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Die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren vor dem Hintergrund der Energiepreiskrise im Gefolge des russischen Angriffs auf die Ukraine als resilienter erwiesen als zunächst angenommen. Dies geht aus den jüngsten Daten des Statistischen Bundesamtes hervor. Auch im ersten Halbjahr 2026 expandierte die deutsche Wirtschaft – ungeachtet der Belastungen aus dem eskalierten Konflikt im Nahen Osten und des daraus folgenden Energiepreisanstiegs – überraschend kräftig und hat die langanhaltende Stagnationsphase überwunden. Im Vorjahresvergleich legte das preis- und kalenderbereinigte BIP im ersten Quartal um 0,8 Prozent und im zweiten Quartal um rund 1 Prozent zu – die höchsten Quartalsraten seit drei Jahren. Getragen wurde die Erholung vor allem von einem kräftigen Anstieg der Exporte sowie vom öffentlichen Konsum, während die private Inlandsnachfrage – Konsum wie Investitionen – schwach blieb.
Die konjunkturelle Dynamik dürfte sich im dritten Quartal temporär abschwächen. Zwar haben sich die Stimmungsindikatoren zuletzt deutlich aufgehellt. In den Konjunkturindikatoren spiegelt sich diese Belebung allerdings bislang nicht wider. Vielmehr scheint sich die Sonderkonjunktur bei den energieintensiven Industrien zur Jahresmitte abzuschwächen; sie wurde von der gestiegenen Auslandsnachfrage im Zuge des Konflikts im Nahen Osten getragen. Auch in der Binnenwirtschaft deuten – vor dem Hintergrund der anhaltend hohen Energiepreise – Indikatoren für die private Konsumentwicklung auf eine nachlassende Dynamik hin. Dämpfende Effekte gehen im laufenden Quartal zum einen vom weiterhin ungelösten Konflikt im Nahen Osten und den damit verbundenen Unsicherheiten sowie hohen Energiepreisen und zum anderen zusätzlich temporär von dem anhaltenden Niedrigwasser auf wichtigen deutschen Binnenschifffahrtsstraßen aus. Mit einem Nachlassen dieser Behinderungen im weiteren Jahresverlauf dürften auch Nachholeffekte einsetzen. Diese dürften zusammen mit den fiskalischen Impulsen und befristeten Entlastungen bei Energiepreisen zu einer erneuten Belebung der konjunkturellen Dynamik führen. Für das Jahr 2026 wird damit insgesamt ein Zuwachs des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,3 Prozent erwartet – deutlich höher als noch in der Frühjahrsprojektion mit 0,5 Prozent. Im Jahr 2027 dürfte sich das Wachstum leicht auf 1,1 Prozent verringern und 2028 0,6 Prozent betragen. Hinter diesen Raten liegt auch eine unterschiedliche Zahl von Arbeitstagen in den jeweiligen Jahren. Um diese Kalendereffekte bereinigt betragen die Zuwachsraten 2026 und 2027 jeweils 1,0 und 2028 0,8 Prozent.
Die weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen bleiben angesichts der andauernden geopolitischen Konflikte und der willkürlichen US-Handelspolitik bis auf Weiteres herausfordernd. Dennoch waren die Exporte eine zentrale Wachstumsstütze im ersten Halbjahr 2026; wesentliche Treiber waren dabei die robuste Nachfrage aus EU-Ländern sowie eine Erholung der Ausfuhren in die USA nach einer Beruhigung des Handelsstreits. Zudem spielte neben einer gestiegenen Nachfrage nach KI-spezifischen Gütergruppen auch eine Sonderkonjunktur bei energieintensiven Produkten eine Rolle. Hier haben deutsche Produzenten von Lageraufstockungen im Ausland profitiert, die die durch den Nahost-Konflikt stärker betroffenen asiatischen Hersteller nicht abdecken konnten. Diese Entwicklung scheint nachzulassen, so dass die strukturellen Herausforderungen wieder stärker zum Tragen kommen und die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft beeinträchtigen. Für den weiteren Prognosezeitraum ist daher von einer Abschwächung der Exportdynamik und einem erneuten Verlust von Weltmarktanteilen auszugehen. Gleichzeitig dürften die Importe mit der allmählich anziehenden Binnennachfrage und den kräftigen öffentlichen Ausgaben weiter ansteigen, so dass vom Außenbeitrag im Prognoseverlauf keine Wachstumsimpulse zu erwarten sind.
Die Bruttoanlageinvestitionen entwickelten sich im ersten Halbjahr 2026 noch schwach. Bei den privaten Investitionen dürften dabei neben gestiegenen Material- und Finanzierungskosten auch die erhöhten geopolitischen Unsicherheiten ursächlich gewesen sein. Im Jahresdurchschnitt werden die Bruttoanlageinvestitionen – getragen vor allem von öffentlichen Investitionen – daher wohl nur moderat zulegen. Für den weiteren Prognosezeitraum wird eine schrittweise Belebung der Investitionsdynamik erwartet: Steigende Auftragseingänge und eine zunehmende Kapazitätsauslastung dürften vor allem die Ausrüstungsinvestitionen stützen. Dabei bremsen allerdings die schwierige Wettbewerbssituation auf den Weltmärkten, strukturelle Standortprobleme sowie höhere Zinsen eine kräftigere Erholung. Die öffentlichen Investitionen expandieren weiter deutlich und bleiben ein zentraler Wachstumstreiber über den gesamten Prognosezeitraum. Getragen wird die Dynamik durch Abflüsse aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität sowie durch Verteidigungsausgaben. Bestellungen aus dem Sondervermögen Bundeswehr werden zunehmend ausgeliefert und verbucht, im Tiefbau steigen Auftragseingänge und Bauproduktion schon länger spürbar. Auch beim öffentlichen Konsum machen sich beschaffungsbedingt höhere Vorleistungskäufe positiv bemerkbar. Von den Bauinvestitionen außerhalb des öffentlichen Bereichs, insbesondere dem Wohnungsbau, dürften im Projektionszeitraum angesichts der gestiegenen Material- und Finanzierungskosten dagegen kaum Wachstumsimpulse ausgehen.
