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Infolge des Iran-Krieges und der erhöhten Energiepreise ist die Inflationsrate im Euroraum im Mai 2026 auf 3,2 Prozent angestiegen. Im Juni ist sie wieder etwas gesunken, auf 2,8 Prozent. Die EZB hat im Rahmen ihrer Sitzung am 11. Juni die Leitzinsen erstmals seit September 2023 angehoben. Ebenso wie die Inflationsraten entwickeln sich zuletzt auch die Staatsanleiherenditen in Abhängigkeit vom Fortgang des Iran-Krieges, dessen Intensität sich zuletzt wieder erhöht hatte.
Inflation (Abb. 1):1 Die Inflation im Euroraum verzeichnete im Juni einen Rückgang auf 2,8 Prozent, nachdem sie im Mai 3,2 Prozent betragen hatte. Vor dem Iran-Krieg befand sich die Inflation im Euroraum zu Beginn des Jahres noch unter dem Zielwert der EZB von 2 Prozent und folgte einem robusten Abwärtstrend (siehe auch Abb. 1). Die im Vergleich zu den Jahren 2021 bis 2023 bislang recht milden Anstiege der Inflation sind vor allem auf den Anstieg der Energieinflation zurückzuführen, die im April und Mai 10,8 Prozent betragen hatte. Und auch der leichte Rückgang der Preissteigerungsraten im Juni ist auf den zuletzt beobachteten Rückgang der (gemessenen) Energiepreise zurückzuführen. Neben den im Kontext des zwischenzeitlich geschlossenen Waffenstillstandsabkommens rückläufigen Energiepreise standen hinter der gesunkenen Energieinflation auch die von der Bundesregierung und in anderen europäischen Mitgliedstaaten beschlossenen Entlastungen bei den Kraftstoffpreisen. Innerhalb des Euroraums fiel die Entwicklung der Inflationsrate seit Ausbruch des Krieges nicht uniform aus: Im Vergleich zu den Februarwerten beträgt der (kumulierte) Anstieg im Juni in Deutschland nur 0,4, in Frankreich 0,9 und in Spanien 1,1 Prozentpunkte. In Italien ist der Anstieg mit 1,6 Prozentpunkten unter den großen Volkswirtschaften bislang am stärksten ausgefallen, unter anderem aufgrund der besonders niedrigen Energieinflation zu Beginn des Jahres. Innerhalb des übrigen Euroraums verzeichneten Litauen und Neumitglied Bulgarien mit über 5 Prozent im Juni die höchsten Preissteigerungsraten. Die EZB rechnet in ihrer aktualisierten Prognose im laufenden Jahr damit, dass die Inflation im Gesamtjahr 2026 im Euroraum 3,0 Prozent betragen wird und im Jahr 2027 wieder auf 2,3 Prozent zurückgeht. Die kürzlich zu beobachtende Intensivierung des Iran-Krieges hat zu wieder steigenden Rohölpreisen geführt. Allerdings liegen die Preise zum Redaktionsschluss weiterhin unter dem Niveau des Vormonats.
Leitzinsen (Abb. 2): Die EZB hat im Juni ihre Zinsen um 25 Basispunkte erhöht. Die Leitzinsen betragen zum Redaktionsschluss beim Hauptrefinanzierungssatz 2,40 Prozent, beim Einlagesatz 2,25 Prozent und beim Spitzenrefinanzierungssatz 2,65 Prozent. Der EURIBOR-Zins, zu dem sich Banken untereinander unbesichert Geld leihen, lag jüngst bei 2,38 Prozent und scheint sich nunmehr am Hauptrefinanzierungssatz zu orientieren und nicht mehr am Einlagesatz. Die nächste Zinsentscheidung trifft die EZB am 23.07.26 – an den Finanzmärkten wird nicht mit einem weiteren Zinsschritt im Juli gerechnet. Im September hingegen wird mehrheitlich von einem weiteren Zinsschritt um 25 Basispunkte ausgegangen.
