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Die wirtschaftliche Entwicklung im zweiten Quartal 2026
Einleitung
IN KÜRZE
Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im zweiten Quartal 2026 preis-, kalender- und saisonbereinigt um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal.
Maßgebliche Wachstumsimpulse gingen vom Außenhandel aus. Demgegenüber war die Investitionstätigkeit rückläufig, während der private sowie der staatliche Konsum in etwa stagnierten.
Die Bruttowertschöpfung stieg um 0,4 Prozent. Dahinter stand ein Zuwachs im Verarbeitenden Gewerbe sowie eine positive Entwicklung in den meisten Dienstleistungsbranchen. Dagegen ging die Wertschöpfung im Energiesektor und im Baugewerbe zurück.
Mit der BIP-Meldung zum zweiten Quartal wurden Revisionen der bisherigen Daten vorgenommen, die bis zum Jahr 2011 zurückreichen. Dadurch wird das BIP-Niveau rückwirkend deutlich angehoben. Im Ergebnis stellt sich die Dynamik im Jahr 2024 nun deutlich günstiger dar als zuvor.
Das Statistische Bundesamt hat am 25. August die detaillierten Ergebnisse zum BIP im zweiten Quartal 2026 veröffentlicht. Demnach stieg die preis-, kalender- und saisonbereinigte Wirtschaftsleistung um 0,3 Prozent gegenüber dem ersten Quartal 2026. Damit korrigierte das Statistische Bundesamt seine BIP-Schnellmeldung vom 30. Juli (+0,2 Prozent) leicht nach oben. Im Vorjahresvergleich legte das BIP um 1,0 Prozent zu.
Verarbeitendes Gewerbe und Dienstleistungssektor im Plus
Entstehungsseitig stieg die Bruttowertschöpfung preis-, kalender- und saisonbereinigt gegenüber dem Vorquartal um 0,4 Prozent.
Wachstumsimpulse stammten einerseits vom Verarbeitenden Gewerbe mit einer Steigerung um 0,9 Prozent. Vor allem in den energieintensiven Bereichen Chemie und Metallerzeugnisse, aber auch bei elektrischen Ausrüstungen, DV-Geräten sowie elektrischen und optischen Erzeugnissen konnte die Produktion im zweiten Quartal gesteigert werden. Positive Impulse dürften auch vom sonstigen Fahrzeugbau ausgegangen sein, der von öffentlichen Aufträgen im Verteidigungsbereich profitierte.
Andererseits stützten die Dienstleister mit einem überwiegend positiven Wertschöpfungsverlauf. Das deutlichste Plus verbuchten die Bereiche Information und Kommunikation sowie Öffentliche Dienstleister, Erziehung und Gesundheit (je +0,6 Prozent). Die Sektoren Handel, Verkehr und Gastgewerbe sowie Unternehmensdienstleistungen legten nur halb so stark zu (je +0,3 Prozent). Sonstige Dienstleister traten in etwa auf der Stelle (+0,1 Prozent). Ein Minus wiesen die Finanz- und Versicherungsdienstleister auf (-0,7 Prozent).
Rückläufig war die Wertschöpfung im Energiesektor (-0,5 Prozent), der vom gestiegenen Preisniveau für Öl- und Gasimporte belastet wird. Das Baugewerbe verzeichnete den fünften Rückgang in Folge (-0,1 Prozent). Hier dämpften vor allem im Hochbau die hohen Material- und Finanzierungskosten die Aktivitäten.
Verwendungsseitig stammt der größte Wachstumsbeitrag wie schon im Vorquartal vom Außenhandel. Trotz des Kriegs im Nahen Osten blieb die Nachfrage nach deutschen Produkten auf Erholungskurs. Dabei wurden die Ausfuhren von einer gesteigerten Nachfrage aus dem EU-Binnenmarkt, insbesondere aus Mittel- und Osteuropa, gestützt. Insgesamt verzeichneten die Exporte einen Anstieg um 2,0 Prozent. Die Importe erhöhten sich um 1,5 Prozent. Damit fiel der rechnerische Impuls des Außenbeitrags (Exporte minus Importe) mit 0,2 Prozentpunkten positiv aus.
Die Binnenwirtschaft lieferte schwächere Impulse: Sowohl der private als auch der staatliche Konsum blieben annähernd konstant (jeweils +0,1 Prozent). Der private Verbrauch dürfte v. a. von den Kaufkraftverlusten infolge der hohen Energiepreise gedämpft worden sein, während der staatliche Verbrauch von der schwächeren Ausgabendynamik bei den Arbeitnehmerentgelten sowie den Vorleistungsbezügen verringert worden sein dürfte.