Der private Konsum sollte sich demgegenüber schrittweise erholen. Die Effektivlohnentwicklung, also die Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer, dürften in den kommenden Jahren weiter spürbar zulegen, wenn auch mit etwas nachlassender Dynamik. Energiepreisbedingte Kaufkraftverluste dämpfen die Realeinkommen der privaten Haushalte zwar, diese dürften – anders als in der Energiepreiskrise 2022/23 – aber nicht sinken. Mit der konjunkturellen Erholung und dem allmählichen Rückgang der Inflation dürfte der private Verbrauch im Prognoseverlauf moderat zulegen, wenn auch gedämpft durch die anhaltend schwache Arbeitsmarktentwicklung und steigende Abgabenbelastungen. Die Erwerbstätigkeit dürfte auch in den kommenden Jahren rückläufig bleiben: Denn das Erwerbspersonenpotenzial ist demografiebedingt rückläufig, die Zuwanderung geht zurück und der strukturelle Wandel dürfte die Passgenauigkeit zwischen Arbeitsangebot und -nachfrage erschweren.
Vom öffentlichen Konsum werden über den gesamten Projektionszeitraum voraussichtlich spürbare Wachstumsbeiträge ausgehen, auch wenn die zusätzlichen fiskalischen Impulse etwas nachlassen. Getragen werden diese durch Ausgaben aus den Sondervermögen, Vorleistungskäufe im Verteidigungsbereich sowie demografisch bedingt steigende soziale Sachleistungen, insbesondere in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung. Bei Letzteren wirken allerdings angekündigte Sparmaßnahmen wie höhere Beitragssätze und Ausgabenkürzungen leicht dämpfend.
Die Verbraucherpreise werden in diesem und im kommenden Jahr vor allem von der Energiepreisentwicklung infolge des Konflikts im Nahen Osten dominiert. Kurzfristige Entlastungsmaßnahmen wie der Tankrabatt dämpfen den Preisanstieg zwar temporär, können diesen aber nur teilweise abfedern. Auch auf den nachgelagerten Preisstufen werden sich die gestiegenen Energiepreise mit Verzögerung niederschlagen. Hinzu kommen administrative Preiserhöhungen wie die Anhebung des Apotheken-Fixums, höhere Eigenbeiträge im Gesundheitswesen, die Tabaksteuererhöhung ab 2027 sowie höhere Abgaben auf Zucker und Plastikverpackungen. Auch die weitere Anhebung der Mindestlöhne zum 1. Januar 2027 dürfte sich in Teilen der Dienstleistungspreise niederschlagen. Erst 2028 ist mit einer Rückkehr auf eine Rate nahe zwei Prozent zu rechnen.
Die in Schaubild 1 dargestellte, fortgesetzte wirtschaftliche Erholung hängt wesentlich von den geopolitischen Entwicklungen, insbesondere vom Fortgang der Krise im Nahen Osten und den damit zusammenhängenden Wirkungen auf die Energiepreise, ab. Der Herbstprojektion werden die Terminnotierungen für Rohöl und Erdgas von Ende September 2026 zugrunde gelegt; bei längerfristig erhöhten Energiepreisen bzw. einer Verschärfung von Lieferengpässen würden die dämpfenden Effekte auf Konsum, Produktion und Investitionen entsprechend stärker ausfallen. Unsicherheiten gehen auch von den internationalen Finanzmärkten aus, insbesondere der hohen Bewertung von KI-Unternehmen. Zudem würde eine stärkere als erwartete Reaktion der Geldpolitik auf das inflationäre Umfeld die Finanzierungsmöglichkeiten von privaten Haushalten und Unternehmen beeinträchtigen und so dämpfende Effekte zeigen. Schließlich könnten länger anhaltende Niedrigwasser auf deutschen Binnenschifffahrtsstraßen Lieferengpässe verschärfen und die industrielle Wertschöpfung belasten.
Eine günstigere Entwicklung wäre im Falle einer baldigen, nachhaltigen Lösung der Krise im Nahen Osten wie auch des Kriegs von Russland gegen die Ukraine mit einer entsprechenden Entspannung bei den Energiepreisen vorstellbar. Zudem könnte eine konsequente Umsetzung der geplanten Reformvorhaben der Bundesregierung positive Erwartungseffekte bei privaten Verbrauchern und Investoren erzeugen.
Weltwirtschaft trotz Energiepreisanstigen robust
Die Weltwirtschaft hat sich im ersten Halbjahr 2026 trotz des Kriegs im Nahen Osten bemerkenswert resilient gezeigt. Die Auswirkungen des Konflikts spiegelten sich zwar in der weltweiten Industrieproduktion wie auch im Welthandel wider, deutliche Rückgänge blieben aber weitgehend auf die Golfregion beschränkt. Die übrigen Schwellenländer entwickelten sich weiter robust und in den Industrieländern beschleunigte sich die wirtschaftliche Dynamik sogar etwas, so dass das weltweite BIP auch im zweiten Quartal weiter expandierte. Während die gestiegenen Energiepreise und die erhöhte geopolitische Unsicherheit den privaten Verbrauch und die Investitionen vielerorts dämpften, wurde die Nachfrage durch den dynamischen Ausbau Künstlicher Intelligenz (KI) sowie steigende Verteidigungsausgaben in vielen Ländern gestützt.
Auch für das dritte Quartal weisen Frühindikatoren für die weltwirtschaftliche Entwicklung auf ein weiter robustes Expansionstempo der Weltwirtschaft hin. So ist der Einkaufsmanagerindex von S&P Global für die Weltwirtschaft im September weiter gestiegen und liegt mit 54,3 Zählern über der Wachstumsschwelle. Auch an den Finanzmärkten bleibt der Blick auf die Weltkonjunktur trotz des andauernden Konflikts im Nahen Osten optimistisch: Der Sentix- Index, der Lageeinschätzung sowie Konjunkturerwartungen von Finanzinvestoren abbildet, verharrte im September auf einem ähnlich hohen Niveau wie vor Beginn des Nahost- Konflikts. Zu den positiven globalen Wachstumseinschätzungen der Investoren tragen insbesondere die asiatischen Volkswirtschaften, aber auch der Euroraum bei, für den der Indikator zum fünften Mal in Folge angestiegen ist.