Wertpapierankaufprogramme (Abb. 3): Der Kurs der Wertpapierankaufprogramme bleibt unverändert. Das Quantitative Tightening, also der Abbau der geldpolitischen Portfolios APP und PEPP durch ausbleibende Reinvestitionen von fällig werdenden Posten, geht weiter. Die Bilanzsumme der EZB beträgt 5.983 Mrd. EUR – das sind 32 Prozent weniger als zum Höchststand im Mai 2022. Die Bestände an gezielten längerfristigen Refinanzierungsgeschäften (TLTROs) sind inzwischen abgebaut. Während der Teil der EZB-Bilanz, der auf außergewöhnliche geldpolitische Geschäfte zurückzuführen ist, weiter abgebaut wird, haben jedoch andere Bilanzposten diesen Abbau bis zuletzt teilweise kompensiert.
Einlagen (Abb. 4): Die Mindestreserveeinlagen bewegen sich weiter seitwärts und betrugen zuletzt 174 Mrd. EUR, während die Überschussreserven von hohem Niveau aus weiter sinken (zuletzt: 1.862 Mrd. EUR.).
Zinsen – Haushalte (Abb. 5): Die Zinsen für Wohnimmobilienkredite sind zuletzt leicht angestiegen. Sie lagen im Euroraum zuletzt bei 3,5 Prozent. In Deutschland lagen sie zuletzt bei 3,9 Prozent, in Frankreich bei 3,6 Prozent, in Italien bei 2,9 Prozent und in Spanien bei 3,1 Prozent. Die Spannbreite innerhalb des Euroraums betrug zuletzt 2,2 Prozent-Punkte. Es ist davon auszugehen, dass die Zinsen aufgrund der erhöhten Inflationserwartungen im Verlauf des Jahres weiter ansteigen.
Zinsen – Unternehmen (Abb. 6): Die Zinsen für Unternehmenskredite sind ebenfalls leicht angestiegen; sie lagen im Mai im Euroraum bei 3,6 Prozent. In Deutschland betrugen sie 3,7 Prozent, in Frankreich 3,6 Prozent, in Italien 3,5 Prozent und in Spanien 3,5 Prozent. Die Spannbreite innerhalb der Eurozone betrug zuletzt 1,8 Prozent-Punkte.
Kreditwachstum (Abb. 7): Das Wachstum von Unternehmenskrediten betrug zuletzt 3,8 Prozent. Das Volumen an Wohnimmobilienkrediten wuchs um 3,2 Prozent. Das Kreditwachstum hat sich also bis zuletzt tendenziell beschleunigt.
Zinsen – Eurostaaten (Abb. 8): Die Zinsen für Staatsanleihen der Eurostaaten haben sich insbesondere aufgrund der gestiegenen Inflationserwartungen infolge des Iran-Konfliktes seit Februar spürbar erhöht. 10-jährige Staatsanleihen notierten für Deutschland aktuell (Stichtag: 12.07.26) bei 3,1 Prozent (vor dem Krieg: 2,65 Prozent), für Frankreich bei 3,8 Prozent (3,2 Prozent), für Italien bei 3,8 Prozent (3,3 Prozent) und für Spanien bei 3,5 Prozent (3,1 Prozent). Die Renditen auf zehnjährige Bundesanleihen liegen somit zwischen 37 und 55 Basispunkten höher als vor dem Krieg. Der Großteil des Renditeanstiegs fällt dabei in die Monate März und April.
Spreads – Eurostaaten (Abb. 9): Seit dem Angriff auf Iran und der insgesamt gestiegenen Risikosensitivität haben sich auch die Spreads ggü. Bundesanleihen ausgeweitet. Der Spread ggü. Frankreich beträgt aktuell 71 Basispunkte (vor dem Krieg: 57), bei Italien 74 BP (63) und bei Spanien 38 BP (41).
Wechselkurse (Abb. 10): Der Euro notiert im Juli bei 1,14 US-Dollar pro Euro; die Aufwertungstendenzen des Jahres 2025 setzen sich im laufenden Jahr nicht fort. Gegenüber dem Pfund notierte er mit geringen Veränderungen zuletzt bei 0,85 Pfund pro Euro. Gegenüber dem Yen gewann der Euro mit jüngst 186 Yen pro Euro seit Anfang 2025 deutlich an Wert, jedoch ist auch hier seit Beginn des Jahres eher eine Seitwärtsbewegung zu beobachten als eine Fortsetzung der Aufwertung.