).

MEILENSTEINE BEI BAUSTOFFSTANDARDS, PRAXISHANDBÜCHERN UND INKLUSION

Ein zentraler Schwerpunkt des Projekts lag darauf, leistungsbasierte Standards für Zement und chemische Zusatzstoffe einzuführen, um die GSA als führende Institution in regionaler und globaler Standardisierung zu positionieren. In diesem Kontext wurde insbesondere der moderne LC3-Zementstandard vorangetrieben, der unter anderem den Einsatz hoher Mengen an lokal verfügbarem kalzinierten Ton berücksichtigt. Er vereint somit ökonomische und ökologische Vorteile. Zugleich stärkt der Standard die Unabhängigkeit von internationalen Märkten.

Ein weiterer Meilenstein war die Entwicklung des „Hand-book for Safe, Smart and Durable Construction in Ghana“. Dieses praxisorientierte Handbuch vermittelt sichere und gute Praktiken in verständlicher Sprache und richtet sich insbesondere an Handwerkerinnen und Handwerker in dem für Ghana und Afrika typischen informellen Bausektor. Außerdem hat die Partnerschaft auf Initiative von Pheladi Tlhatlha, BAM-Projektkoordinatorin, besonderen Wert auf eine inklusive Entwicklung gelegt. Ziel war es, Frauen in Wissenschaft und Ingenieurwesen zu fördern, etwa durch Initiativen wie den „Girls STEM Day“ und Workshops zur Geschlechtergerechtigkeit.

WISSENSTRANSFER IN WIRTSCHAFT, WISSENSCHAFT UND ÖFFENTLICHKEIT

Mitte März 2026 wurden die Ergebnisse der Verwaltungspartnerschaft im Rahmen eines Fachsymposiums sowie in einer Reihe praxisnaher Formate vorgestellt. So wurden zentrale Projektergebnisse in einem Workshop für die lokale Bevölkerung in Jamestown – dem ursprünglichen Stadtkern von Accra; heute ein lebendiges Stadtquartier – vermittelt und diskutiert. Dabei stand für die informell geprägte Baubranche die praktische Anwendung von Zement im Baualltag im Vordergrund. Auch der Dialog mit der Wissenschaft wurde gezielt vertieft. So besuchte das Projektteam unter Leitung von Dr. Wolfram Schmidt, BAM, die Koforidua Technical University, eine der führenden technischen Hochschulen des Landes. Dort wurden die Ergebnisse aus der Verwaltungspartnerschaft in wissenschaftlichen Präsentationen und Laborarbeiten vorgestellt.

Den offiziellen Abschluss der Verwaltungspartnerschaft markierte ein Fachsymposium mit rund hundert Teilnehmenden aus der örtlichen Bauindustrie, von Ingenieurbüros sowie von öffentlichen Einrichtungen.

Ohne die Verwaltungspartnerschaft zwischen der BAM und der GSA hätte der auch im weltweiten Vergleich moderne LC3-Zementstandard in Ghana nicht etabliert werden können, darin waren sich die Teilnehmenden des Symposiums einig. Die öffentlichen Begleitveranstaltungen wurden von den ghanaischen Medien intensiv aufgegriffen. Fernsehen, Radio und Zeitungen berichteten ausführlich über die Ereignisse. So wurde das Projekt auch in der breiten Öffentlichkeit deutlich sichtbar.

Die Erfolge der Zusammenarbeit von GSA und BAM spiegeln sich insbesondere in einheitlichen Standards wider, die für die ghanaische Baubranche langfristige Erfolge bringen kön-nen. Sie gestalten den ghanaischen Markt für ausländische Akteure, darunter auch deutsche Unternehmen, noch attraktiver. Ein zentrales Ziel der internationalen Verwaltungspartnerschaften des BMWE wird damit erreicht.

KONTAKT & MEHR ZUM THEMA

Referat EB6

Internationale Verwaltungspartnerschaften (inkl. EU-Twinning), Regierungsberatung

schlaglichter@bmwe.bund.de