Gemäß den technischen Annahmen, die der Herbstprojektion der Bundesregierung zu Grunde liegen (Kasten 1), dürften sich die Preise für Öl und Gas ab Anfang 2027 wieder schrittweise reduzieren. Entsprechend ist zu erwarten, dass die dämpfenden Effekte höherer Energiepreise, Inflation und Unsicherheiten im Projektionszeitraum allmählich nachlassen. Gleichzeitig dürften Investitionen in die KI-Infrastruktur, auch aufgrund deren hoher Handelsintensität, sowie weiter steigende Verteidigungsausgaben im Projektionszeitraum für eine zunehmende weltwirtschaftliche Aktivität sorgen.
Kasten 1: Annahmen der Herbstprojektion 2026
Für die Weltwirtschaft wird auf Basis der jüngsten Prognosen internationaler Organisationen (IWF, OECD) mit einem preisbereinigten BIP-Zuwachs in Höhe von 3,1 Prozent in diesem Jahr und jeweils 3,2 Prozent in den Jahren 2027 und 2028 gerechnet. Mit Blick auf das Zollumfeld wird unterstellt, dass Zölle, die Ende September 2026 in Kraft sind, bestehen bleiben. Damit liegt der effektive US-Zoll für Einfuhren aus der EU laut Welthandelsorganisation bei 11 ½ Prozent. Für die Entwicklung der Energiepreise wird eine technische Annahme auf Basis von Terminnotierungen zum Zeitpunkt des Projektionsabschlusses (23. September) getroffen. Demnach wird für das Jahr 2026 ein durchschnittlicher Rohölpreis für ein Fass der Sorte Brent von rund 90 US-Dollar unterstellt, 2027 dürfte der Durchschnittspreis gemäß Futures bei 83 US-Dollar liegen und 2028 weiter auf 76 US-Dollar zurückgehen. Für Gas wird für den Jahresdurchschnitt 2026 ein Preis von 56 Euro pro MWh erwartet. Im Jahr 2027 dürfte der durchschnittliche Gaspreis gemäß den Markterwartungen nochmals leicht auf 57 Euro pro MWh steigen, bevor er 2028 wieder deutlich auf dann 38 Euro pro MWh fällt. Der Hauptrefinanzierungssatz der Europäischen Zentralbank liegt aktuell bei 2,65 Prozent. Für das Jahr 2026 wird auf Basis von Experteneinschätzungen (Consensus) ein jahresdurchschnittlicher Zinssatz von 2,4 Prozent unterstellt, 2027 von 2,8 Prozent und 2028 von 2,7 Prozent.
Im Euroraum dürfte sich das Expansionstempo gegenüber 2025 etwas verlangsamen. Während öffentliche Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur sowie der stabile Arbeitsmarkt die Binnennachfrage stützen, bremsen die Energiepreissteigerungen die Kaufkraft und damit den privaten Konsum. Von außenwirtschaftlicher Seite belasten die nach wie vor erhöhten US-Zölle sowie der Wettbewerbsdruck aus China.
Die US-Wirtschaft dürfte im Projektionszeitraum ihre bisherige Wachstumsdynamik weitgehend fortsetzen. Auch wenn die Verbraucherpreise zunächst erhöht bleiben, entwickeln sich die Konsumausgaben robust, die Investitionen profitieren weiter vom KI-Boom und die Finanzpolitik bleibt expansiv. Einer kräftigeren Expansion stehen allerdings die restriktivere Handels- und Einwanderungspolitik sowie zusätzliche fiskalische Belastungen infolge des Irankriegs entgegen.
In China erscheinen die Wachstumsaussichten weiterhin strukturell gedämpft. Die Binnennachfrage bleibt auch vor dem Hintergrund der weiter schwelenden Immobilienkrise schwach, der Preisauftrieb gering und die private und öffentliche Verschuldung hoch. Zudem bremst die demografische Entwicklung. Die Exporte im Technologiebereich und eine expansive Finanzpolitik dürften aber Impulse geben. Bis auf Weiteres sind geringere BIP-Zuwächse als in den Vorjahren zu erwarten.
Auch wenn die Risiken vor dem Hintergrund der andauernden Beeinträchtigungen des Schiffsverkehrs aufgrund des Konflikts in der Straße von Hormus hoch bleiben, rechnen internationale Organisationen wie der Internationale Währungsfonds (IWF) oder die OECD damit, dass die Weltwirtschaft in den Jahren 2026 bis 2028 mit rund drei Prozent expandiert. Die erwartete Dynamik bleibt damit allerdings hinter dem längerfristigen Durchschnitt von knapp vier Prozent zurück. Das Welthandelsvolumen dürfte nach dem kräftigen Zuwachs im vergangenen Jahr, bedingt auch durch Vorzieheffekte im Vorfeld der US-Zollanhebungen, in diesem Jahr erneut spürbar zulegen. Grund hierfür ist die überraschend dynamische Entwicklung im ersten Halbjahr, zu der die beschleunigte Handelsaktivität asiatischer Technologieexporteure, vorgezogene US-Konsumgüterimporte im Vorfeld der für Juli erwarteten Zollanpassungen sowie ein globaler Lageraufbau bei energieintensiven Gütern angesichts des Kriegs im Nahen Osten beigetragen haben. Nach Auslaufen dieser Sondereffekte wird für die Jahre 2027 und 2028 mit etwas abnehmenden Zuwächsen des Welthandelsvolumens von 3,8 bzw. 3,2 Prozent gerechnet. Von KI-bezogenen Investitionen dürften weiterhin positive Impulse auf die Weltwirtschaft ausgehen.