Die Investitionen fielen angesichts der anhaltend hohen geopolitischen Unsicherheiten, gestiegener Rohstoffpreise und erhöhter Finanzierungskosten ebenfalls verhalten aus: Die Bauinvestitionen stagnierten nur (+0,1 Prozent), nachdem sie zu Jahresbeginn bereits von ungünstigen Witterungsverhältnissen gebremst worden waren. Ursächlich für die Seitwärtsbewegung war ein erneutes Minus im Wohnungsbau (-1,0 Prozent). Demgegenüber legte der Wirtschaftsbau zu (+1,7 Prozent). Die Ausrüstungsinvestitionen gingen erneut deutlich zurück (-1,4 Prozent). Ausschlaggebend war ein erneut deutlicher Rückgang der Investitionen in Fahrzeuge (-10,6 Prozent), während sich die Investitionen in Maschinen und Geräte von ihrem Dämpfer zu Jahresbeginn erholten (+2,5 Prozent). Demgegenüber setzte sich die Ausweitung der Sonstigen Anlagen, zu denen Software, Patente sowie Forschung und Entwicklung zählen, fort (+0,8 Prozent). Insgesamt verringerten sich die Bruttoanlageinvestitionen um 0,2 Prozent.
Positiv auf den BIP-Zuwachs wirkte sich auch die Aufstockung von Vorräten aus (+0,1 Prozentpunkte).
Konjunkturerholung kommt noch nicht auf dem Arbeitsmarkt an
Die Lage auf dem Arbeitsmarkt blieb angesichts des strukturellen Wandels und der demographischen Entwicklung angespannt. Die Zahl der Erwerbstätigen ging im Vorquar-talsvergleich saisonbereinigt zum fünften Mal in Folge leicht zurück (-0,1 Prozent). Gegenüber dem Vorjahresquartal waren etwa 212 Tausend Personen weniger erwerbstätig. Im Dienstleistungssektor kam es mit -27 Tausend Personen erstmals seit der Pandemie zu einem spürbaren Rückgang. Derweil setzte sich der Abwärtstrend im Produzierenden Gewerbe fort mit -17 Tausend Personen im Baugewerbe und -159 Tausend Personen in den übrigen Industriezweigen.
Die durchschnittlichen Arbeitsstunden der Erwerbstätigen blieben im zweiten Quartal nach vorläufigen Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) im Vergleich zum Vorjahresquartal konstant (+0,0 Prozent). Aufgrund der verringerten Zahl erwerbstätiger Personen ging das gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen im gleichen Zeitraum um 0,5 Prozent zurück.
Die Dynamik bei den Arbeitnehmerentgelten fiel auf der Verteilungsseite des BIP gegenüber dem Vorjahresquartal mit +3,9 Prozent ebenso kräftig aus wie zu Jahresbeginn. Die Effektivlöhne (Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer) legten mit +4,4 Prozent sogar deutlicher zu als zuvor, bei allerdings rückläufiger Beschäftigungsentwicklung. Der Anstieg der durchschnittlichen Nettolöhne und -gehälter fiel mit +4,7 Prozent etwas stärker aus.
Die Unternehmens- und Vermögenseinkommen stiegen mit +5,5 Prozent so deutlich wie zuletzt vor drei Jahren. Das Wachstum der (nominalen) verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte blieb mit +3,1 Prozent stabil. Da der Konsum der privaten Haushalte in jeweiligen Preisen mit +2,9 Prozent etwas schwächer zunahm, lag die Sparquote mit 9,6 Prozent leicht über dem Niveau des Vorjahresquartals (9,5 Prozent).
Sommerrevision führt zu höherem BIP-Niveau
Die Detailmeldung enthält auch Informationen des Statistischen Bundesamtes zu den Hintergründen der Sommerrevision der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen. Zu den wichtigsten methodischen Änderungen gehören die Berücksichtigung der Gebäude- und Wohnungszählung 2022 und die Neubewertung selbstgenutzten Wohneigentums bei der Erfassung von Wohnungsmieten. Zudem werden Online-Käufe von Privatpersonen unterhalb der Zollmeldeschwellen jetzt umfassender registriert.
Im Ergebnis führte die Revision v. a. zu einer rückwirkenden Erhöhung der privaten Konsumausgaben und damit auch des BIP. Die deutlichste Korrektur der Wachstumsrate ergab sich für das Jahr 2024 (von -0,5 Prozent auf +0,0 Prozent).