Im Zuge der kräftigen Entwicklung der Nachfrage aus dem Ausland sind die deutschen Ausfuhren im ersten Halbjahr 2026 ebenfalls deutlich gestiegen. Zum einen kam es zu vorübergehenden Sonder- und Vorzieheffekten: Angesichts der eingeschränkten Passierbarkeit der Straße von Hormus und den daraus resultierenden Lieferengpässen und Rohstoffpreisanstiegen nahm die globale Nachfrage nach energieintensiven Produkten im zweiten Quartal zu. Dabei dürften deutsche Exporteure Vorteile gegenüber Anbietern gehabt haben, die in höherem Maße von Energielieferungen aus der Golfregion abhängig sind. Zum anderen konnten die Ausfuhren von elektrischen und optischen Erzeugnissen und elektronischen Ausrüstungen im ersten Halbjahr vom weltweiten KI-Boom profitieren und trugen im ersten Halbjahr spürbar zu den Zuwächsen der Warenexporte bei.
Die Frühindikatoren zeigen am aktuellen Rand ein gemischtes Bild: Einerseits haben sich die ifo Exporterwartungen im August sprunghaft ins Positive gedreht und lagen auch im September trotz einer leichten Abwärtskorrektur immer noch sehr deutlich im positiven Bereich. Insbesondere die Hersteller von elektrischen Ausrüstungen, Datenverarbeitungsgeräten sowie elektronischen und optischen Erzeugnissen erwarten ein steigendes Auslandsgeschäft. Andererseits waren die Auftragseingänge aus dem Ausland zuletzt in der Tendenz wieder abwärtsgerichtet und die Ausfuhren im Spezialhandel lagen im Juli unter dem Durchschnitt des zweiten Quartals. Im dritten Quartal dürften zudem Transporteinschränkungen infolge des Niedrigwassers auf wichtigen Binnenschifffahrtsstraßen die Warenexporte vorübergehend belasten.
Während Sondereffekte im Zusammenhang mit dem Krieg im Iran nachlassen dürften, ist für den weiteren Verlauf damit zu rechnen, dass die globale KI-bezogene Investitions- und Handelsaktivität dem deutschen Außenhandel auch weiterhin Impulse gibt. Unter der Annahme, dass sich die Energiepreise im Projektionszeitraum allmählich wieder zurückbilden und die Nachfrage aus dem Ausland – insbesondere der EU-Handelspartner – weiter zunimmt, wird nach einem Dämpfer im dritten Quartal mit einer fortgesetzten Erholung des Außenhandels gerechnet. Der anhaltend hohe Wettbewerbsdruck aus China dämpft die Perspektiven allerdings etwas. Alles in allem wird in der Herbstprojektion mit Zuwächsen der Exporte von Waren und Dienstleistungen um 3,7 Prozent im laufenden Jahr, 2,1 Prozent 2027 und 1,1 Prozent 2028 gerechnet. Damit dürften die Zuwächse der Ausfuhren erneut hinter der Welthandelsdynamik zurückbleiben und deutsche Produzenten Weltmarktanteile verlieren.
Die realen Importe haben sich im ersten Halbjahr dynamischer entwickelt als im Frühjahr erwartet, auch wenn die Spezialhandelsdaten für die Importe am aktuellen Rand auf einen Rücksetzer im dritten Quartal hindeuten. Im weiteren Verlauf dürften die Einfuhren angesichts der Erholung der Exporte, eines moderat steigenden privaten Konsums und einer Belebung der Ausrüstungsinvestitionen wieder zunehmen. Dabei kommt weiterhin Rückenwind von den öffentlichen Ausgaben für Verteidigungsgüter, so dass die Einfuhren nach 2,6 Prozent im Jahr 2026 in den kommenden beiden Jahren mit 2,2 Prozent und 1,8 Prozent etwas kräftiger zulegen dürften als die Ausfuhren.
Infolge der seit Jahresbeginn kräftigen Entwicklung der Exporte ergibt sich im laufenden Jahr vom Außenhandel per Saldo ein positiver Wachstumsbeitrag von 0,5 Prozentpunkten. Im Jahr 2027 sind rechnerisch keine weiteren Impulse von den Nettoexporten zu erwarten, 2028 geht die Bundesregierung infolge der etwas höheren Dynamik der Importe im Vergleich zu den Exporten von einem leicht negativen Impuls aus. Bei den Terms of Trade, also dem Verhältnis von Export- zu Importpreisen, ist im Zuge des Energiepreisschocks und der damit deutlich gestiegenen Importpreise in diesem Jahr mit einer Verschlechterung um 0,8 Prozent zu rechnen. Bei annahmegemäß rückläufigen Energiepreisen ist 2027 und 2028 dann mit einer leichten Verbesserung um 0,4 bzw. 0,1 Prozent zu rechnen. Für den Leistungsbilanzüberschuss resultiert daraus insgesamt ein weiterer leichter Rückgang von 4,4 Prozent im Jahr 2026 auf 4,1 Prozent im Jahr 2028.
Fiskalische Impulse weiterhin Stütze der Investitionsentwicklung
Von den Bruttoanlageinvestitionen gehen in diesem Jahr nur schwache konjunkturelle Impulse aus. Zwar dürften die öffentlichen Investitionen, vor allem im Rüstungs- und Infrastrukturbereich, erneut kräftig steigen. Eine weiter zurückhaltende private Investitionstätigkeit wirkt jedoch insgesamt dämpfend. Für das nächste Jahr deuten verbesserte Geschäftserwartungen und eine stabile Auftragslage eine moderate Zunahme auch der privaten Investitionen an, so dass insgesamt wieder mit moderat steigenden Investitionen gerechnet wird.
Die Nachfrage nach Ausrüstungen, u. a. Maschinen und Fahrzeuge, ist derzeit von zunehmenden, unterjährig jedoch stark schwankenden staatlichen Ausgaben geprägt: Vor diesem Hintergrund lagen die Ausrüstungsinvestitionen insgesamt im ersten Halbjahr 2026 um 0,5 Prozent über dem Niveau des Vorjahreszeitraums; im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2025 sind sie dagegen (saisonbereinigt) um ein Prozent gesunken. Wie im Vorjahr ist auch dieses Jahr mit einer deutlichen Ausweitung der staatlichen Nachfrage, insbesondere bei Rüstungsgütern, erst zum Jahresende zu rechnen. Im Gegensatz zu dieser Dynamik bei den öffentlichen haben sich die privaten Ausrüstungsinvestitionen im ersten Halbjahr nur schwach entwickelt und dürften auch in der zweiten Jahreshälfte nur langsam Tritt fassen. Gestiegene Energie- und Materialkosten infolge des Irankriegs sowie ungünstigere Finanzierungsbedingungen dürften unmittelbar dämpfend wirken. Erst im kommenden Jahr ist mit einer moderaten Expansion zu rechnen. Dafür spricht eine stabile Auftragslage und der Aufwärtstrend beim ifo Geschäftsklima der Investitionsgüterproduzenten, der sich sowohl in der Lagebeurteilung als auch in den Erwartungen widerspiegelt. Steigende Auftragseingänge in Wirtschaftsbereichen, die an der weltweiten Wertschöpfungskette bei KI-Investitionen beteiligt sind, dürften für merkliche positive Impulse über das Jahr 2027 hinaus sorgen. Für die Ausrüstungen insgesamt wird 2026 ein Zuwachs von 2,2 Prozent erwartet, gefolgt von 4,2 Prozent im Jahr 2027 und 1,4 Prozent im Jahr 2028.
Bei den Bauinvestitionen hat sich im ersten Quartal des Jahres 2026 wie erwartet witterungsbedingt ein deutlicher Rückgang eingestellt. Überraschend stagnierte der Bau auch im zweiten Quartal. Während der öffentliche Bau den erwarteten Aufholprozess zeigte, waren die privaten Bauinvestitionen sowohl im Wohnungsbau als auch im Nicht- Wohnungsbau erneut rückläufig. Eine Zweiteilung zwischen schwachen privaten und kräftigen öffentlichen Bauinvestitionen dürfte auch 2027 zu beobachten sein. Steigende Kapazitätsauslastung und Auftragseingänge im Tiefbau belegen, dass die im Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität bereitgestellten Mittel bei den Bauunternehmen ankommen. Vor dem Hintergrund der aktuellen Finanzplanung ist auch im Jahr 2027 mit weiter steigenden öffentlichen Bauinvestitionen zu rechnen. Die sich zu Jahresbeginn abzeichnende Erholung im privaten Wohnungsbau hat im zweiten Quartal hingegen einen doppelten Dämpfer erfahren: Zum einen sind die Preise im Wohnungsbau im zweiten Quartal um fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal spürbar gestiegen, nach zuvor relativen stabilen Raten um drei Prozent in den Vorquartalen. Zum anderen haben sich die Kreditbedingungen deutlich verschlechtert. Gestiegene Zinsen und verschärfte Kreditvergaberichtlinien angesichts höherer Kreditrisiken und wirtschaftlicher Unsicherheiten dürften maßgeblich den Rückgang der Nachfrage nach Immobilienkrediten erklären (vgl. jüngster Banking Lending Survey der Bundesbank). Eine deutliche Zunahme der Baugenehmigungen im ersten Halbjahr und ein Aufwärtstrend bei der Auftragslage lassen jedoch keinen weiteren Rückgang erwarten. Insgesamt dürften die Bauinvestitionen in diesem Jahr nochmals um knapp ein Prozent zurückgehen, bevor sie 2027 mit 1,6 Prozent und 2028 mit 0,6 Prozent moderat zulegen.
Die Investitionen in sonstige Anlagen, dazu zählen insbesondere Ausgaben für Software sowie Forschung und Entwicklung, dürften mit 2,4 Prozent in diesem Jahr, 3,3 Prozent im Jahr 2027 und 3,2 Prozent im Jahr 2028 stabil zulegen und Wachstumsimpulse liefern. Vor allem steigende Aufwendungen für KI dürften maßgeblich zum kräftigen Wachstum der Investitionen beitragen.
Insgesamt erwartet die Bundesregierung für das Gesamtaggregat der Bruttoanlageinvestitionen für das Jahr 2026 einen preisbereinigten Zuwachs von 0,6 Prozent. Im Jahr 2027 dürften sie um 2,7 Prozent und im Jahr 2028 um 1,4 Prozent zulegen.
Energiepreisanstieg prägt Inflation
Der Energiepreisschock durch den Irankrieg prägt die Verbraucherpreise: Nach einer stabilen Inflationsrate von rund zwei Prozent im zweiten Halbjahr 2025 wird für das laufende Jahr ein Anstieg auf 2,7 Prozent und für 2027 auf 3,0 Prozent erwartet. Im Jahr 2028 dürfte die Teuerungsrate dann wieder auf 2,2 Prozent zurückgehen.
Zentrale Ursache ist die faktische Blockade der Straße von Hormus. Die Notierungen für Rohöl- und Gaspreise haben sich weiter erhöht, so dass die Verbraucherpreise für Energie nach einem Rückgang um 2,7 Prozent im Jahr 2025 in diesem Jahr um etwa sieben Prozent steigen dürften. Weil Versorger Gas und Strom langfristig beschaffen, erreichen die hohen Börsenpreise die privaten Haushalte erst zum Jahreswechsel und im kommenden Frühjahr. Deshalb legen die Energiepreise 2027 nochmals um rund fünf Prozent zu, bevor sich der Anstieg 2028 auf rund ein Prozent abschwächt.
Die indirekten Folgen des Energiepreisanstiegs dürften im weiteren Verlauf des Jahres zunehmend spürbar werden. Über höhere Rohstoff- und Vorleistungskosten, etwa für Düngemittel und Transportdienstleistungen, schlagen sie sich in den Preisen für Güter und Dienstleistungen nieder. Die Kerninflation, also die Teuerungsrate ohne Preise von Energie und Lebensmitteln, dürfte deshalb von 2,5 Prozent in diesem Jahr auf ebenfalls 3,0 Prozent im kommenden Jahr anziehen, bevor sie 2028 auf 2,5 Prozent zurückgeht.
Mit einem prognostizierten Zuwachs von rund drei Prozent stellen die Preise für Dienstleistungen im Projektionszeitraum weiterhin einen strukturellen Inflationstreiber dar. Maßgeblich hierfür ist der hohe Anteil der Arbeitskosten im Dienstleistungssektor; insbesondere die Anhebung des Mindestlohns um rund fünf Prozent sowie steigende Sozialversicherungsbeiträge wirken hierbei preissteigernd.
Administrative Maßnahmen wirken in beide Richtungen und gleichen sich in diesem Jahr nahezu aus: Höhere Eigenanteile bei Arzneimitteln stehen befristet gesenkten Energiesteuern auf Kraftstoffe gegenüber. Im kommenden Jahr dürften vor allem höhere Tabak- und Arzneimittelabgaben, die Zuckergetränkesteuer sowie die Mindestlohnanhebung preiserhöhend wirken.
Struktureller und demografischer Wandel prägen den Arbeitsmarkt
Mit der Sommerrevision des Statistischen Bundesamtes stellt sich die Entwicklung am Arbeitsmarkt seit 2022 schwächer dar als zuvor angenommen. So lag die Zahl der Erwerbstätigen zu Jahresbeginn nach aktuellem Datenstand um etwa 160 Tausend Personen niedriger als zum Zeitpunkt der Frühjahrsprojektion angenommen. Ursächlich hierfür war die Berücksichtigung neuer Informationen aus dem Mikrozensus, der Personalstandstatistik und dem Soziooekonomischen Panel. Der stärkste Rückgang war demnach bei der Zahl der marginal Beschäftigten zu beobachten. Infolgedessen fiel auch die Verringerung der Arbeitnehmerzahl etwas kräftiger aus, als bisher aus den Daten ersichtlich war.
Der Ausblick auf die weitere Entwicklung am Arbeitsmarkt hat sich seit der Frühjahrsprojektion kaum verändert. Insbesondere ging die gesamtwirtschaftliche Erholung im ersten Halbjahr nicht mit einer erhöhten Arbeitskräftenachfrage einher. So lag die Zahl der Erwerbstätigen im zweiten Quartal 2026 um mehr als 200 Tausend Personen unter dem Vorjahresquartal und auch das gesamtwirtschaftliche Stellenangebot gemäß IAB-Stellenbarometer ist abermals leicht gesunken. Der anhaltende Beschäftigungsrückgang im Verarbeitenden Gewerbe führte aufgrund der demografischen Entwicklung zwar nicht zu einem entsprechenden Anstieg der Arbeitslosenzahlen. Doch die Arbeitslosigkeit im konjunkturreagiblen Rechtskreis des Sozialgesetzbuches (SGB) III nahm weiter kontinuierlich zu. Angesichts der zuletzt rückläufigen Zahl der Arbeitslosen im Rechtskreis des SGB II ist die Arbeitslosigkeit insgesamt seit etwa einem Jahr allerdings nur leicht gestiegen. Maßgeblich hierfür waren vor allem sinkende Zugangszahlen, während die Beschäftigungschancen von Arbeitslosen weiterhin gering sind.
Am aktuellen Rand haben sich die Beschäftigungsperspektiven auf niedrigem Niveau stabilisiert. So stieg das ifo Beschäftigungsbarometer zuletzt spürbar an und deutet für die kommenden Monate auf einen weniger dynamischen Stellenabbau im Verarbeitenden Gewerbe hin. Auch die Zahl der bei der Bundesagentur gemeldeten Stellen verbesserte sich zuletzt leicht. Angesichts einer insgesamt nach wie vor geringen Kapazitätsauslastung und struktureller Herausforderungen der Industrie dürfte sich die erwartete konjunkturelle Belebung kaum in einer steigenden Arbeitskräftenachfrage niederschlagen. Zudem dürften auch veränderte Produktions- und Arbeitsprozesse infolge von Automatisierung und Künstlicher Intelligenz im Prognosezeitraum mit einem weniger beschäftigungsintensiven Aufschwung einhergehen.
Die konjunkturelle Belebung dürfte die demografisch bedingte Verringerung der Erwerbstätigkeit im weiteren Prognoseverlauf lediglich abmildern. Nach einem deutlichen Rückgang um etwa 220 Tausend Personen im laufenden Jahr ist zu erwarten, dass die Zahl der Erwerbstätigen auch in den beiden kommenden Jahren um rund 170 bzw. 100 Tausend Personen abnehmen wird. Aufgrund der eingeschränkten Passgenauigkeit zwischen Arbeitskräfteangebot und -nachfrage infolge des strukturellen Wandels dürfte die Arbeitslosigkeit nur zeitverzögert und weniger dynamisch sinken. In diesem Jahr ist mit einem Anstieg um etwa 50 Tausend Personen zu rechnen, im kommenden Jahr dürften die konjunkturelle Erholung und die weitere Integration der bereits zugewanderten Arbeitskräfte zu einem allmählichen Rückgang der Arbeitslosenzahlen führen. Angesichts des statistischen Überhangs wird sich dieser im Jahresdurchschnitt jedoch voraussichtlich noch nicht bemerkbar machen. Erst 2028 dürfte die Arbeitslosigkeit – auch unterstützt durch den demografischen Wandel – spürbar um ca. 80 Tausend Personen sinken. Entsprechend dem langjährigen Trend dürfte die Zahl der Selbständigen weiter leicht abnehmen. Auch bei der marginalen Beschäftigung ist in den kommenden Jahren mit einem weiteren Rückgang zu rechnen, da die Erhöhung der Beitragssätze zur Sozialversicherung für geringfügig Beschäftigte sowie die Abschaffung der beitragsfreien Mitversicherung für Familienangehörige die Attraktivität dieser Beschäftigungsform gegenüber sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung reduziert. Angesichts der zuletzt jährlich über 900 Tausend Altersrenteneintritte und der deutlich geringeren Nettozuwanderung dürfte jedoch auch die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung sinken.
Die Lohnentwicklung verlief bis zuletzt recht dynamisch. Die Effektivlöhne (Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer) nahmen im ersten Halbjahr 2026 mit einem Plus von 4,3 Prozent weiter spürbar zu. Der Anstieg der Tariflöhne hat sich vor dem Hintergrund der bis Jahresbeginn rückläufigen Inflation zuletzt zwar deutlich verlangsamt. Der kräftige Mindestlohnanstieg, sektorale Arbeitskräfteknappheiten sowie Restrukturierungsprogramme in Teilen des Verarbeitenden Gewerbes haben jedoch zu übertariflichen Lohnsteigerungen beigetragen. Im laufenden Jahr dürften die Löhne weiterhin spürbar zunehmen und im Jahresdurchschnitt um etwa vier Prozent höher ausfallen als im Vorjahr. Der energiepreisbedingte Inflationsanstieg scheint in der aktuellen Lohnrunde bislang keine spürbaren Auswirkungen auf die Tariflohnabschlüsse zu haben. Daher wird in den kommenden Jahren von einer Tariflohnsteigerung um jährlich rund drei Prozent ausgegangen. Angesichts des nächsten Mindestlohnanstiegs Anfang 2027 ist auch im kommenden Jahr mit einer leicht positiven Lohndrift zu rechnen. Die Bedeutung von Abfindungen und Boni dürfte im weiteren Prognoseverlauf abnehmen. Zudem dürfte sich die Reform der gesetzlichen Krankenversicherung tendenziell dämpfend auf die Lohnentwicklung im Bereich der Gesundheitsdienstleistungen auswirken. Demgegenüber stehen jedoch zunehmende Arbeitskräfteengpässe infolge des deutlich rückläufigen Erwerbspersonenpotenzials. Insgesamt dürfte sich der Zuwachs bei den Effektivlöhnen im Prognosezeitraum daher verlangsamen, jedoch weiterhin spürbar oberhalb der Inflationsentwicklung liegen. In den Jahren 2027 und 2028 wird demzufolge ein Anstieg der Effektivlöhne um etwa 3,4 bzw. 3,1 Prozent erwartet.
Unter Berücksichtigung der bereits beschlossenen steuerlichen Maßnahmen (Ausgleich der kalten Progression, Einführung der Aktivrente, Anhebung des Grund- und Kinderfreibetrags) steigen die Nettolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer um 3,8 Prozent im laufenden Jahr sowie 3,0 Prozent und 2,3 Prozent in den beiden Folgejahren. Die zuletzt deutlichen Reallohnsteigerungen haben angesichts erhöhter Energiepreise und anhaltender Arbeitsplatzunsicherheit im ersten Halbjahr 2026 nicht zu einer spürbaren Ausweitung des realen Konsums geführt. Die gedämpfte Kauflaune spiegelt sich auch in den Umfragedaten wider. Sowohl das HDE-Konsumbarometer als auch das GfK-Konsumklima trübten sich im Oktober wieder deutlich ein. Die Ergebnisse weisen zudem auf eine erhöhte Sparneigung hin.
Die privaten Haushalte befinden sich in einem schwierigen Spannungsfeld. Einerseits können sie trotz der gestiegenen Verbraucherpreise noch leichte Reallohnzuwächse realisieren. Andererseits dämpfen die Unsicherheit am Arbeitsmarkt und die steigenden Preise vor allem für Energieträger, auf die Verbraucherinnen und Verbraucher nur in begrenztem Maß verzichten können, die Konsumlaune. Vor diesem Hintergrund ist von einer verhaltenen Entwicklung der preisbereinigten Konsumausgaben auszugehen. Legte der private Verbrauch 2025 real noch um 1,3 Prozent zu, ist in diesem Jahr nur mit einem preisbereinigten Zuwachs von 0,3 Prozent zu rechnen. Für die beiden kommenden Jahre erwartet die Bundesregierung eine ähnlich verhaltene Steigerung um jeweils 0,5 Prozent. Dabei wird ausgehend vom Niveau von 2025 für den Prognosezeitraum von einer stabilen Sparquote von rund zehn Prozent ausgegangen.
Der staatliche Verbrauch hat die binnenwirtschaftliche Entwicklung im bisherigen Jahresverlauf gestützt. Zum Teil liegen diese Ausgabensteigerungen in der Dynamik der sozialen Sachleistungen begründet. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um demografisch bedingte Mehrausgaben im Gesundheits- und Pflegebereich. Daneben legten die staatlichen Konsumausgaben auch aufgrund des Beschäftigungsaufbaus in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Verwaltung zu. Im laufenden Jahr dürfte der Staatskonsum nach Einschätzung der Bundesregierung mit einem preisbereinigten Plus von 2,6 Prozent einen nochmal höheren Beitrag zum BIP-Wachstum leisten als 2025 (+1,7 Prozent). Zwar dürften Konsolidierungsmaßnahmen im Gesundheitswesen den Anstieg der sozialen Sachleistungen bremsen. Für ein stärkeres Wachstum des staatlichen Verbrauchs sorgen 2026 aber die jüngsten Tarifabschlüsse, die zu einem Anstieg der Arbeitnehmerentgelte der Beschäftigten des öffentlichen Dienstes beitrugen. Vor dem Hintergrund der allgemeinen Haushaltskonsolidierung wird sich das Wachstum des staatlichen Konsums im Prognosezeitraum preisbereinigt jedoch voraussichtlich etwas abschwächen. Mit Blick auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung bleibt dieser allerdings noch leicht expansiv. Die Bundesregierung erwartet in den Jahren 2027 und 2028 geringere Steigerungsraten des staatlichen Konsums von 1,2 Prozent bzw. 0,8 Prozent.
Produktionslücke, Produktionspotenzial und mittlere Frist
Das Produktionspotenzial wird von der Bundesregierung in Übereinstimmung mit der gemeinsamen EU-Methode geschätzt und beschreibt die wirtschaftliche Aktivität einer Volkswirtschaft bei Normalauslastung der Produktionsfaktoren (konjunkturbereinigte bzw. strukturelle, trendmäßige Wirtschaftsleistung, sog. „Normallage“). Das Wachstum des Produktionspotenzials fällt im Zuge der aufwärtskorrigierten gesamtwirtschaftlichen Lage und Aussichten etwas stärker aus als in der Frühjahrsprojektion geschätzt und beläuft sich im Projektionszeitraum bis 2031 durchschnittlich auf gut +½ Prozent. Dabei tragen die verschiedenen Schocks und strukturelle Umbrüche zu einer erhöhten Unsicherheit über die weitere Entwicklung bei. Infolge der zwischenzeitlichen Revision der statistischen Datengrundlagen fällt die Entwicklung der Trendproduktivität, auch für zurückliegende Jahre, dynamischer aus als bisher geschätzt. Dem entgegen wirken Abwärtskorrekturen beim Wachstumsbeitrag des Faktors Arbeit, der die strukturellen Wachstumsperspektiven nun deutlicher dämpft als bisher erwartet. Hierzu tragen auch die weiterhin starken Rückgänge bei den Nettozuwanderungen bei, wodurch sich die demografische Entwicklung in den kommenden Jahren nochmals verstärkt und beschleunigt auf die strukturelle Wachstumsdynamik durchschlagen dürfte. Die weitere Entwicklung des Wanderungssaldos und damit auch des Erwerbspersonenpotenzials ist mit Unsicherheit behaftet und es bestehen weiterhin Abwärtsrisiken.
Die gesamtwirtschaftliche Produktionslücke liegt aktuell im deutlich negativen Bereich. In den Jahren bis 2028 vermindert sie sich im Zuge der konjunkturellen Belebung, die in der Kurzfristprojektion unterstellt wird, schrittweise auf rund -0,9 Prozent und liegt damit auch am Ende der kurzen Frist noch unterhalb des Korridors der Normalauslastung (hier definiert als ±½ Prozentpunkt um null). Bis zum Ende des Projektionszeitraums schließt sich die Lücke annahmegemäß.
Chancen und Risiken
Die in der Herbstprojektion dargelegte Entwicklung basiert wie üblich auf technischen Annahmen und stellt die aus Sicht der Bundesregierung zum Projektionszeitpunkt wahrscheinlichste Entwicklung der deutschen Wirtschaft in den kommenden Jahren dar. Die Annahmen und Einschätzungen unterliegen weiterhin höheren Ungewissheiten als normalerweise üblich.
Unsicherheiten gehen vor allem von den geopolitischen Rahmenbedingungen aus. Eine nachhaltige Beilegung des Konflikts im Nahen Osten zwischen den USA und dem Iran wäre eine wichtige Voraussetzung für eine Normalisierung der Handelsströme und Produktionskapazitäten in der Region. Eine länger andauernde Beeinträchtigung der Straße von Hormus und eine fortgesetzte Beschädigung der dortigen Raffinerie- und Transportkapazitäten könnten dagegen zu weiteren Lieferunterbrechungen sowie zu nochmals höheren, länger anhaltenden Energie- und Rohstoffpreissteigerungen führen. Im Zuge gestiegener Produktionskosten von Unternehmen und von Kaufkraftverlusten der privaten Haushalte könnte die Dynamik in wichtigen Wachstumsregionen, insbesondere in Asien, spürbar gedämpft werden und die bislang robuste Entwicklung der Weltwirtschaft belasten. Sollte der damit verbundene Anstieg der Verbraucherpreise höher ausfallen als erwartet, könnte dies eine restriktivere Geldpolitik zur Folge haben. Eine stärkere oder länger anhaltende Straffung der Geldpolitik würde die Finanzierungsbedingungen weiter straffen, die globale Handels-, Konsum- und Investitionsdynamik zusätzlich dämpfen und möglicherweise zu einer Neubewertung von Vermögenswerten führen.
Risiken bestehen zudem im Falle einer abrupten Korrektur der Wachstums- und Gewinnperspektiven auf den Finanzmärkten, etwa aufgrund einer Neubewertung der erwarteten Erträge aus Investitionen in Künstliche Intelligenz. Eine solche Entwicklung könnte über negative Vertrauens- und Vermögenseffekte sowie über restriktivere Finanzierungsbedingungen die globale Investitions- und Nachfragedynamik beeinträchtigen.
Für die Binnenwirtschaft ergeben sich insbesondere Risiken für die private Konsum- und Investitionsentwicklung. Höhere Energie-, Rohstoff- und Lebensmittelpreise würden die Produktionskosten von Unternehmen und die real verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte stärker belasten als angenommen. Damit könnte die erwartete Erholung geringer ausfallen als hier dargestellt.
Chancen für eine günstigere Entwicklung ergeben sich insbesondere aus einer möglichen Entspannung der geo- und handelspolitischen Konflikte. Eine geringere Unsicherheit bzw. größere Planungssicherheit könnten die Stimmung von Unternehmen und privaten Haushalten aufhellen und den privaten Verbrauch und die Investitionstätigkeit stützen. Eine Entspannung an den Energie- und Rohstoffmärkten würde zudem die Produktionskosten reduzieren und die Kaufkraft der privaten Haushalte stärken. Sollte sich die Inflationsentwicklung günstiger darstellen als angenommen, könnten weniger restriktive geldpolitische Reaktionen der Zentralbanken die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen und private Haushalte verbessern und die Investitions- und Konsumnachfrage stützen.
Auch von den angekündigten Reformmaßnahmen der Bundesregierung könnten kurzfristig positive Impulse über eine Erwartungs- und Vertrauensstärkung ausgehen. Die geplante Entlastung kleinerer und mittlerer Einkommen sowie von Familien, eine nachhaltige Finanzierung der Rentenversicherung, die Aufhebung unnötiger Berichtspflichten und die Flexibilisierung von Beschäftigungsmöglichkeiten dürften zu einer Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen führen – sie könnten die Konsumneigung der privaten Haushalte stärken und die Planungs- und Investitionssicherheit der Unternehmen erhöhen.
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Referat IC1 – Beobachtung, Analyse und Projektion der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung